Völkerwanderungen im neuen Gesicht

Vom individuellen Aussteigen auf Zeit, entschlossenen AuswandererInnen oder vom modernen Nomadentum gleichgesinnter Gruppen auf der Suche nach einem dauerhaft schönen und/oder friedlichen Platz zum Leben

Wir Menschen haben vor langen Zeiten erkannt, wie bequem es ist, einen festen Platz zum Leben zu haben, den wir unsere Heimat oder sogar „unser Eigentum“ nennen können, das uns niemand wegnehmen kann, weil wir es besitzen (es also ein steter Teil von uns ist).
Es gibt allerdings immer noch viele Menschen, die nicht wissen, wo unsere und auch ihre natürlichen Grenzen liegen, die wir sowohl individuell als auch für alle anderen leicht und ohne gesetzliche Regelung verständlich festsetzen sollten, wenn wir als Menschheit überleben wollen – weil es ihnen noch niemand beigebracht hat und sie selbst wichtigere Dinge in ihrem Leben zu tun haben als sich mit dem Menschsein und unserer menschlichen Vergangenheit, der Gestaltung unserer Zukunft oder der Natur, in der wir als Menschen alle, gemeinsam, leben (müssen), zu beschäftigen.
Es gibt immer noch Menschen, die nicht auf die Idee kommen, dass zur künstlichen, willkürlichen, auf Masse und Überfluss ausgelegten, Energiegewinnung und Nahrungsmittelproduktion immer unsere lebenswichtige Natur zerstört wird, die wir erhalten könnten, wenn wir stattdessen natürliche Energieträger und Kalorien, also Wärmeeinheiten, sinnvoll nachhaltig nutzen statt sie schneller verbrennen würden als sie sich und wir uns und unsere Körperkräfte regenerieren können.
Es gibt Menschen, die leben in Kriegsgebieten, weil andere in ihrer Heimat Krieg – um natürliche Ressourcen – führen oder Macht über das Territorium erlangen, also die bisherige Regierung ablösen wollen, die ihren Interessen – dort verfügbare Ressourcen mitnutzen zu dürfen – nicht wie gewünscht entgegenkommt.

Sobald die Angst um das eigene Überleben größer wird als die Liebe zu ihrer Heimat, sind alle Menschen bereit zu flüchten, die noch ein Leben vor sich haben bzw. eine Perspektive für sich sehen, an einem anderen Ort dieser Erde in Frieden weiterleben zu können.
Selten werden Menschen tatsächlich aus ihren Häusern vertrieben. Oft flüchten sie statt sich in Gruppen gegen Eindringlinge zu organisieren sicherheitshalber – aus Angst, dass ihre Stadt oder sogar ihr Haus bombardiert werden oder Militär eindringen und sie töten könnte bzw. ihr Leben, in dem sie sich wohl und frei gefühlt haben, zerstört werden könnte.

Lieber fühlen sie sich frei zu gehen und – für ein unsicheres Leben an einem neuen Ort – ein Leben hinter sich zu lassen, das ihnen Sicherheit gegeben hat.
Es ist ein schönes Gefühl, frei zu sein.
Solange Menschen aber nicht in der Lage sind, für die Freiheit an dem Ort zu kämpfen, an dem sie – gemeinsam mit Gleichgesinnten – tatsächlich leben wollen, befinden sie sich immer nur auf der Flucht vor einem Leben, das sie gar nicht wirklich führen wollen (aber akzeptieren, solange es für sie bequemer ist als es aufzugeben und sich überlegen zu müssen, was sie eigentlich wirklich wollen).

Führst Du das Leben, das Du führen willst oder wartest Du noch auf Deine Chance, es irgendwann da oder von da aus führen zu können, wo Du aktuell bist?
Bist Du aktuell da, wo Du leben (und notfalls auch sterben) willst?
Fühlst Du Dich da, wo Du  bist, verstanden von den Menschen, mit denen Du lebst? Kannst Du Dich dort unterhalten – mit ihnen oder selbstständig, ganz allein mit Dir und dem, was Du besitzt?
Kannst Du dort gemeinsam mit anderen über dieselben Dinge oder Themen lachen und weinen?
Oder glaubst Du, dass Du Dich an einem bestimmten anderen Ort wohler fühlen könntest oder die Welt Dein Zuhause ist, so dass im Prinzip egal für Dich ist, wo Du lebst?
Bist Du selbst (flucht-)gefährdet, gehörst also zu den „echten“ Nomaden oder Nomadinnen, die dorthin gehen, wohin die Bedürfnisse aller Gruppenmitglieder, vor allem ihrer Tiere, auf die sie angewiesen sind, sie führen – weil sie nur gemeinsam überleben können.
Oder flüchtest Du gerne und immer wieder, vor allem wenn Du Angst hast, dort wo Du bist, für den Rest Deines Lebens bleiben zu müssen?

