Warum Sozialstaaten ohne HerrscherInnen und „Bauernopfer“ (unter denen, die arbeiten oder für Sicherheit und den Nachwuchs sorgen) ein schöner Traum, aber unnatürlich, also von Natur aus unrealistisch sind

Wir Menschen sind von Natur aus dazu gemacht, uns auch um Fremde zu sorgen, aber nicht dafür, uns unentgeltlich um sie zu kümmern als wären sie unsere FreundInnen oder Familienangehörigen

Soziale Strukturen unter Lebewesen, die alle die gleichen (Freiheits-)Rechte haben wollen – ohne sich anderen „freiwillig zu verpflichten“, also z.B. für sie in Gefahr begeben zu müssen – haben ihre natürlichen Grenzen: Sobald Gemeinschaften zu groß werden als dass alle Mitglieder noch direkt – nicht über Boten, die Nachrichten verfälschen könnten – miteinander kommunizieren und persönliche (Streit-)Fragen miteinander klären könnten, beginnt ein natürlicher Automatismus: einige Individuen ordnen sich freiwillig dem unter, was – vermutlich oder tatsächlich – von ihnen erwartet wird, andere übernehmen freiwillig Führungsrollen – im Glauben, der ihnen von ersteren vermittelt wird, anderen dabei helfen zu müssen, sich zu ordnen.

Solange Menschen in Führungspositionen immer daraus vertrieben werden könnten, sobald sich herausstellt, dass sie

  • nicht halten können, was sie sich zugetraut und anderen – denen, die es ihnen zugetraut haben – versprochen haben, oder anders
  • das Vertrauen in ihre Person – ihre (Macht-)Position – verspielt haben,
  • könnten von Menschen gegründete Staaten genauso friedlich existieren wie die von Ameisen oder Bienen.

Allerdings haben Menschen mehr Möglichkeiten, ihre Führungspositionen zu sichern. Geldmittel und/oder Gesetze (die sie häufig mitschreiben durften bzw. sich erkaufen konnten) schützen sie davor, dass das „gemeine Volk“ – ihre „freiwillig“ Untergebenen – sie ihnen nehmen könnten, wenn sie die ihnen übertragenen Aufgaben nicht zur Zufriedenheit erfüllen, sondern Unfrieden stiften oder sogar gezielt Kriege in Auftrag geben oder selbst führen (die Opfer von ihren eigenen StaatsbürgerInnen verlangen).

In der Vergangenheit haben sich „die Bauern“ – die nicht immer wirklich Bauern, sondern mutige VertreterInnen des Volkes waren, das unter einer Herrschaft gelitten hat – immer wieder ihre Freiheit erkämpfen können: dadurch dass sie ihre eigene Arbeit niedergelegt und gestreikt haben oder blutige Aufständen angezettelt.
Den einzigen Fehler, den sie gemacht haben, war der, zu glauben, dass ihre neuen AnführerInnen, denen sie sich freiwillig unterworfen haben, ihre Aufgaben nachhaltig besser erledigen würden, wenn sie ihnen auch die Zuordnung bzw. Verteilung von (Steuer-)Geldern sowie die Gesetzgebung überlassen.

Man kann Gewalt zwar teilen, darf aber nicht erwarten, dass sie sich nicht irgendwann zu einer höheren verbindet, sobald friedliebende Menschen beginnen, sich gegen jegliche zu verbünden – weil sie die Rolle von Machthabenden in den („nur“ für das Volk) unsinnigen Kriegen auf dieser Erde, in denen (Friedens-)Verhandlungen erst nach der völligen Zerstörung alter Strukturen (die den Interessen einfluss-reicher und mächtiger Menschen im Weg stehen) geführt werden – erkannt haben.
Wenige Menschen bemühen sich heutzutage – das ist zumindest der Eindruck, den ich von unserer „mobilen und nach Freiheit statt gemeinschaftlichen Verpflichtungen strebenden Gesellschaft habe – darum, die sozialen Gemeinschaften, in denen sie leben und in denen sie alle anderen Menschen noch persönlich kennen, unabhängig vom Einfluss staatlicher (Ver-)Ordnung(-en) zu machen (selbst wenn die für die Menschen vor Ort keinerlei Sinn ergeben). Stattdessen fühlen sich offensichtlich – ohne dass vorher lokale die Probleme der Menschen lösen oder ihre Fragen beantworten wollen würden – viele zu höheren Aufgaben (z.B. der Verständigung und sinnvollen Vernetzung mit Nachbarn oder der Versorgung von Fremden, ohne dass die Menschen vor Ort ausreichend versorgt wären) oder Ämtern (im Dienste der ganzen Menschheit) berufen.

