Willkürlich von Menschenhand geformte oder unbewusst von Idealvorstellungen beeinflusste, unnatürliche Schönheit

Perfektion in der Natur hat nichts mit Reproduzierbarkeit, sondern mit Einmaligkeit zu tun hat – so dass es wenig Sinn macht, sie imitieren oder festen Regeln unterwerfen zu wollen

Ein schönes Bild kann mehr als Tausend, aber nicht nur schöne Worte sagen.
Es sagt – wie auch andere Kunst- oder Handwerke und Berufe, die sie entweder mit Freude oder widerwillig ausüben – mehr über die Menschen aus, die sie erschaffen haben, als diesen vielleicht bewusst ist. Denn aus dem,

  • was wir als schön bzw. hässlich empfinden und daher gerne tun oder nicht,
  • was für uns „harmonisch“ bedeutet oder einem „Chaos“ entspringt,
  • womit wir uns gerne freiwillig umgeben und womit nicht,

spricht ein – vielfach verdrängtes, mit schmerzhaften Erfahrungen in der eigenen erlebten oder von Vorgängergenerationen tradierten Vergangenheit verbundenes, aber an die Oberfläche strebendes – Unterbewusstsein.
Nicht alle Vertreter und Vertreterinnen der „schönen“ Künste oder auch der ihnen trotzenden Gegenbewegungen haben ein bewusstes Interesse daran, ihr Innerstes zur Schau zu stellen, sondern folgen ihrer Intuition, einem inneren Antrieb oder Bedürfnis. Einige sind extrem erfolgreich damit, andere Menschen anzusprechen oder zu berühren, deren (Zeit-)Geist oder Herz zu erreichen. Sie stoßen auf Resonanz – in Form von Verständnis oder Unverständnis für die eigenen Ausdrucksform(en) oder Inhalte, die darin transportiert werden.

Je nachdem, wie viel sie nicht nur von ihrer Kunst, sondern auch den Schönheitsidealen und Sehnsüchten anderer Menschen verstehen, können sie sie bewusst – willkürlich – so nutzen, dass sie vor allem ihrem eigenen kurzfristigen (Verkaufs-)Interesse dient, also mit einem einzigen Kunstwerk möglichst viele Menschen zu erreichen (bzw. mit wenig Aufwand möglichst viel Gewinn zu erzielen), oder langfristig immer wieder einmalig schöne Werke bzw. Momente für andere zu zaubern und damit die Welt dauerhaft schöner zu machen.

Es ist menschlich, ökonomisch – nur im eigenen Zuständigkeitsbereicht – statt ökologisch – in größeren Zusammenhängen – zu denken, und natürlich, die eigenen Erfolgschancen ind der Zukunft schlecht vorauplanen zu können. Deshalb erscheint es vielen Menschen – verlockend – schön, von vielen anderen für ihre Fähigkeiten oder (Kunst-)Werke) bewundert zu werden, in viele leuchtende Augen zu blicken oder begeisterte Zurufe aus einer Menge zu erhalten. Allerdings ist jede in eine unbewegliche Form gebrachte Schönheit vergänglich, weil allen Menschen irgendwann – früher oder später – langweilig wird, was immer gleich bleibt. Umso schöner etwas in der Vergangenheit war, umso hässlicher sind häufig die Nachwirkungen, die wieder beschönigt werden müssen.

Manchmal lohnt es sich, nicht nur aus den Augen anderer, begeisterter, Menschen, zu lesen, sondern auch in Büchern, in denen Informationen dazu gesammelt sind, wozu Menschen fähig sind, die (Schönheits-)Idealen oder ihren Idolen – schönen Bildern in ihren Köpfen – folgen. Ich weiß nicht, wer die aktuellen Regeln festgeschrieben hat, was Menschen als schön empfinden sollen (so dass es anderen, die selbst schön sein oder schöne Dinge tun und haben wollen, leicht fällt, sich daran zu orientieren). Ich bin mir allerdings sicher, dass es – wie jede Modeerscheinung – nur eine Frage der Zeit ist, bis es z.B. als besonders schön gilt, sich selbst oder Dinge von ihren hässlichsten Seiten zu zeigen.

r gut zu imitieren. Auch für (Plagiats-)Kunst wird es immer genug Abnehmer und Abnehmerinnen geben, für die keine Rolle spielt, was unter einer schönen Oberfläche oder in denjenigen steckt, die sie zur Schau tragen.

Schönheit liegt immer im Auge der Betrachter oder Betrachterinnen, so dass es von Natur aus so viele Idealvorstellungen geben könnte wie Köpfe, denen sie entspringen. Denn unterschiedliche Menschen sehen die Welt nie gleich, selbst wenn sie zur gleichen Zeit am selben Ort leben. Es gibt unendlich viele Perspektiven, die jede und jeder einzelne von uns einnehmen kann bzw. aufgrund der eigenen – guten oder schlechten – Erfahrungen überhaupt einnehmen möchte. Allerdings sehnen sich Menschen, die andere Sichtweisen, Widersprüche bzw. Polarität nicht ertragen und sich nicht damit abfinden oder zufrieden geben können, dass jede individuelle Vorliebe – für Bilder, Farben, Muster, Formen, Strukturen, Töne, Klänge … – ihre Berechtigung hat, häufig nach Einigkeit: der Einigung auf etwas Gemeinsames, was von Natur aus gar nicht festgelegt ist.

Es ist menschlich, sich – vor allem in unschönen Umgebungen – nicht alleine fühlen und mit als schön empfundenen Dingen umgeben zu wollen, selbst wenn sie dafür ein Auge zudrücken müssen, um nicht all das Unschöne zu sehen, das damit verbunden ist oder darin verborgen liegt. Dass es Sinn machen soll, sich dafür völlig unnatürlich, wenig umweltfreundlich oder sogar gesundheitsschädigend zu verhalten, davon konnte mich noch niemand überzeugen.
Vielleicht macht allerdings Unsinn deshalb auch so vielen Menschen Spaß – damit sie, wenn sie ihr einmaliges Leben dabei unsinnig riskieren oder sogar verlieren, wenigstens schöne, – für sie persönlich oder ein paar wenige andere einzigartige – Erinnerungen behalten oder hinterlassen.

 

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Dank für das Foto gebührt Suleika Bachmann, der ich noch viele schöne Momente bei allem wünsche, was sie mit ihrer (Seelen-)Kunst erreichen kann!

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