Solange Menschen denken, dass es für sie Fluchtwege gibt, neigen sie dazu, ihre Zelte oder notdürftig eingerichteten Wohnungen übergangsweise auch gegen ein dauerhaftes oder sogar selbst gebautes oder mühsam erspartes Haus einzutauschen – für sich und/oder die Menschen, denen sie auch hin und wieder Besuchsraum bieten möchten.
Ihre wahre Natur, ihre echten (Freiheits-)Bedürfnisse und Ängste (oder angeborenen Instinkte), erkennen viele Menschen erst, wenn etwas ihnen Angst einjagt, die sie vorher noch nicht kannten:

  • wenn der eigene Körper oder Geist streikt, also Krankheiten auftreten, die sie sich nicht erklären können;
  • wenn in den Nachrichten von einer neuen, akuten oder sich nähernden Gefahr geredet oder darüber geschrieben wird;
  • wenn plötzlich militärische Geschütze aufgefahren, Straßensperren errichtet oder Grenzkontrollen eingeführt werden, die sie nicht mehr freiwillig erfüllen wollen.

Es gibt unter Menschen die Kämpfernaturen, die ihre Reviere, die sie lieben und deshalb auch schützen und nachhaltig nutzen, – notfalls bis aufs Blut verteidigen.
Es gibt aber auch friedlichere, in meinen Augen naive, Seelen, die entweder

  • freiwillig das Feld räumen und nur mit dem flüchten, was sie mit sich nehmen können – weil sie keinen Grund sehen, für ihren Lebensraum zu kämpfen, dessen Bedeutung für ihr Leben sie nicht einmal kennen, oder
  • denken, sie würden dort, wo sie sich befinden, von anderen in Ruhe gelassen werden – weil sie sich nicht vorstellen können, dass andere gierigere Menschen, die selbst nicht wissen, wie sie nachhaltig glücklich und zufrieden leben könn(t)en, ihnen ihr Eigentum wegnehmen wollen könnten.

Wo ein menschlicher Wille ist, ist immer auch ein Weg – alleine zu kämpfen; zu akzeptieren, dass man alleine keine Chance hat, oder sich zu organisieren, also mit anderen Menschen zusammentun, die bereit sind, eine geschlossene Front gegen Eindringlinge in ihre Gebiete zu bilden, sei es mit Waffen oder auf friedliche Weise, also mit guten Argumenten gegen den Einsatz von Waffen.
Wir Menschen könnten gemeinsam beschließen, gegen unseren natürlichen Fluchtinstinkt zu handeln und genau da zu bleiben, wo wir sind bzw. bleiben wollen: an einem Platz, den wir nicht nur unser Zuhause nennen dürfen, sondern an dem wir uns auch wirklich daheim fühlen können – weil dort andere Menschen leben, also auch über längere Zeit bleiben (wollen), mit denen wir uns verbunden fühlen.
Selbst wenn andere in unseren Augen grausame Dinge tun, mit denen wir nicht einverstanden sind, ließe sich mit ihnen über neue gemeinsame Wege verhandeln statt immer wieder alleine oder nur in kleinen Gruppen nach einem neuen zu suchen, der auch nur an einen neuen Ort führen wird, den globale Menschheitsprobleme irgendwann heimsuchen werden, die in unsere Natur liegen und die wir auch nicht künstlich verändern können. Wir können uns einreden (lassen), dass es Sinn macht, immer wieder kurzzeitig Meisterleistungen zu erbringen und/oder (Kunst-)Werke zu erschaffen, die weder regenerierbar, also bewohn-, ess- oder kompostierbar sind. – Aber solange wir nicht das Bewusstsein für echte Kunst, nämlich natürliche Schönheit und Vergänglichkeit sowie ihre nachhaltige Nutzung erlangen, zerstören wir auf Dauer nicht nur unser eigenes Leben, – unseren Körper, unseren Geist oder unsere von Natur aus sowohl friedliche als auch kämpferische Seele – sondern auch unser aller Lebensgrundlage, die Lebensräume unserer Erde, die uns den Tod bringen, wenn wir nicht mehr Raubzüge gehen können, um uns irgendwo anders neue Ressourcen zu beschaffen, mit denen wir Kraft sammeln oder Energie gewinnen können.

P.s.: Statt alle Völker oder demokratischen Staaten dieser Erde zu einem gemeinsamen, menschlichen verbinden zu wollen, willkürlich zu einigen, ohne dass unterschiedliche Fähigkeiten und Bedürfnisse unter unterschiedlichen Lebensbedingungen, die ein Nationalbewusstsein, einen sogenannten Nationalstolz, schaffen, berücksichtigt werden (können), kann ich mir vorstellen, dass es uns vor allem helfen würde, uns erst einmal zu entspannen, durchzuatmen und dann zu überlegen, was wir damit anfangen, dass es uns bisher offensichtlich noch nicht gelungen ist, dauerhaft friedlich miteinander und im Einklang mit unserer Natur zu leben. Solange unterschiedliche Volksgruppen ihre Kräfte aneinander messen statt sie gemeinsam sinnvoll für etwas Höheres, z.B. den Erhalt unserer Natur, von der wir alle abhängig sind, einzusetzen, wird sich nach jedem Kampf eines für das auserwählte halten und dazu berufen fühlen, auch andere mit mehr Freiheitsversprechungen herauszufordern, es ihnen gleich zu tun.

 

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Dank für das Foto gebührt Larry Li (auf Unsplash)!

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