Familienmitglieder mit besonderen Bedürfnissen

Von der menschlichen Verlockung, ihre eigene Existenz darauf zu begründen, vor allem mit Schwächeren oder hilfsbedürftig Erscheinenden – die sich über jede Unterstützung freuen (sollten) – zu interagieren statt sich um die Interessen derer zu sorgen, die stark genug scheinen, das selbst zu tun, oder Hilfsangebote ablehnen

Kein Mensch ist wie ein/e andere/r, genauso wenig wie eine Familie einer anderen gleicht.
Es gibt kleine und große; schwergewichtige oder starke bzw. eindrucksvolle oder einfache und vielleicht unbedeutend oder schwächer erscheinende; eher leise-zurückhaltende oder laute-draufgängerische, eintönige oder bunte, welche mit über- oder unterdurchschnittlich vielen „Extremitäten“ bzw. „extrem anderen Mitgliedern“ oder Besonderheiten, selbst innerhalb eines Verwandtschaftskreises.
Die Natur bietet unendlich viele Möglichkeiten für individuelle Entwicklungen und Zusammenstellungen unterschiedlicher, von Natur aus zwei- oder vier- bis vielbeiniger oder sogar beinloser Individuen.

Für mich als Biologin gehören nicht nur Eltern oder Groß- und Urgroßeltern, Geschwister, Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen, Neffen und Nichten etc., sondern alle Säugetiere zu einer natürlichen Familie, innerhalb der allen die gleichen Lebensrechte bzw. individuelle Rücksichtnahme entgegengebracht werden sollte. Dass wir auch mit allen anderen Arten von Lebewesen rücksichtsvoll, gemäß ihrer, aber auch unserer natürlichen Bedürfnisse umgehen sollten, ist für mich allerdings auch gar keine Frage. Mir gehen Menschen zu weit, die sich eigene Gesetze machen und Rechte geben, also so tun, als dürften sie auf dieser Welt ungestraft tun und lassen, was sie wollten, sich also alle anderen Lebewesen unterordnen.
Ich bin überzeugt, kein freilebendes Tier (das sich nicht an menschliche Regeln und Routinen gewöhnt hat)  käme auf die Idee, sich automatisch schon beim Aufwachen – nur aufgrund der eigenen Verfassung oder Laune – für stärker und „besser“ oder schwächer und „schlechter“ zu halten als andere, ohne es überprüft zu haben: Alle, die sich bisher aufgrund ihrer Fähigkeiten Vorrechte angeeignet hatten bzw. für sich beansprucht haben, könnten diese – sollten sich z.B. irgendwelche (Umwelt-)Faktoren und damit die individuellen Voraussetzungen oder Umgebungsbedingungen (überraschend) geändert haben – nicht weiter benötigen und verteidigen wollen (sondern stattdessen Hilfe bei etwas brauchen).
In der Natur ist jeder Tag wirklich neu. Alle müssen täglich in erster Linie gut für sich selbst sorgen (können) – den eigenen Körper und Geist sowie seelische Bedürfnisse bzw. die Nahrungsmittel, mit denen sie genährt, also aufgebaut oder erhalten, und bei Bedarf entgiftet werden – oder zumindest wissen, wer oder was ihnen behilflich dabei sein kann, das zu bekommen, was sie brauchen und daher gerne  haben möchten.

Nur Menschen haben sich angewöhnt, zu denken, sie müssten auch über die Köpfe anderer hinweg – die vielleicht nicht einmal ihre eigenen Kinder oder Haustiere sind, für deren Verhalten bzw. daraus entstehende Schäden sie selbst die Verantwortung tragen müssen, oder die ganz offensichtlich zeigen, dass sie nicht damit einverstanden sind, sich also z.B. dagegen sträuben – Entscheidungen zu treffen. Selbst Eltern, die von Natur aus die Bedürfnisse ihres eigenen Nachwuchses, also ihres eigenen Fleisch und Blutes intuitiv verstehen könnten (wenn sie genug Selbstbewusstsein und –vertrauen hätten), hören heute viel zu oft auf andere, die sich aufgrund ihres mit Zeugnissen oder Urkunden und anderen Schriftstücken nachgewiesenen Bildungsstandes, ihrer Ausbildung oder ihrer Berufserfahrungen „ExpertInnen“ nennen (können/wollen/dürfen).
Viele Menschen wissen nicht, dass es nicht mehr als eine unbewiesene Behauptung, eine wissenschaftliche These ist, die (Körper-)Sprache von „Untersuchungs- oder Versuchsobjekten“ – den „Objekten menschlicher Begierden“ bzw. ihres intuitiven Tatendrangs – so genau studiert zu haben, dass man sie – ohne überhaupt irgendetwas über ihre Vergangenheit wissen zu müssen – auf Anhieb verstehen und wissen könnte, wie man sie auf einen Blick „liest“ und – vielleicht mithilfe wissenschaftlicher Fragebögen oder anderer Anleitungen und Testverfahren – ihre „wahren“ Bedürfnisse erkennt.

