Wenn Menschen ohne Natur- und Menschen- und damit auch Selbstkenntnis Menschlichkeit – Humanismus – fordern

Wie aus Adam und Eva, also „typisch Mann“ und „typisch Frau“, nicht nur (un-)menschliche Wesen ohne Geschlechtszugehörigkeit und Identität wurden, sondern auch Menschen ohne (körperliche und geistige) Widerstandskräfte und Verständnis für das Leben

Es ist in meinen Augen gefährlich, es Menschen zu überlassen, für eine „humanistische Weltordnung“ oder „humanere Bedingungen“ zu sorgen, die Menschlichkeit nur aus Büchern oder innerhalb eines bestimmten Umfeldes von Menschen gelernt haben.
Viele, vielleicht die meisten Menschen werden unter unmenschlichen Bedingungen großgezogen, das heißt, dürfen sich nicht frei zu Menschen entwickeln, indem sie von ihren Eltern alles lernen bzw. von ihren Artgenossen alles (Über-)Lebenswichtige beigebracht bekommen, während sie gleichzeitig ihre eigenen Lebenserfahrungen dazu machen können (ohne dass unzählige Regeln und Gesetze es ihnen verbieten).

Es gibt Eltern, die lassen ihren Kindern so viele Freiheiten wie möglich, damit sie Möglichkeiten bekommen, ihre eigenen Lebenserfahrungen zu machen, und fangen sie im Notfall auf, wenn sie dabei auf die Nase fallen.
Andere Eltern versuchen ihren Kindern den Weg in ihre eigene Zukunft zu ebnen, indem sie ihnen nur so viele Möglichkeiten wie möglich eröffnen, die sie selbst bereits – aufgrund ihrer eigenen guten Lebenserfahrungen, unerfüllten Träume und Ausschlussprinzipien – vorausgewählt haben.

Beides führt dazu, dass viele Menschen innerhalb ihrer Gesellschaft nicht schon früh auch unterschiedlich „harte Lektionen“ erteilt bekommen – weil ihnen entweder nicht bewusst gemacht wird,

  • wie unsicher das Leben sein kann bzw. wie groß mancher Verlust ist, wenn niemand da ist, um darüber hinwegzutrösten bzw. erklären zu können, warum die Welt auch grausam erscheinen kann bzw. warum es für den Erhalt unserer Menschlichkeit wichtig ist, dass sich manche Verluste grausam anfühlen, oder
  • wie viele Freiheiten und Möglichkeiten es bieten könnte, wenn sie bereit wären, ihre – wie auch immer, meist durch unbewusste, von Eltern übernommene Ängste und erlernte Angewohnheiten – bisher stark begrenzte Welt zu verlassen und „die große weite“ zu entdecken.

Es ist nicht realistisch, zu denken, dass schon direkt vor der eigenen Haustür eine gefährliche „unbekannte Welt“ beginnen würde, die Menschen z.B. nur mit Begleiterpersonen oder Hunden erkunden könnten, um sicher zu sein), genauso wenig wie es vernünftig ist, zu denken, man könne nur von speziell dafür ausgebildeten ExpertInnen etwas über das Leben lernen oder nur durch Fernreisen neue Erkenntnisse gewinnen und sich dabei vom Alltagstrott entspannen.
Es ist weder typisch männlich noch typisch weiblich, sowohl nach Sicherheiten als auch immer wieder neue Herausforderungen zu suchen.
Das ist menschlich, und es hängt von der individuellen Lebenssituation und den Vorerfahrungen im Leben ab, ob der Sicherheitsfaktor die größere Rolle spielt oder der Freiheitsdrang.

Mit einem sicheren Job, bei dem man „gutes Geld“ verdienen konnte, konnte man sich in den letzten Jahrzehnten beides leisten.
Ich habe das Gefühl, beides ist dabei, zusammen mit unserer Menschlichkeit und einem sinnvollen Verständnis für Humanismus mal wieder zu verschwinden.
Wer unsere Menschheitsgeschichte kennt, weiß natürlich, dass es schon immer Zeiten gab, in denen das so war.
Als Biologin, die es liebt, sich mit natürlichen Zyklen oder menschlichen Verhaltensmustern zu beschäftigen und Entwicklungen zu beobachten, werde ich weiterhin Augen, Ohren und andere Sinnesorgane offenhalten und mich sowohl auf mein angelerntes Wissen als auch auf meine weibliche Intuition verlassen, die mich noch nie getäuscht hat.
Vielleicht liegt es daran, dass ich lieber immer wieder neue Herausforderungen suche statt nach Dingen oder Menschen, die mir Sicherheiten versprechen?
Mir persönlich erscheint ein achtsames Leben am sichersten. Denn: Nichts im Leben ist so sicher wie der Tod, der im Grunde immer lauert, so dass man sich wirklich immer auf ihn verlassen kann – vor allem, wenn die Zeit für etwas Neues gekommen ist und etwas Altes (seien es auch „nur“ Überzeugungen, Erwartungen, Hoffnungen, Träume oder Eigentümlichkeiten und Eigentümer) dafür gehen muss.

P.s.: Mit „falschem Mitleid“, also übertriebener Gefühlsduselei, um andere nicht zu verletzen, ist Menschen (oder Tieren und der Natur) genauso wenig geholfen wie mit unmenschlicher Härte zur Abhärtung bzw. „Gewöhnung an Grausamkeiten“. Gesunde Widerstandskräfte (und damit auch ein gesundes Menschenbild) können nur Menschen ohne irrationalen Ängste entwickeln, die auch ihre menschliche Neugier behalten haben und noch bereit sind, sich auch auf Erfahrungen einzulassen – die sie bisher aus Angst, an dieser großen Herausforderung zu scheitern (bzw. dauerhaften Schaden davontragen oder daran sterben zu können) verweigert haben. Oder glaubst Du auch schon, dass man sich auf die besser nicht mehr verlässt?

 

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Dank für das Foto gebührt Külli Kittus (auf Unsplash)!

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