Höhenrausch oder Angst, zurück nach unten zu schauen?

Es ist jedenfalls affig, aus Angst vor dem Leben auf dem harten Boden der Tatsachen in allzu luftige Höhen zu steigen, um „aus sicherer Entfernung“ auf andere herunterschauen zu können

Menschen haben von Natur aus die Fähigkeit, ein Bewusstsein für Leben und Tod sowie die (Natur-)Gesetze und natürlichen Kreisläufe zu entwickeln, denen sie unterworfen sind. Allerdings sind nicht alle dazu in der Lage bzw. bekommen dort, wo sie geboren werden oder aufwachsen, von ihren Mitmenschen entweder nicht die Möglichkeit dazu geboten, können sie nicht erkennen oder halten sie für unwichtig. Viele leben stattdessen im (geistigen) Glauben, über Leben und Tod erhaben zu sein, also selbstständig darüber entscheiden zu dürfen, wer leben darf und sein Leben für andere oder sie selbst opfern muss, oder ohnehin keinerlei Einfluss darauf zu haben. Sie stellen – völlig ohne Umweltbewusstsein – eigene Regeln für sich auf und/oder folgen Kreisläufen, – Routinen – mit denen sie vermeintlich entweder niemandem schaden oder höchstens ihre eigene Gesundheit gefährden (für die sie daher auch niemand zur Verantwortung ziehen könnte) – zumindest so lange, bis ihr eigener Körper, für den sie die volle Verantwortung tragen, sobald sie eigene Entscheidungen treffen, sie eines besseren belehrt.
Denn unser „gesunder Menschenverstand“, der schon im Kindesalter für die Gesundheit unseres Körpers sorgt, funktioniert nur, wenn wir gleichzeitig nüchtern und entspannt sind. Menschen, die

  • sich in einem – von Hormonen oder Neurotransmittern ausgelösten – rauschartigen Zustand befinden bzw. süchtig nach Erlebnissen dieser Art sind, weil sich so daran gewöhnt haben, „bedröhnt“ zu sein, dass sie sich danach sehnen, wenn sie über längere Zeit klar im Kopf sind, oder
  • schwere Traumatisierungen erfahren haben, also in bestimmten – ihren Körper, Geist oder ihre Seele verletzenden bzw. in Angst (zurück-)versetzenden – Situationen in Panik geraten und zu Kurzschlussreaktionen neigen, wenn niemand sie rechtzeitig zur Besinnung ruft, also aus ihrem „Kopfkino“ zurückholt,

sind weder fähig zu komplexen Denkvorgängen noch dazu in der Lage, intuitiv richtige Entscheidungen für sich treffen zu können.

Eine gewisse Vor(aus)sicht können Menschen nur anhand von umfassenden Informationen und Kenntnissen gewinnen: über ihre aktuelle Situation, durch (wiederholt) erlebte, eigene Erfahrungen aus der Vergangenheit, also Rücksicht, sowie über alternative Möglichkeiten oder unabänderliche, von Naturgesetzen festgelegte (Aktions-Reaktions-)Verläufe. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie entweder

  • kurzsichtig handeln, also nicht sehen, dass der Weg oder Ast auf dem sie sich bewegen, endet, oder
  • so weit in die Ferne schauen, dass sie vergessen, ihren Weg dorthin in kleine Abschnitte zu unterteilen, die sie aus eigener Kraft – ohne dabei zu Stürzen – meistern können.

Vieles deutet darauf hin, dass die Vorfahren der Menschen auf Bäumen gelebt haben und Schwänze hatten, mit denen sie sich – zusätzlich zu ihren Händen und Füßen – wieder auffangen konnten, wenn sie in der Höhe zu weite Sprünge gewagt haben. Für alle „modernen“ Menschen, die auf der Erde leben und denen bewusst ist, dass sie nicht in der Lage sind, einen Fall aus der Höhe, in der sie sich bewegen, zu überleben, lohnt es sich vielleicht zu überlegen, ob sie anderen, die zu ihnen hinaufschauen, ihnen zujubeln und sie anfeuern, weitere Kunststücke zu vollführen, wirklich den Gefallen tun wollen.

Es gibt für alle Menschen immer – auch wenn es Überwindung, also eine neue Entscheidung und damit Energie kostet – die Möglichkeit, einfach bewusst mit dem aufzuhören, was sie bisher gemacht haben. Dabei ist unbedeutend, ob sie bisher viel zu weit gegangen oder hoch gestiegen sind, sich festgefahren haben oder eingeschlafen sind. Leichter ist es natürlich, dem eigenen inneren Antrieb, einer Sehnsucht, zu folgen und das Schicksal über das eigene Weiterkommen oder einen Absturz entscheiden zu lassen.
Welche Entscheidung die schwerwiegenderen Folgen für sie oder andere bringen wird, kann niemand vorher wissen. Nur das Gefühl von Reue oder Zufriedenheit wird allen irgendwann später offenbaren, ob sie bei klarem Verstand waren und die richtige für sich getroffen haben.

 

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Dank für das Foto gebührt Mathias Csader (auf natur-highlights.de), der womöglich in weiser Voraussicht so viele schöne Naturfotos für mich gemacht hat!

 

 

 

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