Die rauchigen Nächte beginnen

Als naturbegeisterte Lebenswissenschaftlerin kann ich mit traditionellen Festen erst etwas anfangen, wenn ich ihren Sinn erkannt, also verstanden habe, warum Menschen überhaupt gemeinsam feiern. Ich persönlich sehe zum Beispiel wenig Sinn darin, eine angeblich besinnliche Weihnachtszeit damit zu verbringen, sich weder auf das schwierige Leben des Menschen, dessen Geburt gefeiert wird, noch den sinnlosen Müll, der mit wenig nachhaltig hergestellten, selten lange halt- oder leicht recyclebaren Dekorationsartikeln und Geschenken produziert wird, noch auf die Herkunft oder Auswirkungen der verspeisten Nahrungsmittel und Getränke zu besinnen, also Dinge zu ignorieren, die dazu dienen könnten, zukünftig sinnvollere Entscheidungen zu treffen (wenn sich alle Partygäste darin einig wären, sinnlose Verschwendung von Ressourcen dabei zu vermeiden).

Allerdings herrscht Einigkeit unter Menschen prinzipiell nur, so lange alle mit einer Situation zufrieden oder gleich unzufrieden sind. Oftmals entschließt sich eine Mehrheit, sich – um des lieben Frieden willens – solidarisch den Wünschen oder traditionell vorgegebenen Regeln, die andere vor ihnen aufgestellt haben, zu unterwerfen.
Wer lieber (selbst-)zufrieden friedliche Weihnachtstage verbringen möchte, tut sich besser mit Menschen zusammen, die sich weder über zu viele oder zu wenige Kerzen und Lichter oder Lametta streiten, genausowenig wie über zu viele oder zu wenige Diskussionsthemen.

Wünsche erfüllen sich seit jeher selten, wenn Menschen erwarten, dass andere sie ihnen von den Augen ablesen bzw. verschlüsselte Hinweise richtig errraten können – außer eben mit Hilfe von Seelenverwandten, die sich auch wortlos verstehen; von Geschwistern im Geiste, die sich aus dem, was sie übereinander wissen, eine passende Überraschung herleiten, oder liebender Menschen, die einfach danach fragen und alles in die Wege leiten, um sie zu erfüllen, auch wenn sie sie selbst gar nicht nachvollziehen oder gutheißen können.
Auch Menschen Zeit zu schenken, die eigene Lebenszeit mit ihnen zu verbringen, ist ein wertvolles Geschenk; umso wertvoller, je weniger gerne man sie freiwillig, ohne speziellen Anlass, miteinander verbringen würde.
Weihnachten ist für mich heute eher ein feierlicher Anlass, sich gegenseitig zu beweisen, dass man im Notfall – auch wenn man vielleicht gar keine Lust darauf hat, sondern nur um des Familien- oder Gemeinschaftsfriedens willen – füreinander da sein will. Ab Menschen das im konkreten Fall tatsächlich einhalten, ist eine andere Frage.

Ich habe Weihnachten schon immer so gefeiert, wie ich Lust hatte; und seit letztem Jahr habe ich keine Lust mehr auf eine christliche Tradition, die Menschen dazu nötigt, mit Masken vor dem Gesicht unter Menschen zu gehen, den eigenen Gesundheitszustand vor der Begegnung mit anderen Menschen mit gesundheitsschädlichen, invasiven Tests überprüfen zu lassen oder die unerforschten Risiken neuartiger Impfstoffe in Kauf zu nehmen, um ein anerkanntes Mitglied „unserer“ Gesellschaft zu bleiben.
Sobald Du darauf achtest, wobei und mit wem Du Dich an Weihnachten besonders wohl fühlst und gerne feierst und wie nicht, kannst Du ein traditionelles, kulturelles, autoritär gesteuertes Weihnachtsfest leicht zum Anlass nehmen, zukünftig wieder natürlicher, sozialer, menschenfreundlicher zu werden: indem Du Minderheitenwünsche äußerst und einen Konsens darüber einforderst, so dass sie zukünftig keiner Mehrheitsdiktatur mehr untergeordnet, sondern als gleichberechtigt wichtig für die Gemeinschaft berücksichtigt werden, selbst wenn es bedeutet, dass sich nicht alle nach Wunsch oder gleichermaßen an den Feierlichkeiten beteiligen.
Wir Menschen sind glücklicherweise nicht alle gleich, aber selten allein mit unserer Vorstellung von einem schönen, traditionellen oder modernen, Weihnachtsfest, von Familienmitgliedern, von Solidarität, von Toleranz oder von Notfällen! – So kann unserer natürliche Schwarmintelligenz wirksam werden und die Menschen näher zusammenführen, die sich unter einer „schönen Weihnachtsfeier“ auch ein ähnliches Fest vorstellen: sei es ein feierlicher Geschenkekonkurrenzkampf, eine kulinarische Köstlichkeiten- oder Dekorationsmesse oder eher eine Unterhaltungsshow oder Tanzparty.

