Du musst als Erwachsene/r nicht wie ein kleines Kind tun, was andere Dir sagen, …

nur weil Dir beim Meinungsaustausch die Gegenargumente ausgehen – aber es ist sinnvoller, immer genug zu haben

Im Leben ist es immer gut zu wissen, was Du selbst tust, nicht nur, was Du gerne tun würdest: Dir also genug unwiderlegbare Argumente dafür zu sammeln, die Du Menschen, die Dich zu etwas anderem bringen oder sogar zwingen wollen, entgegenhalten kannst – wenn Du nicht immer der/die Erste sein willst, der/die klein beigibt oder den Raum verlässt, um nicht Gefahr zu laufen, zu körperlicher Gewalt als Gegenwehr gegen bessere Argumente zu greifen.
Meiner Beobachtung nach sind es nicht die Menschen, die schnell lautstark werden und aggressiv auf andere wirken können, – weil sie feststellen mussten, dass ihr/e GesprächspartnerIn ihnen entweder nicht zuhört oder ihnen und ihrer Meinung kein Verständnis entgegen bringen kann oder möchte -, die auch körperliche Gewalt anwenden würden, um ihre Argumente verständlicher zu machen. Ich habe eher den Eindruck, es sind vor allem die Menschen schneller gewalttätig, die sich nicht gut nur mit Worten wehren oder sich schlecht Unterlegenheit eingestehen können.

Es ist für erwachsene Menschen mit Schulbildung nicht schön, wenn sie feststellen müssen, dass sie selbst gar keine guten Argumente für das haben, was sie warum und wofür in ihrem Leben eigentlich (gerade) tun, wenn sie also auch keine guten Gegenargumente – außer keine Zeit, keine Lust, keine Energie – haben, stattdessen etwas anderes zu tun; denn:

  • Zeit für etwas Neues würde jeder Mensch haben, sobald er/sie etwas Altes, für das es gar keine guten Argumente gibt, weglässt;
  • Lust (die Argumente anderer zu widerlegen) könnte man sich davon machen lassen, ihnen das Gegenteil zu beweisen oder gemeinsame Aktivitäten daraus zu entwerfen; und
  • Energie brauchen Menschen häufig nur für den ersten Schritt oder zur Überwindung des ersten Hindernisses – denn neue gewinnen sie durch Erfolgserlebnisse oder andere schöne Erfahrungen.

Sogar Streitgespräche, Diskussionen, können sich immer lohnen und sinnvoll investierte Zeit sein statt Dir nur Deine (Lebens-)Energie zu rauben; sie können Lust auf etwas Neues machen und die Argumente dafür liefern, sich weitere MitstreiterInnen – statt bereits vorher Gleichgesinnte – zu suchen.
Wenn Du natürlich gar nicht wissen willst, warum Dein Leben ist, wie es ist, und warum Du bist, wie du bist, kannst Du Dir die Zeit und Mühe sparen und stattdessen einfach noch mehr Spaß haben. Aber wundere Dich dann nicht, wenn es irgendwann darauf ankommt, Deine Meinung zu sagen, dass Deine Argumentationsweise – weil Du sie nie trainiert hast – sich anhört wie die eines Kleinkinds und Dich oder das, was Du tust, deshalb auch niemand mehr wirklich ernst nimmt.

Ich habe in meinem Leben lernen dürfen, dass man auch eher als Spaßvogel belächelt wird, wenn man fehlendes Interesse anderer bzw. ihre Gesprächs- und Diskussionsbegeisterung dadurch weckt, dass man als Frau selbst immer energischer und lauter wird und Menschen irgendwann anschreit, um das Ganze spannender zu machen und zu betonen, wie wichtig einem selbst ein Thema ist …
Nicht alle Menschen haben aber gegen dieselben Lautstärken geräuschunempfindliche Ohren, ihre Lauscher also darauf trainiert, dieselben Störgeräusche auszublenden, um sich auf bestimmte andere Frequenzen konzentrieren zu können; und nicht alle finden es noch lustig, wenn ihnen von etwas die Ohren weh tun. Es ist also – hinsichtlich der eigenen körperlichen Unversehrtheit – manchmal von Vorteil, wenn man als kleines, lustiges Kind wahrgenommen wird statt als ernsthafte „GegnerIn“, die einem mit ihren Argumenten das eigene Leben madig machen könnte.
Seitdem mir das bewusst ist, spare ich mir jedenfalls viel Zeit und Energie, an mir und meiner Meinung uninteressierten Menschen überhaupt noch Argumente dafür liefern zu wollen. Es fällt mir oft noch schwer, zu glauben, wie wenig Interesse andere bisher tatsächlich an mir hatten bzw. wie viel sie überhaupt nicht von mir wissen wollten … Ich habe mir sicherheitshalber trotzdem meine Argumentationsfreude beibehalten, um weiterhin nicht Gefahr zu laufen, etwas tun zu müssen, was ich gar nicht tun will – nur weil mir andere sagen, dass ich das tun soll.
Zusätzlich lege ich jetzt aber mehr Wert darauf, mich mit Menschen zu umgeben, die nicht nur gerne dieselben Dinge tun, sondern auch möglichst dieselben weglassen wie ich – einfach weil es gemeinsam natürlich viel mehr Spaß macht, Alternativen für das zu schaffen, worüber man mit anderen, die es vehement verteidigen, erst diskutieren müsste.

Na, trotzdem streitlustiger geworden?
Oder kannst Du es Dir nicht leisten, ein Streitgespräch mit Menschen anzufangen, von denen Du abhängig bist, weil Du Dich nicht selbst versorgen kannst oder finanziell übernommen hast? Dann wünsche ich Dir viel Erfolg beim Erwachsenwerden, also viel Mut, Dich aus Zwängen, gegen die Du keine Argumente anbringen darfst, zu befreien; viele neue Ideen für das, auf was Du nicht so leicht verzichten kannst, und Menschen, die Dich unterstützen, also lieben und nicht nur mit ihren Argumenten Rückendeckung geben.

Pass‘ einfach auf, dass Du in Deinem Leben nicht zu viel machst, was Du hinterher bereuen oder nicht wieder gutmachen könntest.

 

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Dank für das Foto gebührt Sebastian Herrmann (auf Unsplash)!

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