Ein völlig leeres Glas wird für Dich nie halbvoll sein können …

… wenn Du es überhaupt nicht sinnvoll nutzen, sondern – zum eigenen Vergnügen, Lebensunterhalt oder Seelenheil – zweckentfremden und „einfach nur schön“ finden möchtest

KünstlerInnen und ihre Kunstwerke mögen unsere Welt für viele Menschen – denn Schönheit ist Geschmackssache – schöner machen.
Aber wenn sie – gedanken-, bedenken- oder gewissenlos – dabei wertvolle, begrenzte Ressourcen verbrauchen, die Menschen für wichtigere Dinge wie ihre Nahrungsproduktion oder -verarbeitung und -zubereitung, zum Trinken, als Kleidung oder zum Leben in sicheren Unterkünften gebrauchen könnten, leisten sie gleichzeitig einen „schönen“ Beitrag dazu, unsere Welt bzw. Lebensräume zu zerstören.

Es mag sinnvoller sein, aus Abfällen etwas schönes Neues zu erschaffen, also Upcycling zu betreiben. Wenn allerdings das neue Kunstwerk auch „nur“ schön ist, also „nur“ den Zweck erfüllt, (unglücklichen) Menschen eine Freude zu machen, dann frage ich mich, ob es nicht sinnvoller wäre, ihrem Unglück auf die Spur zu kommen statt sie nur  – mit schöneren Dingen – darüber hinwegzutrösten.
Falls Du Deinen Selbstzweck bzw. Nutzen für andere noch nicht erkannt oder das Gefühl verloren hast, einen nützlichen – nicht nur schönen – Beitrag zu unserer Gesellschaft zu leisten, der Dich glücklich macht, könnte es sein, dass Du zu wenig pragmatisch-vernünftig und dafür zu künstlerisch-verspielt gedacht hast.

Nicht alles, was zweckdienlich ist, muss hässlich sein. – Geborene KünstlerInnen mit Liebe zum Detail hätten also vielfältige Chancen, das, was Menschen wirklich zu ihrem Lebensglück – nicht nur für kurzzeitige Glücksmomente – brauchen, für sie zu kreieren.
Allerdings müsste man ihnen dazu auch die Zeit geben, die sie brauchen – denn bis etwas wirklich schön und auch lange Zeit haltbar, also für etwas zu gebrauchen ist, was wir täglich nutzen könn(t)en, braucht es viel Geduld und Vertrauen in die (Lebens-)KünstlerInnen, die sich nicht mit einem Entweder-Oder zufrieden geben, sondern in ihrem Leben Alles-oder-Nichts mit ihrer Kunst – sowohl für sich selbst als auch für andere – erreichen wollen.

Sich damit aufzuhalten, über halbvolle oder halbleere Gläser zu philosophieren, ergibt für sie wenig Sinn – weil sie bereits wissen, dass alles immer realtiv ist und auf die eigene Perspektive ankommt, also niemand darüber streiten müsste, wie andere Menschen die Welt für sich definieren.

 

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Dank für das Foto gebührt Zoelle Suo (auf Unsplash)!

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