Wenn Emotionen den menschlichen Verstand beherrschen (bzw. ausschalten) und aus ehrgeizigen Freiheitskämpfer/Innen obrigkeitsgläubige und gewissen-, herzlose Faschist/Innen werden können

Von Solidarität und Mitleid, verständnisvollem Mitgefühl oder mitfühlender Verständnislosigkeit und verdienter, gerechter oder unverdienter, ungerechter Gnade bzw. Gnädigkeit

Menschen sind von Natur aus dazu in der Lage, nicht nur mit ArtgenossInnen, sondern auch mit anderen Arten von Lebewesen – sobald sie sie als „fühlend“ erkennen – Mitgefühl zu entwickeln, egal ob diese Anzeichen von (Lebens-)Freude, Trauer oder anderen Schmerzen zeigen.
Biologisch, am Leben – der „belebten“, entwicklungsfähigen, ohne (Sonnen-)Energiezufuhr vergänglichen, Natur und ihren Lebewesen – interessierte ForscherInnen versuchen seit jeher herauszufinden,

  • ob Bewegungen und andere offensichtliche Aktionen oder Reaktionen etwas mit einem gefühlten, (mit-)fühlenden Leben zu tun haben oder automatisch ablaufen, weil zwei oder mehr unterschiedliche „Stoffe“ oder Materialien (also Stoffgemische aus verschiedenen Molekülen, Moleküle aus unterschiedlichen Elementen oder einzelne Elemente) sich annähern und eine Verbindung eingehen oder sich abstoßen;
  • wo das Leben, das – im Vergleich zu toter, ohne (Bewegungs-)Energiezufuhr unveränderlich bleibende Materie – Mitleid verdient, also überhaupt beginnt; und
  • wann Mitgefühl oder -leid für Menschen oder andere Tiere, Pflanzen oder sonstigen Lebewesen “ erlaubt “ ist und wann nicht.

Sobald Menschen entweder ihre Ähnlichkeit zu anderen Lebewesen erkennen können, können sie auch abschätzen, dass andere ähnlich empfinden wie sie selbst, also von Natur aus automatisch Mitgefühl empfinden und sich annähernd in ihre Lage, sogar wirklich in sie hinein versetzen – wenn sie bzw. die anderen es zulassen, also (sich) Fragen dazu erlauben und ehrlich beantworten.
Zusätzlich sind wir Menschen dazu fähig, unseren Verstand zu nutzen, um herauszufinden, auszukundschaften, ob andere, die uns anfänglich – weil sie nicht mit uns kommunizieren woll(t)en oder können – erscheinen, als hätten sie überhaupt nichts mit uns zu tun, doch näher verwandt mit uns sein könnten als wir dachten oder eine Bedeutung für unser ihr eigenes Leben haben, also in einem größeren Zusammenhang wichtig für uns sind.

NaturforscherInnen, insbesondere LebenswissenschaftlerInnen, haben schon viel herausgefunden – über das,

  • was uns unser menschliches Gefühl sagen kann und was – auch auf Nachfrage – nicht;
  • wie es bzw. wir selbst oder andere uns betrügen und
  • wie wir uns auch selbst zur Vernunft rufen können – wenn uns unser (Mit-)Gefühl allein nicht weiterhilft.

