Die Macht der erklärenden (geschriebenen oder ausgesprochenen) Worte bzw. Meinungen

über Gedanken und mit Zweifeln verbundene, unsichere Gefühle oder Zahlen, Symbole und Bilder (und ihre Ohnmacht gegenüber „echten“, realen Begegnungen oder Berührungen)

Alle Menschen könnten sich – Dank des dazu verfügbaren Wissens – bewusst sein, welchen Schaden sie damit anrichten können, dass sie die „falschen Worte“ für etwas benutzen – weil sie sich entweder selbst täuschen oder ihnen ihre „richtige“, ursprüngliche Bedeutung von denjenigen, die ihnen eine Sprache beigebracht haben, nie erklärt wurde.
Genauso kann es fatal sein, etwas, was andere gesagt oder – denn auch Worte sind im Grunde „nur eine“ von vielfältigen körperlichen Ausdrucksformen dessen, was in unserem Inneren vor sich geht – anders symbolisiert und verbreitet, weitergegeben, ge- oder verteilt haben, falsch aufzunehmen, also aus dem gemeinten Zusammenhang zu reißen bzw. ihn gar nicht zu erkennen oder den sinnbildlichen Wortlaut zu verdrehen.
Häufig gerät beides – die Formulierung bzw. Aussendung und der Empfang von Worten – vor allem in emotional aufgeheizten Diskussionen so durcheinander, dass am Ende manchmal niemand mehr weiß, was er oder sie überhaupt „tatsächlich“ – im wahrsten Sinne des Wortes – gesagt hat.

Es gibt Menschen, die scheinen – zumindest erwecken sie in mir den Eindruck – es als angenehm zu empfinden, wenn man sich ihnen gegenüber nicht so deutlich ausdrückt, wie man eigentlich gerne würde und könnte, und erwarten stattdessen, dass man sich stattdessen viel Zeit nimmt zu umschreiben, was man eigentlich sagen möchte – weil sie nicht gelernt haben nachzufragen, wenn ihnen etwas „zu direkt“ oder missverständlich erscheint.
Es gibt andere, die stundenlang „um den heißen Brei herum“ reden können, weil er ihnen als zu „brandgefährlich“ erscheint als dass andere ihn sofort schlucken könnten.
Es gibt auch die, die am liebsten in Rätseln, Symbolen oder auch nur Handzeichen sowie Verdrehungen mit den Augen sprechen, weil sie Angst vor den Auswirkungen dessen haben, was sie eigentlich sagen wollen.

Ich – die gerne Klartext redet und Menschen hinterher erklärt, was sie vielleicht nicht verstanden haben – kann also nur empfehlen, sich nicht nur dessen, was man für andere verständlich ausdrücken möchte, bewusst zu sein, sondern auch dessen, wie man es zumindest so „richtig“ machen kann, dass man im Schadensfall eine bessere Erklärung anbringen kann als „Das hättest Du doch – auch ohne dass es zwischen uns abgesprochen war – wissen bzw. erkennen müssen.“ Wir sind nicht alle gleich gut in Worten und Schrift gebildet, und auch Symbole sind selten gegen Missverständnisse gefeit.

Menschen, die anderen nie ehrlich die Meinung ins Gesicht sagt (sondern stattdessen im Stillen Urteile über sie fällen bzw. sie – ganz für sich allein – in Kategorien einordnen oder sogar bewerten), können nie erfahren, wie unrecht sie ihnen damit vielleicht tun: weil es entweder eine gute oder gar keine richtige Erklärung für ihr Verhalten bzw. die Aussagen gibt, die sie – angeblich, vermeintlich – auf ihre individuelle Weise (in ausgesprochenen oder geschriebenen Worten, Körper- oder Bildsprache, Zahlen- oder anderer Symbolik) machen.

Es mag für das eine oder andere Ego, das sich einsam und von anderen unverstanden fühlt, weil es vielleicht nicht sehr wortgewandt oder in der Lage ist, sich anderen auf andere Weise verständlich zu machen, verletzend sein, Worte zu hören, mit denen es (noch) nichts anfangen kann, weil es ihren Sinn nicht verstanden hat. Glücklicherweise heilt die Zeit nicht nur alle Wunden, sondern nimmt auch Worten, die vielleicht einen falschen Eindruck erweckt haben, langsam ihre Macht – weil Menschen sich entweder an sie gewöhnen oder irgendwann beginnen, sich zu fragen, warum sie eigentlich auf einmal so verbreitet sind, obwohl man sie anfangs kaum ertragen konnte.

Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass wir Menschen irgendwann eine gemeinsame, globale, leicht erlernbare und verständliche sowie angenehm klingende „Fremdsprache“ entwickeln, mit der wir alle unmissverständlich über das kommunizieren können, was uns wirklich wichtig, also lebensnotwendig für uns ist. Denn all das, wofür man keine erklärenden Worte (mehr) braucht, weil man sich gut genug kennt, miteinander aufgewachsen ist oder über lange Zeit zusammengelebt und sich dabei intensiv beobachtet oder auch mal in (vielleicht auch auf) den Arm genommen hat, braucht „nur“ Zeit und das Interesse daran, miteinander zu harmonieren, sich also möglichst wenig – nicht mehr als zum gegenseitigen Verständnis, einem respektvollen oder zumindest tolerablen Miteinander notwendig – Stress zu machen. Oder widersprichst Du mir?

 

 

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Dank für das Foto gebührt Mart Production (auf pexels.com)!

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