Achtung vor ungezogenen, inneren Schweinehunden und -hündinnen – vor allem kreativen, die nicht erkannt werden möchten oder unter großem Druck stehen!

Von animalischen – bewusst aus Trotz oder unbewusst aus Langeweile, Übermut oder Selbstmitleid handelnden – Triebtätern und Triebtäterinnen, die sich für etwas, was sie getan haben, schämen, aber denken, ein Dackelblick oder beschwichtigende, unterwürfige Worte und Gesten würden als ehrliche Entschuldigung genügen bzw. könnten dazu beitragen, sich zuküftig nicht mehr oder wenigstens weniger schämen zu müssen

Ohne es zu einer absoluten Wahrheit erheben zu wollen – denn es kann sich täglich oder sogar von einer Sekunde zur anderen ändern – würde ich behaupten, es gibt zwei Typen von Menschen:

  • die einen lassen sich besonders leicht von dem, was sie außerhalb ihres Körpers wahrnehmen, hinters Licht führen (weil sie ihr natürliches Urvertrauen in sich selbst und ihre Umwelt behalten bzw. entwickeln konnten, sich viel mit sich selbst (nicht nur mit ihren eigenen Schwächen, sondern auch Stärken) beschäftigt und nicht besonders viel darüber gelernt haben, wie vor allem ehrgeizige Menschen sich gegenseitig täuschen und betrügen, um an ihre Ziele zu kommen, also gutgläubig sind;
  • die anderen täuschen sich eher in sich selbst – weil sie aufgrund enttäuschender Lebenserfahrungen in erster Linie das skeptisch betrachten, was um sie herum geschieht (wer – vermeintlich – stärker als sie selbst ist und wer schwächer) und wenig davon wissen, was in ihnen aufgrund ihrer Natur, also dem, was sich anatomisch und physiologisch, neurologisch, immunologisch, genetisch und psychologisch erklären lässt.

Beide Typen können ähnlich freundlich (achtsam im Umgang mit anderen Menschen) oder selbstbewusst (also im vollen Bewusstsein, dessen, was sie tun) erscheinen – je nachdem, welche Ausdrucksmöglichkeiten und Unterhaltungsformen sie für sich und ihre (übertriebenen oder kaum vorhandenen) Bedürfnisse entdeckt haben.
Was sie tatsächlich in ihrem Inneren dazu antreibt – nämlich entweder die Sehnsucht oder Suche nach

  • Verbindungen bzw. Verbündeten im Außen, die bereit sind, mit Menschen zu leben, die nur – weil sie sich nie intensiv oder nur mit Teilgebieten ihrer individuellen Biologie auseinandergesetzt haben – glauben, sich gut zu kennen statt zu wissen, warum sie sich gar nicht selbst genügen, oder nach
  • Möglichkeiten, sich selbst als Individuum zu verwirklichen und dabei möglichst unabhängig von anderen zu bleiben,

offenbart sich anderen und häufig auch erst dann ihnen selbst, wenn Konfliktsituationen – zwischen dem, was sie selbst brauchen oder möchten, und dem, was andere von ihnen erwarten – entstehen.

Wer Energie(n) kennt, also schon am eigenen Leib erfahren hat, was aus dem eigenen Inneren heraus – z.B. als Idee, als Angst oder vielleicht völlige (Gefühls-)Verwirrung – entstehen kann, wenn Menschen entweder alleine sind oder anderen begegnen, kann leicht nachvollziehen, wie schwer es manchmal fällt, darüber die Kontrolle zu behalten: über übersteigerte oder völlig fehlende Antriebskräfte bzw. Gedanken an die Folgen des eigenen Handelns oder auch Nicht-Tuns.

