Das unfaire Spiel mit dem menschlichen Mitleid (und der Sehnsucht nach treuen Wegbegleitern oder Lebensabschnittsgefährtinnen)

Es gibt für mich Schmerzgrenzen, wenn es darum geht, Mitleid für andere Menschen zu empfinden, bei denen ich sehen kann, dass sie sich selbst ihn eine bemitleidenswerte Lage gebracht haben; noch weniger, je mehr andere sie – bewusst oder unbewusst – zu LeidgenossInnen machen, vor allem, wenn es um ihre PartnerInnen, Familienangehörigen, FreundInnen oder Haustiere geht.
Es gibt Menschen, denen fällt – wenn sie sich selbst einsam fühlen, weil ihnen die meisten anderen Menschen nicht „gut genug“ sind, um ihnen Gesellschaft leisten zu dürfen – nicht Besseres ein, als anderen – Menschen oder Tieren – „helfen“ zu wollen, indem sie sich einreden, sie könnten sie aus einer rettungslosen Lage retten oder dafür lieben, dass sie sich daraus nicht selbstständig befreien können.

Für echte Notfallsituationen, in denen es um Leben und Tod geht, weil sich jemand versehentlich, überraschend, unvorhersehbar in eine missliche Lage gebracht hat, aus der man ihn oder sie befreien und neue Möglichkeiten eröffnen kann, mag das gelten.
Wenn Menschen sich allerdings dazu entschließen,

  • Opfer von sinnlosen Kämpfen oder Kriegen (um Geld oder Machtansprüche auf Territorien oder natürliche Ressourcen) mit Schmerzensgeld oder Wiedergutmachungszahlungen zu entschädigen, obwohl diese mit friedlichen Einigungen hätten verhindert werden können oder vielleicht sogar gezielt angezettelt wurden, um hinterher Mitleid erwecken und damit – vielleicht auch mit Spendengeldern – spielen zu können, indem gezielt weiterer Hass (und daraus entstehende Schäden, die profitable Reparatur- oder Reparationszahlungen“ versprechen) geschürt werden kann, oder sogar
  • einem Kriegsopfer oder anderen unschuldig in Not geratenen Lebewesen einen dauerhaften Platz – ob unentgeltlich oder gegen Bezahlung – im eigenen Leben zu geben, sollten man nicht nur sich, sondern auch die Bedürfnisse des neuen Mitbewohners oder der neuen Mitbewohnerin (bzw. dessen „VerkäuferInnen) gut kennen.

Sowohl aus Mitleid als auch aus Dankbarkeit ertragen sowohl Menschen als auch Tiere Demütigungen oder sogar Qualen, die sie „unter normalen Umständen“ – wenn sie nicht denken, aktuell würde ein Ausnahezustand herrschen und sie sich völlig frei(willig) bewegen und entscheiden könnten – nie ertragen würden. Aber was ist in der heutigen Welt schon „normal“, also noch natürlich für Menschen?

Freiwillige Treue kann es nur unter Lebewesen geben, die sich es sich nicht erlauben wollen (oder können), untreu zu werden und das Vertrauen oder die vermeintlich „bedingungslose“ Liebe , die andere ihnen entgegenbringen, damit zu enttäuschen.
Liebe und Treue sind Entscheidungen, die Lebewesen im Hinblick auf ihr eigenes Leben treffen, das sie in völliger Freiheit leben könn(t)en oder in einer gewissen Abhängigkeit von anderen, die ihnen freiwillig helfen könn(t)en, ihr gemeinsames Revier – friedlich oder aggressiv – zu verteidigen bzw. für BesucherInnen offen zu halten, um Ressourcen miteinander zu teilen, genauso wie Mitleidsbekundungen.

Ich halte es nicht für einen Fehler, Mitleid mit anderen – ob Mensch oder Tier – zu haben.
Menschen neigen allerdings dazu zu denken, sie könnten anderen helfen, ohne dass sie ihnen ihre Freiheit lassen müssten, sich – vor allem in Notfällen – immer wieder auch selbst helfen zu können – mit

  • freien Bewegungs- und Begegnungsmöglichkeiten,
  • einer natürlichen, möglichst abwechslungsreichen Auswahl an Nahrungsmitteln (oder kurzzeitig auch wirkungsvolleren Genuss-, Beruhigungs- bzw. Schmerzmitteln),
  • unbegrenztem Zugang zu Wasser u.ä.,

also ohne künstliche Barrieren, die sie selbst errichtet oder (manchmal „nur“ als vier Wände) um sich und ihre „Schutzbefohlenen“ gebaut haben, nicht um ihnen das Leben bewusst schwer zu machen, sondern weil sie denken, sie könnten/müssten/würden sie vor Gefahren (wie dem Tod) bewahren.
Als Naturforscherin denke ich, sie überschätzen ihre individuellen Fähigkeiten bzw. übertreten Grenzen (unserer Zuständigkeit).
Wer weiß, wie sich Leid und Schmerzen anfühlen, die in einer Gefangenschaft entstehen – in der sowohl Menschen als auch Tiere mit der Zeit ihre Bewegungsfreude verlieren – hütet sich davor, andere einsperren oder von sich abhängig machen zu wollen, sondern hilft ihnen auf ihrem Weg in die Freiheit und Unabhängigkeit, ohne dass dafür große Kriege geführt werden.

Alle Lebewesen sind in erster Linie als Indivuduen geboren worde und müssen(/wollen) sich von Natur aus auch sicher sein können, dass sie im Notfall auch selbstständig – ohne jede Hilfe – überlebensfähig wären.
Alle anderen sind Opfer einer Gesellschaft, in der leider nicht nur Papier- und Kleinkriege geführt werden, unter denen Menschen hilflos leiden. Dafür zollt ihnen niemand Mitleid. – Auch ich nicht, solange sie weiter „freiwillig“ dafür zahlen, dass ein Großteil aller Gelder weltweit für aggressive Kämpfe und Kriege in der ganzen Welt investiert wird. Denn wenn niemand dazu getrieben werden würde, Kriege anzufangen, würden auch kein Land eine militärische Verteidigung brauchen.

P.p.s.: Aus Selbstmitleid lassen sich viele Menschen dazu verlocken, nicht in erster Linie andere, sondern vor allem sich selbst „sinnvoll“ zu trösten, indem sie sich selbst oder anderen etwas besonders Gutes tun wollen. Der einzig nachhaltig sinnvolle Trost ist es aber oft, einzusehen, dass wir uns oder anderen nicht so helfen können, wie wir gerne helfen würden. Wenn Du lieber bei Dir selbst anfangen statt unbewusst Druck auf andere ausüben möchtest, dann setze Deine Prioritäten bewusst – falls vielleicht tatsächlich gilt: Hilf‘ Dir selbst, dann hilft Dir Gott!

 

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Dank für das Foto gebührt Lucrezia Carnelos (auf Unsplash)!

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