Nur Menschen denken – vor allem wenn sie sich mit anderen, die sie für besser (oder auch schlechter) als sich selbst halten, vergleichen – sie wären in der Vergangenheit oder insgesamt nicht konsequent oder streng bzw. unterwürfig genug (gewesen), wenn andere sich ihnen gegenüber nicht immer wie erwartet oder gewünscht verhalten. Freilebende Tiere wissen, dass sie immer damit rechnen müssen, dass etwas Unerwartetes geschieht oder etwas immer wieder neu versuchen können bzw. sogar müssen, weil es von der Tagesform des Gegenübers abhängt, ob sie mit ihrem – aufdringlich-fordernden oder demütigen – Verhalten erfolgreich sein könn(t)en oder nicht.

Nur Menschen haben sich ihre natürliche Achtsamkeit – sowohl im Hinblick auf ihre eigenen körperlichen, geistigen und/oder seelischer Bedürfnisse als auch ihre intuitive Vorsicht und Rücksichtnahme auf die anderer – ab- und dafür einen lebenslangen Beschützer- oder Mutterinstinkt, ein unnatürliches, krankhaftes Helfersyndrom, antrainieren, anerziehen, lassen: dadurch, dass sie an festen Orten in lebenslangen Gemeinschaften auch mit besonders unvorsichtigen oder rücksichtslosen, sehr ängstlichen oder draufgängerischen anderen leben wollen oder müssen, wenn sie nicht als NomadInnen durchs Leben ziehen und sich nur bei Menschen (oder Tieren) niederlassen wollen, mit denen sie sich von Natur aus wohl oder besonders verbunden fühlen.

Nur Menschen, die sich – weil ihre individuellen, besonderen Bedürfnisse nicht ausreichend wahrgenommen bzw. gestillt werden – in ihren natürlichen Gemeinschaften nicht wohl fühlen, kommen auf die Idee, diese zu verlassen und sich andere zu suchen bzw. sogar eigene Familien zu gründen, für die sie – als Familienoberhaupt – die Verantwortung übernehmen wollen.

Nur Menschen, die perfektionistisch versuchen, sich um alles und jede/n zu kümmern, erfinden Ausreden für sich, warum sie sich nicht genug Zeit dafür nehmen können oder Energie haben, sich um sich selbst zu kümmern (oder dagegen zu wehren, dass andere über ihren Kopf hinweg Entscheidungen treffen können – selbst wenn sie die nicht für gut befinden).

Ich sehe heute selten wirklich glückliche Menschen oder vorbildliche Familien, sondern eher Trauerspiele, die Menschen aufführen, die

  • (Tier-)ÄrztInnen brauchen, die ihnen bei Krankheitssymptomen sagen müssen, was denen fehlt, um die sie sich hätten kümmern sollen;
  • nicht wissen, wie man natürliche Bedürfnisse bei anderen erkennt bzw. richtig deutet, wenn die sich dafür schämen bzw. unangenehme Erfahrungen damit gemacht haben;
  • zu wenig Wissen über ganz normale VertreterInnen ihrer eigenen Art oder einer Tierart haben, die sie in ihre Familie aufnehmen möchten;
  • denken, sie wären nur zu gutherzig-inkonsequent, um feste, strenge Regeln zu etablieren, mit denen alle glücklich und zufrieden – ohne Stress miteinander haben oder sich übereinander ärgern zu müssen – leben könnten, sobald sie sich ihnen unterworfen hätten …

Was für viele Menschen „vernünftig klingt„, oder einst vernünftig geklungen hat, ergibt oft nur solange Sinn, bis man beginnt, eigene Erfahrungen damit zu machen.
Dann kommt – wenn man anerkennen kann, dass unser Leben dazu da ist, Erkenntnisse zu sammeln und dazuzulernen – die Zeit, darüber nachzudenken, woher die eigenen Vorstellungen vom und Erwartungen an das Leben kommen und es auch einmal aus anderen Perspektiven zu betrachten.
Aus meiner Perspektive erscheint es mir nicht
besonders vernünftig, sich im Voraus auf Jahre oder Jahrzehnte bzw. vielleicht sogar lebenslang einer festen Lebensgemeinschaft zu verpflichten.
Es mag schön sein, sich als Teil einer über viele Jahre eingeschworenen Gemeinschaft zu fühlen.
Ich nehme mir lieber die Freiheit heraus, meine Lebenszeit dafür zu investieren, mich mit den Problemen der Menschen im Miteinander oder bei ihrem Verständnis von Tieren und Pflanzen bzw. anderen Arten von Lebewesen – also vor allem der lebenden Natur (aber auch in Verbindung zur toten) – und mit natürlichen, gesunden, ökologischen Beziehungen zu beschäftigen. In der Natur geht es nicht um Gewinn-und-Verlust-Rechnungen, also darum, ob sich alles Leid (auf das Freude folgen kann) lohnt, um glückliche Zeiten auskosten zu können, sondern um gegenseitiges Ver- oder ein gesundes – anfängliches, vorsichtiges – Misstrauen und einen achtsamen, verantwortungsvollen Umgang miteinander, nachdem man sich die Zeit genommen hat, sich näher kennenzulernen (oder eher aus dem Weg zu gehen und nur aus der Ferne zu grüßen).