Es macht – wenn man ein soziales Wesen sein und bleiben möchte – wenig Sinn, entweder immer nur sich selbst oder die inneren natürlichen Triebtäter und Triebtäterinnen in anderen zur Vernunft rufen und dabei selbst völlig gelassen bleiben bzw. sich in die Rolle eines – erwachseneren, über sich selbst bzw. vor allem andere erhabenen – Erziehungsberechtigten zu begeben. Nur kleine Kinder und lernwillige Schüler und Schülerinnen – die keine andere Wahl(möglichkeit) haben bzw. für sich sehen oder bereits kennen – lassen Standpauken widerstandslos über sich ergehen lassen und fügen sich in die Rolle des oder der „Dümmeren“, „Unfähigeren“ oder sogar „Schuldigen“.
Wer nicht das Glück hat, irgendwann selbst so erwachsen werden zu können, um zu erkennen, dass er oder sie etwas gar nicht anders wissen bzw. tun konnte, weil er oder sie selbst sich vorher noch gar nicht damit auseinandergesetzt hatte bzw. niemand so nett und ehrlich gewesen war zu erklären, dass auch Selbstbeherrschung ihre Grenzen hat, auch wenn sie sich mit viel Geduld mit sich selbst und anderen erlernen und in jeder Situation – routiniert – anwenden lässt: wenn nämlich das eigene innere Selbst und damit auch der eigene Körper darunter leidet oder andere dabei zu Schaden kommen.

Es hat immer einen „guten“ – völlig natürlichen bzw. auf eigenen Lebenserfahrungen und dem daraus entstehenden (fehlenden) inneren „(An-)Trieb“ beruhenden – Grund, wenn sich jemand mal völlig „daneben benimmt„. Deshalb ist es

  • keine gute Strategie, den zu ignorieren, ihm also nicht auf den Grund zu gehen,
  • keine sinnvolle Maßnahme, den- oder diejenige, der oder die ihn hat, dafür zu bestrafen, ohne nachzufragen bzw. zu klären, ob er oder sie denn bereits eine alternative Verhaltensweise kennt (um die eigenen Triebe nicht unterdrücken zu müssen) – über die sich andere weniger aufregen oder mokieren können, und auch
  • keine Lösung, sich hinterher – wenn ein Schaden bereits angerichtet wurde – selbst oder gemeinsam darüber hinweg zu trösten, dass man nicht vorausschauender gewesen ist und alles vermieden oder beseitigt hat, was dazu in Versuchung führen könnte, „unerwünschte“ (Lebens-)Energie heraufzubeschwören, die immer irgendwo schlummert oder sogar (hyper-)aktiv ist.

Von einem „ich hätte es besser wissen müssen“ oder „ich hätte mir dafür mehr Zeit nehmen sollen“ bis zu einem „ich mache es jetzt besser“, ist es ein langer Übungsweg, für den nicht in erster Linie Kraft, also keineswegs Gewalt und auch keine Schnelligkeit erforderlich ist – sondern in erster Linie Beweglichkeit, Ausdauer und das Wissen, dass viele Pausen und manchmal auch Rückschritte oder – wenn man ihn gemeinsam mit anderen gehen möchte – sogar Wegänderungen oder komplette Neuplanungen notwendig sind, wenn niemand die (Lebens-)Freude daran verlieren soll, mit der eigenen (Lebens-)Energie – im Zusammenspiel mit der anderer – umzugehen. Nicht alle Menschen mögen die gleichen Spiele oder Spielregeln bzw. haben je etwas anderes als den Ernst des Lebens kennengelernt. Sie vergnügen sich vor allem, wenn sie „frei haben„, sich unbeobachtet oder unter Gleichgesinnten – in ihrer „Spaßgesellschaft“ – fühlen, also – vermeintlich – wegen ihres Verhaltens kein schlechtes Gewissen gegenüber anderen haben „müssen“.

Ich persönlich ertrage „schuldbewusste“ Blicke von Menschen, die sich ihrer Intelligenz und ihres gesunden Menschenverstandes rühmen, äußerst schlecht – wenn ihnen ein Licht aufgeht: dass sie ihren inneren Schweinehund für alle sichtbar nach außen gekehrt und sich wie ein echter Schweinehund verhalten haben. Allerdings gewöhne ich mir langsam dieselbe Geduld mit ihnen an, die ich „echten“ Hunden entgegenbringen würde – weil wir eben alle auch „nur“ Menschen, also Wesen sind, die von der bzw. ihrer Natur beherrscht werden. Statt sie zu ignorieren (und ihr unsere Kulturen bzw. technologischen Entwicklungen überzoordnen) bzw. sich oder anderen mit Gewalt weiterhin all ihre „schlechten, animalischen Seiten“ abgewöhnen – aberziehen – zu wollen, könnten Menschen sie – denn wissenschaftlich erforscht sind sie zur Genüge – endlich einmal voll akzeptieren, gesellschaftlich darüber aufzuklären und einen verständnisvolleren Umgang mit ihr, das heißt uns selbst und all unseren Mitlebewesen – Arten und Un– oder Abarten – auf diesem Planeten zu üben.

