Unter die Erde bringen (lassen) …

… sich viele Menschen und Tiere heute nicht mehr friedlich, sondern während andere schweigend dabei zusehen, wie sie gewaltsam ins Grab befördert wurden

„Du bringst mich noch ins Grab!“ ist ein Ausspruch, an den ich mich aus meiner Kindheit noch erinnere und den ich damals für einen Spaß hielt – weil ich noch kein Verständnis dafür hatte, wie eng verbunden sich Menschen, aber auch Menschen und Tiere, fühlen können, so dass sie auch aus Angst und Sorge umeinander so krank werden können, dass sie dadurch sterben; wenn ihre Lebensfreude und ihr Lebenswille – ihre Lebenskräfte – nicht von anderen neu erweckt werden.
Es ist weder „Altersschwäche“ noch sind es schicksalhafte bzw. vererbte und unvermeidbare Krankheiten, an denen viele, vielleicht sogar die meisten Menschen, aber auch Tiere, die eng mit uns Menschen zusammenleben, sterben. Es sind Zivilisationserkrankungen, also eine Todesursache, die sich vermeiden ließe, wenn wir uns nicht weiter so zivilisiert benehmen (wollen) würden bzw. uns dazu von anderen nötigen lassen würden, denen wir sonst Kummer bereiten (könnten) – davon bin ich fest überzeugt.

Weder Menschen noch Tiere bereiten sich gegenseitig absichtlich Sorgen, sondern versuchen, friedlich und sorglos mit anderen zusammen zu leben und sich in erster Linie um ihre eigenen Bedürfnisse zu kümmern.
Mir hat schon immer Kummer bereitet, dass so viele Menschen dabei vergessen oder nicht wissen (wollen), also bewusst oder unbewusst ignorieren, wie viel Leid und Tod sie dadurch in die Welt bringen, dass sie

  • nicht auf die Bedürfnisse anderer Lebewesen achten;
  • keine Zusammenhänge sehen wollen zwischen ihrem bequemen Leben und verhungernden Kindern in Afrika;
  • dass sie keine Verbindung sehen zwischen dem Steak auf ihrem Teller und abgeholztem Regenwald oder industrieller Massentierhaltung und -schlachtung;
  • auch keinen Grund für „Notschlachtungen“ von Kälbern oder Kühen in ihrem Konsum von Butter, Joghurt, Sahne oder Käse bzw. für Kükenschreddern in ihrem Appetit auf Hühnereier; und
  • erst recht keinen zur Annahme, dass sie selbst für ihre Krankheiten bzw. deren Verlauf und dafür mitverantwortlich sind, wenn Menschen (oder Tiere), mit denen sie sich verbunden fühlen, krank werden oder sterben.

Ich habe mir über viele Jahrzehnte meine Lebensfreude und -kraft nicht davon nehmen zu lassen – wenn auch nicht ohne dass ich dabei Menschen ver- oder loslassen musste, die meine Sorgen nicht geteilt bzw. durch ihr eigenes Verhalten sogar noch bestärkt haben. Ich konnte immer wieder neue Kraft daraus schöpfen konnte, dass mir Menschen begegnet sind, die mir ihre eigenen Strategien vorgelebt haben, mit denen sie ihren Lebensmut behalten haben, oder die mich vor die Herausforderungen gestellt haben, verstehen zu wollen (denn ich bin immer noch neu- und wissbegierig!), wie sie aus etwas Kraft schöpfen können, was mir meine Kraft raubt bzw. rauben würde.

Nicht nur als Lebenswissenschaftlerin bin ich überzeugt, dass Schwäche oder Schwächeanfälle im Leben – also fehlender Mut, Lebensfreude oder Vertrauen in den Sinn des eigenen Lebens – sich nicht dadurch nachhaltig beheben lassen, dass sich Menschen durch autogenes Training dazu anleiten, sich rechtzeitig davon abzulenken oder sie bewusst zu ignorieren, oder durch andere mentale Techniken lernen, sie gelassener als unvermeidbar anzunehmen. So lassen sie sich höchstens aufschieben oder erträglicher machen, aber mit Sicherheit nicht in Luft auflösen. Genauso wenig werden Menschen sie durch Krafttraining oder -futter und strenge Disziplin, also Abhärtung gegenüber den Einflüssen, die uns Menschen schwach machen, los, wenn nicht gleichzeitig auch Ausdauer und Beweglichkeit sowie Achtsamkeit trainiert werden, die rechtzeitig in Alarmbereitschaft für Notfälle versetzt, für die Menschen – auch zusammen mit Tieren – ihre Notfallstrategien entwickeln können.

