Biologie vs. Moralvorstellungen – Wenn Du Deine Natur (nicht) akzeptieren willst und/oder sie (nicht) ausleben darfst

Das soziale Wesen Mensch hat von Natur aus das Bedürfnis, vor anderen Menschen möglichst „gut“ dazustehen, also in einer Gruppe akzeptiert zu werden und wenigstens ein bestimmtes Ansehen oder einen Ruf zu haben, wenn er oder sie sich – so wie er oder sie ist – nicht wertgeschätzt fühlt.
In Gesellschaften allerdings, die nach strengen Vorgaben funktionieren müssen (oder in den Augen von Menschen, die denken, dass sonst gar nichts funktionieren würde, sollen), wenn es um das Überleben ihrer Kultur, nicht der einzelnen Menschen geht, müssen individuelle Bedürfnisse im Sinne der Gruppe außen vor bleiben.
Kein Mensch käme von Natur aus auf die Idee, sich für Menschen, die er oder sie nicht einmal kennt, geschweige denn liebt, selbst zu schaden oder aufzuopfern – es sei denn, er oder sie wird dafür belohnt. Also „mussten“ – von Menschen, deren Überleben – aus welchen Gründen auch immer – davon abhängig war, dass sie von einer gesellschaftlichen Gruppe, in der sie wenige oder gar niemanden persönlich kannten, versorgt und am Leben gehalten wurde, die Möglichkeiten und die Moral dazu geschaffen werden, ihnen ihr gutes Leben zu ermöglichen.

Soziale Tiere, die von Natur aus in Gemeinschaften leben, sind – wenn sie daraus vertrieben werden – häufig zum Dahinsiechen in den Tod verurteilt, so dass sich die meistens freiwillig den Regeln unterwerfen, die nicht nur von den Durchsetzungsstärksten gemacht werden, damit es ihnen selbst möglichst gut dabei geht, sondern um auch allen anderen ein sorgloseres Leben zu ermöglichen.
Menschen dagegen sind von Natur aus – weil sie nicht nur ein sehr kreatives Gehirn haben, sondern auch die körperlichen Voraussetzungen mitbringen oder sich (technologische) Hilfsmittel bauen können, kreative Ideen umzusetzen – sowohl viel ausdauernder, auch alleine zu überleben, als auch gieriger, wenn es darum geht im Ansehen zu steigen, also von anderen nicht nur respektiert, sondern bewundert zu werden. Je nachdem, ob jemand selbst schon krank und hilfsbedürftig geboren wurde oder so unbewusst und unachtsam gelebt hat, dass er oder sie krank oder pflegebedürftig geworden ist, unterscheidet sich – auch von Mensch zu Mensch – das Bedürfnis, einfach nur so akzeptiert zu werden, wie man ist, oder eine gesellschaftliche, lokale oder sogar globale, Galionsfigut werden zu wollen.

Ich habe den Eindruck, all unsere sogenannten Eliten, Regierungen, Staatsreligionen, Geheimdienste und -bünde, die angeblich dafür sorgen, dass die Menschen ein „gutes Leben“ führen – indem sie die Ideale und Idole schaffen, an deren Vorbild sich alle anderen orientieren sollen, sind Gemeinschaften von vor allem kranken, liebes- und pflegebedürftigen Menschen, die Angst haben (müssen), dass sie ohne die Unterstützung anderer Menschen sterben oder zumindest ihre Verbindungen untergehen könnten (die sie vielleicht nur ins Leben gerufen haben, um Menschen dazu zu bringen, für ihr Überleben zu sorgen).
Nur so kann ich mir auch unsere aktuelle globale Situation erklären: Dass einerseits in den letzten Jahrzehnten immer mehr Menschen verstanden haben, dass es für sie gar keinen Sinn macht, sich an gesellschaftliche Regeln, Gesetze oder Moralvorstellungen, die andere vorgeben, zu halten – weil sie damit nämlich selbst gar kein gutes Leben führen können, sondern auf Dauer krank davon und folglich hilfs- oder sogar dauerhaft pflegebedürftig werden.; und dass andererseits der Druck von oben dann natürlich erhöht werden muss, damit die Werte erhalten bleiben, die im Sinne derer erhalten bleiben müssen, deren Fortbestehen gefährdet ist, wenn sie aus der Welt geschafft werden.