 

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Dank für das Foto gebührt Dominika Roseclay (auf pexels.com)!

Die Jagd nach Trophäen und Erfolgserlebnissen bzw. nach dem „heiligen Gral“ mit dem „Lebenselixier“, das dem eigenen Leben einen Sinn geben soll

Wie aus friedliebenden Menschen mit einer angeborenen Hemmung, anderen auch nur ein Haar zu krümmen (sobald die dabei Schmerzen äußern würden), skrupellose, ehrgeizige Jäger oder auch Sammlerinnen werden können, die sich selbst oder anderen Mut beweisen bzw. Beweisstücke dafür behalten „müssen“

Kein einzelner Mensch wäre meiner Meinung nach jemals auf die Idee gekommen, sich „nur“ zum Zeitvertreib, ohne bereits ein festes Ziel bzw. Erfolgserlebnis vor (den inneren) Augen zu haben, auf eine anstrengende, (zeit- und energie- oder trainings-)aufwendige Jagd oder Sammelreise zu begeben. Um uns überhaupt zu bewegen, also aktiv zu werden, brauchen wir Menschen einen Grund bzw. eine Anregung (unserer Nerven), d.h. einen – über– oder unterschwelligen, bewussten oder unbewussten, Impuls, der uns entweder auf eine Idee oder aus der Ruhe bringt, weil ein Erfolgsorgan von diesem (Sinnes-)Reiz „angesprochen“ wird bzw. wurde. Die ersten Trophäen- bzw. Beutejäger und -sammlerinnen müssen also entweder mit etwas überreizt, vielleicht von anderen dazu herausgefordert worden sein oder sich selbst etwas davon versprochen haben, etwas in ihren Besitz bringen, umarmen bzw. mit ihren eigenen Händen (z)erlegen oder zu etwas anderem weiterverarbeiten bzw. nutzen zu können.

Menschen fühlen sich – als von Natur aus soziale Wesen – sowohl nicht gerne alleine als auch unfähig, einen – irgendeinen – Beitrag dazu leisten zu können, dass es auch allen anderen Menschen in ihrer Gemeinschaft gut geht, sich also alle miteinander wohl fühlen. Es gibt allerdings Menschen, die erzielen in ihrem Leben bereits von frühester Kindheit an automatisch, ohne dass sie sich besondere Mühe geben müssen, immer wieder „Glückstreffer„, die sie selbst mit Stolz erfüllen bzw. ihnen das Gefühl vermitteln, damit auch andere glücklich(er) oder zumindest fröhlich machen zu können, dass sie mühelosintuitiv – zur richtigen Zeit am richtigen Ort Ziele anvisieren und verfolgen oder zuschlagen bzw. „einfach“ – aufs Geratewohl – darauf losschießen. Weniger glückliche Menschen sind – aus welchen Gründen auch immer – weniger zufrieden mit dem, was sie auf relativ einfache Weise erreichen können, ohne danach jagen zu müssen, – einfach indem sie viel unterwegs sind, Augen und Ohren offen halten und auf Möglichkeiten warten, die sich ihnen bieten.

Ich persönlich glaube nicht, dass irgendein (Lebe-)Wesen von Natur aus hart um sein Leben kämpfen oder dafür trainieren muss, ohne dass es auch Lust darauf hat und Freude dabei empfindet oder wenigstens einen Sinn darin erkennt. Ich sehe aber, dass viele Menschen Vorbildern folgen, die ihnen gar nicht genug Zeit lassen, immer wieder auch in sich zu gehen, um die eigenen Gelüste bzw. dahinter steckenden (Verlust-)Ängste zu entdecken, den inneren (Jagd-)Trieb also zu hinterfragen.
Nicht alles, was sich von der Stelle bewegen kann und erst mühsam eingefangen oder anders dingfest gemacht werden muss, damit wir etwas davon haben, ist – auch wenn es unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht – überhaupt „etwas Besonderes“, also gut oder sinnvoll bzw. notwendig für uns.