Es kostet Lebenskraft bzw. -mut, um neue/n zu gewinnen, und Menschen können versuchen, ihre Lebensfreude dadurch zu steigern, dass sie mit anderen oder über andere Menschen lachen, oder ihren Überlebenswillen, indem sie sich täglich vor neue Herausforderungen stellen. Aber es genügt nicht, sich nur auf eine dieser persönlichen, inneren Stärken zu konzentrieren, um lange gesund am Leben zu bleiben:
Am frühesten unter der Erde landen – zumindest ist das mein Eindruck – nicht unbedingt die, deren Körperkraft früh zu Ende geht, weil sie sie überstrapaziert haben, um möglichst lange am Leben zu bleiben; zumindest solange sie noch genug Lebensfreude und -willen in sich gespeichert haben oder fürsorgliche Menschen um sich, die ihnen einen Grund zum (Weier-)Leben oder zumindest Durchhalten geben.
Früh unter der Erde landen auch nicht die, deren Lebenswille sie so trotzig gegenüber dem Tod, genauso wie gegenüber den Menschen, die ihnen ihr Leben unnötig schwer gemacht haben, macht, dass sie es denen oder dem Leben, zu dem sie sich durch sie haben nötigen lassen, auf ihre Weise zurückzahlen wollen.
Früh – im Grunde freiwillig, weil ihre anderen Lebenskräfte Mut und Vertrauen sie verlassen – verabschieden sich oft die, die entweder keinen Sinn (mehr) darin sehen, anderen nur Kummer zu bereiten, oder die, die mit Gewalt versuchen, ihrem Leben einen Sinn zu geben, weil sie nicht sehen können oder wollen, welchen Sinn jedes Leben hat: etwas daraus zu lernen, mit Freude und ohne Zwang, also auf freiwilliger Basis.

Sobald die innere (Lebens-)Kraft oder die äußere Unterstützung fehlt, sich selbst noch dazu anzuspornen, auch den eigenen Körper täglich neu kennenzulernen und mit Freude fit zu halten, beschleunigt sich der körperliche Alterungsprozess; genauso wie der geistige bei – ich nenne sie hoffnungslos optimistische – Menschen, die denken, sie müssten nur ihren Körper maltraitieren, um trotz fehlender Lebensfreude so lange leben zu können, bis sie wieder die Chance bekommen, sich in ihrem Leben glücklich zu fühlen.
Menschen – vielleicht sogar unsere Tiere – die, weil sie die Verbindung von Körper, Geist und Seele nicht sehen oder bewusst ignorieren, wenn sie im Spiegel bzw. im Feedback durch andere entweder nur ihren Körper oder nur ihre Seele erkennen, schöpfen ihre (Lebens-)Kraft daraus , dass sie nur – einseitig – körperlich beweglich oder kräftig bleiben, während sie gleichzeitig geistig bzw. körperlich abbauen.

Ich denke, dass es mein Lernprozess ist, zu warten, bis ich ihnen vielleicht irgendwann dabei helfen kann, nicht unnötig weiter unter etwas zu leiden, was sich leicht vermeiden ließe, wenn sie ihren Fokus in ihrem Leben auf etwas anderes richten, ihren Horizont, ihr Bewusstsein, erweitern, und mehr tun würden, was ihr Herz – nicht ihr Bauch oder ihr Kopf – ihnen sagt; oder zu akzeptieren, dass ich ihnen gar nicht weiterhelfen kann – weil es gar nicht in meiner Macht oder meinem Zuständigkeitsbereich liegt.
Ich denke, meine inneren Kräfte – meine Wünsche, meine Hoffnungen, meine Überzeugungen – werden mir noch eine ganze Weile genug Kraft geben werden, um jeden Tag wieder mit neuem Lebensmut und -freude zu beginnen und möglichst auch dafür zu sorgen, dass weder meine körperliche Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer zu schnell abbauen, weil ich sie vernachlässige, noch mein Interesse daran, etwas Neues zu lernen und mich darauf zu konzentrieren, verliere.
Ich weiß nicht, wie lange ich es tatsächlich schaffen werde, alle Ideen in die Tat umzusetzen bzw. wie lange ich genug Rückzugsmöglichkeiten von dem und den Menschen haben werde, was bzw. die mir täglich Lebenskraft rauben, weil sie mich vor Herausforderungen stellen, die mich traurig, wütend oder fast wahnsinnig machen – entweder weil sie in meinen Augen völlig unsinnig sind und nicht nur unnötig für ein glückliches, gesundes Leben und ein friedliches Miteinander von Menschen – und Tieren und der Natur – sind, sondern es sogar verhindern: unser viel- und hochgepriesenes, modernes, bequemes, geordnetes, angeblich sicheres Leben bzw. die Menschen, die sogar unsere neuesten gesundheits- und gesellschaftsschädlichen, menschenfeindlichen Hygienemaßnahmen und politischen, rein ökonomisch statt ökologisch orientierten Great ResetZukunftsbestrebungen weiterhin vehement verteidigen oder zumindest nicht (mehr – weil sie viel zu sehr darin gefangen oder süchtig danach sind) bereit dazu sind, es so schnell wie möglich zu stoppen, also selbst möglichst aus allem auszusteigen, was sie zwar liebgewonnen haben, was sie oder ihre Liebsten aber (tot)krank macht oder schon gemacht hat, und Alternativen dazu zu schaffen.

