Von der sinnlosen Suche nach dem Sinn des (menschlichen) Lebens, der sich nur im großen Ganzen – in der Summe aller Einzelschicksale – offenbart

Wenn Menschen im eigenen Leben nicht nur eine Aufgabe – ein „Baby“ –  brauchen, sondern auch das Gefühl, gebraucht zu werden

Menschen, die nach dem Sinn ihres Lebens oder des Lebens überhaupt suchen, haben offenbar nichts Sinnvolleres in ihrem Leben zu tun, müssen oder wollen sich also weder um das sorgen,

  • was sie heute oder sonst zu essen bekommen bzw. woher es stammt;
  • wo sie jeden Tag bzw. jede Nacht schlafen können;
  • woher sie ihre Kleidung bekommen, mit der sie sich auch, wenn es kalt ist, frei bewegen bzw. unter andere Menschen begeben können;
  • was sie jeden Tag brauchen, um in dieser Welt überleben zu können.

Solange es also außerdem Menschen gibt, die ihnen – persönlich oder über verschiedenste Medien – zuhören oder ihre Worte oder ganzen Bücher lesen und sie dafür mit öffentlicher Aufmerksamkeit oder auch materiellen Gütern wie Geld entlohnen, werden sie es automatisch als ihre Lebensaufgabe ansehen, das zu tun: Weiter über den Sinn des Lebens philosophieren; ihn weiterhin suchen statt ihn darin zu finden, etwas Sinnvolleres mit ihrem eigenen Leben – ihrem Körper und Geist, der ihnen mit ihrer Geburt geschenkt wurde – anzufangen, es nämlich zu erhalten.

Weder ein menschlicher Körper noch ein menschlicher Geist oder eine menschliche Seele bleibt dauerhaft gesund und damit lebensfähig, wenn er bzw. sie nicht umfassend genutzt, also sowohl (heraus-)gefordert als auch immer wieder erholt wird, das heißt Zeit zu Regeneration oder Entgiftung bekommt.
Wenn Menschen sich also in ihrem Leben zu viele Aufgaben – egal ob (frei-)berufliche oder (gesamt-)gesellschaftliche, das Großziehen von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder den Schutz von Tieren oder der Natur –  auflasten, ohne gleichzeitig zu wissen, wofür das, was sie tun, eigentlich gebraucht wird (bzw. ob es überhaupt Sinn macht, das zu versuchen, was sie versuchen, mit ihrem Tun zu erreichen, nur weil sie es sich wünschen), wird ihr Leben mit der Zeit ganz automatisch sinnlos, egal ob sie an den Sinn des oder ihres Lebens glauben oder nicht.

Den Sinn des Lebens (bzw. des Unsinns, den Menschen in die Welt gebracht haben) kann man meiner Meinung nach erfassen, wenn man sich nicht nur die aktuelle Realität genau betrachtet bzw. in sie hineinspürt und sie mit allen Sinnen wahrnimmt, sondern auch in die Vergangenheit zurückgeht, um die Veränderungen nachvollziehen zu können, die Menschen in die Welt gebracht haben. Ich vermute, dass sie nichts Sinnvolleres zu tun hatten als sich die Welt „schöner“ – einfacher, bequemer und vermutlich „sicherer“, also vorausschaubarer – machen zu wollen als sie bei ihrer Geburt war. Vielleicht weil sie niemanden hatten, um den sie sich kümmern mussten bzw. der oder die sich so um sie gekümmert bzw. über die Gefahren des Lebens aufgeklärt hat:

  • sich in kurzer Zeit zu viel oder über lange Zeit zu wenige Informationen einzuholen und Gedanken darüber zu machen,
  • mehr zu wollen als man alleine leisten kann und/oder
  • zu hoffen bzw. zu erwarten, dass andere sich immer genauso leicht und schnell von den eigenen Zukunftsplänen, Absichten oder Zielen überzeugen lassen, nur weil sie anfangs – solidarisch – davon begeistert waren und sie vielleicht sogar für gute Ideen hielten (weil sie vielleicht gerade selbst keine anderen, besseren, hatten und ihnen alleine so langweilig war, dass sie es für sinnvoller hielten, etwas mitzumachen, was sie sich ohne andere ohnehin nicht zugetraut hätten).

Als Natur- bzw. Lebenswissenschaftlerin kann ich nur sagen, dass ich oft glaube, den Sinn darin zu verstehen, den Menschen sich für das ausgedacht haben, was sie in ihrem Leben erreichen woll(t)en, bzw. warum es ihnen so schwer fällt, sich etwas anderes auszudenken, selbst wenn klar ist, dass sie mit ihren Lebensvorstellungen in einer Sackgasse gelandet sind.
Aber weil er sich nur ganz individuell finden und erklären lässt, macht es für mich keinen Sinn, für eine breite Öffentlichkeit weiter davon zu erzählen.
Wer sich irgendwann mit mir persönlich darüber unterhalten möchte, kann das gerne versuchen. Vielleicht kann ich mir Zeit nehmen, wenn ich nichts Wichtigeres, zu tun habe, was mir sinnvoller erscheint – weil es um die Nahrung geht, die ich essen, trinken oder sogar selbst ernten möchte; den Platz, den ich zum Schlafen brauche; die Kleidung, die ich tragen möchte, weil ihre Herstellung die Umwelt möglichst wenig belastet; oder darum, mich um die anderen Dinge und Menschen zu kümmern, die ich zu meinem Leben brauche. Denn das ich – wie jeder einzelne Mensch – leicht ersetzbar ist in einer Welt von 8 Milliarden, das ist mir bewusst, so dass ich mir nicht einzureden brauche, mein Leben hätte einen ganz besonderen Sinn; außer vielleicht für die Menschen, die gerne Zeit mit mir verbringen und dabei etwas mit mir zusammen tun, und sei es nur, darüber zu reden, was sie und mich gerade so beschäftigt. Denn sinnvoll werden Gespräche für mich erst dann, wenn Menschen Interesse daran haben, sie auf gemeinsame Nenner zu bringen, die vorher noch nicht da waren.

 

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Dank für das Foto gebührt Andreas Fickl (auf Unsplash)!

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