Wer sich ein erfolg- bzw. ereignisreiche(re)s Leben wünscht, könnte beginnen, sich darauf zu besinnen, dass es bereits ein täglicher Erfolg ist, in einer der Schwerkraft (oder des Schwermuts) und anderen Naturgesetzen unterworfenen Welt

  • Lebensgefahren zu meistern, also weder zu unvorsichtig noch zu rücksichtslos zu sein oder zu wenig um sich schauend vorzugehen, um das eigene Leben dabei nicht unnötig zu riskieren;
  • mit empfindsamen Wesen ohne eine gemeinsame bzw. völlig identische, (Körper-)Sprache oder (Antriebs-)Kraft dazu zu kommunizieren oder Gemeinschaften zu bilden, ohne dabei anderen Schmerzen und Leid zuzufügen;
  • die eigene Bewegungsfaulheit zu überwinden, also in Gang zu kommen, wenn es notwendig ist;
  • sich selbst immer wieder zu bremsen, wenn man Widerstände überwunden hat und so sehr in Fahrt gekommen ist, dass es (lebens-)gefährlich wird.

Ein stärkeres Bewusstsein für Ereignisse im eigenen Leben gewinnen Menschen leicht, wenn sie etwas weniger mit der Zeit gehen oder sich einfach (von anderen) treiben lassen und sich stattdessen konzentrierter, fokussierter, also (an)gespannt(er) mit der eigenen Vergangenheit, dem Moment oder den eigenen (Lebens-)zielen beschäftigen: was sie alles verpasst, versäumt oder noch nicht getan haben, obwohl es ihnen nicht einmal besonders schwer gefallen wäre, weil sie mit „Wichtigerem“, vielleicht der Sammlung von Erinnerungsstücken, beschäftigt waren – in der Hoffnung, sie mit anderen teilen zu können.

Ich habe in meinem Leben schon viele abenteuerliche (Jagd- oder Sammel-)Geschichten gehört, von Menschen, die sich auf die Lauer gelegt oder auf die Pirsch, also eine Beobachtungstour bzw. Suche begeben haben, bis das Objekt ihrer Begierde bzw. (Sehn-)Sucht in ihr Visier gerückt ist. Oft würde ich mir wünschen, dass Menschen beim Erzählen auch alles auffallen würde, was mir dazu in den Sinn kommt … Allerdings befürchte ich, die meisten hat noch niemand auf die Idee gebracht, dass sie von Natur aus gar nicht dazu geboren wurden, nach Trophäen jagen oder aufregende Abenteuer sammeln zu müssen. Für intelligente, kreative Wesen gibt es vielseitige – gewaltfreie und unblutige, friedliche, entspannende – Alternativen, wenn sie ihr (Lebens-)Glück bzw. den Sinn in ihrem Leben finden möchten. Der erste Schritt ist wahrscheinlich die (Selbst-)Erkenntnis, dass es sowohl unsere innere Einstellung (zum Leben und zur Jagd nach Trophäen oder zur Suche nach möglichst vielen abenteuerlichen Erlebnissen) als auch unsere Erziehung bzw. unser Glaube ist, der bzw. die uns häufig davon abbringt, uns damit abzufinden, dass es vielleicht „nur“ unsere (Lebens-)Aufgabe ist, (Lebens-)Erfahrungen um ihrer selbst – ihrer Vergänglichkeit – willen zu sammeln. Wir können versuchen, sie symbolisch – in Form von Trophäen – aufzubewahren, um die „schönen“, lehr- oder erfolgreichen Momente nie zu vergessen, die – vermeintlich – so eng mit ihnen verbunden sind, dass wir sie sogar mit anderen dadurch teilen können, dass wir sie ihnen einfach nur zeigen.
Stattdessen könnte heute allerdings allen Menschen klar sein, dass andere Menschen nur nach- bzw. mitfühlen können, was sie bereits selbst – zumindest in ähnlicher Form – erlebt haben und was für sie gleichzeitig denselben Stellenwert besitzt.

Für mich als Verhaltensökologin steht in Zeiten einer globalen, ökologischen Krise und knapper Ressourcen an allererster Stelle, Energie zu sparen und alle bereits verfügbaren Materialien kräfteschonend zu mobilisieren, das heißt, sie vielfältig – so dass viele Menschen etwas davon haben – zu nutzen. Allen Menschen, denen das Vertrauen fehlt, dass sie – wenn es wirklich (überlebens-)wichtig für sie sein sollte – sich an alles erinnern werden, was sie in ihrem Leben einmal erreicht haben, würde ich empfehlen, sich einmal genauer zu überlegen, wie (lebens-)notwendig und nachhaltig die eigenen, früheren, persönlichen (Jagd-)Erfolgserlebnisse eigentlich waren bzw. welche Rolle sie heute noch – vor allem im Leben anderer – spielen.