Ich tue einfach mein Bestes, – auch wenn es mir schwer fällt, weil ich mich ihnen zu früheren Zeiten einmal eng verbunden gefühlt habe – mir nicht allzu viele Sorgen um sie zu machen. – Denn es gibt jetzt wichtigere Menschen in meinem Leben, mit denen ich mir eine lebenswerte, menschliche Zukunft, wieder mehr im Einklang mit der Natur und unseren echten, nicht den künstlich geschaffenen, Bedürfnissen oder Freiheiten und Rückzugsmöglichkeiten aus unserem Alltag vorstellen kann, die heute nur ersatzbefriedigt werden mit künstlichen, umwelt- und/oder gesundheitsschädlichen Produkten und Dienstleistungen.
Wenn Du selbst nicht Gefahr laufen willst, so zu enden, wie die Menschen, um die Du Dich aufopfernd kümmerst bzw. kümmern musst, weil sie es nicht mehr selbst tun können und niemanden außer Dir haben, der/die das übernehmen würde, dann such‘ Dir außerdem – zum Ausgleich – lebensfrohe Menschen, die Dir Mut machen und Dir freiwillig einen Teil ihrer Kraft abgeben – weil sie wissen, dass auch sie davon profitieren, wenn es Dir möglichst lange gut geht; Menschen, die noch kräftig und mutig genug sind, Widerstand zu leisten gegen andere, die Macht über das Leben, die Rechte und die Gesundheit anderer Menschen an sich zu reißen, und nicht so lebensmüde wie andere, die einfach alles mitmachen, was sie auch ganz schnell und unerwartet unter die Erde bringen könnte.

P.s.: Unser modernes, von Autoritäten bestimmtes und mit Gesetzen geregeltes Leben bereitet Menschen unnötig viel Kummer und unnatürliche Sorgen – vor allem um Geld oder gesellschaftlichen Abstieg oder Ächtung, so dass es viele früher unter die Erde bringt und damit (wieder) zu Staub macht als es eigentlich nötig und unter natürlicheren, freieren Bedingungen der Fall wäre. Das ist zumindest meine Überzeugung; und wer weiß: Vielleicht sehen das ja irgendwann noch mehr Menschen so, die bisher stillschweigend hingenommen und nicht dagegen unternommen haben, dass sich ein paar wenige vor allem um die Sorgen der Welt, um hohe Ziele wie die Globalisierung statt um die daraus entstehenden lokalen Probleme sowie die Todesursachen vor ihrer Nase kümmern: Stress, Ängste, Umweltgifte bzw. Vergiftungen und (Selbst-)Morde (durch Nötigung zu natur- und gesundheitsschädlichem oder gesellschafts- und sogar menschenverachtendem Verhalten). Wenn wir die Grundsätzlichen, die wichtigsten Dinge außer acht lassen, dürfen wir uns weder wundern, wenn wir uns irgendwann in Grund und Boden schämen oder eben genau da und früher landen, als wir uns gewünscht hätten.

P.p.s. Ich werde gleich noch in unserem Garten gehen und mal schauen, was noch in der Erde wächst bzw. wie ich das, was ich im Boden für das nächste Jahr so lebendig halten möchte, dass es dabei seine Widerstandskräfte trainieren kann, schützen kann, also so, dass ich nicht jedes Jahr wieder ganz neu damit anfangen muss, alles, was zu neuem Leben erwacht, zu verhätscheln, damit es bloß nicht krank wird oder vorzeitig stirbt. Das Leben ist hart und kein aufgehübschter Schaugarten. – Menschen, die seine natürliche Schönheit nicht (an)erkennen (wollen), dürfen sich nicht wundern, wenn sie davon – statt es bis an ihr Lebensende zu genießen – (alters-)schwach und krank werden.

 

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Dank für das Foto gebührt The New York Public Library (auf Unsplas)!

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