Warum krankhafte Depressionen, – die Unterdrückung des eigenen, übersteigerten Egos – unter denen Menschen leiden, wichtig für deren zukünftige Gesundheit und den Erhalt unserer Natur sind

Die schmerzhafte Realität des Erwachsen- oder Menschwerdens und der Erkenntnis der Verantwortung nicht nur für das eigene Leben

Lange Zeit hatte ich eher, weil ich mich nicht näher damit beschäftigt, aber öfters davon gehört oder gelesen habe, den Eindruck, dass besonders schwache Menschen – Menschen, die bereits an einem „einfachen Leben“ verzweifeln, weil sie es zu schwer nehmen oder sich zu viel aufgelastet haben – zu Depressionen neigen.
Heute bin ich sicher, dass es die Menschen mit den größten, willens- und überlebensstärksten Egos sind, die damit irgendwann nicht mehr weiter kommen.
Viele Menschen erfahren früh, andere erst sehr spät in ihrem Leben, dass die Welt nicht so einseitig schön (oder grausam) ist wie sie sie gerne hätten (damit sie gut darin leben können) und das Leben nicht so einfach (oder schwer) wie das, was ihre Eltern vielleicht geführt oder sich darunter vorgestellt und nach außen getragen haben.

Etwas über das echte Leben, die Natur, zu erfahren bedeutet für Menschen, die sich wirklich ehrlich und umfassend damit – mit Lebensräumen, Tieren, Pflanzen oder auch sich selbst und ihren ZeitgenossInnen – auseinandersetzen möchten, immer auch, etwas zu erfahren, was sie noch nie vorher gehört oder gesehen haben, z.B. auch über die Grausamkeiten, zu denen ganz „normale“ Menschen in der Lage sind, und die willkürlich und unaufhaltsam erscheinende Zerstörung unserer Erde durch den Menschen.
Menschen sind von Natur aus zartbesaitete Wesen, die nicht dazu neigen, sich oder anderen absichtlich weh zu tun, wenn es ihnen nicht z.B. darum geht, ihre Körperstärke aneinander zu messen. Allerdings können sie „zum Tier werden“, wenn sie entweder glauben, dass ihnen jemand an den Kragen oder ihnen etwas besonders Wertvolles (wie ihren freien Willen und Fortpflanzungsdrang) wegnehmen will.

Vor allem Menschen, die bereits in ihrer Kindheit – körperliche oder physische – Gewalt (durch angsterfüllte, hormongesteuerte Menschen) erfahren (selbst erlebt oder „nur“ beobachtet) haben, so dass sie sie nachfühlen konnten, neigen dazu, sich selbst und andere zukünftig davor schützen zu wollen.
Menschen, die nicht wissen, dass wir andere nicht davor schützen können, ihre eigenen schmerzhaften Erfahrungen im Leben machen zu müssen, um daraus zu lernen und ihre eigenen Widerstandskraft zu entwickeln, um im Leben zu bestehen, können dabei nur verlieren: ihre Lebensfreude, ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben. – Wenn sie nicht rechtzeitig beginnen, sich selbst vor sich selbst und ihrem Engagement zu schützen (das in erster Linie ein fehlendes für ihre eigenes Leben ist und das, was sie dafür brauchen, damit ihre natürlichen Bedürfnisse als Menschen erfüllt werden).

Es macht aus biologischer Sicht keinen Sinn, die eigenen Nerven für etwas aufzureiben, was sie nicht auch dauerhaft wieder beruhigen kann – weil man sicher sein kann, dass man etwas nachhaltig Gutes (wie die eigene Zufriedenheit mit sich) damit erreicht hat.
Es macht wenig Sinn, sich – ohne mit dem Rest der Welt zu kooperieren, weil auf unserer Erde alles miteinander verbunden ist – bestimmte Arten oder Lebensräume schützen zu wollen, deren Existenz davon abhängt, dass an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit etwas anderes entsteht und auf natürlichem Weg – per „Luftpost“ oder Vehikeln in Form von Tieren, Menschen oder Wasser – dorthin transportiert wird, wenn das gleichzeitig zerstört wird.
Es ist meiner Meinung nach völliger Unsinn, sich selbst dabei auszulaugen, den eigenen Besitz oder die eigene Gesundheit mit der Arbeit für Unternehmen oder Staaten zu schützen, deren Intention es ist, Menschen zu enteignen und selbst die Kontrollmacht über deren Körper zu gewinnen.
Unser Planet ist ein einziges riesiges Ökosystem, dessen genaue Funktionsweise bzw. Bedeutung einzelner Teile kein Mensch erfassen kann – weil sich alle miteinander weiterentwickeln müssen, um (über-)lebensfähig zu bleiben. Ich weiß nicht, ob Menschen es tatsächlich so in der Hand haben, sein Gleichgewicht so stören zu können, dass es unserer Spezies nicht mehr als Lebensraum dienen kann – indem sie alle Organismen zerstören, die uns zur Nahrung dienen, unser Wasser wiederaufbereiten und unsere Atemluft reinigen.
Aber ganz unbezweifelbar bleibt alles, was wir versuchen zu ignorieren oder bewusst zu unterdrücken, nicht ewig unter der Oberfläche verborgen, auch wenn es unsere Psyche, unseren Geist betrifft. Unsere Seele lässt ein schlechtes oder „fehlendes“ Gewissen nicht ewig zu (das sich auch in vielen anderen, körperlichen Krankheitsbildern äußern kann).
Erwachsene Menschen mit zu kindlichen oder verletzten Egos und zu wenig Vertrauen in das, was sie (in ihrem Leben erreicht) haben, selbst wenn es mehr ist als sie überhaupt brauchen, „müssen“ wahrscheinlich – wenn sie zu einer neuen Stärke und Widerstandskraft finden wollen, bis an ihre Existenzgrenzen geführt werden, um herauszufinden, wer sie eigentlich sind und warum sie genau so – depressiv – geworden sind, wenn sie doch ein Leben führen, das sie im Prinzip selbst – freiwillig – gewählt haben.