Genauso wenig wie jeder Tag – ohne dass wir bewusst unsere eigene kreative, also schöpferische Vorstellungskraft dazu gebrauchen, die fehlende Teile ergänzen kann – ein ganz besonderes Erfolgserlebnis mit sich bringen kann, kann ein einziges Symbol oder Sinnbild einen unbeschreiblich schönen oder den schönsten Moment im eigenen Leben ganz einfach darstellen. So leicht macht es uns das Leben nicht – vor allem, wenn wir uns beim (Nach-)Jagen von Träumen, die bereits viele andere vor uns verfolgt haben oder noch weiter verfolgen, selbst darin verfangen, das zu glauben, statt dafür zu sorgen, dass wir immer auch Menschen in unserer Nähe haben, die wir liebevoll anschauen, berühren und in den Arm nehmen können, ohne dass sie dabei wie zu einer (Sieges-)Säule erstarren oder sich womöglich sogar dagegen sträuben.

 

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Dank für das Foto gebühr Nataliya Voitkevich (auf pexels.com)!

Denkst Du „nur“, Du weißt, was Liebe ist, weil Du sie schon selbst gefühlt oder erfahren hast, oder praktizierst Du sie auch noch?

Wenn Menschen auf Gegenseitigkeit beruhende Zuneigung mit einseitigem (Be-)Nutzen, Bewunderung oder gemeinsamem (Mit-)Leid, geteilten Schmerzen bzw. Missbrauch (der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten bzw. Kraft oder Macht über andere) verwechseln

Liebe macht blind – für die „Fehler“ oder Schwächen anderer Menschen, also das, was man an ihnen nicht besonders mag, weil man es nicht als sehr schön, vielleicht sogar lächerlich oder abstoßend findet. Sie kann Menschen umso blinder machen, je mehr sie sich danach sehnen, von anderen geliebt zu werden bzw. je mehr andere ihnen das Gefühl geben, verrückt nach ihnen zu sein.

Im Liebestaumel tun Menschen Dinge, über die sie hinterher – selbst wenn andere einmal davon erfahren sollten – entweder herzhaft lachen können, weil sie sich selbst nicht dafür schämen, oder die ihnen selbst so unverständlich oder sogar pervers, abstoßend erscheinen, dass sie sie auch mit niemandem teilen wollen, von dem sie nicht sicher wissen, dass er oder sie sie – aus Unkenntnis von Alternativen, um die eigenen Bedürfnisse auszuleben bzw. zu befriedigen – genau so praktiziert.

Es ist nicht nur angenehm, zu fühlen, dass man zum eigenen Glück andere Menschen braucht oder sich gerne – mit lustvoller Freude – von ihnen benutzen lässt, solange sie auch Spaß daran zu haben scheinen. Es fängt aber an, zum seelischen oder körperlichen Missbrauch zu werden, wenn man sich selbst oder anderen nicht die Chance gibt, darüber nachzudenken, was man eigentlich sich selbst oder anderen antut bzw. bisher schon angetan hat oder in Zukunft tun möchte.

Um etwas wirklich „Gemeinsames“, nicht nur Geheimnisse oder einseitige Erwartungen, unausgesprochene Träume oder ungeklärte Hoffnungen (weil sie verschwinden, sobald man sie versteht, also weiß, warum es sie gibt), zu haben, von denen sonst besser niemand erfahren sollte, braucht es offene, ehrliche Kommunikation: Eine gegenseitige Aufklärung darüber, was man sich tatsächlich gegenseitig sagen, ins Ohr hauchen oder an den Kopf werfen oder „antun“, also wie man sich anfassen oder angehen darf, ohne dass sich jemand jedes Mal wieder unangenehm berührt davon fühlt oder sogar noch lange hinterher unter Schmerzen leidet.