Es ist – wie schon immer – nur eine Frage der Zeit, bis sich genügend unzufriedene oder sogar geschädigte Menschen sinnvoll vernetzt haben, um sich gegen die alte Ordnung zu wehren, die mal wieder zu einer Unordnung geworden ist, weil nicht genug Menschen den Überblick darüber behalten haben, wie viele Menschen unnötig – als Asoziale in einem Sozialstaat – leiden: z.B. unter Armut und Mangel oder Fettsucht und anderen Abhängigkeiten; unter Einsamkeit bzw. fehlenden Partnerschaften, FreundInnen oder Familien bzw. anderen „Vertrauenspersonen“; oder der Antriebslosigkeit, sich für Geld an einen Staat zu verkaufen, der mit dem verdienten Geld

  • Menschen besticht oder (mit einseitiger Propaganda von Zielen, die angeblich dem Wohle der Menschheit dienen sollen) betrügt,
  • Kriege und Naturzerstörung finanziert, also
  • dafür sorgt, dass Menschen, die sich (weil sie nie selbst darüber nachgedacht haben, sich sinnvoll zu vernetzen) nicht anders zu helfen wissen als „Staatshilfen“ anzunehmen, auch „treue StaatsdienerInnen“ bleiben.

Unsere Menschenrechte berechtigen uns dazu, den (Kriegs-)Dienst oder Aufgaben, die wir nicht mit unserem Gewissen vereinbaren können, zu verweigern. Ich habe die Hoffnung, dass sich irgendwann die Bauern oder andere „Unterschichten“, denen ihre Besitztümer mit Hilfe von SoldatInnen weggenommen werden, mit denen verbünden, die – angeblich – in unser aller Auftrag handeln und Menschenleben gefährden. Wir sind alle potentielle Opfer derer, die unsere Staaten regieren. Denn in ihren Augen sind wir wie Ameisen oder Bienen, die dazu beitragen, dass alles so funktioniert, wie sie sich ihren Staat (im Vergleich mit anderen) vorstellen – in erster Linie (gute, brave, anständige oder schlechte, widerspenstige, rebellische) ArbeiterInnen oder Soldaten und Drohnen, die für sie Erkundungen anstellen oder kämpfen bzw. genügend Nachwuchs sicherstellen, der in Zukunft ihre Aufgaben übernehmen kann; aber mit Sicherheit keine ihnen ebenbürtigen, individuell schützenswerten Menschen.

Ich habe keine konkreten Vorschläge, wie man der herrschenden Meinung (der Meinung nicht nur vieler Führungskräfte) begegnen könnte, wir Menschen könnten uns (ungestraft) der Natur widersetzen und gleichzeitig friedlich die Erde beherrschen. Aber sicher ist für mich als Lebenswissenschaftlerin und Verteidigerin von Tier- und Menschenrechten, dass – wenn ein dauerhaft friedliches Miteinander wirklich das Ziel einer Mehrheit von Menschen ist – zukünftigen Generationen erklärt werden müsste, warum sowohl der Herrschaftsgedanke als auch die freiwillige, bedingungslose Unterordnung unter andere menschenunwürdig ist.
Nur weil sich vieles vielleicht dadurch, dass jemand (der oder die sich für klüger hält oder verkauft) nachgibt, schneller klären lässt oder Abläufe vereinfachen lassen, muss es noch lange nicht der Goldstandard sein, der im Sinne einer Gemeinschaft für alle gelten sollte.
Mit (Buckeln für) Wohlstand (und/oder Versorgung bei Krankheiten oder im Rentenalter) bzw. dem Glauben an den Sinn von sozialen Rechtsstaaten (statt an kleinere, voneinander unabhängige, aber sinnvoll miteinander vernetzte, zu Kooperation bereite Solidargemeinschaften) allein lässt sich kein einziges Menschenleben retten – wenn es ständig neuen Gefahren für seine Gesundheit ausgesetzt bleibt. Diese können sowohl in Form von Menschen auftreten, die – körperlichen, psychischen oder seelischen – Stress auslösen, indem sie – durch ihre ErwartungshaltungenDruck auf Menschen ausüben oder sogar kriminalisieren, die sich nicht freiwillig ihren Zielen unterwerfen: einer Ökonomie, die angeblich allen zu ihrem Besten dienen soll, aber

  • Menschen die Möglichkeit gibt, ungestraft nachweislich gesundheitsschädliche Produkte zu verkaufen (solange sie den Geldfluss bzw. die Verschuldung ankurbeln), und
  • vor allem auf Gewinne und persönliches Wachstum ausgerichtet ist statt auf ökologsche Nachhaltigkeit, also ein stabiles Gleichgewicht zwischen Gewinnen und Verlusten, und ein nachhaltig sinnvolles Miteinander, das keine starren, im Voraus festgelegten Strukturen hat, sondern flexibel auf wechselnde Bedürfnisse und Umwelteinflüsse reagieren kann.

Das menschliche Gehirn braucht genau wie der menschliche Körper zu seiner Ernährung und dem Erhalt seiner Funktionen von Natur aus mehr Abwechslung und kreativen Spielraum als eine Ameise oder Biene. Es bleibt also spannend, was Menschen sich nach Tausenden von Jahren Geschichtsschreibung noch alles werden einfallen lassen, um sich ihr eigenes Leben – tatsächlich oder eher vermeintlich – schöner und einfacher zu organisieren.

 

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Dank für das Foto gebührt Stanislav Maslov (auf Unsplash)!

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