  • Wer würde Kinder zu Vernunft, Benehmen und Gehorsam außerhalb des Elternhauses erziehen oder sie den ganzen Tag sinnvoll beschäftigen, wenn nicht Schulen oder andere Lern- und (Aus-)Bildungsstätten?
  • Wer würde Menschen beibringen, wie sie denken können oder sollen; wie man theoretische Probleme (er-)findet und sie praktisch so gut wie nie selbstständig lösen kann, wenn nicht Universitäten?
  • Wer würde Menschen zu ArbeiterInnen ausbilden, die gebraucht werden, wenn es keine staatlich geförderten Ausbildungsplätze gäbe?
  • Wer würde schlechtbezahlte Jobs ausführen, die niemand machen möchte, weil sie nicht einmal Sinn ergeben, wenn es keine Arbeitsagentur gäbe?
  • Wer würde für die Gesundheit der Menschen sorgen, wenn nicht ein Gesundheitssystem?
  • Wer würde sich um die – aufgrund von schlechter Aufklärung – vielen ungewollten Kinder, „Unfälle“, kümmern, wenn es keine Abtreibungen gäbe?
  • Wer würde dafür sorgen, dass Menschen möglichst lange arbeits- oder zumindest zahlungsfähig bleiben, also auch unbegründet ihrer Arbeit fernbleiben dürfen, wenn nicht ÄrztInnen?
  • Wer würde sich um alte oder kranke, hilfs- und pflegebedürftige Menschen kümmern, wenn es keine Heime für sie gäbe?
  • Wer würde Menschen für Notlagen vorbereiten und kampfbereit halten, wenn nicht (Militär-)Regierungen?
  • Wer würde Menschen ihre Seele, ihre Liebesfähigkeit, bewusst machen, ihnen dabei helfen, natürliche Triebe zu unterdrücken und sie zu festen Paaren oder in Familien zusammenhalten, wenn nicht staatliche Kirchen?
  • Wer würde dafür sorgen, dass das Geld, das sich Menschen mit ihrer Arbeit verdient haben, auch gut angelegt, investiert, ist, damit es nicht irgendwo nutzlos herumliegt, wenn nicht Banken oder Versicherungen.
  • Wer würde dafür sorgen, dass Geldeinnahmen gerecht, auf die gesamte Bevölkerung, verteilt werden, so dass immer alle etwas davon abbekommen, bevor jemand alleine reich werden könnte, wenn nicht das Finanzamt?
  • Wer würde Verbrechen verhindern, wenn nicht die Polizei; wer StraftäterInnen gerecht bestrafen, wenn nicht die Justiz?
  • Wie sollten wir immer wieder Orten entfliehen können, an denen wir gar nicht immer leben wollen, wenn es keine Fernreisen gäbe?
  • Wie sollten wir menschlichen Freiheiten genießen können, wenn nicht offiziell dafür gesorgt wird, dass wir dabei keine Grenzen übertreten?

Unser menschliches Leben ist schon lange unnatürlich, und es wird täglich, nicht erst seit Beginn einer – nach Neudefinition der WHO – sogenannten, von altbekannten Coronaviren ausgelösten, Pandemie, unmenschlicher.
Denn im Prinzip weiß jeder Mensch von Natur aus, was das Beste für ihn oder sie ist. – Aber unsere etablierten Gesellschaften, unsere Systeme, dürfen es heutzutage besser wissen und die Menschen behandelt werden, wie es ein paar wenige führende Köpfe in alle anderen gehämmert haben.