Kein Mensch, vor allem keine lebensunerfahrenen Kinder können wissen, was erfüllende Liebe ist – nur weil sie fühlen können, was es bedeutet, andere Menschen zu lieben (ohne zu erwarten, dass die bereit sind, ihnen Liebe zurück zu geben) oder von anderen geliebt zu werden (ohne dass sie sie auf die gleiche Weise verrückt nach ihnen wären)-

Ohne dass beides – Geben und Nehmen – entweder im selben Augenblick zusammenkommt oder in einem gesunden Ausgleich bleibt, wird jede Liebe mit der Zeit vergehen: entweder zu anstrengend oder zur Gewohnheit, also so uninteressant-langweilig werden, dass Menschen aufhören, nach ihr zu suchen bzw. sich noch gegenseitig dazu in Versuchung führen zu wollen.

Dass es körperlich stärkeren oder geistig überlegenen, älteren oder zumindest lebenserfahreneren, (einfluss-)reicheren Menschen tatsächlich immer wieder gelingt, jüngere oder schwächere dazu verführen können, sie zu lieben, ohne dass sie dabei (Zeit-)Druck ausüben oder ihnen mehr bieten können als ihren Körper oder Geist und vielleicht eine jung gebliebene Seele, das glaube ich persönlich nicht.
Aber wer weiß – vielleicht fällt die Liebe ja doch völlig zufällig vom Himmel, ohne dass – wie ich glaube – natürliche, erdgebundene, körperliche Anziehungskräfte zwischen gleichstarken, aber unterschiedlich gepolten Menschen wirken müssen, damit Menschen (wie alle anderen Lebewesen) dauerhaft bereit sind, ihre Individualität aufzugeben und sich mit einer anderen Seele in einem anderen Körper zu verbinden?

 

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Dank für das Foto gebührt Disha Sheta (auf pexels.com)!

 

(Keine) Langeweile im Bett?

Wenn Menschen unterschiedlich viel Lust haben, sich anderen zu Liebe zu etwas aufraffen zu müssen, was sie freiwillig nicht tun würden (also sich vielleicht vor ihnen zum Affen zu machen und dafür zu schämen?) oder es nicht albern finden, sich gegenseitig dazu animieren zu müssen

Das Leben macht nicht nur Spaß, also Lust darauf. Weder wenn man es völlig frei – ohne Verbindlich- oder Abhängigkeiten von anderen – lebt, also tun und lassen kann, was man möchte, noch wenn man jederzeit Gesellschaft hat, mit der man gemeinsam Spaß haben könnte – weil Menschen dazu in der Lage sind, sich gegenseitig zum Lachen oder zumindest müden Lächeln zu bringen.

Das eigene Bett ist für viele Menschen nicht nur ein Ort zum Schlafen, sondern gleichzeitig ihr liebster Rückzugsort von den Anstrengungen des Alltags, in dem sie

  • auch stundenlang nachdenklich liegen und in Ruhe grübeln können, ohne ein Auge zu tun zu müssen, oder
  • Erholung und Trost bei sich selbst finden bzw. bei denen suchen, die das Bett mit ihnen teilen.

Für andere kann es der Ort sein, an den sie sich nur zurückziehen, den sie freiwillig nur so lange aufsuchen, bis sie wieder genug Kraft gesammelt haben, um – von einem langen Tag oder auch einer Krankheit erholt, aufgeladen mit neuer Lebensenergie – aufzustehen. Für sie gibt es keinen Grund, alleine schlaflos im Bett zu liegen, weil sie sich dort langweilen (oder auch wissen, dass zu langes Liegen oftmals nicht dazu dient, sich hinterher wacher zu fühlen, sondern eher lebensmüder macht)

Menschen, die auch gemeinsam nicht (mehr) genug Energie aufbringen können, sich gegenseitig dazu zu animieren, im Bett – also schon vor dem Aufstehen oder auch vorsorglich nach dem Hinlegen – aktiv zu werden, neigen selten dazu, länger als notwendig ein gemeinsames Bett zu teilen: um sich gegenseitig nicht bei dem zu stören, was sie gerne – mit Freude – unterschiedlich lange tun.
Denn irgendwann hört auch der Spaß für den oder die Letzte/n daran auf, neben Schlafenden liegen und sie beobachten zu können oder sich in Geduld zu üben, sie behutsam in dem Tempo aufzuwecken, das sie brauchen bzw. sich wünschen, weil es für sie das angenehmste ist.

Mir jedenfalls werden Liegepositionen schnell langweilig, ich muss aufstehen und mich frei bewegen können, um immer wieder etwas Neues zu finden, womit ich mich abwechslungsreich beschäftigen kann. Deshalb sehe ich – ohne dass mir jemand verspricht, dass es mir dann bestimmt nicht langweilig wird, weil es auch dort genug geben wird, was mir Spaß machen könnte – keinen Grund, länger als notwendig, d.h. länger als ich als Erholungsschlaf brauche, in einem Bett zu verbringen.

