Menschliche Feindbilder

Der Teufel und die Bösen, der Russe, Juden, Nazis, Viren, der eigene Körper oder Querdenker und andere alltäglichen BegleiterInnen – Menschen, die Zwietracht säen und andere bekämpfen wollen, lassen sich immer wieder Neue einfallen

Es ist tatsächlich eine verquerte Welt, in der wir aktuell leben …
Aber Querdenken und dabei gedankliche Verstrickungen auflösen bzw. Zusammenhänge klarer sehen erfordert viel Zeit und Geistesarbeit.
Die haben vielbeschäftigte, moderne Menschen gar nicht, wenn sie sich um wichtigere Dinge kümmern müssen.

Kein Wunder also, dass „Querdenker“ zum neuesten Schimpfwort auserkoren wurde – damit niemand übereifrig damit anfängt nachzudenken: frei, also auch quer, selbst zu denken.
So wie auch niemand offen zugeben würde, dass er oder sie selbst nicht nur Gutes tut; Moralapostel für Gesandte des Teufels hält; Putin (oder auch Trump) weniger kriegstreibenden Ehrgeiz zumutet als Merkel oder Biden; die größten BetrügerInnen und VerbrecherInnen dieser Erde in den jüdischen Eliten vermutet oder Nazis als Menschen mit einem übertriebenen Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer künstlich geschaffenen Heimat, also verlorenene Seelen betrachtet, die sich genauso leicht von Menschen mit Machtinteressen – mit Angst vor ihrer eigenen Ohnmacht – instrumentalisieren lassen wie Menschen mit übertriebener Angst vor Viren oder Krankheiten und dem Tod.

Es hat seine Gründe, dass ich – seit ich  ich erinnern kann – als Querdenkerin belächelt wurde. Neu ist, dass ich jetzt häufiger das Gefühl habe, dass ich als Gefahrenquelle betrachtet und bekämpft werde.
Ich bleibe optimistisch, dass die – in meinen Augen denkfaulen oder emotional abgestumpften, denn Nachdenken muss Freude bereiten, damit Menschen es tun – GeradeausdenkerInnen irgendwann auch noch die Verbindungslinien erkennen werden, die mit Schubladen (oder Mülltonnen) voll von Gedankengut anderer Menschen zugestellt sind.
Ich glaube nicht, dass alle FeindbilderschafferInnen automatisch MenschenfeindInnen sind; aber ich glaube, dass einige von ihnen so viel Ehrgeiz oder Angst haben, dass sie bereit wären, dafür in Kriege zu ziehen und Menschen zu beseitigen, die ihnen und ihren Zielen entweder im Weg stehen oder Todesangst einflößen.

Manchmal – wenn Zwietracht herrscht – muss man sich, selbst wenn man versucht, unparteiisch zu bleiben, entscheiden, auf welche Seite man sich stellt, vor allem, wenn der Graben dazwischen so tief wird, dass man den Spagat nicht mehr schafft.
Mich tröstet der Gedanke, dass ich auf einer Seite stehe, auf der alle Menschen willkommen sind, ob Ausländer, Nazi oder Querdenker, auf der also allen die Hand gereicht wird; und deshalb fühle ich mich auch auf der sicheren Seite, die Bestand haben und nicht wegbrechen wird – weil ich glaube, dass wir viel mehr sind als ein paar wenige Menschen, die gerne ihr weiteres Leben lang Masken tragen oder sich jedes halbe Jahr mit etwas impfen lassen möchten, vor dessen unvorhersehbaren Nebenwirkungen sie vielleicht wirklich Angst haben sollten.

 

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Dank für das Foto gebührt Marc-Olivier Jodoin (auf Unsplash)!

 

Vom Altern

Man ist so jung, wie man sich fühlt.“ heißt es – auch wenn man in den Augen anderer ganz schön alt aussieht.
Bei einem Teil der Menschen passt Inneres und Äußeres gut zusammen, bei anderen klaffen Abgründe dazwischen, in die eine oder andere Richtung.
Für mich hat Alter relativ wenig mit der Anzahl der Falten, grauen Haare oder dem Kleidungsstil zu tun: Kindsköpfe lassen sich auch von einem schicken Damenkleid oder Herrenanzug nicht verbergen, genausowenig, wie man dadurch erwachsen oder alt und weise wird, dass man sich angemessen, „dem eigenen Alter entsprechend“ kleidet oder verhält. Die Anzahl der Lebensjahre sind für mich nur ein Hinweis darauf, wie viel Lebenserfahrung ein Mensch in seinem Leben schon gesammelt haben könnte; das Aussehen; die körperliche Ausstrahlung dazu, gibt mir Anhaltspunkte, wie schwer oder leicht diese Erfahrungen genommen wurden.

Unter unseren aktuellen Lebensbedingungen – Zivilisationsstress, vergiftete Umwelt, zerstörte und aus ihrem gesunden Gleichgewicht gebrachte Natur – hat die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen – vermutlich einmal mehr, weil wir es im Laufe der Evolution auch wiederholt geschafft haben, unsere Lebensbedingungen zu verbessern – ihren Zenit überschritten. Wir Menschen neigen dazu auszureizen, was wir ausreizen können – so lange bis uns unsere Natur die Grenzen aufzeigt, die sie uns setzt, damit wir uns nicht zu weit von ihr und ihren Regeln entfernen.
Menschliche Körper sind im Grunde – weil sich all unsere Zellen und Organe immer wieder erneuern können, wenn sie gut versorgt und entgiftet und weder über- noch unterbeansprucht werden – potentiell unsterblich; aber wenn sie nicht sorgfältig behandelt werden, also sicher gestellt wird, dass sie jeden Tag das bekommen, was sie brauchen, und loslassen können, was sie nicht brauchen, hungern sie mit der Zeit entweder aus oder brechen unter ihrer eigenen Last zusammen.
Manche brennen auch frühzeitig aus, andere sterben einen Erstickungstod oder an Dehydrierung.
Die Menschen, die in ihnen stecken, wären alle in der Lage, die Zeichen zu lesen.
Sie alle könnten heute wissen, warum sie altern und dabei schwerfällig oder schwach und krank werden.
Nur wahrhaben wollen es die wenigsten.
Entweder ignorieren sie alle Zeichen ihres Körpers oder die Ursachen, die dahinterstecken – weil viele andere sich auch damit zufrieden geben, „das Alter“ als Entschuldigung dafür heranziehen, dass sie sich selbst gehen lassen, dass sie faul geworden sind oder in ihrem Leben so manches übertrieben haben.
Daran glauben, dass sie es vor allem selbst – kein Gott oder Schicksalsgöttinnen – in der Hand haben, wie sie altern und wann oder woran sie einmal sterben werden, können oder wollen die wenigsten Menschen (vielleicht weil sie von Religionen oder ReligionsführerInnen seit jeher mehr überzeugt werden als von wissenschaftlichen Daten, von denen sie sich erst selbst überzeugen müssten?).

