Den Wald vor lauter abgefällten Bäumen nicht mehr sehen

Wenn wir alle biologisch und nachhaltig gesund leben woll(t)en, müss(t)en wir zuallererst wissen, wie wir alle selbst ökologisch leben können, nicht nur – am Besten noch alle dasselbe … – „bio“ oder „von GesundheitsexpertInnen empfohlen“ einkaufen!

Wenn „Bio für alle“ das Motto von großen Supermarktketten ist, dann haben die Menschen, die dort einkaufen gehen, nicht verstanden, was „bio“ bedeutet: kleinflächige, möglichst vielfältige lebendig-diverse Strukturen aufrechterhalten, die sinnvoll miteinander arbeiten, also ineinandergreifen, wenn es um Produktion, Konsum und sinnvolle „Zerstörung“ also Entsorgung geht, die sich zum Wiederaufbau von etwas Neuem, zum Recycling, nutzen lässt. Es ist nicht „bio“, sich nicht darum kümmern zu müssen, wie oder wo die Verpackungen oder Zusatzstoffe, Gimmicks oder andere Extras zu dem, was wir produzieren und/oder konsumieren, herkommen und wie oder wo sie „verschwinden“. Nur Nichts kann sich auch in Nichts auflösen, alles andere hinterlässt Spuren … leider meistens Spuren der Verwüstung.

Menschen, die kaum Ahnung von Ökologie haben, für die ein bewirtschafteter Wald eine Wildnis oder ein angelegter Park „Natur“ ist, verlassen sich oft blind darauf, wenn ihnen andere, die vielfach genauso wenig über die Natur und ihre Kreisläufe wissen, erklären, sie würden ökologische Landwirtschaft betreiben oder nachhaltig wirtschaften. Mir ist z.B. keine Technologie bekannt, die schon weiß, wie sie ihre Abfälle sinnvoll entsorgen oder immer wiederverwenden kann, ohne dass sie dazu enorme Energiemengen brauchen, die an anderer Stelle oder auf ihre Weise der natur schaden.
Auf staatlich geprüfte Siegel in Staaten, die ökonomisch, nicht ökologisch, arbeiten und investieren wollen, – so dass es sich am Ende für sie, nicht auch für alle anderen rechnet – dürfte sich kein Mensch mit einem gesunden Menschenverstand verlassen, ohne genauer dazu zu recherchieren.
Weder ist unser Gesundheitssystem auf die langfristige Gesundheit der Menschen ausgerichtet, noch unser Rentensystem auf ein gesundes Leben auch im Alter. Auf wessen Kosten ein Land wie Bhutan vielleicht das eigene Glück erkauft, weiß ich nicht, aber in einer globalisierten Welt kann ich mir kaum vorstellen, dass sich jemand abgekoppelt von anderen nur zum eigenen Vorteil entwickeln kann, ohne andere dabei unglücklich zu machen. Ökologische Systeme sind komplexe Systeme.

Die meisten Menschen wollen gar nicht ökologisch leben, weil es ihnen viel zu anstrengend und zeitaufwändig wäre, sich umfassend zu informieren und um vieles selbst zu kümmern, was damit verbunden wäre: ökologische Entscheidungen treffen, umweltschädliche Verhaltensweisen möglichst sein lassen und Alternativen dafür zu finden statt sie damit zu rechtfertigen, dass alle anderen das ja auch tun, es also nicht so schlimm sein könne.
Ein biologisches Leben, ein Leben mit, mit Hilfe, von oder in der Natur bedeutet, der Natur, ihren begrenzten Ressourcen zuliebe auch auf Dinge zu verzichten, also nicht alles haben zu wollen, was aktuell verfügbar ist, sondern auch über die Begleiterscheinungen, „Kollateralschäden“ – von Missbrauch über Ausbeutung bis zu Mord und Totschlag – und Folgen nachzudenken.
Wenn niemand damit anfängt, Massenware und große Unternehmen, die sie produzieren, zu boykottieren, werden sie weiterhin die Natur zerstören – während sie genug Geld damit verdienen, um es in ihre Marketingabteilungen stecken zu können, die ihnen ein mehr oder weniger grünes Image zu generieren oder einigermaßen aufrechtzuerhalten.