Das ist vermutlich auch gut so – für alle, die sich dort erholen wollen. Denn erholsam ist es für Menschen, die (noch) gar nicht zu irgendetwas animiert werden wollen, um schneller wach(er) zu werden, nie, Zeit in der Gesellschaft anderer verbringen zu müssen, die mehr (Lebens-)Energie bzw. Lust auf ein möglichst (nicht unnötig) aktives, abwechlungsreiches Leben, also Antriebskräfte, haben als sie.

Ich wünsche einen erholsamen Sonntag – allen, die vielleicht sogar noch im Bett liegen, weil sie sich gestern oder sechs Tage lang ununterbrochen so verausgabt haben, dass sie heute „einfach mal ihre Ruhe haben“ wollen. Allen anderen, die bereits gelernt haben, mit ihren Kräften so zu haushalten, dass sie morgens noch energiegeladen aufwachen, wünsche ich heute viel Spaß – bei allem, was sie tun oder auch bleiben lassen wollen! Denn nicht alles, was vielleicht Abwechslung in ein eintöniges Leben bringt, kann auf Dauer allen Beteiligten nachhaltig Freude bereiten: wenn es so viel (Lebens-)Energie frisst, also so kaputt macht, dass es keine regelmäßigen Trainings-, also Gewöhnungseffekte hervorrufen kann, wird niemand freiwillig oft genug Lust darauf haben, es zu praktizieren – und sich stattdessen vielleicht eingestehen müssen, dass er oder sie es damit übertrieben hat (oder als Ausrede einfallen lassen, dass es einfach langweilig geworden ist – weil es ja auch alle anderen so machen, es also auch gar nichts Besonderes ist).

Es mag ein schöner Gedanke sein, andere ganz einfach – vom Bett aus – glücklich machen, ihnen also etwas bieten zu können, was ihre Langeweile vertreibt oder ihr Leben bereichert, weil sie es lieben oder es ihnen das Gefühl vermittelt, geliebt zu werden. Ohne dass die aber bereits dieselben Glücksgefühle gegenüber diesem Ort empfinden, kann die Ernüchterung irgendwann groß sein, wenn man feststellt, dass man selbst immer auch Spaß daran bzw. Lust darauf haben muss, andere zum Lachen oder Lächeln bringen, also dazu verführen zu wollen, auch wenn denen nicht immer gleich zum Lachen oder Lächeln zumute ist. Jede kleinste Mimik kann – je nach aktuellem Gemütszustand bzw. Lust und Laune – „zu viel“ (Überwindungs-)Energie kosten; vor allem, wenn Menschen (noch) nicht wissen, darauf hoffen oder daran glauben können, dass sie hinterher dafür belohnt werden.

 

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Dank für das Foto gebührt Ketut Subiyanto (auf pexels.com)!

Alles richtig (oder wieder mal falsch) gemacht!?

Wie vollautomatisch funktionierst Du – ohne dass Du lange darüber nachdenken, Dein Gewissen einschalten oder Deiner Intuition folgen musst?

Vielleicht gehörst Du auch zu den Menschen, die sich hin und wieder bei – meiner Meinung nach – absolutistisch anmutenden Gedanken oder Äußerungen wie

  • „Perfekt gemacht!“
  • „Alles bestens!“
  • „Bei mir läuft gar nichts mehr.“
  • „Nie bekomme ich das, was ich mir wünschen würde.“

ertappen?
Ich frage mich – wenn ich solche Sätze (auch in meinem Kopf oder aus meinem Mund) höre – häufig, in welcher Realität Menschen leben, die sich einreden (müssen), dass es nicht immer noch besser bzw. auch viel schlimmer sein könnte.