Ich verbringe die letzten Tage des Jahres vor allem damit, meinen Fokus besonders auf die Dinge zu richten, die ich nicht mit ins neue Jahr nehmen, also abschließen und hinter mir lassen möchte. Mit der Wintersonnenwende vor ein paar Tagen hat bereits ein neuer Jahreszyklus begonnen: statt immer noch dunkler wird es draußen gerade täglich ein wenig heller, so dass ich selbst von der Kraft der neu erwachenden Lebensgeister profitiere, indem ich mich ihnen öffne und versuche, mich mit ihnen weiterzuentwickeln statt zu sehr an dem festzuhalten, was in der (dunklen) Vergangenheit liegt.
Es mag sinnvoll sein, gewisse Vorräte für die Zukunft gesammelt zu haben; aber viel sinnvoller ist es, möglichst flexibel und für Veränderungen bereit zu bleiben, also nicht zu sehr an dem festzuhalten, was Du besitzt – weil es morgen schon wertlos oder nicht mehr da sein könnte, wenn es Dir jemand weggenommen hat.
Umso entspannter Du mit Verlusten umgehen kannst, auf umso weniger Du Dich konzentrierst, was Dir wirklich wichtig ist, umso mehr Du vermeidest, Dir unnötig viel Neues anzuschaffen, umso gezielter Du ausmistest oder Dinge verschenkst oder auch mal verbrennst, weil Du das symbolische Sich-in-Rauch-auflösen brauchst, um etwas altes los-, in Frieden gehen zu lassen, desto zufriedener, befreiter, mutiger wirst Du in die Zukunft blicken können.
Die letzten Tage eines alten Jahres kannst Du individuell nutzen, wenn Du Dich nicht von gemeinsamen Feiern vereinnahmen lässt, in denen Du wenig Sinn siehst und je nachdem, ob Du neue Energie bündeln oder angestaute herauslassen möchtest: entweder alleine mit Atem- und Entspannungsübungen, entsprechenden, auf Deine individuelle Bedürfnisse zugeschnittenen Nahrungsmitteln, ruhigen Bewegungen oder einem anstrengenden Sport und passender Musik oder in der Gesellschaft mit anderen, bei Essen, das möglichst viele zufrieden stellt, bei lauten Unterhaltungen, Spielen oder Tänzen, je nachdem, was Dir mehr Spaß macht.

Das Räuchern hat dabei eine alte Tradition – in Zeiten des Übergangs, von Veränderungen und Neubeginnen, indem symbolisch das gesammelt, gebündelt und verbrannt wurde, wovon oder womit sich Menschen reinigen wollten. Ob Du die 13 Nächte ab Weihnachten (oder die 12 ab dem 1. Weihnachtstag), die als Raunächte (auch Rauh- oder Rauchnächte, weil in ihnen seit jeher oft geräuchert wurde) bekannt sind, nutzen möchtest, um Dir etwas über das kommende Jahr (13 Mondmonate) verraten oder das vergangene noch einmal an Dir vorüberziehen zu lassen, das entscheidest Du am Besten vor dem Einschlafen oder nach dem Aufwachen, je nachdem, ob Du Dich im zugehörigen Monat an einen Traum erinnern willst oder kannst.
Nächste sind übrigens immer gute Ratgeber für Dinge bzw. Tätigkeiten, die Du tagsüber vernachlässigst. Wenn Du mehr darauf achtest, was Dir nachts fehlt, kannst Du die Tage dafür nutzen, genau das zukünftig zu vermeiden und dadurch vielleicht sogar erholsamer zu schlafen und energiegeladener aufzuwachen!
Ich wünsche Dir ein gutes Gelingen, falls Du es versuchen möchtest,
und vor allem: Ein paar schöne letzte Tage dieses ereignisreichen Jahres, in dem Du hoffentlich noch viel verarbeiten oder abschließen und zurücklassen, zu Not verbrennen kannst, was Du nicht ins neue Jahr mitnehmen möchtest! Mach‘ oder halte Dir dadurch genug Platz frei für neue, schöne Dinge, auch wenn Du Dir noch nicht vorstellen kannst, dass die Zukunft die für Dich bereithalten würde.

P.s.: Pass‘ nur auf, dass Du dabei vor allem flüchtige Aromen und nicht zu viel Rauch und Ruß- oder andere feste Partikel dabei einatmest – sonst ist der reinigende Effekt, vor allem für Deine Lunge, dahin

 

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Dank für das Foto gebührt frank mckenna (auf Unsplash)!

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