Die Natur ist aber nicht so wie Menschen sie sich freiwillig wählen würden:

  • Neben dem Leben gibt es das Sterben und den Tod, neben Geheilten auch unheilbar Kranke, neben der Schönheit die Vergänglichkeit;
  • wer andere fressen möchte, ist darauf angewiesen, dass sie sich einfangen und fressen lassen;
  • wenn nicht genug Nahrung für alle da ist, müssen einige freiwillig Verzicht leisten oder hungern;
  • neben sparsamen Menschen oder Tieren, die Vorrat halten und vorsorgen, gibt es andere, die Völlerei betreiben und sogar wertvolle Ressourcen verschwenden;
  • Menschen, die erfolgreich Krafttraining und Imponiergehabe ohne böse Absichten betreiben, können unter anderen Umständen zu besonders erbitterten KämpferInnen auf Leben und Tod werden, und
  • bewusste, achtsame Handlungen schließen gleichzeitig begeistertes Tun aus.

Wir können nicht alles zur selben Zeit und genau da so haben, wie wir es wollen – auch wenn uns Menschen, die davon profitieren, die vielleicht selbst glücklich macht, dass andere unzufrieden mit ihrem Leben sind, genau das glauben machen wollen. Es wird vielleicht immer Menschen geben, die ihren eigenen Verstand (noch) nicht so nutzen (möchten), wie sie ihn nutzen könnten, nämlich vernünftig – nach bestem Wissen und Gewissen, nicht nur willentlich oder so, wie sie glauben, dass es vernünftig ist (ohne dass sie jemals etwas über seine Funktionsweise und die Abweichungen zwischen unterschiedlichen Menschengruppen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen gelernt hätten). Es gibt Menschen, die schreiten lieber möglichst schnell zur Tat statt erst lange darüber nachdenken zu wollen, ob das, was sie tun möchten, viel Sinn macht oder eher ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Und es gibt Menschen, die verzweifeln an ihrer Mutlosigkeit (selbst etwas zu tun statt nur darüber nachzugrübeln, wie sie etwas anfangen könnten).

Aber: Wo ein Wille ist, ist prinzipiell immer auch ein Weg, auch aus jeder Depression (auch wenn unsere natürliche Intuition meiner Meinung nach immer unsere verlässlichere Führerin ist).
Viele Menschen sind allerdings gewohnt, vielleicht um sich selbst oder anderen etwas zu beweisen, die (selbstquälerische) Herausforderung darin zu suchen, sich freiwillig den schwersten (möglichst wenig an ihrem Leben zu verändern, so dass es für sie leichter werden könnte) statt den einfachsten zu wählen; oft zusätzlich das schwerste Gepäck (oder Medikament mit den stärksten Nebenwirkungen) statt möglichst gar kein neues Gewicht – außer dem, was man unbedingt braucht und selbst problemlos auch über weite Strecken tragen kann. Wer sich selbst etwas gegen Widerstände bzw. UnterdrückerInnen ihrer eigenen Bedürfnisse hart erkämpfen musste, gibt leider selten etwas davon wieder freiwillig her – selbst wenn der Druck, der davon ausgeht, spürbar auf den eigenen Schultern lastet.
Oft genügt es aber – weil Körper und Geist zusammengehören (und von unserer Seele zusammengehalten werden), die fehlende Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer wieder zurückzuerlangen, also jeden Tag daran zu arbeiten, den kranken Körper zu heilen, damit der Geist erkennen, ihm bewusst werden kann, womit er sich unnötig stark belastet hat, um etwas auszugleichen, was ihm eigentlich gefehlt hat: mehr Freiheit, Liebe und/oder vielleicht ein neues Bewusstsein für sich und die Natur und andere Menschen, deren naturfernes, ignorantes Leben sie ähnlich depressiv gemacht hat wie sie selbst.

Es gibt viel aufzuräumen in einer Welt der jahrtausendelangen Unterdrückung von Menschen und der Natur.
Aber: Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, es ist der einzige lange Weg, wenn wir Menschen irgendwann wieder die Möglichkeit geben wollen, ein gesundes Leben ohne Depressionen zu führen.

P.s.: Beschleunigen ließe sich der Prozess vermutlich, wenn nicht immer noch Kinder von Eltern mit mangelhafter schulischer Bildung oder Lebenserfahrung gezeugt und großgezogen werden würden, die nichts oder wenig über die Bedürfnisse ihres eigenen Nachwuchses wissen – weil sie sie entweder fehldeuten oder ihren eigenen Erwachsenen-Bedürfnissen unterordnen (und nicht spüren oder wissen, welche Folgen es haben haben kann, dass sie ein besonders folgsames Kind haben, das beginnt, seinen Eltern zuliebe alle eigenen Bedürfnisse völlig freiwillig und selbstständig zu unterdrücken statt sie sinnvoll beherrschen zu lernen). Aber ganzheitliche Betrachtungsweisen in der Biologie, die auch unser gesellschaftliches Miteinander umfassen, stehen meines Wissens nirgendwo auf einem Lehrplan oder in einem Lehrbuch …

 

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Dank für das Foto gebührt Naja Bertolt Jensen (auf Unsplash)!

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