Der naive menschliche Traum von der Unabhängigkeit

Nur weil Du die Verbindungen (noch) nicht sehen kannst, heißt das nicht, dass Du frei bist!

Wer sich als ein Teil der Natur, sei er auch noch so klein im großen Ganzen, empfindet, hat weniger Probleme damit, sich selbst darin zu verlieren als Menschen, die ihre Verbindung zur Natur verloren haben und denken, sie müssten sich absichern, um darin möglichst lange glücklich und gesund leben zu können.
Kein Mensch, der sich freiwillig immer mehr Sicherheitsgurte anlegt und oder von anderen fesseln lässt, kann behaupten, dass er oder sie ein unabhängiges Leben führt.

Mir ist vor allem in den letzten Jahren klar geworden, wie abhängig sich Menschen, die mehr Geld verdienen als sie zum täglichen Leben brauchen, – damit sie sich auch immer wieder Auszeiten von ihrer sehr einseitig anstrengenden Arbeit nehmen können, sich tolle Belohnungen dafür leisten können oder für die Zukunft abgesichert sind – von diesem Geld, von den (Fern-)Reisen, von ihren schicken Sachen machen und wie schnell und leicht sich Menschen daran gewöhnen, sich selbst nicht mehr überlegen zu müssen, ob sie sich etwas überhaupt leisten möchten (bzw. überhaupt sollten, nur weil sie es können) oder nicht.

Ich selbst halte es zum Beispiel nicht nur für Geld- sondern auch für unnötige Energieverschwendung, – nur damit ich es morgens zum Aufstehen oder wenn ich von draußen hereinkomme direkt warm habe – Innenräume rund um die Uhr zu beheizen. Wenn man allerdings mit Menschen zusammenlebt, die sich so daran gewöhnt haben und außerdem 1000 Gründe nennen können, warum es Sinn macht, Heizungen nicht abkühlen zu lassen, um sie hinterher wieder aufzuwärmen, muss man sich selbst etwas einfallen lassen, um sich nicht automatisch auch so daran zu gewöhnen, dass man vermutlich erfrieren würde, wenn im Winter Heizung und Strom einmal ausfallen sollten.

Es ist für mich spannend – aber auch oft traurig – zu beobachten, wie Menschen, die sich in ihrem Leben gefangen oder abhängig von anderen fühlen, versuchen, sich möglichst frei davon zu machen, indem sie sich in neue Abhängigkeiten, – von Geldgeberinnen, Dingen oder Erlebnissen, die sie kaufen können, um mehr freie Zeit zu haben für Menschen, Dinge oder Erlebnisse, die sie lieben – begeben und dabei so unglücklich werden, dass sie zusätzlich alkohol- oder drogenabhängig, ess-, sport- oder sexsüchtig u.ä. werden, um dabei das Gefühl zu haben, einfach tun und lassen zu können, was sie wollen.
Kein Mensch auf dieser Erde kann einfach tun und lassen, was er oder sie möchte, ohne dafür irgendwann die Verantwortung tragen zu müssen – dafür sorgen die Naturgesetze oder Spielregeln des Lebens, wie ich sie gerne nenne.

Verliere also – Dir und Deiner Freiheit zuliebe – nicht Deine Verbindung zur Natur, zu Dir selbst! – Denn Deine inneren Stimmen – Deine Gedanken und Instinkte in Verbindung mit Deiner Intuition – geben Dir immer wieder Hinweise, die Du nicht ignorieren solltest, wenn Du Dich nicht unbewusst zu sehr in die Fänge der Zivilisation begeben willst, die nicht für Dich, Dein Glück und Deine Gesundheit geschaffen wurde, sondern um Dich darin gefangen zu halten und leichter kontrollieren zu können als einen freien, unabhängigen Menschen.
Du kannst Dich natürlich auch bewusst dazu entscheiden, – weil Du Dich dort am Sichersten aufgehoben fühlst – Dich in die Abhängigkeit von (vermeintlich) sicheren Geldgeberinnen, von bestimmten Produkten und Lebensmitteln, von Strom, warmem Wasser aus einer Leitung und rund um die Uhr beheizten oder zumindest beheizbaren Räumen etc. begeben bzw. von Menschen, die versprechen, Dich Dein Leben lang damit zu versorgen, wenn Du versprichst, dafür für sie zu sorgen.

Mir persönlich ist das zu unsicher.
Ich male mir lieber hin und wieder Situationen aus, in denen ich plötzlich alles verlieren könnte, und stelle mir vor, was ich dann tun würde.
Solange ich noch Ideen habe und sicher bin, dass ich niemandem für Essen, Wasser oder ein Plätzchen zum Erholen und Schlafen um Geld anbetteln müsste – weil ich nichts mehr hätte, was ich als Gegenleistung dafür anbieten könnte – fühle ich mich (angst-)frei genug, um mich auch auf tiefe Verbindungen zu Menschen einzulassen, die selbst gar nicht abhängig von mir oder dem sind, was ich selbst habe oder kann.

Nichts ist enttäuschender, als von Menschen enttäuscht zu werden, auf deren Anwesenheit oder Unterstützung Du mehr vertraut hast als auf sich selbst.
Verliere aber bitte nie den Mut, anderen Menschen immer wieder neu zu vertrauen! – Verhalte Dich nur bitte auch wie ein/e Erwachsene, wenn Du irgendwann „überraschend“ feststellst, dass Du Dich in ihnen getäuscht hast – weil sie mit der Zeit entweder freiheitsliebender oder abhängiger (geworden) sind als Du.
Vielleicht hast Du noch einiges zu lernen in Deinem Leben? Vor allem über – finanzielle und andere – Abhängigkeiten und – frei(willig)e, zwanglose – Liebe.

Falls Du nochmal die Schulbank des Lebens drücken willst, weil Du selbst Lebenswissenschaftlerin oder zumindest Experte/Expertin für Dein eigenes Leben werden möchtest, wünsche Dir viel Freude dabei, auch wenn ich Dir nicht versprechen kann, dass es leicht oder schmerzfrei sein wird.
Ich bin einfach nur sicher, dass Du Dich irgendwann (wieder) sowohl tiefer verbunden mit anderen – Menschen, Tieren, Pflanzen und unserer Natur, also mit allen Lebewesen – als auch freier, unabhängiger in Deinen eigenen Entscheidungen fühlen wirst.
Es liegt aber an Dir, ob Du das Risiko – ohne Erfolgsgarantie – eingehen willst.
Ich hoffe ein bisschen, dass Du langsam einfach genug von (Garantie-)Versprechungen hast, die Dir anderer Menschen in Deinem Leben schon gemacht haben, und bereit für etwas ganz Neues bist: ein zivilisiertes, möglichst friedliches, weder zu nervenaufreibendes noch todlangweiliges Leben zusammen mit, möglichst viel innerhalb und nach dem Vorbild der Natur, nicht gegen sie und so kämpferisch wie sie in den Köpfen naturentfremdeter Menschen herrscht.

 

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Dank für das Foto gebührt Marek Piwnicki (auf Unsplash)!

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