Vom (kollektiven) Dementieren der – vor allem schmerzhaften – Realität (entgegen der natürlichen Bewusstseinsevolution der Menschheit)

Warum nicht alle Menschen in der Lage sind, über ihre eigenen Dummheiten zu lachen, oder so tun können, als würden sie etwas nicht (mehr) wissen (um den damit verbundenen Schmerz vergessen zu können)

Menschen machen täglich Erfahrungen, die nicht immer sehr erfreulich oder auch vernünftig für sie sind. Jede Erfahrung, die eine – vermeintlich oder tatsächlich – potentielle Bedrohung für unser Leben darstellt (weil sie schmerzhaft ist und wir uns nur schwer von ihr erholen), wird automatisch – zum Selbstschutz – in unserem Schmerzgedächtnis gespeichert, selbst wenn sie nicht immer auch mit dem eigenen Verstand erfasst – verstanden – werden kann.
Wenn Menschen sich „versehentlich“ selbst verletzen oder in einen Unfall verwickelt werden – weil sie nicht „richtig“ hingeschaut haben, also unachtsam oder zu übermütig, leichtsinnig oder zu schlecht informiert waren, unter Zeitdruck gehandelt oder Sicherheits-/Abstandregeln nicht eingehalten haben – geben das viele genau wenig zu wie wenn sie von den Worten oder Taten anderer verletzt werden, weil die mit voller oder völlig ohne böse Absicht (weil sie sie gar nicht kennen konnten) ihre – aus ihrer Vergangenheit stammenden – „wunden Punkte“ getroffen haben.

Damit Menschen nicht ihre Lebensfreude, ihren Lebensmut verlieren, mit dem sie immer wieder auch „schlechte Zeiten“ – der Trauer, Wut, Enttäuschungen oder körperlichen Beschwerden und Schmerzen – überstehen können, dürfen sie

  • nicht immer wieder die alten oder neue Erfahrungen machen, die ihnen Leid bereiten (und damit ihren Körper oder Geist auf Dauer schädigen bzw. schwächen)
  • nicht zu viel Angst davor haben, erneut einen der „Fehler“ zu machen, die in ihrem Leben dazu geführt haben, dass sie, über kurze oder längere Zeit, leiden mussten, also nicht zu vorsichtig sein;
  • sich selbst nicht für VersagerInnen halten, die wenig oder gar keinen Einfluss darauf haben, ihr Leben selbstständig zu verbessern oder zukünftig auch für andere etwas „richtig“ zu machen.

Menschen sind deshalb dazu in der Lage zu vergessen,

  • entweder das, was in ihrem eigenen Einflussbereich gelegen hätte;
  • oder die Dinge bzw. Taten von Menschen, denen sie zu einer Zeit hilflos ausgeliefert waren, als sie (noch) nicht wussten, wie sie sich dagegen wehren können.

Sobald sich andere Menschen ehrlich bei ihnen entschuldigen, können sie – wenn sie einen Sinn darin sehen und großmütig sind – ihnen sogar Gewalttaten verzeihen und die Informationen im Schmerzgedächtnis dabei löschen.

In unserer Gesellschaft haben sich viele Menschen „unverzeihliche Dinge“ noch nicht verziehen.
Für mich ist es deshalb nicht überraschend, dass viele Menschen am liebsten nur über „die schönen alten Zeiten“ reden oder sogar – mit oder ohne Hilfe von (Bio-)Technologien – versuchen, zukünftig nur noch „schöne“ und „gute“, hilfreiche, vermeintlich für alle sinnvolle Informationen abzuspeichern.
So einfach macht es uns die Natur – leider oder glücklicherweise – nicht. Menschen können versuchen, „sinnvolle“ schmerzhafte Erfahrungen aus ihrem Leben bzw. Bewusstsein zu verbannen, also ignorant so zu tun als gäbe es sie nicht oder könne niemand etwas daran ändern – Erfahrungen, die uns helfen, zukünftig tatsächliche Gefahren für unser eigenes oder das Leben anderer möglichst zu vermeiden. Sie können sie – je nach (Menschen-)Typ der Einfachheit halber (um sie für sich abhaken zu können)

  • sich schön reden als wichtige Erfahrung (wie es vor allem spirituelle Menschen tun);
  • besonders schlecht machen als tägliche Bedrohung für alle (wie es vor allem krankhaft ängstliche Menschen tun) oder
  • relativieren als etwas – auch zukünftig – „Unvermeidbares“, also etwas, was sich – selbst mit mehr Achtsamkeit, Zeit oder Wissen (und Menschen, die es verbreiten) nicht könne verhindern lassen (wie es vor allem Menschen tun, die wenige bzw. nur sehr einseitige wissenschaftliche Kenntnisse haben).