Ich weiß nicht, ob es tatsächlich Anzeichen für ein „biologisches Alter“ gibt, die für alle Menschen – auch unter den unterschiedlichsten Lebensbedingungen – gleich sind (ich bezweifle es!); aber ich glaube, ich kann sehen, wenn Menschen versuchen, mit einer hübschen Maskerade oder ihrer Kleidung ihr wahres Alter zu verbergen. Früher oder später zeigt sich immer, ob etwas faul ist unter der glänzenden Oberfläche.
Nur nebenbei: Die Angst, dabei ertappt zu werden, ist psychischer, wenn auch unterschwelliger, Dauerstress, der Alterserscheinungen begünstigt.
Und: Ist es sinnvoll, sich und den eigenen Lebensstil an einer Altersgruppe zu orientieren, die sich ärztlich untersuchen lassen muss, um zu wissen, wie gesund oder krank sie ist, und die psychotherapeutische Begleitung braucht, um zu wissen, was sie machen soll, wenn sie unglücklich ist?
Ich beschäftige mich lieber weiterhin selbst mit meinen Alterungserscheinungen – dazu brauche ich keinen Termin, weil ich sie bei jedem kleinen Anzeichen hinterfragen kann, und ich weiß, dass sie mich nur dann belügen, wenn ich versuche, mich selbst zu belügen.
Aber da ich glaube, dass Lebenslügen im Alter nur krank und unglücklich oder verbittert machen, versuche ich mir die möglichst zu ersparen.

Ich weiß, dass wir – wenn wir wirklich ewig jung und glücklich bleiben wollten – uns ewig wie kleine Kinder aufführen dürfen müssten: neugierig alles immer wieder hinterfragen, mutig und ausdauernd immer wieder versuchen, was noch nicht zu unserer (nicht aller) Zufriedenheit funktioniert, unseren Körper und Geist bzw. deren Fähigkeiten spielerisch trainieren, Streitigkeiten schnell wieder vergessen, Mitgefühl – wenn uns etwas verletzt – nicht nur mit uns, sondern auch mit allen anderen Lebewesen haben, von denen wir wissen, dass sie fühlen können wie wir; und nicht aus Angst lügen, sondern aus tiefem Vertrauen oder schlechtem Gewissen die Wahrheit sagen.
Ich weiß aber auch, dass es Menschen gibt, die das nicht erlauben wollen – weil Kinder sich sehr schlecht regieren lassen, solange sie noch nicht ordentlich erzogen sind; weil Kinder kein Geld in eine Altersvorsorge oder Versicherungen einzahlen würden; weil Kinder sich zu viel Zeit nehmen, um schwerwiegende Entscheidungen zu treffen; weil Kinder selbst noch am Besten wissen, was gut oder schlecht für sie ist, was sie brauchen oder nicht brauchen, weil es sich gut oder schlecht anfühlt; weil glückliche Kinder (wie glückliche Erwachsene) gar nicht erwachsen werden und altern wollen, solange ihnen nichts fehlt, was sie erst tun können, wenn sie älter oder erwachsener sind.

P.s.: Der Gedanken, das Altern im Zuge einer Weiterentwicklung der Menschen aufhalten zu wollen, ist für mich absurd. Wenn wir es verlangsamen woll(t)en, müss(t)en wir einfach ein bisschen langsamer, nicht träger, leben, uns mehr Zeit für uns selbst – nicht nur zum Schlafen, Reisen oder Erholen, für Sport, Familie oder Freunde etc. – nehmen, mehr nicht.

 

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Dank für das Foto gebührt Corina Rainer (auf Unsplash)!

Gute Fragen und schlechte Fragen

Wenn Du ehrliche Antworten statt Ausreden und Lügen erwartest …

„Warum hast Du das getan. obwohl Du im Prinzip wusstest oder hättest wissen können, dass das, was Du tust, nicht gut (für Dich/für mich/für andere) ist?“ zwingt Menschen, ihre eigene Fehlinformation und mangelnde Bildung oder Kreativität bzw. die Kraft- oder Mutlosigkeit, ihre Ideen umzusetzen. zuzugeben.
„Warum hast Du das denn alles mitgemacht, obwohl Du im Prinzip wusstest, dass das, was Du tust, nicht gut (für Dich/für mich/für andere) ist?“ zwingt Menschen, zuzugeben, dass sie Angst davor haben, alleine dazustehen, wenn sie etwas nicht mitmachen.
Je nachdem, auf welche Menschen Du triffst, welche Schwächen sie gerne zugeben und welche nicht, wirst Du also hinterher wissen, warum es Wichtigeres im Leben des oder der Befragten gab als sich zu informieren oder die Zeit zu nehmen, selbst kreativ zu werden oder sich Hilfe und Mut (bei Gleichgesinnten) zu suchen, sich also mit anderen zusammenzutun, die auch wussten, dass das, was sie tun oder getan haben, nicht gut für sie selbst oder andere ist.
Manche Antworten auf unsere gestellten Fragen werden wir nie aus dem Mund anderer hören – aber wir können uns viele meistens, wenn wir Empathie trainieren, also uns in andere Menschen hineinversetzen lernen, irgendwann selbst erklären. Dazu braucht es keine hellseherischen Fähigkeiten, sondern den Einsatz unserer Feinsinne; und etwas Zeit (zum Üben).

Besonders Zeitfragen brauchen Zeit, bis sie beantwortet werden.
In unserer immer schnelllebigeren Zeit werden wir aber vermutlich nicht sehr lange Geduld haben und warten müssen, bis es öffentliche Erklärungen dazu geben wird, weshalb ein Pandemie ohne Datengrundlage über ein Jahr lang aufrecht erhalten wurde, weshalb Menschen zur reinen „Vorsicht“, ohne dass wissenschaftliche Studien ihren Sinn und Zweck bestätigen konnten, Alltagsmasken tragen, sich medizinischen Tests unterziehen und den Gefahren neuer Impfstoffe aussetzen mussten.
Allerdings werden sich dann – weil unsere Gegenwart mehr von der Vergangenheit beeinflusst ist als moderne, modebewusste, Menschen, die mit der Zeit gehen und nicht in der Vergangenheit leben wollen, wahrhaben – vermutlich viele Menschen noch wundern, welch gute Ausreden bzw. Schuldige sich Menschen für Ereignisse, die vor 80 Jahren stattgefunden haben, haben einfallen und verbreiten lassen, bis alle sie geglaubt haben: mit ihren gekauften Medien, inklusive derjenigen, die für den Inhalt von Schulbüchern verantwortlich sind, in denen nur ihre Version der Geschichte erzählt wurde.

Lügen haben bekanntlich kurze Beine und in einer unsportlichen Zeit, voll von übergewichtigen Menschen, vermutlich auch keine besonders lange Ausdauer – wenn eine Ausrede auffliegt kann schnell auch ein ganzes Lügengebäude zusammenbrechen, so dass wir irgendwann immer feststellen können, wenn wir einmal keine ehrlichen Antworten bekommen oder vielleicht auch die falschen Fragen – keine weiteren Fragen dazu – gestellt hast.
Überlege Dir also – wenn Du überhaupt ehrliche Antworten statt der Bestätigung dessen, was Du selbst vorher schon vermutest, hören willst – genau, was Du von anderen wissen möchtest und wie sie Deine Fragestellung reagieren.
Und sei Dir bewusst, dass Menschen Zeit zum Überlegen brauchen, wenn sie mit einer Frage überfallen werden, auf die sie (noch) keine Antwort haben, weil sie sich noch keine überlegen konnten – frag‘ also vielleicht einfach später noch einmal nach; dann wirst Du feststellen, ob sie Dir zuliebe darüber nachgedacht haben oder nicht.
Es ist tatsächlich nicht nur Ehrensache, sondern ein Liebesbeweis, wenn Menschen Dir (und sich selbst) ehrlich Rede und Antwort stehen (können oder wollen) – in einer Zeit, in der Menschen zwar in Form von Bildern oder Statements viel von sich über soziale Medien verbreiten, um Antworten, Reaktionen, darauf zu bekommen, sich aber keine kritischen Rück-Fragen dazu stellen lassen wollen.
So weit sind wir als Menschen schon gekommen, ohne dass es den meisten bewusst zu sein scheint.
Die Frage, die mir auf den Lippen brennt, lautet daher: „Wie weit willst Du noch gehen, wie lange mitlaufen oder auf dem Zug bleiben, auf den Du aufgesprungen bist?“
Wenn ich mich umhöre und umschaue, scheinen viele Menschen darauf (immer noch) keine Antwort zu haben.
Große öffentliche Befragungen oder Anhörungen, bei denen ehrliche Antworten gefordert werden, wird es wohl erst geben, wenn es für mehr Menschen aufhört, erträglich zu sein, belogen und betrogen zu werden.

