Lebendige statt willkürliche Verbindungen knüpfen lernen (und dabei individuelle Freiräume für alle anderen lassen)

Wenn Dir Kraft, Ideen oder Vitamin B fehlen und Du Dich allein im Universum fühlst (oder nach Lebensräumen auf anderen Planeten suchst)

Wir Menschen sind – auch wenn das vor allem IndividualistInnen denken und Freigeister denken – nicht dafür geschaffen, völlig selbstständig und unabhängig von anderen zu leben. Nur weil wir eine Zeitlang einsam oder zu zweit in der Wildnis überleben und uns dort auch fortpflanzen könnten, heißt das noch nicht, dass uns das auf Dauer glücklich machen oder gesund halten würde.
Es gibt Menschen, die sich so verbunden mit der Natur fühlen, um mit ihr und den in ihr lebenden Wesen zu kommunizieren, immer wieder Trost und neuen Mut in ihr finden und zusammen mit ihr bzw. ihnen zu arbeiten, sie zur eigenen Bedürfnisbefriedigung und zum Ausleben der eigenen Kreativität zu nutzen – also zum eigenen Überleben, für das nicht nur unser Körper, sondern auch unser Geist und unsere Seele regelmäßig sowohl zur Ruhe finden als auch ausgewogen genährt, bewegt und entgiftet werden muss.
Ein Großteil der Menschen wächst heute dagegen völlig naturentfremdet, oftmals abgeschottet in hygienisch sauberen Räumen, unter „zivilisierten Menschen„, angeblich als geborene HerrscherInnen über die Natur auf, hat seelische Traumata – nämlich Bindungsverluste zu ihren Ursprüngen – durchlebt oder fühlt sich durch Erziehung über natürliche Bedürfnisse und Sehnsüchte, über Gefühle erhaben und – statt dem eigenen Gewissen und Naturgesetzen – nur einer gültigen Rechtsordnung unterworfen. Nur wenige haben noch Achtung oder Respekt vor anderen, vor allem fremdartigen Lebewesen, die nicht als Angehörige der eigenen Gruppe, Familie oder Art, angesehen werden, selbst wenn sie natürliche ArtgenossInnen sind.

In unserer modernen Welt herrscht Angst – vor allem vor der angeblichen Unberechenbarkeit der Naturgewalten, vor „schicksalhaften“ Krankheiten und unabseh- oder -wendbaren Katastrophen, und vor Klimaveränderungen, die unser menschliches Überleben gefährden könnten, indem sie unsere Lebensräume unbewohnbar machen.
Mir ist schwer verständlich, wieso es kaum oder – trotz all des verfügbaren Wissens – immer noch sehr wenige Menschen gibt, die die Verbindung mit unserem Lebensstil erkennen, einem Leben, das viele Erwachsene immer noch weiter führen bzw. zurück haben wollen:

  • denen noch nicht klar ist, dass wir uns unsere innere Welt selbst und die äußere gemeinsam erschaffen;
  • die nicht wissen bzw. bewusst ignorieren – weil sie Wichtigeres zu tun haben – dass wir mehr Ressourcen verbrauchen, Lebensräume für uns allein beanspruchen, Natur „freiräumen“ bzw. zerstören (ohne sie auch während ihrer Regeneration sinnvoll, nachhaltig, zu nutzen) als wir aus ökologischer Sicht sollten; zumindest wenn wir uns dabei nicht rücksichtslos voranschreitend – ohne immer wieder neue vernünftige Entscheidungen zu treffen, sobald erkennbar ist, dass wir uns verkalkuliert haben – unsere eigene Lebensgrundlage nehmen wollen;
  • die nicht einsehen können, dass wir uns weder ungehemmt (und ohne Aufklärung über die Auswirkungen) vermehren noch uns nur Wunschkinder im Labor züchten oder ihnen termingerecht auf die Welt helfen können, wenn wir die Natur nicht mehr vorselektieren lassen (so dass sie mit der Zeit statt gesünder zu werden immer häufiger Entwicklungsstörungen und andere „Immunschwächen“ zeigen);
  • die zugeben würden, dass sie sich schlecht dabei fühlen, wenn sie hören, was gebildete Menschen nicht nur in der Vergangenheit denen angetan haben, die weniger oder gar keinen Zugang zu ihren Informationen hatten, die also nicht wissen konnten, was die ihnen antaten oder antun würden – seien es wilde Tiere oder Menschen.

„Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist.“ (2. Mose 20.4) – weil Lebenserfahrungen mehr als Bilder im Kopf sind, die Dir erscheinen, wenn jemand bestimmte Gefühle in Dir auslöst; weil Weisheit mehr als reines Wissen oder Nachvollziehenkönnen, sondern auch echtes Verständnis ist.
Viele Menschen scheinen nicht einmal nachvollziehen zu können, dass allen Lebewesen dasselbe Lebensrecht auf dieser Erde zusteht; sie können die Verbindung zwischen ihrem eigenen Leben und Leiden und ihren Bindungsängsten anderen gegenüber, für die sie zu viel Mitleid empfinden könnten, nicht wahrnehmen, sondern verleugnen sie oft sogar vehement und schließen sich stattdessen entweder vor allem Stärkeren, Kreativeren oder scheinbar beliebteren Menschen mit vielen Kontakten und Verbindungen an oder anderen einsamen Seelen, um die sie sich kümmern können, weil sie noch schwächer als sie selbst erscheinen, so dass sie keine Angst vor ihnen haben müssen.

Auf Augenhöhe, ebenbürtig, begegnen sich die wenigsten Menschen heute …
Wundere Dich also bitte nicht, wenn Deine Bindungen nicht halten, also Deine Beziehungen immer wieder in die Brüche gehen oder mit der Zeit auflösen.
Wenn Du etwas Haltbares knüpfen möchtest, das nicht nur äußerlich stabil erscheint, sondern auch fest verknotet, also bis tief ins Innere verbunden ist, darfst Du Dich nicht nur darauf verlassen, was anfänglich war. – Du musst dafür sorgen, dass sowohl der Knoten, also das, was tatsächlich verbindet, bleibt, also gepflegt und vielleicht hin und wieder nachgezogen wird, als auch dass die Verbindungsschnur nicht irgendwann abreißt, weil Du zu oft zu stark daran gezogen oder Dich mit der Zeit Schritt für Schritt – so dass Du es kaum bemerkt hast – zu weit davon entfernt hast.

Jedes Handwerk will nicht nur gelernt sein, darf also nicht nur reiner Lernstoff sein. Es braucht auch Zeit zum selbstständigen und selbstverantwortlichen Üben, also für eigene Erfolgserlebnisse, eigenen Ehrgeiz (zur Stärkung des Selbstvertrauens) und Misserfolge (die zu Neubeginnen anspornen), für Wut und Freude und Neugier und Kreativität und Verständnis dafür, warum es sinnvoll ist, sich (grob oder genau) nach bestimmten Regeln zu richten, und wann man sie brechen darf, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, die man selbst gar nicht tragen möchte.
Ich wünschte, es gäbe mehr Menschen, die ihre eigenen handwerklichen oder kreativen Fähigkeiten nicht nur realistisch einschätzen, sondern auch erkennen würden, was sie – je nach ihrem Einfluss(reichtum), je nach Vermögen und gesellschaftlichem Ansehen – damit in der Welt anrichten, also nicht nur hinterlassen, sondern dabei gleichzeitig zerstören.

Ich wünschte, sie würden sich irgendwann dafür schämen, dass sie so schlecht darin waren, einfachste Verbindungen herzustellen.

 

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Dank für das Foto gebührt Thomas Couillard (auf Unsplash)!

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