In vino veritas

Für jeden Geschmack eine eigene Wahrheit

Für mich liegt die Wahrheit im Wein darin, dass Betrunkene dazu neigen, die Wahrheit zu sagen, also unter Alkoholeinfluss den Mut aufzubringen, das auszusprechen, was sie sich vorher nicht gewagt haben.
Für mich machen schädigen Wein und Alkohol in erster Linie Nerven und machen Kopfschmerzen – als Preis dafür, dass Menschen wichtige(re) Dinge entweder vergessen woll(t)en oder sich für so wichtig gehalten haben, etwas, was sie vollbracht haben, hinterher ausschweifend feiern zu „müssen“.
Für mich macht es keinen (biologischen) Sinn, sich Alkoholkonsum schön reden zu wollen als „kulturelles Gut“ oder „in Maßen gesundheitsförderlich“.
Er ist – wie jeder Genussmittelge- oder -missbrauch – eine menschliche Schwäche, mit der sich Menschen hin und wieder besser, also stärker fühlen als sie tatsächlich sind, also ein kognitive Dissonanz.

Die Menschheit hat schon viele davon hinter sich gelassen, nachdem ihr bewusst wurde, wie dumm sie war, etwas zu glauben, was im Grunde ganz einfach widerlegt werden kann.
Ich werde also einfach mal abwarten, wie viele Lichter den zukünftigen Generationen während meines eigenen Lebens noch aufgehen – während die alten sturköpfigen lieber noch ein bisschen weiter im Dunkel der Vergangenheit weilen.

Ich lasse mich auch noch hin und wieder von Gefühlen und Erinnerungen dazu hinreißen, zu Flaschen von Getränken zu greifen, die im Grunde nur Nahrungsergänzungsmittel sein sollten zu Zeiten, in denen es entweder keine frischen Früchte oder nicht genug andere lagerbare Nahrungsmittel gab.
Aber manchmal bin auch ich bereit, dafür zu zahlen, dass ich es mir ein bisschen einfacher machen möchte mit der Freude am Leben … – Vor allem wenn zu viele „lebensfrohe“ Menschen um mich herum mir den Spaß daran wirklich verderben, weil sie entweder unachtsam, rücksichtslos oder ohne an Konsequenzen zu denken, mit sich selbst – ihrem Körper und Geist – oder mit ihren Kindern, Tieren bzw. mit unser aller Natur umgehen.

Es ist für mich nicht damit getan, es als „normal“ zu bezeichnen, dass Menschen ihre „kleinen Schwächen“, die tödliche Auswirkungen auf sie selbst und andere haben können, solidarisch verharmlosen dürfen, nur um sich selbst besser zu fühlen.
Solange Menschen sterben, weil niemand sie vor echten Gesundheitsgefahren – nicht nur im Alkohol – warnt, werde ich mir vermutlich noch öfters ein „Gläschen Wein“ einschenken „müssen“ und genießen, wie sich die Anspannung in meinem Körper und Geist scheinbar verflüchtigt – während ich weiß, dass nur mein Kopf mir suggeriert, dass das so ist; während meine (Gefäß-)Muskeln dadurch nichts über echte Entspannung lernen.

Auch ich als Wissenschaftlerin habe mir hin und wieder eine Auszeit vom Denken verdient, in der ich völlig ohne schlechtes Gewissen alles ignorieren kann, was mir zu dem einfällt, was ich vor meinen (inneren) Augen sehe, egel wie umwelt- oder gesundheitsschädlich oder sogar menschenfeindlich es ist.
Viele Menschen haben einfach wichtigeres zu tun als sich um (ihre) Gesundheit oder das Überleben unserer Natur zu kümmern. – Das kann ich zwar immer noch schlecht akzeptieren und auf keinen Fall tolerieren, aber immer mehr respektieren.
Ich respektiere ja auch, dass (Frisch-)Fleischfresser zu ihrem Überleben töten müssen, Zecken Blut saugen und trächtige Mückenweibchen stechen, um ihren Nachwuchs ernähren zu können – weil sie sicherlich nicht wissen, wie sie anders überleben könnten. Sie haben weder die Kraft des Geistes noch Möglichkeiten in ihren Händen, sich Alternativen zu dem Leben zu schaffen, das sie bisher geführt haben…
Aber vielleicht träumen sie genauso davon wie Menschen, die noch träumen können, also ihr (Unter-)Bewusstsein nicht schon so lange mit Betäubungs- oder angeblich bewusstseinserweiternden Mitteln gestört haben, dass sie nur noch traumlos schlafen und tagsüber zu müde sind, um ihre eigenen von Hollywood- und anderen Träumen unterscheiden zu können, die ihnen andere – mit ihren ganz eigenen Wahrheiten und Träumen – in den Kopf gesetzt haben.

 

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Dank für das Foto gebührt Markus Spiske (auf Unsplash)!

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