 

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Dank für das Foto gebührt Hello I’m Nik (auf Unsplash)!

Bessere Menschen …

… führen keine Kriege, auch nicht oder vor allem nicht für andere!

Vielleicht teilen viele Menschen meine Meinung nicht; aber: Kriege und Kämpfe haben noch nie ein Frieden geschaffen, nur Opfer und Menschen, die sich irgendwann ergeben.

Menschen, die für eine gute Sache kämpfen bzw. Widerstand leisten, ergeben sich allerdings selten.
Menschen, die denken, sie tun das Richtige, zeigen sich und ihr Gesicht statt es hinter Masken zu verstecken.
Menschen, die noch mitdenken können und ein gutes Gewissen haben (wollen), lassen keine Kinder, die sich nicht selbst wehren, also noch nicht genügend eigene Abwehrkräfte entwickeln konnten, unter Maßnahmen leiden, die deren Gesundheit schädigen und, wenn überhaupt irgendeiner, dann vermutlich nur der Sicherheit alter, vorerkrankter Menschen dienen, die ihre körpereigenen Abwehrkräfte lebenslang geschädigt oder ihre Lebenszeit nicht genutzt haben, sie zu entwickeln.

Aktuell wiederholen sich eindeutig Muster – medial mit Zahlen und Bildern geschürte, völlig übertriebene, also unsinnige Angst vor nicht sichtbaren bzw. nicht vorhandenen, angeblich neuen Lebensgefahren, während über tatsächliche Sicherheitslücken, politisches, menschliches Versagen und Todesursachen nicht (mehr) gesprochen wird -, die schon vor 8o Jahren zu einem sinnlosen Weltkrieg geführt haben.
Vor einer Woche wurde, während sich viele Menschen von Fußballübertragungen haben bespaßen lassen, wurden unsere bürgerlichen Grundrechte ziemlich unbemerkt durch ein sogenanntes Infektionsschutzgesetz weiter eingeschränkt, unsere demokratische Freiheit im Grunde beendet.

Vielleicht hat sich die Menschheit in den letzten Hundert Jahren extrem schnell weiter entwickelt … besser geworden ist sie mit Sicherheit kein bisschen.
Ich befürchte eher das Gegenteil.
Aber gut und böse oder schlecht waren schon immer Ermessensangelegenheiten, bei denen ich selten einer Meinung mit anderen war, die sich die zivilisierte Welt in meinen Augen zu schön, einfach, sicher und bequem, und ein Leben in und mit der Natur zu schlecht, zu beschwerlich und gefährlich, geredet haben.
Wenn ich mir eine bessere Welt vorstelle, kommen darin zumindest keine Großstädte, Strom- und Sendemasten oder andere Zeichen von Elektrotechnik, Computer, Fernseher, … vor.

P.s.: Solange noch Menschen in Regierungen sitzen dürfen, die sich keine besseren Alternativen zum Kriegführen einfallen lassen als militärische Abwehr und Aufrüstung, hat die Menschheit vermutlich keine bessere Welt verdient.

P.p.s.: Ich wünsche allen Menschen ein gutes Wochenende und definitiv auch ein bisschen gute Besserung!

 

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Dank für das Foto gebührt Diego González (auf Unsplash)!

Von der Sinnhaftigkeit menschlicher Pläne und Routinen

Nur weil Menschen sich routiniert verhalten, muss das noch lange nicht gesund sein

Routine hat weniger mit festen Regeln, also regelmäßigen Wiederholungen zu tun, als vermutlich viele Menschen denken. Routine bedeutet Wegerfahrung.

Wegerfahrung kann entweder, wenn es sich immer nur um denselben Weg handelt, vor allem jemand haben, der oder die ihn schon öfters gegangen ist, oder, wenn es darum geht, auch immer wieder neue Hindernisse und notwendige Umwege erfolgreich bestreiten zu können, der oder die gelernt hat, unveränderliche, von einem bestimmten Weg unabhängige, immer wiederkehrende Wegzeichen zu lesen.
Vom Prinzip her immer gleich sind in erster Linie die Zeichen, die den Naturgesetzen unterworfen sind, also ihren Regeln folgen. Alles, was Menschen in ihrem Leben schaffen, bisher erschaffen haben oder noch schaffen werden, sieht vielleicht oft gleich aus, war, ist oder wird vergänglich sein – auch wenn sich das einige IdealistInnen oder IdeologInnen, die sich über die Natur erhaben fühlen, oft nicht eingestehen wollen.

Ich halte mich da eher klein und ehrfürchtig gegenüber den Mächten der Natur und ihrer natürlichen Kreisläufe, denen ich mich lieber unterwerfe als menschengemachten Regeln, Routinen, Normen und ähnlichen, wenn die von mir Regeln, Routinen, normative Verhaltensweisen oder ähnliches verlangen, die gegen meine Biorhythmen und natürlichen Bedürfnisse verstoßen und mir dadurch unsinnig erscheinen.
Ich sehe den Sinn von Routinen, wenn man unter denselben Bedingungen schnell vorwärts kommen möchte; da für mich aber kein Tag wie der andere, jeder Mensch und auch jedes andere Lebewesen einerseits einzigartig, andererseits täglichen Veränderungen unterworfen ist und ich und mein Verhalten und Gefühlsleben davon beeinflusst wird, tue ich mir schwer damit, Routinen, die auf ständiger, gleichförmiger Wiederholung beruhen, zu entwickeln. Mir machen solche Routinen keinen Spaß, sie nehmen mir die Möglichkeit, spontan auf Veränderungen reagieren zu können.
Für eine Biologin wie mich ist Leben ständige Veränderung und ich weiß, wie wichtig es ist, sich an Veränderungen der Umwelt anzupassen, wenn man als Lebewesen überleben will. Ich glaube nicht an Sicherheitsversprechungen, die Sicherheiten in der Zukunft gewähren sollen. Ich gehe lieber mit möglichst offenen Augen und Ohren und möglichst wenig Angst, aber achtsam, durch die Welt, um die Zeichen der Zeit rechtzeitig lesen zu können.
Das ist anstrengend, hält mich aber flexibel.
An mir wird auch schwerlich jemand ein Verbrechen zu einem bestimmten Zeitpunkt planen können.
Ich schaffe es weder, jeden Tag zur selben Zeit aufzustehen, noch frühstücke ich oder mache ich als erstes einen Kaffee.
Feste, streng geregelte Essenszeiten gibt es bei mir nicht. Verabredungen treffe ich am liebsten spontan und schlafen gehe ich, wenn ich müde bin bzw. stehe auch nachts wieder auf und beschäftige mich, wenn ich nicht schlafen kann.
Ich nutze gerne Möglichkeiten oder die Gunst der Stunde, nicht die Vorgaben durch andere oder in meinem Kopf, die mich trotzdem noch oft genug zwingen wollen, etwas so zu tun, wie nur ich es für richtig halte. Das sind aber selten Routinen im positiven Sinne, sondern eher angewöhnte, sogenannte Zwangsstörungen.

