Wenn naive, leichtsinnige Gemüter ohne umfassende Lebenserfahrungen mit ihren Ratschlägen hausieren geben

Und – weil ihnen die Weitsicht oder Hintergrundinformationen fehlen – nicht bedenken können, welche Folgen es haben kann, wenn andere naive, leichtsinnige Gemüter ihre Tipps umzusetzen versuchen oder ihr (Über-)Leben darauf aufbauen

Menschen sind von Natur aus hilfsbereit, helfen also Hilfesuchenden meist gerne weiter, vor allem, wenn es ihnen selbst einmal schlecht ging und sie die in etwas – einer Tätigkeit oder einem Hilfs- oder Heilmittel – die Hilfe gefunden haben, die sie gebraucht haben.
Viele Menschen, die mit oder für Menschen arbeiten, ihnen also helfen möchte, haben allerdings immer noch wenig Ahnung davon, WARUM ihnen jemand oder etwas tatsächlich hilft – weil sie sich auch nie gefragt haben, WARUM sie eigentlich fremde Hilfe nötig hatten und sie nicht wussten, wie sie sich von Anfang an gleich selbst bzw. eventuell mit tatkräftiger Unterstützung anderer hätten helfen können. Denn nicht immer – vor allem, wenn Menschen ihren Körper gar nicht dafür trainiert haben – reicht die Körperkraft eines einzelnen Menschen aus, um sich alleine um alles lebenswichtigen Dinge kümmern zu können.
Vieles ist lange nicht so einfach, wie es – oft auf die Schnelle, weil Zeit heute ein wertvolles Gut ist, das niemand verschwenden möchte  – vermittelt wird. Vieles bräuchte – bis alle es tatsächlich verstanden haben – viel mehr Zeit als sich viele, vor allem von ihren eigenen Ideen begeisterte Menschen dafür nehmen wollen.
Ich selbst neige dazu, alles, was in meinem Kopf arbeitet, sehr schnell auch unter andere Menschen bringen zu wollen, ohne Rücksicht darauf, ob es sie überhaupt interessiert.
Ich verändere viele meiner Blogeinträge noch mehrmals, nachdem ich sie veröffentlicht habe, – vor allem innerhalb des folgenden Tages – so dass mir bewusst wird, dass ich mir damit noch etwas länger hätte Zeit lassen können.

Wir selbst entscheiden,

  • wann wir etwas, sei es auch nur ein Gespräch, anfangen;
  • wie lange wir konzentriert daran arbeiten wollen, und
  • wann wir es sein lassen können oder wollen.

Viele Menschen verstehen allerdings nicht, warum ihnen entweder das Anfangen, die Durchführung, also das Dranbleiben an etwas, was sie sich vorgenommen haben, oder das Aufgeben, wenn etwas alleine keinen Sinn macht, im Gegensatz zu anderen sehr schwer oder extrem leicht fällt.
Viele Menschen verstehen Zusammenhänge in ihrem Leben nicht, weil sie nie versucht haben, sie zu verstehen, sondern sich lieber damit abfinden wollen, dass es ihr (göttliches oder menschliches?) Schicksal ist, an dem sie gar nicht selbst herumschrauben können oder – wenn sie nicht dafür bestraft werden wollen, es hinterfragt zu haben – dürfen.

Allerdings wird jede menschliche Erfahrung in einem bestimmten Zusammenhang, an einem bestimmten Ort, zu einem bestimmten Zeitpunkt unter bestimmten Voraussetzungen gemacht. Sie lässt sich – genau wie ein wissenschaftliches Experiment – nicht an jedem anderen Ort der Welt, zu einem anderen Zeitpunkt, von völlig anderen Menschen, unter völlig anderen Rahmenbedingungen wiederholen.
Du kannst also weiter versuchen, naiv vertrauensvoll – wie ein kleines Kind – anderen alles nachzumachen, was sie tun, und versuchen, ihren Ratschlägen Folge zu leisten und Dich hin und wieder wundern, warum ihre (Über-)Lebensstrategie bei Dir nicht funktioniert.
Du machst nichts falsch außer zu denken, dass Du genauso sein könntest wie andere Menschen bzw. nur alles genauso machen müsstest wie sie, um dieselben Erfolge damit zu erzielen.
Allerdings solltest Du immer damit rechnen, dass Du auch anderen Menschen die falschen Ratschläge erteilst oder Versprechungen machst und damit Enttäuschungen verursachst (sobald diese Menschen feststellen, dass Du Dich geirrt oder sie vielleicht sogar – vermeintlich oder bewusst – belogen hast).

Als Biologin habe ich mich über viele Jahre damit beschäftigt und in meinem täglichen Leben beobachtet bzw. Erkenntnisse dazu gesammelt,

  • wer sich wie und warum von anderen unterscheidet;
  • wer unter welchen Voraussetzungen erfolgreicher, glücklicher mit der eigenen (Über-)Lebensstrategie ist und sich früh mit dem zufrieden gibt, was er/sie damit erreicht;
  • wer warum gut alleine, ohne schwere Krankheiten dabei zu entwickeln, durchs eigene Leben kommt, und
  • wer sich warum nur in Gemeinschaften gut aufgehoben fühlt und dafür sogar bereit ist, die eigene Individualität aufzugeben.

