Mögen alle bereits Verstorbenen in Frieden ruhen

Denn zu Lebzeiten ihren Frieden finden – bereuen, sich so gut es geht entschuldigen und Schäden möglichst wiedergutmachen – können nur Menschen, die rechtzeitig einsehen, was sie verantwortungslos zerstört haben, weil sie nichts darüber wissen wollten (oder „Besseres“ zu tun hatten als sich friedlich – geduldig und liebevoll – um sich selbst, andere oder die Natur zu kümmern)

Die Geister der Vergangenheit können Menschen meiner Meinung nach tatsächlich heimsuchen – solange sie nicht ihren Frieden mit ihnen gemacht haben, also ihnen noch etwas nachtragen oder etwas bereuen, was mit bereits Verstorbenen zu tun hat.
Niemand kann die Vergangenheit noch ändern oder andere ins „echte Leben“ – unsere Gegenwart oder Zukunft –  zurückholen, die tot sind.
Wir können nur versuchen, möglichst viel zu bereinigen – wieder schön zu machen, also zu restaurieren oder sinnvoll zu recyceln und etwas Neues aus dem zu schaffen, was uns hinterlassen wurde, – und durch ehrliches Reden, Aufklärung darüber, zu verhindern, dass weiterhin Menschen sterben, die anderen unschöne bzw. unbrauchbare Dinge zurücklassen – Dinge, die sie Zurückgebliebenen auflasten, wenn die sie gar nicht selbst gebrauchen können oder überhaupt nicht weiterhin nutzen wollen, sondern AbnehmerInnen bzw. Entsorgungsstellen dafür suchen müssen.

Es ist nicht leicht, im heutigen Überfluss von Informationen bzw. Medienspeichergeräten, Konsumgütern, Spiel– und Werkzeugen oder Wertgegenständen oder -anlagen den Überblick zu behalten, was sich wirklich lohnt aufzuheben oder sogar selbst zu eröffnen und den eigenen Nachkommen bzw. der Nachwelt zu hinterlassen, und was man sich besser überhaupt nicht erst anschaffen, eigenständig produzieren oder aufbauen sollte, um nicht irgendwann zu viel Unfrieden zu stiften, wenn es darum geht, wer überhaupt das Recht oder die Pflicht hat, sich um die Hinterbliebenschaften zu kümmern.

Ich persönlich finde es zum Beispiel mehr als ironisch, wenn Menschen immer noch Denkmäler (statt Mahnmale) gesetzt werden, weil sie in ihrem Leben „Großes“ geleistet haben, das uns heute noch zu schaffen macht. Aber solange es Friedhöfe braucht, damit Menschen ihren Frieden auf Erden finden können, ist das aus biologischer, lebenswissenschaftlicher Sicht auch nicht sehr verwunderlich. Darauf zu hoffen oder darum zu beten macht deshalb im Grunde genauso wenig Sinn wie mit Gewaltandrohungen gegen Kriege (oder Menschen, die glauben, um ihr Lebensrecht kämpfen statt andere davon überzeugen zu müssen) zu demonstrieren.

 

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Dank für das Foto gebührt Marek Studzinski (auf Unsplash)!

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