Meinen Beobachtungen und eigenen Erfahrungen nach, verschaffen  sie sich damit nur eine kurzzeitige „Erlösung“ von der – schmerzhaften – Realität, in der Schmerzen, Unfälle, Krankheiten und – endgültige, tödliche – Verluste an der Tagesordnung stehen. Viele, vielleicht die meisten davon sind bzw. wären vermeidbar – wenn Menschen ehrlich darüber kommunizieren würden, was entgegen jeder Vernunft täglich stattfindet.
Menschen, die nicht zugeben wollen, dass sie

  • gar nicht richtig verstehen, warum sie das, was sie tun, eigentlich tun sollen (oder wollen) oder
  • Angst davor haben, mehr auf sich selbst als auf andere Menschen zu hören, die in ihren Augen Unsinn machen, und
  • lieber gemeinschaftlich ein Schauspiel aufführen bzw. so tun als befänden sie sich in einem Zirkus oder Irrenhaus.

handeln sich mit der Zeit häufig, vielleicht sogar immer schmerzhaftere, belastendere Erfahrungen ein, bis sie ihre eigenen Fehler, ihre eigene „Dummheit“, Unachtsamkeit, Übereilig-, Übermütig- oder Leichtsinnigkeit sowohl eingesehen als auch vor anderen zuzugeben haben.
Es ist selten – wenn man genau hinschaut – wirklich zum Lachen, was Menschen sich selbst oder gegenseitig antun. Aber wir könn(t)en lernen, nicht nur gemeinsam darüber zu lachen, dass andere Dummheiten begehen und sich dabei verletzen, sondern auch gemeinsam zu weinen, wenn uns etwas weh tut, wenn wir bereuen, was wir getan haben oder – noch – nicht wissen, wie wir verhindern können, dass Menschen immer wieder vergessen, was wirklich wichtig im Leben ist – weil sie sich von ihren Jobs, ihren Gelüsten bzw. ihrer Sehnsucht nach mehr Lebensfreude und Einfachheit davon ablenken.

Wie bereits erwähnt: So schön einfach ist das Leben nicht; selbst wenn uns andere versprechen, dass wir es uns – mit ihrer bzw. der Hilfe ihrer Produkte und Dienstleistungen – nicht komplizierter, schwerer machen müssen als notwendig (indem wir warten, bis eine – von ihnen angekündigte, prophezeiteNotlage eingetreten ist). Es ist unbequem, sich mit dem eigenen Versagen oder der eigenen Vergesslichkeit, zu beschäftigen und es braucht ein kollektiven Einverständnis, um zukünftig eine sinnvolle, sinnhafte, Fehlerkultur betreiben zu können. Bisher haben wir uns wiederholt in denselben Notlagen gebracht:

  • globale Krisen,
  • gesellschaftliche Spaltungen und
  • Kriege von Menschen, die vergessen haben, dass wir alle die gleichen Rechte haben, unser Leben so zu führen, wie wir es wollen (ohne für andere Zirkus oder unheilbar Kranke spielen oder uns ihrem Willen unterwerfen zu müssen) gegeneinander,

bis immer irgendwann wieder Vernunft und ein – bisher nur teilweise – kollektives Bewusstsein für die eigene Schuld oder individuelle Unschuld an der Situation eingekehrt ist.
Vielleicht ist – Dank der globalen Vernetzung, die den Informationsfluss (trotz Zensur) länderübergreifend erleichtert – endlich die Zeit gekommen, in der Menschen (weil sie wissen, dass sie nicht die einzigen sind, die darunter leiden) offener über ihre Gedächtnisprobleme bzw. Dinge kommunizieren, die sie bewusst oder unbewusst verdrängt haben – um sich besser, leichter, freier, zu fühlen bzw. nicht zu stark unter den damit verbundenen Schmerzen oder (Be-)Last(ung)en zu leiden?

Ich denke, das wäre mal ein echter Anlass zur (Lebens-)Freude!

P.s.: Niemand hat meiner Meinung nach die Pflicht, andere Menschen vor sich selbst und der eigenen Ignoranz zu schützen. Das kann man dementieren. Letztendlich schweigen allerdings sowieso immer diejenigen zuerst, verschwinden mit lautem Gepolter oder verdrücken sich still und heimlich, denen keine guten (Gegen-)Argumente (mehr) einfallen.

 

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Dank für das Foto gebührt Oleg Ivanov (auf Unsplash)!

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