Ich weiß nicht, ob ich davon im Verhältnis zu anderen Menschen viele oder wenige habe; jedenfalls mache ich selten etwas so, wie viele andere Menschen es tun würden. Mir ist bewusst, das mich viele deshalb für unkonventionell, schlecht erzogen oder eine Spinnerin halten – das hält mich aber nicht davon ab, weiterhin darauf zu vertrauen, dass es gut so ist, wie ich bin; weil es mich immer dorthin gebracht hat, wo ich sein wollte: unter Menschen oder Tieren oder in der freien Natur, fernab von unnatürlichen und daher in meinen Augen auch ungesunden, gesellschaftlichen Normen und Regeln.
Mit mir zusammen zu leben ist nicht leicht für Menschen, die selbst feste, sich regelmäßig wiederholende Strukturen brauchen, um zu wissen, was sie als nächstes tun sollen.
Aber es ist nicht unmöglich.
Denn Menschen können miteinander reden, Vereinbarungen und Verabredungen treffen.
Mit mir muss man – zumindest erst einmal – viiiiiel reden. Weil ich mich und meine Welt anderen gerne erkläre – ich weiß ja, wie wenig verständlich sie anderen erscheinen kann.
Wer mich kennt, muss bereit sein, sich immer wieder überraschen zu lassen, auch wenn ihm oder ihr viel lieber wäre, wenn ich mich auf die gängigen Anstandsgeschenke beschränken würde.

Weil ich über viele Jahre bzw. mittlerweile Jahrzehnte Menschen in ihren routinierten Verhaltensweisen beobachtet habe, kenne ich viele der Mustertypen, bei denen ich ziemlich schnell merke, worauf ich gefasst sein muss. Mich überraschen Menschen selten, zumindest nicht negativ.
Denn nur, wer mich (noch) nicht kennt und versteht oder nicht mag, mich also damit ärgern will, ignoriert meine – unkonventionellen – Bedürfnisse, die ich genau deshalb bewusst und deutlich äußere, so dass sich eine unangenehme Situation nicht (unnötig oft) wiederholt.
Wer sich selbst nicht kennt, die eigenen Bedürfnisse also – aus Routine – ignoriert, erlebt dagegen definitiv häufiger böse Überraschungen.
Böse Überraschungen gibt es vor allem für Menschen, die sich routiniert an alles halten, was sie selbst für richtig erachten – wenn sie irgendwann feststellen müssen, dass sie wichtige Hinweise, Wegweiser, nicht beachtet haben.

Ich kann nur immer wieder darauf hinweisen: Wiederholungen, statt sinnvoller Routinen, sind in erster Linie dazu da, etwas auswendig zu lernen bzw. anderen einzutrichtern statt verständlich zu machen, also nicht um Spaß am Leben und Lernen zu haben.
In einer Welt, die von anderen regiert wird, würde ich wirklich jedem empfehlen, sich anzugewöhnen, also eine gewisse Routine dafür zu entwickeln, auf Anzeichen zu achten, die böse Überraschungen, also Überraschungen ankündigen, die auf Unüberlegtheit, Unwissen, Schadenfreude oder andere eigennützige Zwecke (die z.B. dazu dienen sollen, andere in Zugzwang zu bringen) hinweisen.
Das Schöne ist, dass es immer wieder dieselben Menschen es in die Politik oder an die Spitze großer und global agierender Unternehmen zu schaffen scheinen: ehrgeizige, idealistische oder ideologische, die in ihrem Leben mehr Zwangsstörungen oder wahnhafte Vorstellungen als gesunde Routinen entwickelt haben, also keine bodenständigen und auch im Angesicht von unerwarteten Hindernissen routinierten.

Ich habe momentan den Eindruck, dass gerade eine Zeit angebrochen ist, in der immer mehr Menschen das innere Gefühl, jetzt etwas anderes als bisher in ihrem Leben tun zu müssen – weil es äußere Umstände dringend erfordern -, nicht mehr unterdrücken können, das sie lange, viel zu lange schon, ignoriert oder fehlgedeutet haben.
Wenn wir nicht nur routiniert, streng nach denselben, immer wiederkehrenden Vorgaben, Verordnungen, Regeln etc. auf Gesellschafts- oder globaler Ebene zu handeln versuchen, machen wir irgendwann vielleicht (wieder) mehr Dinge genau zum richtigen Zeitpunkt, an der richtigen Stelle unseres Weges, wenn wir selbst sie für richtig erachten, also nicht weil irgendeine (auf menschlicher Willkür beruhende) Norm sie uns vorgibt oder zu voreiligen Entscheidungen zwingt.
Dann werden wir hinterher auch nicht oft bereuen müssen, was wir getan haben, sondern sagen können, dass es so, wie es war, genau richtig war, nicht, um einen Terminplan einzuhalten, sondern um am Ende wohlbehalten und zufrieden da anzukommen, wo wir hinwoll(t)en.

 

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Dank für das Foto gebührt Prophsee Journals (auf Unsplash)!

Das Ende der menschlichen Vernunft, also Unsinn, …

… beginnt da, wo menschliches Unwissen oder die Verwechslung von Unvergänglichkeit mit Schönheit oder von Angst mit Mitgefühl und anderen moralisch „guten“ Gefühlen anfängt

Mit Vernunft lässt sich nicht erklären, wer oder was gut, er oder was schlecht, schön, hässlich, freundlich und hilfreich oder unverlässlich oder sogar (lebens-)gefährlich ist.
Von Natur aus gibt es diese Einteilungen nicht – auch wenn uns das Eltern und LehrerInnen oder andere Gelehrte oft einreden wollen, weil sie es selbst nicht besser wissen. Jedes Lebewesen ordnet sich die Welt völlig selbstständig und ganz individuell im Laufe seines Lebens, in den eigenen Augen vernünftig und sinnvoll – mit Hilfe der eigenen Erfahrungen und Informationen, die ihm oder ihr andere vermitteln.

Besonders zivilisierte Menschen, die den Bezug zur Natur und zu sich selbst, ihrer Intuition, verloren haben, trauen heutzutage ihren eigenen Erfahrungen allerdings häufig weniger als den Informationen, die ihnen andere – vor allem andere, die in ihren Augen mehr als sie selbst wissen (müssen) – geben.
Vor allem Menschen, die eine gesellschaftliche oder religiöse Erziehung genossen haben oder anders ihrer Natur entfremdet, also traumatisiert wurden, wissen nicht, welche „Streiche“ ihnen ihr Gehirn spielt, damit die Welt, die sie für die Realität halten, obwohl sie nicht mehr viel mit der Natur zu tun hat, für sie in Ordnung ist oder bleibt:
Mit Vernunft hat es wenig zu tun – genauso wenig wie mit Mitgefühl – sorgfältig darauf zu achten, keinem Blümchen etwas zu Leide zu tun, sich aber – ohne mit der Wimper zu zucken – von Fleisch oder anderen „Produkten“, die anderen fühlenden Wesen weggenommen oder herausgeschnitten wurden, zu ernähren.
Es hat wenig mit der Nutzung des eigenen gesunden Menschenverstandes zu tun, zu denken, Tiere müssten nicht erst selbst einige Zeit gesund gefüttert werden und bräuchten keinen Platz, um dort so zufrieden zu leben, dass sie Menschen noch als gesunde Nahrung dienen können; oder wir Menschen könnten die Natur so friedlich nutzen, dass es dabei keine Opfer gäbe, und jedes Leben – vor anderen Lebewesen oder uns Menschen – schützen, das wir gerne vor dem Tod oder Aussterben retten würden.