Wenn Du also zu beschäftigt bist, Dich mit Ökologie zu beschäftigen, Dich ehrlich damit zu konfrontieren, wie nachhaltig gesund und ökologisch Du tatsächlich lebst, dann wundere Dich bitte nicht, wenn in Deinem Leben auch vieles andere nicht rund läuft. Das ist der Lauf der Natur – wer sich zu sehr von ihr entfernt oder sie unwissentlich oder bewusst ignorant zerstört, darf auch nicht auf ihre Hilfe zählen oder auf das gesunde Immunsystem hoffen, dass sie allen von uns mitgegeben hat.
Vielleicht überlegst Du Dir ja im neuen Jahr, wie Du es sinnvoll wieder aufbauen und nachhaltig stärken kannst?
Ich kann es Dir nicht versprechen; aber ich für meinen Teil halte die Natur nicht für unsere Feindin, sondern für unser aller Verbündete – wenn wir bereit sind, für sie und mit ihr zu arbeiten, nicht gegen sie. Ich glaube sogar, dass sie uns erlaubt, all ihre Ressourcen, auch lebende, zu nutzen, wenn wir auf deren natürliche Regenerationszeit achten bzw. ihren Tod verantworten können oder wollen.
Ich z.B. halte auch Pflanzen für fühlende Wesen, aber ich glaube, dass sie beim Sterben – wenn es ein schneller Tod ist – oder Abtrennen von Körperteilen, die ihnen z.B. auch Insekten und ihre Larven oder andere Tiere abfressen, weniger leiden als Tiere, die sich von Natur aus dagegen wehren können, wenn ihnen jemand zu nahe auf den Pelz rückt, oder die wegrennen, wegfliegen oder -schwimmen würden oder könnten, wenn Menschen das tun.
Wer sich (noch) unsicher ist, was er oder sie darf oder nicht, wie er oder sie leben sollte oder nicht, um ein nachhaltig gutes Gefühl dabei zu haben, muss keine Gesetzestexte oder in anderen Büchern oder Quellen nachlesen und forschen, sondern kann sich – meiner Meinung nach – darauf verlassen, dass eine innere Stimme dafür das ist, Antworten zu geben.
Mich würde es zwar sehr wundern, wenn es Menschen gäbe, die sie nicht hätten; aber da die Natur ja voller Wunder steckt, würde sie mich auch nicht unbedingt damit überraschen, wenn es die doch gäbe. Mir persönlich ist noch keiner begegnet; aber wer weiß, was mir meine Naturforschung noch eröffnen wird … vielleicht über (bio-)technologisch oder -medizinisch veränderte Menschen, die ihre inneren Stimmen nicht mehr wahrnehmen können, sondern – bevor sie handeln – darauf warten, dass ihnen jemand den Befehl oder die Erlaubnis dazu erteilt?
Aber da die sich in den Lebensräumen, in denen ich mich gerne aufhalte, vermutlich nicht wohlfühlen, schwer zurechtfinden oder sogar oft allergisch auf sie reagieren, habe ich wenig Hoffnung, dass ich sie auch mal genauer studieren könnte. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so.

P.s.: Die Natur setzt uns natürliche Grenzen, die wir natürlich übertreten können, auch ohne dass wir immer sofort dafür gestraft werden. Aber wenn Du immer wieder nicht einsehen willst, was offensichtlich ist und wenn Du Dich nicht immer wieder dafür entschuldigen und das wieder gutmachen kannst, was Du angerichtet hast, darfst Du nicht erwarten, dass Dir immer wieder vergeben wird. Irgendwann ist jede Geduld mal zu Ende, ich befürchte, nein eigentlich weiß ich es: auch die der gütigen Mutter Natur.

 

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Dank für das Foto gebührt Dave Herring (auf Unsplash)!

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