Der gefährliche Reiz der neuen Alternativlosigkeit

Wenn in einer Welt unter Zeit- und Erfolgsdruck harmlose Hindernisse, die nur etwas Geduld erfordern würden, so unüberwindbar werden, dass immer wieder „neue Alternativen“ geschaffen werden müssen

Ich habe den Eindruck, viele Menschen sehnen sich heute – in einer „gefährlich schnellen Welt“ – geradezu danach, dass andere ihnen vorgeben, was sie tun oder lassen sollen, während sie selbst nur rücksichtslos nach Ge- oder Verbotsschildern Ausschau halten statt noch selbstverantwortlich Rücksicht auf andere nehmen zu wollen.
Viele Erwachsene verhalten sich wieder wie Kleinstkinder, die noch nichts vom Leben wissen oder bisher nur schrecklich schnelle Erfahrungen gemacht haben, aus denen sie nichts für ihr Leben lernen konnten, so dass sie bei anderen nach Halt und Orientierung suchen.
Sobald Menschen wie ihnen und ihren Zielen etwas im Weg steht, lassen sich viele davon abschrecken weiterzugehen – vor allem, wenn sie sich sehr schnell von anderen weismachen lassen, es wäre gefährlich bzw. nicht in Ordnung, das zu tun, und gäbe „gute Gründe“, warum andere Menschen davon abraten und Alternativen bieten.

Wenn Dir das Leben zu kurz oder kompliziert erscheint, allem selbst erst auf den Grund zu gehen, was Du warum tust oder – weil andere es Dir warnend vorgeben – lassen sollst, darfst Du Dich im Nachhinein nicht wundern, wenn Dir „unüberlegtes Handeln“ oder sogar Dummheit vorgeworfen wird.
Lass‘ Dich besser nie, vor allem nicht in Ausnahmesituationen, zu schnell zu etwas hinreißen, wovon Du noch gar keine Ahnung hast.
Verpasse nicht, Dich vor jedem Schritt, den Du tust, umfassend darüber zu informieren, was im schlimmsten Fall passieren könnte und wer Dich dafür auslachen oder zur Verantwortung ziehen könnte.

Manchmal ist die bessere Alternative, einfach nichts von dem zu tun oder zu wählen, was andere als alternativlos vorgeben.
Beschäftige Dich lieber – wenn Du ein ungutes oder zumindest seltsames Gefühl bei etwas hast – zwischenzeitlich mit etwas ganz anderen oder finde heraus, warum es noch keine sinnvollen Alternativen dazu geben sollte, die Du selbstständig, ohne dass Dir unbedingt andere dabei helfen müsssten, wählen könntest.
Wenn der richtige Zeitpunkt – ohne dass andere Dich zur Eile antreiben, indem sie Dir raten, keine Zeit zu verlieren – zum geduldigen Standhaftbleiben und Warten, Weitergehen oder den Rückwärtsgang einlegen und Davonrennen gekommen ist, wirst Du immer selbst wissen. – Schau‘ immer genau hin und mach‘ Dir Deine Entscheidungen nicht zu leicht, aber auch nicht komplizierter als sie sind, vor allem wenn Du Dich darin von anderen beeinflussen lässt, die unsinnige Angst vor Dingen haben, die sie überhaupt noch nicht kennen.
Viele von ihnen können sich überhaupt nicht vorstellen, dass es Situationen geben könnte, in denen es für sie keinerlei Gefahr darstellt, wenn sie sich einfach eine Weile ruhig verhalten und danach erst intuitiv, nach bestem Wissen und Gewissen, handeln (statt sich über die unsinnige Tatsache aufzuregen, die andere als „einzige Alternative“ geschaffen haben).

P.s.: Aus ständiger Angst vor Fehlentwicklungen lassen viele – insbesondere zivilisierte, völlig naturentfremdete – Menschen keinerlei natürliche Entwicklungen – weder in der Kindheit und Jugend noch im Alter – mehr zu. Sie bemerken in ihrem Fortschrittswahn überhaupt nicht, wie sie sich dabei immer schwerfälliger und gebückter, oft nur noch mit Ge(h)hilfen oder hochelektronischen Fahrzeugen bewegen und im Grunde zum Affen machen.

 

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Dank für das Foto gebührt K. Mitch Hodge (auf Unsplash)!

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