Den Menschen, die so denken, fehlen entweder Informationen oder Gehirnverknüpfungen, die zwar vorhanden, aber durch traumatische Gefühlserlebnisse blockiert, entkoppelt sein können.
Es ist schmerzhaft, einzusehen, wie radikal auch Bio-Bauern gegen die Natur vorgehen müssen, wenn sie etwas zum Ernten haben wollen; vor allem, wenn das vorher vertraglich festgelegt wurde.
Es ist grausam, wie radikal – ohne Rücksicht auf Menschen- oder Tierleben oder natürliche Lebensräume – Menschen mit großen Visionen vorgehen, die dafür natürliche Ressourcen, auch wenn sie nur unter Einsatz des eigenen (oder anderen) Lebens zu bekommen sind oder „Versuchsobjekte“ brauchen.
Unser modernes Leben ist eine Qual für die Natur, das wird mir niemand jemals wieder schön reden.
Ich kann nichts Gutes darin erkennen, wenn Menschen einfach so weiter machen wollen wie bisher.
Ich finde es unvernünftig, Menschen retten zu wollen, die – trotz besseren Wissens – ein ungesundes, sich selbst gegenüber rücksichtsloses Leben führen (weil es auch rücksichtslos gegenüber anderen ist, die diese Rettungsversuche unternehmen und dabei auch oft rücksichtslos gegenüber sich selbst handeln).
Ich kann nichts Schönes in Kunst erkennen, die für die Ewigkeit erhalten werden soll – weil sie verhindert, dass andere an ihre Stelle treten kann.
Es hat nichts mit Freundlichkeit (oder Freundschaft, schon gar nicht mit Liebe – aber die beruht ohnehin selten auf vernünftigen Gefühlen) zu tun, Menschen Ratschläge aufzudrängen, die einem selbst geholfen haben, nur denen zu helfen, die auch Gegenleistungen erbringen, oder andere zur Sicherheit von ihrem eigenständigen Leben und seinen alltäglichen Gefahren weg- , also einzusperren.
Es ist nicht hilfreich, Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Augen vor dem zu verschließen, was für sie selbst und unsere Natur gefährlich ist.
Es macht keinen Sinn, Menschen, vor allem Kindern, etwas über das Leben in der Natur verständlich machen zu wollen, wenn man sie sich dazu ins Haus holt; erst recht nicht, wenn diese Menschen glauben, sie würden allergisch auf die Natur reagieren, oder sich nicht einmal vorstellen können, eine Nacht unter freiem Himmel zu verbringen.

Ich selbst quäle mich fast jeden Tag durch Gewissenskonflikte und schieße neue – in meinen Augen vernünftige – Kompromisse in unserem Garten (zum Glück hat mein Liebster mittlerweile anerkannt oder zumindest akzeptiert, dass das, was ich da tue – und was nicht nur wie Kraut und Rüben, sondern auch wie ein Wildwiese mit Gebüsch aussieht – sehr durchdacht und vernünftig ist!):

Für mich wird es nie ein Unkraut geben, das in einem gesunden Ökosystem nicht für irgendetwas, vielleicht als Nahrung für jemanden, der der Mitesser an meinen Pflanzen in ihre Grenzen weist. In der Natur erfüllt jeder kleinste Organismus eine sinnvolle Rolle im Ganzen, das sich mit der Zeit – wenn man ihm die Zeit gibt – sinnvoll und in meinen Augen schön ordnet.
jFür mich ist eine Pflanze kein Un-Kraut, nur weil ich nichts mit ihr anfangen kann, weil ich sie nicht hübsch finde oder nicht zu einem Lebens-, Heil- oder Genussmittel verarbeiten kann.
Für mich ist kein Tier ein Schädling, ein Un-Tier, nur weil es auf den Pflanzen leben oder das mitessen möchte, was ich gerne alleine für mich haben würde.
Für mich sind aber Menschen in gewisser Weise Un-Menschen, die

  • kein Verständnis (mehr) für die Natur haben;
  • sich selbst also nicht mehr als Teil dieser Natur sehen können, sondern
  • sich über sie erhaben fühlen – so erhaben, dass sie sie willkürlich, nach ihrem persönlichen Belieben in Gut und Böse, Schön und Hässlich, Harmlos und Gefährlich, Darf Bleiben und Muss Bekämpft Werden, … einteilen, und
  • sich Homo sapiens nennen, obwohl sie nicht einmal mehr wissen, woher sie kommen und was sie von Natur aus zum Leben brauchen.

Wenn ich mir das aktuelle Weltgeschehen betrachte – ich habe den starken Eindruck, dass vor allem die Menschen, die Widerstand dagegen geleistet haben, einmal stolz auf sich sein können, nicht die, die es angeführt haben – bin ich mir ziemlich sicher, dass nicht nur das Ende menschlicher Vernunft erreicht ist, sondern vielleicht auch eine neue Spezies dabei ist zu entstehen: und zwar kein biotechnologisch verbesserter Trans-Homo sapiens, sondern ein Homo conscius, der bzw. die nicht nur sein oder ihr Gehirn nutzt, um zu wissen, was er oder sie tut, sondern der oder die wirklich weiß, sich also bewusst ist, was er oder sie mit dem eigenen Leben auf dieser Erde anrichtet.
Ich bin deshalb so sicher, weil Menschen, die bewusst leben bzw. Bewusstseins- und Achtsamkeitstraining betreiben, mehr oder weniger schon wissen, dass sie

  • nicht so weiter leben können wie bisher;
  • sich weder auf Politik und Wissenschaft noch auf unsere Medien oder Justiz verlassen dürfen, wenn sie eine Zukunft haben wollen, in der sie ihren eigenen Verstand noch benutzen dürfen;
  • zwar warten müssen, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist, aber bis dahin nicht untätig bleiben und Däumchen drehen müssen (bzw. dürfen, wenn sie auf das vorbereitet sein wollen, was nach dem Ende der Vernunft Neues beginnt), sondern sich Menschen suchen und Netzwerke aufbauen können mit anderen, die auch keine biotechnologisch veränderten, vielleicht sogar eingeimpften, TranshumanistInnen werden wollen.

P.s.: Wer das Foto heute nicht schön findet, mag vielleicht die Geschichte – zur Vergänglichkeit des Pflanzenlebens bzw. zur Entsorgung der Opfer meiner Vernichtungszüge in und zwischen den Gemüsebeeten – dazu, die erklärt, wie „vernünftige Abfalltrennung“ im Garten für mich aussieht: 1. Aussortieren, womit ich den Nachbarhühnern noch eine Freude machen kann (ich bin übrigens noch auf der Suche nach Nachbarkaninchen und anderen Pflanzenfressern, die etwas mit Löwenzahn, Klee oder anderen Wildkräutern etwas anfangen können!); 2. Kompostieren, was dabei helfen kann, die Humusschicht für unser zukünftiges (Wild-)Gemüse, unsere (Wild-)Salate und (Wild-)Kräuter aufzubauen oder die Pflänzchen zu ernähren, die ich zeitweise oder lebenslang in Töpfen wachsen lassen möchte, und 3. Wuchern lassen, was ich oder andere später vielleicht noch gebrauchen können (solange ich drumherum noch genug Platz finde).

