Gewöhn‘ Dir nicht zu viel Unsinn an …

…, nur weil andere sagen, dass Du etwas tun musst, oder weil Du Dich dabei – obwohl Du weißt, dass Du es nicht tun solltest, also trotz schlechten Gewissens – entspannt(er) fühlst

Wir lernen von frühester Kindheit an, unsere natürlichen Bedürfnisse zu ignorieren oder zu unterdrücken – wenn

  • wir wach sind und nicht schlafen können, obwohl wir das sollen, weil für andere gerade Schlafenszeit ist; das heißt
  • wir körperlich, geistig oder seelisch gar nicht müde genug oder viel zu aufgeregt zum Schlafen sind und das niemand bemerkt, der oder die uns dabei helfen könnte, etwas dagegen zu tun;
  • wir Hunger, Durst oder Bewegungsdrang haben, aber es nur feste Zeiten gibt, zu denen wir essen, trinken, aufstehen und uns bewegen dürfen, an die wir uns halten müssen;
  • wir uns schlecht fühlen oder uns nicht selbst bei etwas helfen können und sich niemand liebevoll und geduldig um uns kümmert;
  • wir laut lachen müssen oder das Gefühl haben, schreien zu wollen, aber still sein oder halten sollen;
  • wir frei atmen wollen, wir uns aber in stickigen Räumen (heute sogar an vielen Orten mit Mundnasenbedeckungen) aufhalten sollen;
  • sie uns peinlich sind oder sogar Angst machen, z.B. wenn wir erst fragen müssen, ob wir zur Toilette gehen dürfen;
  • niemand da ist, wenn wir uns nach Körpernähe sehnen;
  • uns niemand erklärt, wie wichtig es ist, auf die eigenen inneren Stimmen zu hören (und sie außerdem nicht mit ungesunden Verlockungen zu verwechseln), und wenn
  • uns niemand dabei hilft, sinnvolle Strategien zu entwickeln, schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen, also Ursachen zu beseitigen, die uns daran hindern, dass wir unsere natürlichen Bedürfnisse befriedigen können – weil sie vorher niemand bemerkt oder selbst, aus Unkenntnis ihrer Bedeutung, ignoriert hat bzw. wir sie vielleicht gar nicht deutlich zeigen oder anders kommunizieren.

Menschen sind kreativ, und jedes Kind, das sich nicht mit anderen darüber austauschen kann, lässt sich – je nach Leidensdruck – nicht unbedingt selbst das Sinnvollste, sondern etwas anderes einfallen, womit es sich möglichst schnell besser fühlt.
Und Menschen sind auch unbewusst nachtragend, selbst wenn sie denken, sie würden niemandem mehr übel nehmen, was der oder die ihnen in ihrer Kindheit und Jugend irgendwann einmal angetan hat: aus von Natur aus gesunden Angewohnheiten können – wenn sie zu vielen Zwängen unterliegen – nicht nur ungesunde (Zwangs-)Störungen werden, mit denen sich Menschen sozusagen antrainiert haben, sich selbst mit Ersatzbefriedigungen, nämlich einem guten Gefühl dabei oder hinterher, zu trösten, sondern auch tiefe Depressionen, wenn Menschen irgendwann feststellen, dass ihre „neuen“ Angewohnheiten sie im Leben auch nicht glücklich machen, sondern immer wieder unbefriedigt fühlen oder ein schlechtes Gewissen zurück lassen.

Du kannst leider nicht erwarten, dass sich irgendjemand freiwillig bei Dir entschuldigen wird, dem oder der nicht einmal bewusst ist, was er oder sie Dir angetan hat – weil er oder sie es selbst gar nicht gelernt hat, auf die eigenen inneren Stimmen zu hören und sinnvoll mit eigenen natürlichen Bedürfnissen umzugehen, und es daher nicht besser wusste.
Also finde lieber Deine eigene, neue sinnvolle Strategie, wie Du heute damit umgehen kannst, ohne Dir – Deinem Körper oder Geist, aber auch Deiner Seele – weiterhin selbst zu sehr zu schaden, weil das, was Du Dir angewöhnt hast, zu einer unsinnigen Sucht geworden ist, die Dich auf Dauer krank machen kann, und im Grunde nur aus einer Trotzreaktion auf andere heraus entstanden ist oder eine Ersatzbefriedigung für etwas ganz Anderes ist, was Dein Körper, Dein Geist oder Deine Seele bräuchte.

Ich wünsche Dir viel Erfolg dabei, also immer wieder Ideen und genug Durchhaltevermögen! Denn es ist um ein vielfaches schwerer, sich von liebgewonnenen, unsinnigen Gewohnheiten zu trennen, als sich ein paar neue, sinnvollere – die das, was Dir lange Zeit gefehlt hat und Du wirklich brauchst, berücksichtigen – anzutrainieren!

P.s.: Es ist unsinnig, Dich – auch wenn Du längst wach bist – schlafend zu stellen, in der fortwährenden Hoffnung, dass Dich alle Menschen so behutsam wecken wollen wie einst Deine Mama, genauso wie gegen alle Menschen aufzubegehren, die den Eindruck machen, Dich nicht nur zu etwas verlocken, sondern dazu zwingen zu wollen, was Du selbst als schlecht empfindest. Finde Deine gesunde Mitte dazwischen; am besten unter Menschen, die sich nicht nur für ihre, sondern auch für Deine menschlichen Bedürfnisse interessieren und bereit sind, mit Dir darüber zu reden.

P.p.s.: Und sorge bitte – wenn Du Dich um ihr Wohl und ihre Gesundheit sorgst – dafür, dass sich vor allem unsere heutigen Jüngsten nicht allzu viel Unsinn angewöhnen – nur weil Du der Meinung bist, dass alle Menschen lernen müssen, damit zu leben, dass die eigenen Bedürfnisse in unserer Gesellschaft nun mal immer wieder hintanstehen müssen, wenn es um das Wohl der Allgemeinheit – wer auch immer das sein soll – geht.

 

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Dank für das Foto gebührt Amritanshu Sikdar (auf Unsplash)!

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