Unsinnige, unnatürliche menschliche Verhaltensweisen und absolutistische gesellschaftspolitische Höflichkeitsregeln

Wenn Natur, Kultur, Politik und andere Wissenschaften aufeinandertreffen und gegeneinander konkurrieren

Oder vom Unsinn, andere Menschen reglementieren zu wollen, ohne sich vor ihnen verantworten, also Rede und Antwort dazu stehen zu können, wann bestimmte Verhaltensregeln unter Menschen Sinn ergeben und wann nicht

Wir Menschen sind aus der Natur entstanden und daran angepasst, gemeinsam friedlich mit bzw. in ihr, also auch miteinander zu leben – das sagen mir sowohl meine individuellen Lebenserfahrungen als auch wissenschaftliche (Einzel-)Beobachtungen oder Studien dazu.
Von Natur aus können wir miteinander kommunizieren und kooperieren, solange wir uns miteinander auf gemeinsame Ziele oder auf Wege einigen können, wie wir unseren nicht gegenseitig im Weg stehen und uns dabei im – sei es persönlichen, individuellen oder gemeinschaftlichen – Vorankommen behindern, wenn es keine gemeinsamen gibt.
Vermutlich – das ist meine Meinung – um es sich einfacher zu machen und/oder „effizienter“ arbeiten zu können, haben einige Menschen irgendwann angefangen, Regeln festzusetzen, die sie selbst sowohl für sinnvoll für sich selbst als auch für geeignet für alle anderen hielten und an die sich deshalb alle – auch gegen jede intuitive Abneigung oder aus anderer Perspektive vernünftige Einwände, also auch gegen deren Willen – halten soll(t)en.
Viele Menschen sind extrem tolerant, also bereit, unter dem zu leiden, was andere von ihnen verlangen; vor allem, wenn sie noch keine Alternativen dazu kennen, sich deren Vorgaben und/oder Erwartungen zu beugen, ohne dass es Konsequenzen für sie hat, unter denen sie – vermeintlich – noch mehr leiden würden.
Andere sind extrem herrisch, verlangen also, dass andere sich an ihre Regeln bzw. oft allgemein anerkannte Höflichkeitsregeln halten, die sie sich selbst – mühsam oder weil sie ihnen leicht verständlich erschienen – angewöhnt haben bzw. die ihnen andere gewaltsam oder mit viel Geduld beigebracht, anerzogen, haben, so dass sie der Meinung sind, auch andere Menschen müssten wie sie „von Natur aus“ dazu bereit sein, sich von anderen beherrschen oder manipulieren – zu ihrem vermeintlichen Glück zwingen – zu lassen.

Für mich ergibt es keinen Sinn, einen Teil der Menschheit leiden und andere über sie herrschen zu lassen. Die kulturell vielgelobte Rücksichtnahme aufeinander macht unter Menschen aus naturwissenschaftlicher, biologischer Sicht (zumindest ökologisch denkender, an die Möglichkeit eines friedlichen Miteinanders glaubender Menschen) nur dann Sinn, wenn die entweder zufällig genau dieselben Bedürfnisse und Strategien haben, um sie sich gegenseitig zu erfüllen, oder sich bereits kennen und voneinander wissen, auf was sie jeweils besonderen Wert legen. Nicht alle Menschen haben dieselben Erwartungen aneinander oder Vorstellungen von rücksichtsvollem Verhalten. Bevor Menschen sich nicht miteinander beschäftigt, sich vorsichtig angenähert, Beobachtungen angestellt, Fragen geäußert und auf verständliche Antworten gewartet haben, können sie nicht in Erfahrung gebracht und gelernt haben, was sie bei zukünftigen Begegnungen und Unterhaltungen berücksichtigen können, sollten oder sogar müssen, wenn sie das Gegenüber nicht völlig ver- oder abschrecken wollen.
Generell davon auszugehen, dass es Menschen gibt, die sich freiwillig opfern oder – in vorauseilendem Gehorsam – zumindest den Bedürfnissen oder Erwartungen anderer unterordnen, halte ich genauso für eine unbewiesene Behauptung wie die, dass es Menschen gibt, die freiwillig , ohne dafür von anderen gebührend entlohnt zu werden, die Verantwortung für andere bzw. das, was diese tun, übernehmen.
Höf(l)i(s)ches Verhalten ist besonders unter Menschen verbreitet, die besonders gut vor anderen – vorbildlich – dastehen bzw. sich möglichst wenig Ärger im Miteinander einhandeln möchten, vor allem wenn andere ihnen mit dem, was sie tun, auf die Nerven gehen (könnten). In jeder eingespielten Gruppe von Menschen gibt es aus unterschiedlichsten Gründen oder aufgrund deren Ziele und/oder Absichten bestimmte Verhaltensregeln oder Ehrenkodices, die Neuzugänge lernen müssen, wenn sie sich integrieren, also ein Teil dieser Gruppe werden möchten.