Die meisten Menschen lassen sich meiner (lebens-)wissenschaftlichen Meinung nach – je nach ihren individuellen Erfahrungen, was sich besser für sie „anfühlt“ – vor allem von ihren Augen – dem, was sie sehen – oder ihren Ohren – dem, was sie hören – durchs Leben leiten. Über ihre natürlichen, der Spezies Mensch von Natur aus mit auf den Weg gegebenen, intuitiven, sozialen, Voraussetzungen hinaus fühlen sich Menschen – aufgrund ihrer entwicklungsgeschichtlich entstandenen Verbundenheitsgefühle – unterschiedlich stark mit anderen Menschen, Tieren, Pflanzen, lebendigen Organismen oder leblosen, toten Dingen, die entweder ihren Augen oder ihren Ohren besonders gut tun, verbunden. Blinde und/oder taube Menschen bzw. Menschen, die Augen und Ohren schließen und sich auf das einlassen können, was sie dann noch empfinden können, können ein zusätzliches Gespür für „Verbündete“ entwickeln, die ihrer Meinung nach ihr Mitgefühl verdienen.
Nur unser rationaler Verstand kann uns (neben Außenstehenden, die uns eine neue Perspektive dazu eröffnen können) davor bewahren, uns unsinnig stark von anderen oder etwas getrennt, abgestoßen, (rechtlich) über- oder untergeordnet oder angezogen bzw. ihnen gleich(artig) zu fühlen.

Ob Tiere wie

  • Würmer oder Schnecken, die sich für viele Menschen so anfühlen wie etwas, vor dem sie instinktiv ihre Hand zurück ziehen, wenn sie es berühren und nicht wüssten, dass es harmlos für sie ist, oder
  • Insekten, die uns sogar stechen und Schmerzen zufügen können, ohne dass wir sie bedroht haben,

oder

  • schnellwachsende Pflanzen und Pilze oder alle möglichen anderen Organismengruppen, die die Nahrungsgrundlage für alle anderen darstellen, also täglich in großen Mengen bei lebendigem Leib verspeist werden,

dasselbe menschliche Mitgefühl „verdienen“ wie Lebewesen, die erfolgreicher um ihr Überleben kämpfen, rennen, fliegen oder schwimmen können, muss im Grunde jeder Mensch selbst mit sich ausmachen: mit Hilfe des eigenen Verstandes, Bauchs und Herzens oder unter Nutzung vorhandenen Wissens und des eigenen Gewissens.

Dagegen, dass automatisch Gefühle in uns aufsteigen, wenn wir anderen Lebewesen begegnen, können wir nichts tun. Wir können uns nur dafür entscheiden, ihnen nachzugeben oder uns zu fragen, woher sie eigentlich kommen, wer vielleicht sogar mit unserem Mitleid spielt und davon profitiert, dass Menschen es haben. Menschen sind in der Lage, – gemeinsam oder allein – etwas dagegen zu tun, dass sie – wir alle – zukünftig immer wieder Mitleid mit „Schwachen“ bzw. Schwächeren als andere empfinden „müssen“. Menschen müssten ehrgeizigen und ihre eigene Freiheit liebenden Menschen keine (Entscheidungs-)Macht über andere überlassen, die sich nicht dagegen wehren können oder wollen, weil sie freiwillig bereit sind, sich mit ihrer eigenen Unfreiheit abzufinden (und sich damit von der Verantwortung für ihr eigenes Leben entbinden). Sich solidarisch mit anderen „Unterdrückten“ fühlen zu können, kann Seelen trösten. Vor einem schlechten Gewissen, dass sie nichts gegen den äußeren Druck, ihre Bedrückung bzw. UnterdrückerInnen unternehmen, können diese Gefühle – ihr Mitleid – nicht ewig bewahren.
Vielleicht stellt der eine oder die andere also irgendwann fest, dass Mitleid nicht nur gefühlt, sondern auch genauer unter die Lupe genommen, untersucht, werden sollte – weil es unter anderem auch davon abhängt, ob man den- oder diejenigen, der oder die leidet, für schuldig oder unschuldig am eigenen Leid hält (weil er oder sie zu viel erreichen wollte oder zu wenig für sich getan hat) und ob man bereit ist, Gnade walten zu lassen oder nicht (weil im Grunde gerechtfertigt oder natürlich ist, gar nicht zu verhindern war, dass er oder sie unter dem leidet, was zu der leidlichen Situation geführt hat).

 

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Dank für das Foto gebührt Emily Crawford (auf Unsplash)!

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