Die angeborene Blauäugigkeit der Menschen

Warum es Vor- und Nachteile hat, sich (nicht) bis in die Seele blicken zu lassen

Wir Menschen kommen mit blauen Augen auf die Welt – zumindest, wenn noch keine große Menge Melanin, das nach der Geburt und je nach Vererbung mehr oder weniger schnell unter dem Einfluss von Licht gebildet wird, das bläuliches Durchscheinen einer weiter hinten gelegenen Pigmantschicht überdeckt.
Die Augen sind das Tor zu unserer Seele, heißt es. Ich würde sagen, sie spiegeln uns unser eigenes Bewusstsein, zusammen mit allem Un- oder Unterbewussten. Je blauer die Augen, umso tiefer lassen sie blicken; aber tief blicken (lassen) kann nur, wer sich überhaupt in die Augen schaut (bzw. schauen lässt).
Als Kinder gehen wir noch mit weit offenen Augen, ungeschützt von Melanin oder anderen „Sicherheitseinrichtungen“ unseres Körpers und Geistes, durch die Welt; denen, die uns dabei helfen, zu wachsen, die uns versorgen, bis wir groß genug werden, um unser Leben irgendwann selbstständig führen zu können, vertrauen wir nicht nur blauäugig, sondern oft blind.

Das ist einerseits sinnvoll, denn immerhin haben sie es geschafft, selbst groß und – wie wir glauben – zumindest einigermaßen selbstständig überleben zu können, andererseits müssen wir oft irgendwann mit Erschrecken feststellen, dass das, was uns von klein auf von ihnen beigebracht oder vorgelebt wurde, verletzend, schmerzhaft oder sogar grausam war oder ist, und nur in ihren Augen alternativlos.
Menschen können nur wissen und weitergeben, was sie selbst gelernt und erfahren oder eingesehen haben.

Als Blauäugige erfährt man im Leben wahrscheinlich vor allem entweder Komplimente, Neid oder Spott.
Tiefgründigkeit und ein Seelenleben hat in der modernen, vor allem westlichen Welt eher wenig Platz.

Viele Blauäugige spielen die Erwachsenenspiele also mit:

  • Sie halten sich entweder selbst für doof, stellen ihr eigenes Licht sozusagen unter den Scheffel und resignieren vor der Dunkelheit oder den unzähligen Irrlichtern in der Welt;
  • sie stellen sich gezielt dumm (an) und nutzen menschliche Hilfsbereitschaft aus;
  • oder sie gehen weiter blauäugig durch die Welt, sehen also mehr als Menschen, deren Augen (oder Seelen?) sich von Natur aus oder im Laufe ihrer Entwicklung vor vielen Eindrücken schützen.

Es hat vor und Nachteile, wenn andere nicht wissen, was in einem selbst vor sich geht.

Aber ich habe den Eindruck, immer mehr Menschen entwickeln einen Blick dafür, dass etwas nicht stimmt, vor allem mit den guten Seelen unter den Menschen; dass es immer mehr Seelenlose unter uns zu geben scheint oder zumindest Menschen, deren Handlungen oft gewissen- oder völlig leblos, seelenlos, zu sein scheinen.
Ich bleibe optimistisch, dass immer mehr Menschen nicht nur mehr von der Welt sehen, sondern auch – wieder oder endlich – mehr von den Menschen, vielleicht sogar von den anderen Tieren mit Augen, ob blau oder andersfarbig, wissen wollen und Fragen stellen, während sie ihnen in die Augen schauen.

Wundere Dich nicht, wenn Du darin nicht nur Lebensfreude und Optimismus oder viele schöne Erfahrungen, sondern auch tiefe Trauer oder Wut blitzen siehst.
Meine Augen schützen sich und mich – vielleicht aber auch andere, die hineinschauen wollen – gerade am liebsten mit Tränen.
Aber irgendwelche Selbstschutz- oder -verteidigungsstrategien brauchen eben auch naive, friedliebende Menschen, die gerne mit weit offenen Augen durchs Leben gehen – vor allem, wenn sie dann auch noch ihre Ohren nicht bewusst verschließen wollen -, und die es Leid sind, dafür Worte oder Körperkraft einzusetzen, während sie anderen Menschen weiterhin in die Augen schauen wollen, in denen sie immer mal wieder ziemlich verlorene Seelen erkennen können.
P.s.: Lebendigkeit zeigt sich für mich nicht allein an offenen Augen, einem beweglichen Körper oder einem regen Geist, und solange in leblos wirkenden Augen, Körpern oder Geistern ein Herz schlägt, wohnt darin meiner Meinung nach eine lebendige, manchmal gut versteckte Seele. Ich finde es naiv zu glauben, dass Menschen und alle anderen Lebewesen keine Seele bräuchten, um geboren zu werden, am Leben zu sein oder weiter zu bleiben.

Was mich meine letzte Laufrunde über Lebensziele, unser Sicherheitsbedürfnis, Intuition und Ehrgeiz, Gewöhnung, Durchhaltevermögen und Erfolgserlebnisse gelehrt hat

Kerstins neu gewonnene Lebenserkenntnisse

Mein Trainingszustand – vor allem hinsichtlich meiner Bein-, Po- und Rückenmuskulatur – lässt ziemlich zu wünschen übrig, so dass ich kürzlich mal wieder beschlossen habe, meine Lauf- und Ausdauertrainingsstrategie zu ändern.
Als WissenschaftlerIn bin ich gewohnt, Strategien zu ändern, wenn sie mir nicht mehr sinnvoll erscheinen.
Als WissenschaftlerIn lernt man – wenn das Ergebnis der eigenen Versuche nicht zufriedenstellend ist, Versuchsanordnungen zu überdenken und verschiedene Variablen so anzupassen, dass man bei der nächsten Runde, beim nächsten Versuchsdurchlauf, hoffentlich ein gewünschtes Ergebnis erreicht oder zumindest näher an es herankommt.

Ich habe mir jetzt also eine etwa doppelt so lange, aber abwechslungsreichere, Strecke wie beim letzten Mal vor einigen Wochen ausgesucht, mache mir aber keinen Zeitdruck mehr und setze mir auch nicht das Ziel, durchgängig das gleiche Tempo zu halten oder mir das Walking zu verbieten (das ich ganz ohne Jogging- oder Sprint-Anteile als Ausdauer-Sport ziemlich albern finde – aber lieber Walking als gar keine Bewegung!).
Im Prinzip habe ich mein Lauftraining an meine bisherige Lebensstrategie angepasst: lieber weitere Wege gehen und dafür länger als andere brauchen; lieber da etwas verweilen, wo es schön ist, und da schneller laufen, wo es mir Spaß macht und ich nicht das Gefühl habe, etwas zu verpassen, lieber glücklich und entspannt als nur verschwitzt und k.o. am Ziel ankommen, so dass die anschließende Dehnungs- und Erholungsphase auch mal kürzer ausfallen kann, wenn ich schnell wieder genug Energie habe und andere für mich wichtige Dinge tun möchte.