Es gibt immer wieder Zeiten, in denen Menschen (oder auch Tiere) mehr persönliche Freiheit und Zeit für sich alleine oder mehr Zuneigung bzw. die Sicherheit brauchen, dass andere im Notfall für sie da sind.
Es hat also wenig mit den Menschen (oder Tieren) an sich zu tun hat, sondern vor allem mit ihren individuellen Lebensumständen und Angewohnheiten, sich „normalerweise“ die Zeit zu vertreiben, von der sie hin und wieder eine Auszeit brauchen, um sich davon erholen zu können. – Denn das, was anfangs viel Sicherheit und/oder Wohlbefinden verspricht, – unnatürliche Routinen und/oder Genuss-Süchte, die unsere natürlichen Sinne unter- bzw. überreizen und früher oder später keine Überraschungen (mehr) bieten können – macht Menschen auf Dauer krank und/oder unglücklich und/oder hilfsbedürftig und/oder irgendwann schlauer als vorher. Wer besonders sozial veranlagt ist oder erzogen wurde, neigt dazu, neugewonnenes Wissen so schnell wie möglich in der Welt verbreiten zu wollen, damit anderen schmerzhafte Erfahrungen erspart bleiben; Menschen – die eher schadenfroh sind bzw. sich erst mit anderen solidarisch fühlen, wenn diese dieselben Lebenserfahrungen wie sie selbst gemacht haben – können fröhlich oder zumindest entspannt dabei zuschauen, wie andere dieselben „Dummheiten“ im Leben begehen wie sie selbst.

Es ist weder ein Freundschaftsdienst noch ein Liebesbeweis, andere – weil sie vermeintlich oder angeblich keine eigenen, sinnvollen Entscheidungen für sich treffen können oder würden, wenn sie genug für sie leicht verständliche Informationen dazu (bekommen) hätten – wie willen- oder gehirnlose Wesen zu behandeln und nicht immer wieder zu versuchen, mit ihnen in Kontakt zu treten bzw. zu kommunizieren, bis sie den Eindruck erwecken, verstanden zu haben, was sie tun bzw. welche Verantwortung sie damit auf sich laden (- dass sie die Folgen ihres Tuns nicht versuchen abzuschätzen). – Das ist menschliche Anmaßung begründet auf festen Vorurteilen und fehlendem Wissen über andere und das Leben oder Naturgesetze und Anziehungskräfte oder Abstoßungsreaktionen im Universum.

In meinen Augen ist es außerdem Dummheit aus Gedankenlosigkeit oder aufgrund von fehlender Zeit, Geduld bzw. einem Mangel an Inter-Esse an anderen (also daran, wirklich bewusst mit ihnen zu sein, sich mit ihnen verbunden zu fühlen) von Menschen, die sich angewöhnt haben, ihre eigene Existenz, das eigene, individuelle Dasein auf dem anderer zu begründen, sich also davon abhängig zu machen, oder nur mit ihnen zu inter-agieren, es also willkürlich – bunt, wild und ungezügelt oder nach strengen Regeln – miteinander zu treiben (um so möglichst viel Spaß am Leben zu haben).
Es ist für mich das größte Versagen des Homo sapiens, zu denken, man könne die Stärksten und (Einfluss-)Reichsten einfach tun lassen, was sie vorhaben, oder sein zu lassen, wie sie sind, ohne ihnen täglich wieder ihre Grenzen aufzeigen zu müssen, sobald sie ihre Macht über andere zu sehr ausnutzen. Viele Menschen, die tun als wären sie die Allein-HerrscherInnen über die Erde oder die im Geheimen Auserwählten, um die Interessen der Natur als Ganzes und gleichzeitig der Menschheitsfamilie als einer Art  – unter unzähligen anderen – zu vertreten, ignorieren häufig, wenn Interessen ihren diametral entgegenstehen bzw. nicht miteinander vereinbar sind.
Die Zeit wird zeigen, welche sich irgendwann durchsetzen

P.s.: Es ist nicht damit getan, sich um körperliche oder seelische Bedürfnisse anderer zu kümmern wie die nach materieller Nahrung, Wasser, einem Schlafplatz, ausreichend Bewegungsraum und Streicheleinheiten. Es ist genauso essentiell für dauerhaft und nachhhaltig gute oder enge Familienbeziehungen, Angehörige intellektuell zu fordern, also vor immer wieder neue Herausforderungen oder Probleme zu stellen, die sie bewältigen können (oder für die sich gemeinsam Lösungen finden lassen), oder bei ihrer Körperpflege zu helfen, wenn sie selbst dazu noch oder gerade nicht bzw. vor allem im Alter nicht mehr selbstständig dazu in der Lage sind, oder im Krankheitsfall zu wissen, wie man ihnen helfen kann, vor allem, wenn sie besonders anfällig für bestimmte Gesundheitsprobleme sind

 

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Dank für das Foto gebührt CDC (auf Unsplash)!

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