Natürliche Entwicklungshemmer und Wachstumsgrenzen

Warum Menschen zum Stillstand kommen oder plötzlich unter ihrem eigenen Körpergewicht zusammenbrechen können, wenn sie ihre Muskeln nicht beweglich halten und nur – mentales (statt geistig-spirituelles) oder einseitig-körperliches – Krafttraining betreiben

Wachstum ist es natürlicher Prozess, der einfach – unkontrollierbar – passiert, sobald ein Organismus Nahrung erhält, die er verwerten kann und die in der Lage ist, ihn zu vergrößern. Um Muskeln wachsen zu lassen, sind Proteine bzw. eiweißhaltige Lebensmittel notwendig. Wenn stattdessen einfach nur Körpermasse aufgebaut werden soll (oder als Energieträger, um sich körperlich überhaupt betätigen, also bewegen und ihre Muskeln trainieren zu können oder wollen), brauchen Menschen Kohlenhydrate und Fette (die darüber hinaus z.B. als Lösungsmittel für bestimmte Vitamine und für den Aufbau von Zellwänden benötigt werden).
Menschen können dabei einem regelrechten Wachstumswahn zum Opfer fallen, der sich nur mit Vernunft wieder stoppen lässt – wenn der Aufbau ihres Körpers ihnen Erfolgserlebnisse verschafft und dabei die Ausschüttung von (suchterregenden) Glückshormone beschert, die sie sonst nicht erfahren.

Die Natur hat jedem Organismus allerdings natürliche Grenzen gesetzt, innerhalb derer er sich sicher bewegen kann, ohne mit zunehmendem Alter, also der Zeit, Schwierigkeiten bei natürlichen Bewegungsabläufen bzw. gesundheitliche Probleme zu bekommen: Muskeln, die zu schnell zu groß werden, um noch ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt zu werden, fangen genauso an zu schmerzen wie untrainierte Muskeln, die aufgrund von zunehmenden Gefäßverengungen immer mehr Gewebetoxine, die sich dort anhäufen, nicht mehr loswerden. Auch Glücksgefühle lassen bei einseitigem Bewegungstraining mit der Zeit nach, weil Menschen Abwechslung bzw. immer wieder neue Herausforderungen brauchen, um Gewöhnungseffekte zu vermeiden und ihre Hormonausschüttung neu anzukurbeln.

Nur Menschen, denen bewusst ist, welche Probleme ihnen ihre bisherigen Strategie (des Muskelaufbaus oder der Vernachlässigung, weil sie sich groß und stark genug gefühlt haben) irgendwann bereiten kann. Nicht viele Menschen sind schon gut darin, – haben Lust darauf – alte, liebgewonnene Angewohnheiten, die zu einem Teil ihres Lebens und damit auch ihrer Persönlichkeit geworden sind, vorsorglich abzulegen – bevor sie von Schmerzen geplagt werden, ihr Körper streikt oder ganz unter seiner Last bzw. seinen Lastern zusammenbricht, weil sie ihrer Gesundheit zu sehr damit geschadet haben.

Früher oder später bekommt jede/r einmal die Möglichkeit zum Umdenken und Neuplanen der eigenen Vorstellungen vom Leben sowie Ablegen von gesundheitsschädlichen Angewohnheiten, also zur persönlichen (Weiter-)Entwicklung. Nicht alle Menschen fühlen sich bereit dazu oder trauen sich – vor allem im höheren Alter – noch zu, zu lernen, wie man gesund wächst, ohne an Gewicht zuzulegen oder daran zu verlieren, wenn man es halten möchte.
Solche Persönlichkeiten sind die, die eher früher als später wieder von der Erdoberfläche, in der Vergessenheit, verschwinden oder als mahnende Beispiele für zukünftige Generationen dienen können (bis die genug eigene Erfahrungen mit Entwicklungshemmern gemacht haben und sich nicht nur erwachsen, sondern weiter lern- und entwicklungsfähig fühlen und verhalten).
Evolution bedeutet meiner Meinung nach nicht nur eine (lebenslange) Entwicklung hin zu immer größeren und komplexeren Gehirnen mit immer großartigeren Ideen, sondern auch hin zu immer mehr Bewusstsein für die eigenen Fehler der Vergangenheit: Größenwahn statt Vernunft, Zeit- oder Erfolgsdruck statt Zufriedenheit mit dem, was sich frei entwickeln könnte.

Wenn wir nicht immer wieder warten wollen, bis die Natur uns Grenzen setzt, – denn die Natur kann grausam sein – würde es im Prinzip genügen, darauf zu achten bzw. dafür zu sorgen, dass alles bzw. alle, die zu schnell wachsen und andere dabei so in den Schatten stellen, dass sie in ihrer Entwicklung gehemmt werden (denn alles Leben braucht das Licht), immer wieder Grenzen gesetzt bekommen. – Nicht mit Gewalt, sondern mit deutlichen Worten, vielleicht auch mit Bildern und Geschichten, die zu Herzen gehen, weil sie deutlich machen, welches Leid in der Vergangenheit dadurch bereits verursacht wurde.

 

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Dank für das Foto gebührt Bob Fisher (auf Unsplash)!

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