Ich bin neugierig, wie lange es noch dauert, bis eine kritische Masse endlich genug davon hat, ihrer eigenen Natur, sich selbst, immer entfremdeter zu werden und – statt zurückzuschlagen – bereit ist, denen, die die Entwicklung immer noch weiter vorantreiben (indem sie Moral und ein sogenanntes Rechtsbewusstsein predigen, das wenig mit der Gerechtigkeit zu tun hat, die Menschen empfinden können) einfach den Vogel zeigen und zu beweisen, dass sie schlauer geworden ist, ihr Bewusstsein also im Vergleich zu unseren Vorgängergenerationen weiterentwickelt hat.
Denn dass wir diese Bewusstseinsstufe irgendwann erreichen werden, dass irgendwann der nächste Quanten- oder Evolutionssprung stattfinden wird, davon bin ich – mit Blick auf unsere Erdgeschichte – überzeugt.
Die Frage ist für mich nur: Wie lange wird es dauern, bis die kritische Menschenmasse erreicht ist, die mehr Mut als Angst vor großen Veränderungen oder Anarchie hat, wenn alle Strukturen, die ihnen bisher Sicherheit gegeben haben, verschwinden sollten?
Oder anders formuliert: Wann finden die Menschen genug Vertrauen, – in sich selbst, aber auch in andere und ihre natürliche Schwarmintelligenz, die wenig mit Bewusstsein, sondern viel mehr mit Intuition und Gefühlen zu tun hat, – um zu verstehen, dass wir von Natur aus dazu gemacht sind, gemeinsam zu überleben und uns zu lieben und verzeihen? – Denn Menschen haben die Möglichkeit, sich liebenswert, auch gegenüber ZeitgenossInnen, die ihnen unsympathisch sind, zu verhalten oder denen zu vergeben, die ihnen einmal Böse mitgespielt haben – also immer wieder neue Friedensverträge zu schließen und in friedlichen Gemeinschaften miteinander zu leben, um die täglichen Herausforderungen des Lebens zusammen zu meistern – statt in ständiger Bereitschaft für das nächste Duell oder Kampfritual, den nächsten Vollzug, die nächste Drohgebärde, öffentliche (Straf-)Anzeige, Verhaftung, Verurteilung oder das nächste blutige Gemetzel, die nächste Gelegenheit zu nutzen, möglichst öffentlich zu zeigen, zu beweisen, dass sie „gut“ und „fair“ kämpfen und siegen wollen, ohne vermutlich meistens zu wissen, was sie gerade tun.

Nicht nur unsere Eliten haben es perfektioniert, sich vor anderen Menschen immer nur im besten Licht zu zeigen, auch wenn sie vor ihnen vermutlich oft viel lieber eine Fratze gezogen, ihnen den Mittelfinger gezeigt oder sie angebrüllt hätten – weil es in unserer Natur liegt, das was wir in unserem Inneren fühlen, auch nach außen zu tragen.
Früher oder später zerbrechen wir dabei – wenn wir nichts finden, was uns immer wieder verbindet.
Wer flickt Dich immer wieder zusammen, und warum sorgst Du nicht stattdessen besser selbst für Dich?
Um die Ursachen für die alltäglichen oder immer wiederkehrenden Probleme in Deinem Leben zu finden, musst Du Dir Deine eigenen Fragen stellen und Antworten darauf finden.
Ich hoffe, ich konnte Dich dazu inspirieren, es zu versuchen – weil ich denke, wir könnten uns alle viel kostbare Lebenszeit sparen, wenn wir unsere Menschheitsprobleme gemeinsam angehen würden.
Wir müssen zu unserer eigenen Sicherheit nicht wie Menschenaffen versteckt in Wäldern leben, aber es wäre sicherer für unser Überleben, wenn wir nicht weiterhin zulassen würden, dass ein paar wenige Menschen versuchen, unsere natürlichen Bedürfnisse zu kontrollieren oder manipulieren, bzw. uns dazu bringen, sie zu unterdrücken. Denn alles, was zu lange unterdrückt wird, stirbt entweder unter der Last oder bricht irgendwann aus und im schlimmsten Fall so unkontrollierbar hervor, dass dabei auch Menschen zu Tode kommen könnten.

P.s.: Ich weiß, dass man sich als Mensch – mit den eigenen Ängsten und Glaubenssätzen – auch Probleme herbeireden kann, obwohl man noch gar keine hat, indem man, wie WissenschaftlerInnen, mit Begeisterung und Eifer danach sucht. – Aber sobald es Dir schlecht geht, wenn Du Schmerzen hast oder Du Dich nicht nur krank fühlst, sondern auch für andere ganz offensichtlich ist, dass es Dir nicht gerade gut geht, wird es – Dir und den Menschen zuliebe, die Du liebst und die Dich lieben – Zeit, Dich den tatsächlich vorhandenen auch irgendwann einmal zu stellen.

 

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Dank für das Foto gebührt Caspian Dahlström (auf Unsplash)!