Wenn Du gerne viel und kosten-, aber achtlos (ver-)teilst und/oder konsumierst …

…, darfst Du Dich nicht wundern, wenn nicht alle immer begeistert von dem sind, was Du anzubieten hast

Als Kind habe ich gelernt, zu teilen, auch meine Gedanken.
Ich kann mich nicht erinnern, – aber das mag sehr subjektiv sein – dass er mir jemals besonders schwer gefallen wäre zu teilen, auch wenn ich anderen dabei nicht nur Freude machen konnte. Denn nicht alle Menschen wollen immer das Gleiche (wissen) oder dasselbe Stück von einem Kuchen abhaben.

Wenn Du allerdings einen Gedanken oder eine Idee geäußert hast, – etwas, was Dich beschäftigt – hast Du ihn bzw. sie verteilt, ohne dass ihn bzw. sie alle überhaupt haben, also hören wollten.
Ich hatte lange Zeit das Glück, dass ich immer bei irgendjemandem ziemlich alles loswerden konnte – notfalls schriftlich, in Tagebüchern und Briefen; denn aus der Ferne betrachtet, sieht jedes andere Leben für viele Menschen erst einmal interessant aus, so dass sie bereit sind, sich darüber auszutauschen.
Ich habe lange Zeit nicht gemerkt, wie absurd und weltfremd viele Menschen die Informationen fanden, die ich versucht habe, in der Welt zu verbreiten – über menschengemachte Naturkatastrophen und Krankheiten, Kriege und Hungersnöte, Umweltverschmutzung und -zerstörung, Tierversuche, Menschenrechte.
Ich habe mir viel zu lange von Menschen – die lieber nur die Informationen aus den öffentlichen Medien oder die von großen Zeitungen verbreitet wurden, konsumiert haben, ohne selbst weiter dazu zu recherchieren, Quellen zu überprüfen oder wenigstens zu hinterfragen  – einreden lassen, das ginge uns „NormalbürgerInnen“ gar nichts an, darum müssten sich PolitikerInnen, Gerichte, Kirchen oder große Hilfsorganisationen kümmern, die Menschen dazu auswählen, indem sie sie für ihre Arbeit bezahlen, also mit Spenden oder ihren Steuergeldern finanzieren.

Ich wunder mich heute nicht mehr, wieso viele Menschen so gut mit

  • menschengemachten Naturkatastrophen und Krankheiten, trotz der Fähigkeit der Menschen, miteinander zu reden und zu verhandeln,
  • Kriegen und – trotz Nahrungsmittelüberschusses – Hungersnöten,
  • immer noch mehr Umweltverschmutzung – zum Teil völlig irrsinnigen, wie medizinischen Alltagshygieneartikeln – und
  • Umweltzerstörung (für Bodenschätze oder neue Gebäude, obwohl gar nicht alle bereits verfügbaren nachhaltig genutzt werden);
  • grausamsten Tierversuche und sogar
  • völlig ungeniert propagierten und in aller Öffentlichkeit, mit staatlicher Finanzierung durchgeführten Menschenversuchen mit neuen Medikamenten und Impfstoffen, also Menschenrechtsverletzungen

leben können: Sie sagen einfach „Davon will ich lieber nichts wissen, das vertrage ich nicht so gut.“ oder „Das schlägt mir zu sehr auf den Magen.“

Allerdings meistens nicht so höflich wie jemand, der dankend ein Stück Kuchen ablehnt, weil er oder sie sich mal daran überfressen hat oder die Zutaten nicht verträgt, also mit körperlichen Symptomen oder einem schlechten Gewissen darauf reagiert.
Ich denke, beides gehört enger zusammen, als die meisten Menschen denken.

Wenn Du Dich selbst noch nie darum gekümmert hast, was in den verteilten Kuchenstücken und Häppchen, die Du immer dankbar – vielleicht auch nur aus Höflichkeit oder anderen zuliebe – angenommen hast, eigentlich drin war, – weil sie gar nicht so schlimm oder einfach zu schön aussahen oder sogar mehr oder weniger lecker geschmeckt haben – wundere Dich bitte nicht, wenn Du davon krank und dick oder einsam und unglücklich geworden bist.

