Eroberungen kosten oft nicht nur viel Herzblut, sondern geben – selbst wenn sie mit dem strategischen Einsatz von Gewalt(androhungen), mit echten Gewehren oder anderen möglicherweise todbringenden Waffen durchgeführt werden – niemals Gewähr(leistungen) über den aktuellen Moment hinaus

Wenn Menschen denken, sie könnten sich auf dem, was sie sich selbst oder andere für sie erkämpft haben, ausruhen oder sogar zur Ruhe setzen

Ich habe den Eindruck, dass es vor allem ein „männliches Problem“ bzw. eine Eigenart von Menschen, die glauben, sie müssten bzw. könnten sich unter anderen Menschen, die die Macht in Händen halten, diese Welt nach ihrem Willen zu regieren, ihre Freiheit erkämpfen und unabhängig machen – indem sie sich mit Eigentum absichern: mit einem „sicheren „Grund und Boden“, auf den sie sich immer zurückziehen können, weil er ihnen alles Lebensnotwendige bietet.

Jeder Grund und Boden verändert sich – genau wie alles, was damit oder darauf gebaut wurde oder darin bzw. darauf lebt – mit der Zeit, selbst wenn er bewirtschaftet oder anders „in Stand“ gehalten wird. Nichts hält ewig dem Einfluss der Naturkräfte stand.
Deshalb macht es meiner Meinung nach aus biologischer Sicht mehr Sinn, sie sich so zu Nutze zu machen, dass man nicht zusätzlich gewaltsam gegen sie kämpfen muss – mit der Absicht, alle „Eroberungen“ im eigenen Leben genau so zu erhalten, wie sie ursprünglich waren oder wie man sie vielleicht möglichst auch der Nachwelt übergeben möchte, weil sie viele Menschen begeistert haben.

Meine Begeisterung für die Eroberungen meiner Vorgängergenerationen, mit denen sie sich ihr Leben angenehmer machen wollten oer gemacht haben – denn grundlos fängt niemand an, für etwas oder gegen andere zu kämpfen, um ihnen etwas wegzunehmen – hält sich in Grenzen. Ich bin froh, wenn es viele nur noch auf Bildern einer Vergangenheit gibt, die sie sich damit geschaffen haben – selbst wenn sie viele der modernen Errungenschaften entweder völlig in den Schatten stellen oder immer noch ihre Schatten darüber werfen.

Am Ende ist es immer wieder die Natur, die sich das auf ihre friedliche Weise – die aber beharrlich zerstörerisch gegenüber dem oder denen vorgeht, was bzw. die ihr Wachstum, ihre Weiterentwicklung behindert oder zugunsten ihrer (art-)eigenen Bedürfnisse aufhalten wollen – zurückerobert, was Menschen ihr auf ihren Eroberungs- oder vielmehr Raubzügen genommen haben.
In meinen Augen lohnt es sich nie, gegen die Natur kämpfen zu wollen – vor allem nicht nach menschengemachten (Spiel-)regeln, die aus Angst vor der Natur oder aus Unkenntnis ihrer Gesetze, nicht aus gebührendem Respekt gegenüber ihrer Gewalt(igkeit) aufgestellt wurden (mit der sie für Gerechtigkeit für alle Lebewesen sorgt, deren Leben von ihrer reichhaltigen Fülle abhängt).
Sich ihr demütig zu ergeben und zu lernen, für sie oder mit ihr zusammen zu arbeiten, kann Menschen mehr Ruhe – vor allem im Herzen – bescheren als sie sich jemals hätten vorstellen können – auf ihrer Suche nach immer neuen Herausforderungen im Leben. Denn Menschen sind selten – wenn sie nicht immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden oder sich selbst daran erinnern – zufrieden mit dem, was sie sich erkämpft haben – weil sie feststellen, dass es sie gar nicht ruhiger, gelassener oder freier gemacht hat, sondern im Grunde nur dazu veranlasst, den neugewonnenen Besitz abzusichern, also gegen Angriffe von außen zu verteidigen, und/oder sich ein neues Ziel, ein noch sichereres oder schöneres Ruheplätzchen für die eigene Seele zu suchen und notfalls auch zu erkämpfen.

Frieden auf Erden wird sich mit solchen Menschen, die nicht bereit sind, alles, was sie einmal nur für sich selbst erobert haben, bzw. die Lebenserfahrungen, die sie dabei gewonnen haben, mit möglichst vielen anderen Arten von Lebewesen, natürlich auch oder vor allem Menschen, zu teilen, vermutlich nicht so schnell erreichen lassen.
Aber mir macht Hoffnung, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben mehr Menschen sehe, die nicht nur von einem friedlichen Miteinander auf Erden träumen, sondern auch erkannt haben, dass Menschen alleine es nicht in der Hand haben, es auch umzusetzen, wenn sie ihre und unser aller, also den Rest der Natur und ihre vielfältigen Bedürfnisse (die sich aber aufgrund unserer gemeinsamen Abstammung immer auf gemeinsame Nenner bringen lassen), auch dabei berücksichtigen.

Ein großes Dankeschön an alle, die es bereits mutig, im Vertrauen darauf, dass sie auf dem richtigen Weg sind, und beharrlich – auch gegen alle Widerstände von Menschen, die ihre veralteten Weltbilder in Stein gemeißelt haben und weiterhin gegen „AngreiferInnen“ verteidigen – umzusetzen versuchen.
Es ist von Natur aus nicht leicht, sich nicht dazu hinreißen zu lassen, etwas – selbst wenn es dem eigenen Körper oder Geist und der darin lebenden Seele schadet – zu widerstehen, was sich zu lohnen scheint, weil es einen Gewinn (an Lebenserfahrungen oder anderem Eigentum verspricht).
Wir sind – wie alle anderen Lebewesen auch – geborene ErobererInnen dieser Welt.
Allerdings weilen unter uns Menschen viele, die dazu neigen (können), ihr Wissen oder andere Machtmittel zu missbrauchen, während andere sich damit begnügen, sich von ihnen erobern zu lassen, um sich ihnen unterordnen zu können. Es lebt sich für viele Menschen – wie für kleine Kinder in der Obhut der Eltern – einfach leichter, wenn sie im Leben keine eigenen Entscheidungen (mehr) treffen müssen bzw. dürfen (die vielleicht erfordern würden, sich etwas zurückzuerobern, was sie entweder aus Unachtsamkeit verloren haben oder – übereilt – kampflos an andere, die es unbedingt haben wollten, abgegeben haben).

 

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Dank für das Foto gebührt Boban Simonovski auf Unsplash)!

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