Willst Du wirklich noch Kontakt zu Deinem inneren Kind?

Wenn es vielleicht besser Zeit ist, der Vergangenheit Lebwohl zu sagen

Es ist in Mode gekommen, Menschen einzureden, die unverarbeiteten Traumata ihrer Kindheit würden ihnen die Probleme machen, die sie in ihrem Leben haben, sei es im Job, mit ihrer Gesundheit oder in ihren Beziehungen.
Ich denke eher, diese Menschen haben viel mehr ein Problem, ihre Vergangenheit, in der sie einerseits sehr glücklich waren – denn Kinder machen immer das Beste aus ihrer Situation, selbst wenn sie darunter leiden – und andererseits sehr unterdrückt wurden, nicht loslassen zu können, während sich ihr Körper, ihr Geist und ihre Seele frei weiterentwickeln wollen.

Sie können sich von ihren TherapeutInnen oder ÄrztInnen einreden lassen, dass sie alles richtig machen bzw. gemacht haben und zu ihnen gekommen sind, weil sie Hilfe von Medikamenten oder anderen Menschen brauchen. Selbstständige, selbstverantwortliche Erwachsene werden sie dabei meistens nicht – wenn den TherapeutInnen und ÄrztInnen nicht bewusst ist, dass sie eine fürsorgliche Elternrolle für die nach Liebe und Bestätigung suchenden inneren Kinder übernehmen, die in ihrem Leben nicht alleine weiterkommen.

Jedes Kind schöpft – wenn es nicht nur einen eigenen, schlauen Dickkopf, sondern auch ein großes, mutiges Herz hat – Mut aus sich selbst, ohne dass ihm der von anderen erst gemacht, also eingeredet werden muss.
Ich habe den Eindruck, viele Menschen reden sich selbst ein, dass es ihnen Spaß machen würde, sich ordentlich zu verhalten und nicht aufzubegehren gegen das, was andere ihnen vorschreiben – obwohl es ihnen das Leben unter anderen Menschen, die – oft streng und mit Strafen wie Liebesentzug – dazu erzogen wurden, Ordnung zu halten.

Alle Menschen halten von Natur aus so viel Ordnung, wie es gesund für sie ist – weil sie den Überblick über das behalten müssen, was sie zum Leben brauchen bzw. was ihrer Gesundheit abträglich sein könnte.
Umso mehr sie besitzen, umso schwieriger wird es für sie – sowohl die Zeit aufzubringen, all ihre Siebensachen im Blick zu behalten, als auch, ihre Prioritäten zu setzen, was besonders in Ordnung gehalten und immer wieder sauber weggepackt werden muss und was einfach nur irgendwo verstaut werden kann.

Es ist also immer wieder gut, Dingen und Angewohnheiten Lebwohl zu sagen, sobald sie zu viel Raum im eigenen Leben einnehmen, vielleicht auch der Angewohnheit, in Büchern oder Praxen therapeutischen Rat zu suchen statt das eigene innere Kind einfach mal hinter sich zu lassen und sich zu fragen:

  • Wer bin ich eigentlich heute und wie konnte es sein, dass ich genau hier gelandet bin?
  • Was will ich eigentlich, also wer möchte ich viel lieber sein und wie komme ich dahin?
  • Was würde ich mir selbst eigentlich in meiner Situation empfehlen, wenn ich nicht nur vernünftig denken oder aus dem Bauch heraus handeln, sondern meinem Herzen (und vielleicht Menschen, die ich liebe) folgen würde?

Du magst glücklich aussehen auf Fotos, die andere von Dir lieben, weil Du von ihnen hübsch in Szene gesetzt wurdest.
Ich würde sie lieber zerreißen, wenn Du Dir heute sicher bist, dass sie dazu beigetragen haben, dass Du bisher vielleicht ein vorbildliches Leben – ein Leben nach (Vor-)Bildern – gelebt hast, aber mit Sicherheit keines, das Dich dahin gebracht hast, wo bzw. wie Du heute gesund und glücklich leben könntest.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du noch dorthin kommst – denn Du hast es Dir genauso verdient wie jeder und jede andere (der oder die Dich bisher vielleicht vor allem benutzt hat, damit Du ein Klischee für ihn oder sie erfüllst, also nur eine Schablone dessen, woraus Du ein echtes Kunstwerk machen könntest; vielleicht weil er oder sie Angst hat, sonst in Deinem Schatten zu stehen oder feststellen zu müssen, dass Du auch ohne sie oder ihn zurechtkommst).

P.s.: Wer von den Menschen, die Deine kindliche, hilfesuchende Seele trösten, ist im Alltag für Dich da, wenn Du Hilfe brauchst, weil Du Dich überfordert fühlst? Such‘ Dir lieber echte FreundInnen in Deiner Nähe, die sich sowohl um Dich kümmern, wenn Du einfach nur jemanden zum Reden brauchst als auch, wenn Dir zwei oder mehr helfende Hände oder andere tatkräftige UnterstützerInnen fehlen, um mit dem voranzukommen, was Du in Deinem Leben erreichen möchtest.

 

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Dank für das Foto gebührt Terricks Noah (auf Unsplash)!

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