Es hat einen Grund, dass Du genau die Erfahrungen in Deinem Leben machst, die Du machst.
Du kannst entweder denken, dass Du sie willkürlich – nur aufgrund bewusster, freier Entscheidungen – herbeigeführt hättest, sobald Du in der Lage warst, von anderen Menschen unabhängige Entscheidungen für Dein Leben treffen zu können. Du kannst aber auch überzeugt sein, dass du keinerlei Einfluss auf Dein Leben hast, weil es Dein – vielleicht gottgegebenes – Schicksal ist, es genau so zu führen.
Als Naturwissenschaftlerin und Biologin glaube ich nicht daran, dass irgendjemand unsere Zukunft bereits vorgeplant hat; auch wenn ich ganz klar sehen kann, wie sich die Natur immer wieder selbst neu ordnet, also einem inneren Plan zu folgen statt im Chaos zu enden scheint.
Ich bin überzeugt, dass wir – wie ich es auch in der Bibel deute – die Natur nutzen oder auch umbauen dürfen, solange wir sie dabei nicht zerstören.
Ich denke, dass viele Menschen, die sich selbst noch als „NaturliebhaberInnen“ betrachten, einfach nur nicht wissen, was sie der Natur dabei antun, dass sie entweder

  • nicht zufrieden waren mit dem Leben, aus dem sie – vermeintlich – ausgestiegen sind (ohne zu ahnen, dass sie ihre Unzufriedenheit auch an bisher friedliche Orte mitgenommen haben …), oder
  • noch nicht zufrieden sind mit dem, was sie (in ihrem bisherigen Leben erreicht) haben.

Stattdessen beschäftigen sich die Do-it-yourselfer vor allem damit,

  • im Außen nach ihrem inneren Frieden zu suchen und dabei entweder
  • so oft wie möglich friedlichere Orte als das eigenen Zuhause, die eigenen vier (Gefängnis-)Wände, aufzusuchen, an denen sie sich wohler fühlen, oder
  • es sich dort so „gemütlich“ wie möglich einzurichten.

Es gibt Menschen, die fühlen sich besonders wohl, wenn

  • sie Dinge über lange Zeit entweder genau so unverändert lassen wie sie sich selbst, oder
  • sie möglichst oft selbstständig etwas umräumen oder sich Unterstützung anderer (oder mit Hilfe ihrer Produkte), die sie dafür bezahlen (wollen oder müssen), erkaufen können.

Es ist genauso gefährlich, sich auf die Ratschläge selbsternannter ExpertInnen zu verlassen wie auf Menschen, die ihre Expertise mit Zeugnissen und Urkunden nachweisen können, die wenig Aussagekraft über ihr Talente besitzen.
Du wirst irgendwann selbst feststellen, ob Du ausreichend informiert und vorgewarnt wurdest, was schief gehen und welche Folgen das haben kann, was Du damit nicht nur in Deinem Leben, sondern vielleicht sogar in der Natur anrichtest (weil Du Dich noch nie mit ökologischen Kreisläufen, gegenseitigen Abhängigkeiten oder den Menschen und ihrer Evolutionsgeschichte beschäftigt hast) – wenn Du Dir nicht genug Zeit genommen hast, es bis zu (Deinem) Ende zu denken.

Ich vermute, dass Dir das vielleicht bisher noch niemand so deutlich gesagt hat – weder Deine Eltern noch Deine LehrerInnen in der Schule oder bei der Arbeit.
Lernerfolge im Leben können sich nur einstellen,

  • wenn Du das, was Du tun willst, auch freiwillig – ohne Erfolgs- und Zeitdruck – tun kannst;
  • wenn Du Menschen an Deiner Seite hast, die Dich anspornen durchzuhalten, wenn Du die Lust verlierst, etwas nur für Dich selbst zu tun, oder
  • wenn andere rechtzeitig merken, dass Du Dich dabei übernimmst und Dir raten, eine (Denk-)Pause einzulegen, um nicht nur neue Körperkräfte dabei zu sammeln, sondern auch zu überlegen, ob Du überhaupt zufrieden bist mit dem, was Du da tust, oder ob es nicht an der Zeit wäre, es sein zu lassen und stattdessen lieber etwas anderes anzufangen.

Arbeit ist vielleicht das halbe Leben, nicht das Einholen und Befolgen von Ratschlägen – aber die kannst Du Dir unnötig schwer machen, wenn Du nicht immer auch mal auf Deine innere Stimme hörst und lernst, einzuordnen, wann Dir jemand nachhaltig gute und wann eher schlecht formulierte, zu wenig durchdachte oder auf Dauer wenig hilfreiche Ratschläge gibt (weil sie Dir oder anderen nur neue Probleme bescheren, die Du alleine gar nicht lösen kannst).

 

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Dank für das Foto gebührt micheile || visual stories (auf Unsplash)!

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