Nachhaltig wirtschaften

Wenn sich Ökonomie und Ökologie (noch) widersprechen

Ökonomie – das, was sich Menschen unter „(Staats- oder Privat-)Haushalt“ oder verständlichem, mit dem eigenen Verstand nachvollziehbaremHaushalten“ vorstellen – beschäftigt sich rein etymologisch, sprachwissenschaftlich, mit „Zuteilung“ bzw. „Benennung„. Ökologie stattdessen beruht auf dem vollen Verständnis, also der Sammlung bzw. dem Lesen aller Informationen zum Haushalt der Natur bzw. zu allen verfügbaren Ressourcen bzw. ihrer Regenerationsfähigkeit oder Begrenztheit und Vergänglichkeit. All das, was aktuell verfügbar oder für uns Menschen nützlich (oder auch schädlich) ist, ist nicht immer schon da oder von Bedeutung gewesen bzw. wird nicht bis in alle Ewigkeit so bleiben oder spielt auch für alle anderen Lebewesen dieselbe Rolle. Ökonomen und Ökonominnen, die nur mit den Faktoren und Parametern rechnen, die sie für (lebens-)wichtig erachten, muss nicht alles bekannt sein, was für uns Menschen (über-)lebenswichtige ökologische Kreisläufe am Leben hält: das Gleichgewicht zwischen der Produktion, Konsum und Destruktion von Ressourcen. Nur durch Rück- oder Abbauvorgänge können immer wieder neue Ressourcen – Raum, Zeit und/oder Energie – frei werden, mit denen sich neue Produkte bzw. Konsumgüter erzeugen lassen. Es lohnt sich also oft nicht, sich gegen natürliche Verfallserscheinungen wehren und etwas unter Energieaufwand  „für später“ aufzuheben – in der Hoffnung, dieselbe Energie wieder daraus gewinnen zu können.

Alles, was von Menschen künstlich haltbar gemacht wurde bzw. für niemanden als sie selbst nützlich erscheint und oft ungenutzt herumliegt oder -steht, fehlt an anderer Stelle in einem Gesamtsystem, das geschaffen wurde, um in ständigem Fluss – von Informationen und anderen Energien – zu sein, also niemals stillzustehen.
Kein Mensch ist in der Lage, den Fluss der Zeit aufzuhalten. Jeder und jede einzelne kann allerdings auf verfügbares Wissen zurückgreifen und sich überlegen, was notwendig für das ist, was tun oder haben wollen bzw. dafür aufgewendet und anderen dafür abverlangt oder ohne zu fragen genommen werden muss. Ökologisches Denken erfordert nicht nur die Fähigkeit, sich Ziele in der Zukunft vorstellen bzw. Vorausberechnungen dazu anstellen zu können oder Folgen und Begleiterscheinungen realistisch abzuschätzen, sondern auch das Wissen um Grundlagen oder Vorgeschichten.

Nicht alles ist zu jeder Zeit und überall im Überfluss vorhanden. Es gibt – regional und saisonal – gute Zeiten, also Möglichkeiten für bestimmte Handlungen, aber auch schlechte. Wer mehr (natürliche) Ressourcen verbraucht, als nachproduziert bzw. -geliefert werden können, wird irgendwann auf dem Trockenen sitzen bzw. darin fischen und auch anderen nichts mehr abgeben oder wie vielleicht versprochen liefern können.

Nachhaltigkeit bedeutet, auch anderen, die nachfolgen, immer wieder dieselben Möglichkeiten zu geben, also Rohmaterialien zu überlassen, mit denen sie etwas neues anfangen und aus denen sie neue Energie schöpfen können. Wessen Horizont nicht über das eigene Leben hinaus reicht, ist vielleicht in der Ökonomie gut aufgehoben, mit Rücksicht auf zukünftige Generationen hatte ökonomisches, vor allem auf Geld(-kreislauf-)wirtschaft bzw. auf beständigem Wachstum – von „Wohlstand“ – beruhendes Denken bisher jedenfalls wenig zu tun.

Menschen, die sich von Natur aus nicht wohl fühlen –

  • in ihrem eigenen Körper,
  • mit den Menschen, mit denen sie leben „müssen“,
  • an dem Ort, an dem, sie geboren wurden oder aufwachsen „durften“,
  • in der Zeit, deren Geist sie nicht verstehen können,

lassen sich leicht verführen von anderen, die ihnen Möglichkeiten aufzeigen, wie sie zufriedener damit werden können bzw. es sich verdienen können, sich das zu leisten, was ihnen – vermeintlich – fehlt, um sich wohl(er) zu fühlen. Die Ursachen eigenen Unwohlseins liegen nicht nur im eigenen Inneren oder darin, wie wir mit unseren eigenen Ressourcen, unserer (Lebens-)Kraft haushalten. Aber wir alle halten in der eigenen Hand, sind also nur selbst verantwortlich dafür

  • welche Energie(n) und Rohstoffe wir wie oft und in welcher Menge verbrauchen,
  • was wir in uns aufnehmen, womit wir uns also ernähren und
  • wovon wir uns möglichst bewusst distanzieren, weil wir wissen (könnten), dass es weder im Überfluss vorhanden noch wirklich – langfristig – gut für uns oder andere ist (auch wenn wir uns davon verlocken lassen, weil es uns wenigstens kurzzeitig satt oder zufriedener machen kann).

In einer wachstumsorientierten Ökonomie wird nicht nur mit echten, tatsächlich von Natur aus vorhandenen, lebensnotwendigen Bedürfnissen gerechnet oder die Herkunft, Erneuerbarkeit oder Entsorgung der Ressourcen, die uns allen, auch unseren Mitlebewesen, zur Verfügung stehen, berücksichtigt. Es werden – um wirtschaftliche Ziele erreichen zu können – künstlich ständig neue, immer unnatürlichere geschaffen.

Als (Verhaltens-)Ökologin, die sich auch mit dem Sinn und der Herkunft unserer menschlichen Gefühle – Vorlieben und Abneigungen – beschäftigt, würde ich behaupten, zu wissen oder zumindest zu verstehen, also leicht nachvollziehen zu können, warum Menschen tun, was sie tun. Gleichzeitig wäre ich nicht überrascht, wenn viele – vielleicht ja auch ich selbst – noch einsehen müss(t)en, dass ihre Berechnungen nicht aufgehen und ihre Erwartungen daher nicht erfüllt werden können oder konnten – weil sie etwas Wichtiges dabei vergessen haben: sich genug Zeit zu nehmen, umfassend alle zu betrachten, was ihnen mehr Details oder größere Zusammenhänge gezeigt und mehr (Planungs-)Sicherheit gegeben oder sie womöglich sogar dazu gebracht hätte, die Finger ganz von dem zu lassen, wovon sie einst so überzeugt waren.

 

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Dank für das Foto gebührt Louis Hansel (auf Unsplash)!

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