Natürlich können bzw. sollten Menschen – wenn sie glücklich und zufrieden (mit sich selbst und ihrer inneren Einstellung) leben möchten – in der Lage sein, sich mit dem „völlig zufrieden“ zu geben, was im Bereich ihrer Möglichkeiten liegt und sich für „die beste“ Alternative“, die ihnen darin bleibt (auch wenn sie in keiner eine wirklich gute sehen), entscheiden.
Sobald für einige aber immer alles nur gut oder immer alles nur schlecht ist und sie nicht mehr in der Lage sind zu relativieren, unterstelle ich ihnen eine krankhafte, nämlich einseitige, Euphorie oder depressive (Ver-)Stimmung.
Im „Normalfall“, das heißt, wenn sich Menschen in einem gesunden Gleichgewichtszustand (ihrer Hormone und anderen Neurotransmitter) befinden, wechseln emotionale Hochs und Tiefs von Natur aus in regelmäßigen, zyklischen Abständen ab – weil sowohl unser Körper als auch unser Geist aufgrund von Gewöhnungseffekten (die zu Langeweile bzw. Ermüdung führen) nicht dazu in der Lage sind, immer auf der Höhe zu sein.

Sich nie Regenerationszeiten von den eigenen Denk- oder Handlungsweisen zu nehmen, indem man zur Abwechslung bewusst eine neue Perspektive einnimmt, eine konträre Haltung vertritt, in eine andere Rolle schlüpft und somit etwas für sich selbst Außergewöhnliches macht (ohne sich dabei albern vorzukommen und dafür zu schämen), kann dazu führen, dass Menschen in einem Modus (operandi) steckenbleiben.

Das Leben ist mehr als

  • zu lernen, wie man bestmöglich – womöglich auf Knöpfchendruck durch andere – funktioniert, um bis zu seinem Ende durchzuhalten;
  • denken zu müssen, es gäbe aus jeder (ausweglos erscheinenden) Situation, in die uns unser Leben bringt nur einen – besten – Ausweg, den man – wenn man nicht darin gefangen bleiben möchte – nehmen muss;
  • sich immer auf das verlassen zu können, was einem als Erstes in den Sinn kommt, bzw. auf die innere Stimme, die am Lautesten schreit.

Alles richtig machen kann man meiner Meinung nach nur, wenn man dem eigenen Herzen aus freien Stücken – ohne dass man eine Belohnung dafür erwartet oder sich sonst etwas von einem herzerwärmend verlockenden Angebot verspricht – folgt.
Ziemlich viel falsch machen können Menschen, die nur schön klingenden Worten oder anderen vertrauen, die sie nie näher persönlich kennengelernt haben.
Und Menschen, die glauben, dass der eigene Bauch – schon bevor er nach etwas verlangt oder während seine Gelüste befriedigt werden – zwischen richtig und falsch unterscheiden kann, die trauen ihrem „Bauchgehirn“ in meinen Augen etwas zu viel Verstand zu. Denn was nur für den Gaumen ein Genuss ist oder kurzzeitig ein wohliges Gefühl hinterlässt, mag in einem Moment und solange man nicht darüber nachdenken muss, worauf man aus welchem Grund Lust hat oder was man gerade (mangels Alternativen oder trotz vieler anderer Möglichkeiten) zu sich genommen hat, als die einzig vernünftige – richtige – Entscheidung erscheinen.

Ob sie es war, zeigt sich immer erst hinterher – weil wir Menschen sind, die sowohl Fehler machen müssen, um daraus zu lernen, als sich auch immer anders entscheiden könn(t)en als dafür, das zu denken oder tun, was andere von uns erwarten.
Nur das Selbstbewusstsein oder –vertrauen scheint vielen zu fehlen. Vielleicht ist ihnen aber auch „nur“ der Wille dazu – im Angesicht der unzähligen „technologischen Errungenschaften„, die „Unglaubliches“ (weil von Menschenhänden oft kaum oder gar nicht zu Ermöglichendes, also Unmenschliches) zu vollbringen und Menschen mühselige Arbeit abzunehmen scheinen – abhanden gekommen …

P.s.: Für vollautomatisch funktionierende Menschen können andere, die nicht so reagieren, wie sie das erwarten würden, weil sie es für selbstverständlich oder zumindest logisch nachvollziehbar halten, entweder wie hirntote Vollpfosten oder eher volltrunken, also nicht zurechnungsfähig erscheinen. Wer dem echten Leben stärker oder häufiger entrückt ist, um in echten oder – irrtümlich – vermeintlichen Notfallsituationen lebenswichtige Energie zu sparen, mag ich nicht beurteilen. – Dazu hat es mich persönlich schon zu oft überrascht.

 

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Dank für das Foto gebührt Michael Burrows (auf pexels.com)!