Wir leben weder in einem (Ge-)Recht(igkeit)s- noch in einem Sozial-, sondern in einem (Be-)Rechnungsstaat

Bereits seit meiner Jugend habe ich das Gefühl, dass in dieser Welt

  • etwas nicht stimmt, also überhaupt nicht richtig ist;
  • immer irgendwo etwas zu viel ist;
  • an einigen Stellen etwas Elementares fehlt;
  • es, selbst wenn ich alles berücksichtige, keine ausgleichende Gerechtigkeit gibt.

Heute weiß ich – obwohl ich zwar nicht Mathematik, aber ein naturwissenschaftliches Studium absolviert und schon lange darüber gegrübelt habe – endlich, warum sich so viele nette, liebenswürdig erscheinende Menschen auch über lange Zeit skrupel- oder gedankenlos mehr nehmen als ihnen zusteht, während andere wort- und widerstandslos hinnehmen, wenn ihnen etwas weggenommen wird:
Es geht ums eigene (Über-)Leben, um Anreize und Verlockungen sowie um Angst und Schuld(en) oder Entschädigungen für (Gedanken-)Arbeit.

Es ist allerdings z.B. wenig oder nicht sozial, in eine sogenannte Rentenkasse einzubezahlen, mit der zur gleichen Zeit Renten ausbezahlt werden, und dann zu erwarten, dass nachfolgende Generationen den Rententopf wieder genauso voll machen – das ist naiv berechnend.
Und es ist außerdem nicht gerecht, alle Menschen in Versicherungen einzahlen zu lassen, die ein Teil von ihnen gar nicht braucht, also nie in Anspruch nimmt, während andere sie missbrauchen, indem sie sich darauf verlassen, dass alle anderen Zahlenden die Schäden, die sie aus Übermut, Unsinn oder Fahrlässigkeit verursachen, mitübernehmen wollen.

Kein Wunder also, dass Regierungen – wenn ihre eigenen Rechnungen nicht mehr aufgehen – aktuell mit Gewalt versuchen, Menschen zu Solidarität aufzurufen oder ihre Freiheiten und Selbstverantwortung einzuschränken.
Ich bin noch nicht sicher, womit genau sie weiterhin rechnen. – Aber ich kann nur empfehlen, selbst(ständig) rechtzeitig – bevor wir wie die Chinesen in einer Überwachungs-Diktatur gelandet sind, mit der viele vermutlich nicht gerechnet hatten, die (bio-)technologischen Verlockungen erlegen sind, und aus der wir uns nicht mehr so leicht befreien können – für sich durchzurechnen, ob es

  • sich überhaupt noch lohnt, darauf zu hoffen, dass offene Rechnungen mit bisherigen (Staats-)Ämtern und Regierungsbehörden oder Banken und Großunternehmen, die immer mehr Regierungsmacht an sich reißen, jemals beglichen werden, oder ob es
  • nicht sinnvoller wäre, sich mehrere unterschiedliche neue, gerechtere Systeme einfallen zu lassen, die immer wieder – im Hinblick auf Recht, Gerechtigkeit und Sozialverträglichkeit – verglichen werden können, so dass am Ende niemand sagen kann, er oder sie hätte gar keine andere Wahl gehabt bzw. sich darauf verlassen, dass PolitikerInnen und ihre ExpertInnen (sich) schon ausrechnen würden, wie das beste System nicht nur für sie selbst, sondern auch für alle anderen Menschen im Land funktionieren muss.

Kein Mensch ist anderen etwas schuldig, nur weil er oder sie sich ihnen zu Dank verpflichtet fühlt, die in der Vergangenheit einmal oder viel Gutes – Freigiebiges, Mutiges, Beherztes, gut Durchdachtes – getan haben: Gute Taten können genauso in Vergessenheit geraten und verjähren wie schlechte; und sie tun es automatisch, wenn aus Offenherzigkeit, Liebe und Denkvermögen Angst, Geiz und Engstirnigkeit werden.
Es ist unsere Pflicht als Menschen, anderen jederzeit – so gut wir können (nicht nur indem wir ihnen ein paar ermutigende, schön klingende Worte in ihrem Elend zusprechen) – zu helfen, wenn sie selbst um Hilfe bitten, solange sie das noch selbstständig können, nicht nur weil

  • sie einfach darauf warten, also erwarten, dass ihnen jemand hilft,
  • sie dafür gearbeitet haben, dass ihnen später – wenn sie nicht mehr arbeiten können oder wollen – andere Menschen helfen, oder
  • uns eine Hilfsorganisation oder ein Staat anbietet und verspricht, dafür, dass wir Geld dafür bezahlen, Menschen, Tieren oder der Natur zu helfen.

Zumindest dachte ich das lange Zeit, weil ich es im Laufe meines Lebens immer mal wieder irgendwo gehört habe …
Vielleicht bin ich aber auch auf VerschwörungstheoretikerInnen hereingefallen, die es verbreitet haben – ich muss ja leider feststellen, dass ich heute überall von denen umgeben bin (auch wenn ich gestehen muss, dass ich den Eindruck habe, dass die alle ziemlich gut im Rechnen, nicht nur mit Zahlen, und Zusammenzählen sind; zumindest besser als die Mehrheit der Bevölkerung).

Pass‘ Du bitte auf, dass Du nicht erst, wenn Du alt und krank bist, feststellen musst, dass Du hinterhältig abgezockt wurdest, weil Du den Fehler gemacht hast, den „falschen“ Menschen zu vertrauen – zumindest ziemlich schlechten (oder doch guten?) im Rechn(ung)en (Schreiben)!
Aber vielleicht lernt man das in einem bank- oder betriebswirtschaftswissenschaftlichen Studiengang einfach nicht so umfassend wie ich vor Jahren noch in meinem biologischen?

P.s.: Wusstest Du eigentlich, dass Reputation „Anrechnung“ bedeutet und Du selbst den Wert bestimmst, den andere Menschen für Dich haben? Guter Rat war deshalb auch noch nie teuer – Du musst nur die Menschen kennen, die Dir freiwillig, ehrlich und unentgeltlich von ihren Erfahrungen berichten. Teuer zu stehen kommen kann es Dich dagegen, wenn Du unbedacht dem Rat von Menschen folgst, die vor allem davon profitieren (wollen), dass Du auch regelmäßig immer wieder kommst, um sie um Rat zu fragen.

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Dank für das Foto gebührt Sharon McCutcheon (auf Unsplash)!

 

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