Ich selbst teile gerne weiterhin fröhlich und gerne aus, ohne etwas als Gegenleistung zu erwarten oder Menschen böse zu sein, wenn sie etwas davon gar nicht haben wollen – weil ich nur teile, was ich notfalls, wenn andere es nicht haben wollen, selbst auch gerne konsumiere bzw. was ich selbst nicht mehr gebrauchen kann, aber für Menschen aufhebe, die vielleicht noch Verwendung dafür haben.
Ich sehe keinen Sinn darin, nur anderen zuliebe etwas Neues anzubieten, wofür ich selbst gar keine Verwendung habe, also unnötig Abfall oder etwas zu produzieren, wofür ich hinterher andere AbnehmerInnen suchen muss.

Ich frage lieber einmal zu wenig, ob ich etwas anbieten bzw. meine Informationen und Ideen teilen, also aussprechen darf, als

ständig wieder etwas für mich zurückbehalten zu müssen und – wenn alle erhofften AbnehmerInnen wieder weg sind – übrig zu haben;

mir etwas, was ich eigentlich gar nicht mag, am Ende noch ganz alleine reinzuwürgen, obwohl ich es hinterher am liebsten wieder auskotzen würde; oder

ein schlechtes Gewissen der Natur gegenüber mit mir herumtragen zu müssen, weil ich unnötig nicht nur meine, sondern auch ihre Ressourcen verbraucht habe.

Werde mich gleich mal ans Brot- und Kuchenbacken machen, weil wir später Besuch bekommen – zwar in erster Linie zum Informationsaustausch über Themen, die nicht alle Menschen sehr leicht verarbeiten können. Aber man kann das Unangenehme ja auch mit etwas Angenehmen verbinden, so dass sich im besten Fall alle hinterher besser, also nicht vollgefressen fühlen und erst einmal eine Verdauungspause im Liegen, einen Spaziergang zum Durchatmen oder einen Schnaps brauchen.

Ich freue mich, dass immer mehr Menschen dankend viele Dinge ablehnen, die ihnen jemand anbietet.
Ich würde mich aber noch mehr freuen, wenn sie dabei nichtentweder um anderen dabei nicht auf die Füße zu treten bzw. sie durch Ablehnung zu verletzen oder weil sie selbst ihre (Sehn-)Süchte und Abneigungen noch nie ehrlich hinterfragt haben und sich gut kennen – so viele ausweichende Antworten geben, also Ausreden erfinden, religiöse Gründe oder körperliche Beschwerden vorschieben würden, sondern ehrlich darüber reden und ihre Gedanken dazu teilen wollten.
Bei mir wirst Du immer auf offene Ohren stoßen und neben Wasser, Tee oder Kaffee, manchmal Saft, und meistens auch irgendetwas Selbstgemachtes, -gebackenes oder -gekochtes angeboten bekommen – denn bei uns gibt es wenige Lebensmittel, die fertig zum Verzehr im Schrank stehen oder Kühlschrank liegen. – Zumindest, wenn Du niemanden suchst, der bzw. die nicht einfach Deine Seele bestmöglich trösten möchte und sogar bereit ist, alles, was Du ihr vielleicht vor die Füße kotzt, hinterher ganz alleine aufzuwischen.
Geteiltes Leid ist nur halbes Leid, wenn auch alle Menschen erkennen, dass es nicht nur, weil es ihnen jetzt – tatsächlich oder nur scheinbar, weil die eigentliche Ursache ihres Leidens gar nicht behoben ist – besser oder gut geht, sonst niemand (mehr) unter ihnen und dem, was sie tun oder wie sie aussehen, selbst leidet.

 

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Dank für das Foto gebührt Leonard Reese (auf Unsplash)!

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