Während der letzten Laufrunde ist mir bewusst geworden, dass ich schnell aus der Puste komme und meine Beine schlapp machen, wenn ich zu viel denke – die Gehirntätigkeit raubt einfach dem Rest des Körpers Energie.
Wer es also nicht schafft, sich auf die eigene Atmung und die Beintätigkeit oder einfach die Strecke vor sich zu konzentrieren, wird nie in einen Laufmodus kommen können, bei dem der eigene Körper auch läuft, ohne dass man noch darüber nachdenken muss. Laufen kann nur Spaß machen, wenn man sich dabei entweder einläuft, sich ans Laufen gewöhnt, oder – zum Beispiel mit einem Laufpartner oder einer -partnerin – vom Laufen ablenkt, also einen Automatikmodus erreicht.
Laufen macht also vor allem gemeinsam Spaß, wenn man dabei keine ehrgeizigen Ziele verfolgt, oder wenn man alleine so lange ehrgeizig durchhält, bis es Spaß macht.
Es ist keine ehrenwerte Aufgabe – auch nicht im Spaß oder bei Spielen -, andere zu besiegen oder alleine etwas zu erreichen, wenn es einem selbst gar keinen Spaß oder keine Freude bereitet. Geehrt werden wollen nur Menschen, die (sich) nicht sicher fühlen, dass das, was sie getan haben, richtig oder ehrenwert und gut für sie selbst und/oder andere war; allen anderen genügt es, intuitiv oder weil sie sich auch damit auseinandergesetzt und beschäftigt haben, zu wissen, dass sie dabei etwas für sich getan haben, auf das sie stolz sein und für das sie sich auch ohne Pokal oder Medaille geehrt fühlen können.
Menschen, die sich zu sehr daran gewöhnen, von anderen für die eigenen (Lebens-)Leistung geehrt zu werden, oder Menschen, die ihr Leben lang darauf warten bzw. sich immer wieder darum bemühen statt vor allem das zu machen, was ihnen am meisten Spaß macht, für was ihr körpereigenes Glückshormonsystem sie also belohnt, können nur immer wieder Enttäuschungen erfahren.
Such‘ Dir also, wenn Du Enttäuschungen kennst und zukünftig vermeiden möchtest, vor allem zuerst ein neues Ziel – ein eigenes Zuhause oder Menschen, bei denen Du immer wieder gerne ankommen möchtest – an dem Du Dich immer willkommen fühlst, weil Du am Ende immer wieder dort landen wirst. Und dann gewöhn‘ Dir ab, zu geradlinig dorthin kommen zu wollen – wenn es Dein Ziel ist, wird Dich der Weg irgendwann, früher oder auch sehr viel später als erhofft, dorthin (zurück) bringen, wo Du Dich angekommen, also glücklich und zufrieden, fühlen wirst.

Ich wünsche Dir viel Lebens-Freude dabei. Und genug Ausdauer und Geduld oder das Vertrauen, intuitiv das Richtige zu tun. Aber all das können wir nur beim Laufen lernen, nicht vorher oder nachher.
Was Deine Intuition betrifft, wirst Du immer erst hinterher wissen, also am eigenen Leib spüren ob das, worauf Du Dich verlassen hast, auch gut für Dich war.
Dann wünsche ich Dir noch genug Experimentierfreude und (neue) Ideen, um herauszufinden, woran es lag, um Deine Trainingsstrategie für die nächste Runde so anpassen zu können, dass es Dir am Ende besser geht.
Sei nicht enttäuscht, wenn eine Runde nicht so gelaufen ist, wie Du sie Dir vorgestellt hast! Ich bin sicher, Du wirst noch viel Zeit und jede Menge Möglichkeiten haben, eine neue zu beginnen.
Den ersten Schritt musst und kannst Du dabei nur ganz alleine tun.

P.s.: Eigentlich sollten wir nicht den Tag, an dem wir – vielleicht nicht einmal aus eigenen Kräften – auf die Erde gekommen sind, als unseren Ehrentag feiern (wollen), sondern den Tag, an dem wir uns auf unsere Beine gestellt und – vermutlich einfach, weil wir Lust darauf hatten – losgelaufen sind.
Menschen, die Kinder in die Welt gesetzt oder großgezogen haben, können vor allem stolz darauf sein, wenn sie es nicht nur geschafft haben, ihren Nachwuchs auf eigene Beine zu stellen, sondern ihm auch den Mut und das Vertrauen mit auf den Weg gegeben haben, notfalls auch alleine laufen zu können.

 

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Dank für das Foto gebührt Tara Glaser (auf Unsplash)!

Ein großes Dankeschön geht auch an meine Eltern, die Grundlagen dafür geschaffen haben, dass ich mich weder einsam noch geehrt fühle(n muss), wenn ich Ziele alleine erreiche (noch enttäuscht, wenn ich etwas nicht alleine schaffe).

Wir werden alle sterben!

Vom unrealistischen Leben zwischen Weltuntergangsszenarien und Hiobsbotschaften

Unser Leben endet mit dem Tod. Das war schon immer so, und so wird es auch immer bleiben.

Dass wir dem Tod als unserem Schicksal zu einem bestimmten Zeitpunkt hilflos ausgeliefert sind, das halte ich für ein Märchen, das sich bis in die Moderne durchgesetzt hat.

Ich weiß nicht, weshalb es sich so gut verkauft, weshalb es im Prinzip der Bestseller in unserer Menschheitsgeschichte ist. Vermutlich genau deshalb: Weil sich damit leicht Geld verdienen und Macht über andere gewinnen lässt.

Mache jemandem Angst vor dem nahenden Tod und versprich‘ ihm oder ihr ein Heilmittel.
Menschen, die keine Angst vor dem Sterben oder Tod haben, lässt sich notfalls auch Angst vor dem „Leben nach dem Tod“, z.B. in einer ewigen Hölle machen.
Dadurch, dass sie entweder jedem Heilsversprechungen Glauben schenken oder an ihre ewige Verdammnis glauben, machen sich viele Menschen ihr ganzes Leben zur Hölle.

Ich glaube, ich habe die Prinzipien von Leben und Tod verstanden: wer es erst einmal bis ins Leben geschafft hat, stirbt nicht so leicht, wie es oft aussehen mag – vor allem, wenn er oder sie auf sich achtet bzw. andere um sich hat, die vor allem anfangs mithelfen und auf ihn oder sie achten.
Mit genug Mut zum Leben schaffen es auch die Schwächsten; und auch die Stärksten kann es „umhauen“, wenn sie anfänglich alleine ihrem Schicksal überlassen werden oder ihnen später genug Angst, vor allem vor einem einsamen Ende, eingejagt wird. Wenn nicht menschliche Ansprech-, also SozialpartnerInnen, so Hunde oder andere tierische MitbewohnerInnen retten vielen Menschen über viele Jahre täglich wieder das Leben – denn obwohl wir niemanden mitnehmen können, wollen die wenigsten Menschen einsam oder allein sterben.

„Dann doch lieber mit möglichst vielen anderen zusammen untergehen!“ scheint tatsächlich ein Lebensmotto nicht gerade weniger Menschen zu sein.
Mit Vernunft hat es jedenfalls wenig zu tun, Medikamente oder sogar ganz neue Impfstoffe an sich testen zu lassen, wenn man auch „einfach“ ein gesünderes Leben führen könnte … – Aber mit dem Verzicht darauf, weiterhin alles tun und lassen zu dürfen, was (vermeintlich) alle anderen auch tun und lassen dürfen.

Mit Vernunft hat es allerdings auch nichts zu tun, sich Horrorszenarien dazu auszumalen, was neue Impfstoffe im Immunsystem bewirken können, z.B. dass massenweise Menschen Thrombosen entwickeln, aufgrund von Gerinnungshemmungen verbluten oder der nächsten Erkältungswelle zum Opfer fallen werden. Vor allem medizinisch ausgebildete WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen neigen – wie andere Menschen, die ihr Geld damit verdienen (wollen), Leben zu retten – dazu, Lebensgefahren zu übertreiben (im Gegensatz zu Menschen, die mit gesundheitsschädlichen Produkten und Dienstleistungen ihren Lebensunterhalt bestreiten und dazu neigen, Lebensgefahren herunterzuspielen).

