Wer schön sein will, muss leiden

Zumindest wenn Menschen verbreiteten Schönheitsidealen folgen und nicht die natürliche Perfektion ihrer Individualität erkennen

Nur weil viele Menschen etwas schön finden, heißt das für mich noch lange nicht, dass ich es auch schön finden muss. Ich kann eigentlich an allem Schönen auch etwas Hässliches erkennen und an allem Hässlichen immer auch etwas Schönes.
Für mich sind besonders „schöne Dinge“ oft besonders langweilig – weil sie oft keine Überraschungen bergen, sondern bestimmten „Schönheitsregeln“ folgen und dadurch vorhersehbar sind.
In einer kunden- und verkaufsorientierten Welt der ProduktherstellerInnen mag es von Vorteil sein, wenn besonders viele Menschen von etwas „Schönem“ begeistert sind und es für sich haben wollen.
In der Natur überleben diejenigen am Leichtesten, die sich mit dem begnügen können, was sonst niemand außer ihnen haben will oder andere freiwillig übrig lassen.

Ich frage mich, warum Menschen es sich also oft so schwer machen; warum schon junge Mädchen Schönheits-OPs über sich ergehen lassen oder ihre Füße mit modischen, oft viel zu engen oder unförmigen Schuhen zerstören, „nur“ weil sie sich darin gefallen oder von anderen dafür Komplimente erhalten.

Es ist keine Kunst, sich besonders schön herzurichten oder herrichten zu lassen, wenn man genug Zeit oder Geld und/oder gute FreundInnen hat.
Das Leiden beginnt oft hinterher, wenn der eigene Körper zu lange in ein Zwangskorsett gequetscht wurde, die unnatürlichen „Kunstwerke“ von SchönheitschirurgInnen, die keinem natürlichen Alterungsprozess folgen, langsam in sich zusammenfallen, oder der Blick in den Spiegel nach dem Abschminken oder Aufwachen am nächsten Morgen so enttäuscht, dass der Leidensprozess von vorne beginnt.

Menschen, die denken, (äußerliche) Schönheit könne man sich damit erarbeiten, erkaufen und/oder erhalten, indem man mit unnatürlichen Werkzeugen selbst daran herumschraubt oder andere an sich Operationen vornehmen lässt, haben vielleicht kein Auge für Menschen, die von Innen heraus strahlen, weil sie sich einfach für gut genug halten wie sie von Natur aus sind.
Es hat einen Grund, warum Du bist wie Du bist; und falls Du aktuell darunter leidest, dass Du Dich nicht für schön genug (für was oder wen eigentlich?) hältst, dann konzentriere Dich einfach mehr auf das, was Du wirklich an Dir magst statt das verbergen oder aufhübschen zu wollen, was Dir selbst missfällt. Werde Dir bewusst, warum Du – wie jeder Mensch – auch unschöne Seiten an Dir hast; aber hör‘ auf, Dich dafür zu schämen oder entschuldigen zu wollen. Verteidige sie lieber wie jeden anderen Teil von Dir. – Aber überlege Dir, ob Dich das nicht auf Dauer mehr Kraft und Energie kostet als Dich mit ihnen anzufreunden, sie also auch irgendwann schön zu finden oder ihnen keine besondere Aufmerksamkeit mehr, also zumindest nicht mehr als Körperteile es verdienen, zukommen zu lassen – wenn sie nicht besonderer Pflege bedürfen, weil sie Schaden davongetragen haben, dass Du sie schöner machen wolltest. Dann wäre es allerdings schön, wenn Du andere Menschen, die sich selbst für hässlich oder nicht schön genug halten, davor warnen und dazu inspirieren würdest, sich selbst in ihrer ganz individuellen natürlichen Perfektion entdecken zu können.

P.s.: Perfekte Schönheit für unsere Augen, die bestimmten (Proportions-)Regeln folgt, spielt vor allem bei Schönheitswettbewerben oder für TrophäenjägerInnen eine Rolle, die den, die oder das Schönste küren oder besitzen wollen. Ansonsten können alle Dinge und Menschen perfekt schön für uns sein, solange sie – situationsabhängig – Emotionen in uns wecken (und aufrechterhalten können), die wir als schön oder einfach immer perfekt empfinden (solange wir uns nicht abhängig von ihnen machen, also süchtig danach sind).

 

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Dank für das Foto gebührt Ksenia Makagonova (auf Unsplash)!

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