Menschen, die sich ihrer selbst, ihres Selbstwertes, ihrer eigenen Würde, nicht nur bewusst sind, sondern die vor anderen auch für sie einstehen, müssen sich nicht anderen zuliebe an Regeln halten, die ihnen widerstreben (wenn sie sich vielleicht von ihnen über- oder unterfordert, beleidigt oder gedemütigt fühlen). Sie müssen nur wissen, dass (noch) nicht alle Menschen dazu bereit sind, andere – die sie als „unter ihrer Würde“ betrachten – als voll integrierbare Mitglieder in ihre Gemeinschaften aufzunehmen. Was heute bereits vielen Kindern von ihren Erziehungsberechtigten oder LehrerInnen angetan wird, obwohl es umfassende Kenntnisse über deren natürliche Bedürfnisse und Lernvermögen, kulturelle Unterschiede und/oder Entwicklungsverzögerungen (durch fehlende Zeit oder Geduld bzw. Über- oder Unterforderung in unterschiedlichen Lernbereichen) gibt, ist jedenfalls wenig menschenwürdig, zumindest, wenn man Kinder nicht bereits als „vollwertige“ Menschen mit einem eigenen Willen und dem Recht auf Widerstand betrachtet…
Nicht besser wird es, wenn man Menschen, die auf menschenwürdige Unterstützung hoffen, z.B.

  • im eigenen Land als „Flüchtlinge“,
  • in einer Stadt als „Zugezogene“,
  • in einer Schule, einem Verein, einer Kirchengemeinschaft oder anderen Vereinigung von Menschen als „die Neuen“ empfängt,

die sich dankbar „neuen„, nämlich deren alten, Gepflogenheiten anpassen sollen oder sogar müssen, wenn sie nicht weiterhin Ausgestoßene bleiben oder anders von der bestehenden Gemeinschaft bestraft werden wollen; anstatt ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung und Lebenserfahrungen einzubringen und mit anderen, dort bestehenden abzugleichen, um verstehen zu können, warum man sich – unter völlig neuen Bedingungen (des Miteinanders) – auf gemeinsame, neue, einigen sollte.

In der Vergangenheit haben sich nie alle Menschen „gut“ erziehen und an die bestehenden, von ihren Vorgängergenerationen aufgebauten Systeme anpassen lassen.
Nicht nur QuerdenkerInnen, sondern auch SystemaussteigerInnen zeigen schon immer, dass es auch anders geht als sich von einer Mehrheit demokratisch regieren, also von einer Politik und ihren selbstgewählten KulturberaterInnen oder Wirtschafts- und WissenschaftsexpertInnen (statt von natürlichen Bedürfnissen nach einem naturnäheren menschlichen Miteinander) beherrschen zu lassen.
Ich sehe keinen Grund, anderen Menschen DANKE für etwas sagen oder mich anders erdenklich dafür zeigen sollen, wenn ich

  • mich überhaupt nicht über deren Geschenk freue (weil ich es gar nicht selbst gebrauchen kann und kein Aufbewahrungslager für Dinge besitze, die ich irgendwann anderen Menschen, die sich darüber freuen würden, weiterschenken möchte) oder
  • es als eine Selbstverständlichkeit betrachte, wenn andere etwas mit mir teilen, was sie selbst überhaupt nichts kostet oder gekostet hat außer Lebenszeit – die ihnen geschenkt wurde und die sie sich selbst einteilen können, ganz so, wie sie gerne möchten bzw. es für sinnvoll halten.

Wir müssen meiner Meinung nach nicht alles immer wieder in Worten ausdrücken, was unsere Blicke oder intuitiven Reaktionen stattdessen viel leichter sagen können, und/oder anderen immer wieder etwas vorbeten, sobald sie das Prinzip dahinter verstanden haben.
Wir müssen nicht immer wieder alles umsetzen und/oder in Angriff nehmen, was wir nur für eine gute Idee halten, weil andere uns irgendwann einmal plausibel gemacht haben, dass es eine ist.
Wir müssen nicht alles sagen oder tun, nur weil wir es sagen oder tun können bzw. so gelernt oder uns irgendwann so angewöhnt haben.
Wir könnten auch „einfach“ – vor allem, wenn uns nur etwas Gewöhnliches dazu einfällt – bewusst darauf verzichten und warten, bis uns entweder eine bessere Idee für eine Formulierung unserer Gedanken oder Gefühle oder eine Vorgehensweise kommt, oder bis uns jemand fragt, warum wir gar nichts dazu gesagt oder dafür oder dagegen getan haben.
Aber eine Antwort darauf wissen sollten wir – als Menschen mit einem denkfähigen Gehirn und einem Gewissen bzw. Verantwortungsbewusstsein – dann schon, also nicht hoffen, dass nie jemand nachfragen oder sich immer wieder mit einer Antwort zufrieden geben wird wie „Das ist einfach“ bzw. „war schon immer so„.
Es ist – nicht nur von interessierten WissenschaftlerInnen – leicht nachzuprüfen, also eigene Recherchen dazu anzustellen, dass das einfach nicht stimmt, also eine dreiste Lüge ist.

P.s.: Kein Mensch hat in meinen Augen das (Natur-)Recht, anderen ohne deren Einwilligung bzw. eine ausführliche Aufklärung und Beantwortung aller Fragen sowie Ausräumen aller Einwände etwas vorzuschreiben, bzw. die Pflicht, anderen zuliebe Dinge zu tun, die ihm bzw. ihr widerstreben. Deshalb ist es auch utopisch, zu denken, man würde immer wieder „Dumme“ finden, auf die man (Denk-)Aufgaben abwälzen könnte, für die im Grunde niemand allein die Verantwortung übernehmen möchte oder könnte – weil sie uns alle, das Leben und die Zukunft jedes und jeder einzelnen betrifft.

 

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Dank für das Foto gebührt Brett Jordan (auf Unsplash)!

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