Als Biologin, die sich auch mit den Themen Tod und Sterben beschäftigt, weil sie zum Leben gehören, würde ich behaupten : So leicht stirbt es sich nicht, wenn man sich nicht vom eigenen Leben(sstil) umbringen lässt, versehentlich jemandem zum Opfer fällt oder nicht verhindert, dass vor der eigenen Tür ein Krieg stattfindet (der auch an einem ganz anderen Ort begonnen haben kann). Die sicherste Strategie für ein langes und gesundes Über-Leben, bevor mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jede/r von uns sterben wird, ist eine möglichst schadstoff- oder giftfreie, entspannte und friedliche.

Auch wenn ich persönlich – neben vielen Lebensmitteln, die andere für gesund halten – Medikamente generell als „giftig“ bezeichne, macht wie bei allem erst die Dosis das Gift:
Wer also feststellt, dass es eine übereilte Entscheidung war, sich aus Angst vor dem Erstickungstod durch Coronaviren, mit denen Menschen seit jeher sterben (ich bezweifle stark, dass irgendjemand je daran gestoben ist!) der Gefahr einer ungehemmten viralen Spikebildung im eigenen Blutkreislauf auszusetzen, tut gut daran, sich jetzt viel zu bewegen, viel Wasser oder natürliche Flüssigkeiten zu trinken und sich möglichst fett- und proteinarm zu ernähren. Zusätzlich macht Sinn, sich dabei keinen Stress zu machen und von der Vorstellung, daran sterben zu können, Angst einflößen zu lassen. So können die eigenen „Lebenssäfte“ und -energie weiter möglichst ungehindert fließen. Erst wenn diese Quelle versiegt, ist das eigene Leben tatsächlich zu Ende, ganz unabhängig davon, an welche Weltuntergangsszenarien oder Hiobsbotschaften und andere möglichen Todesursachen alle andere dann gerade glauben.

P.s.: Geteiltes Leid mag ja halbes Leid sein – aber nur wenn auch tatsächlich alle unter derselben Situation gleich leiden. (Dass z.B. PolitikerInnen von Existenzängsten geplagt werden, wenn sie verordnen dürfen, was zur Rettung ihres Landes getan werden muss, kann ich mir kaum vorstellen – genauso wenig wie alle anderen, die Geld damit verdienen, dass sie mithelfen, politische Maßnahmen umzusetzen.) Dann tröstet mich mein Glaube daran, dass wir alle einmal dafür zur Verantwortung gezogen werden, was wir in unserem Leben getan haben. Ob das ein naiver Glaube ist oder nicht, das weiß ich nicht. Für mich liegt der alleinige Sinn darin, dass er mich beruhigt anstatt mir Angst zu machen.

 

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Dank für das Foto gebührt Yaopey Yong (auf Unsplash)!

Gewissenlose Experimente an Lebewesen

Oder: Die Folgen kindlich-naiver Gedankenlosigkeit bei Pflanzen-, Tier- (oder Menschen-)Versuchen

Als WissenschaftlerIn will man etwas erforschen, will verstehen, warum etwas wie funktioniert und wie man darauf Einfluss nehmen kann.

Im Grunde sind WissenschaftlerInnen große Kinder, die ihr Leben lang die Welt und das Leben erkunden und anderen von ihren Studienergebnissen berichten wollen. Leben könnte davon niemand, wenn er oder sie dafür nicht bezahlt werden würde.
Leben wollen würde vom Gros der biologischer Forschungsrichtungen niemand, dem Respekt vor dem Leben und allen Lebewesen beigebracht worden wäre.

Ich selbst, die ihre Kindheit und Jugend damit verbringen durfte – also „nur“ belächelt wurde bei ihren Versuchen – immer wieder Tieren das Leben retten zu wollen, so dass ich es mir nie abgewöhnt habe, aus Angst, dafür ausgelacht oder von anderen aufgrund meiner Macke ausgegrenzt zu werden – habe schon früh während meines Biologie-Studiums festgestellt, dass die biologische Forschung mir zu weit geht, wenn sie Tiere und Pflanzen als reine Versuchsobjekte missbraucht. Ich bin deshalb zur Freilandbiologin und Beobachterin, vor allem von Pflanzen und ihren Bestäubern in freier Wildbahn, bzw. zu einer Analystin geworden, die „nur“ Pflanzen, die selbst kein langes Leben haben, weil sie nach ihrer Fruchtreife sterben – also vor allem Ein- oder Zweijährige – in ihre Einzelteile zerlegt oder nur mit Teilen von Pflanzen, die wieder nachwachsen können, arbeitet bzw. experimentiert hat.

Mir fällt es heute immer noch schwer, in die Natur einzugreifen und vielleicht etwas zu zerstören, was sich nicht so schnell wieder regenerieren kann.
Wenn ich Wildkräuter, die schon beginnen, mir im Garten über den Kopf zu wachsen, zurückdrängen will, damit Platz für meine Gemüsepflanzen und Salate bleibt, gehe ich nur schrittweise, nie radikal vor, um auch ihnen noch so viel Raum wie möglich zu lassen.
Als wir kürzlich unsere Rose zurückgeschnitten haben (weil ich unter den wilden, rosafarbenen Trieben die einst gelben gesucht habe), habe ich Zweige mit Blüten und Knospen in Vasen untergebracht, damit die Bienen sie noch so lange wie möglich besuchen können.
Menschen, die nicht wissen, wer alles von dem lebt, was die Natur hervorbringt, die Nahrungsketten und Zusammenhänge nicht kennen, können mich vermutlich nicht verstehen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich unnötig viel Natur zerstöre, „nur“ weil ich etwas so haben will, dass es mir gefällt (denn die Welt könnte anders aussehen, wenn wir Menschen die Schönheit wilder Natur mehr schätzen und sie nicht lieber so „schön bequem, zugänglich und geordnet“ haben wollen würden) – oder mir besonders gut schmeckt (denn satt werden könnte ich auch von Wildkräutern).
Ich habe nie angefangen, mein Gewissen für Geld zu verkaufen – denn das hätte ich tun müssen, um in der modernen Welt als Wissenschaftlerin Karriere zu machen oder überhaupt für andere arbeiten zu können.
Den wenigsten Menschen ist bewusst, wie grausam die moderne Biologie ist, also die Lebens-, nicht die Naturwissenschaft, die sich mit toter Materie beschäftigt; den wenigsten ist wahrscheinlich bewusst, was Bio-Technologie bedeutet bzw. wie lebensfremd und -feindlich sie ist.
Solange also ExpertInnen als unsere HeldInnen gefeiert werden, die Bio-Technologie nutzen, um die Menschheit voranzubringen, so lange Menschen daran glauben wollen, dass dieser Weg alternativlos ist, rechne ich persönlich nicht damit, dass unsere Natur geschützt oder unsere Welt besser, die Menschen gesünder oder das Leben schöner wird.
Ich mache es mir derweil so schön wie möglich – in so viel Natur, zwischen so viel Wildpflanzen und -tieren, und unter so viel Menschen, die die Natur wirklich lieben und versuchen, sie zu schützen, wie mir dabei bleiben.

P.s.: Das Verbrechen an der Rose habe ich nicht alleine begangen, aber in Auftrag gegeben, dass ich sie hinterher an einen Stützpfahl anbinden „musste“ (um ihre selbstständige Suche nach einem Halt zu unterbinden, der mir zukünftig im Weg sein könnte), den sie vorher nicht gebraucht hat, um alleine aufrecht zu stehen bzw. zu wachsen. Für das Foto bin aber nur ich selbst verantwortlich.