Der Naturfotograf, der sich nach Licht und Sonne sehnt, und die Naturforscherin, die sie lieber im Herzen mit sich herumträgt

Eine der Geschichten aus, in, mit oder fernab der Natur, die ich mir nicht ausgedacht habe – oder vielleicht doch?

Vor ein paar Jahren, es ist noch gar nicht allzu lange her, da begegneten sich zwei Menschen, deren Hoffnungen und Lebenserwartungen unterschiedlicher kaum sein konnten, während ihre Liebe zur Natur – in ihrer unberührten, ehrlich und umfassend dargestellten, „gesunden“ Form – und zum Hören von Musik – vor allem um sich davon trösten oder zu etwas Anderem, Neuem, Eigenständigem inspirieren zu lassen – verband und zueinander hinzog.

Sie hatte die Hoffnung nach einem einzigen, festen und stetigen Begleiter in ihrem Leben gerade erst aufgegeben in einer Welt, in der Menschen andere Erwartungen an das und ihr Leben zu haben schienen als sie selbst; in einer Welt voller Menschen, die die Liebe zur Natur – den Respekt vor ihr und das Verständnis für sie – (noch) nicht wie sie zu kennen oder sogar bewusst zu ignorieren schienen.
Sie wollte mit niemandem mehr zusammen leben, der ihre Liebe für Tiere, Pflanzen und natürliche Lebensräume; für ein möglichst naturnahes, auf Nachhaltigkeit, nicht auf schnelle Ergebnisse und Erfolge, ausgerichtetes Leben, zu dem für sie auch der bewusste Umgang mit dem Tod und Spiritualität gehören; der also ihre Liebe für ein Leben mit und möglichst viel in oder aus der Natur, egal zu welcher Jahres- oder Tageszeit nicht teilte.
Obwohl sie sich selten wirklich allein, sondern immer als ein Teil dieser Natur fühlte, – wie ein kleines Puzzlestück in einem großen Gesamtbild, dem großen Ganzen – hatte sie sich die Begegnung mit ihm im Grunde gewünscht, ohne daran zu glauben, dass dieser Wunsch jemals in Erfüllung gehen könnte. Sie hatte sich – trotzdem ihr bewusst war, dass ihr gemeinsamer Widerstand auch nicht erfolgversprechender sein würde als ihr eigener – einen Menschen gewünscht, der sich zusammen mit ihr notfalls auch gegen den Rest der Menschheit verschwören würde, wenn der geschlossen und ungehemmt mit der Zerstörung der Natur weitermachen wollte. Als er ihr dann also unerwartet das erste Mal entgegenkam … erkannte sie ihn noch nicht einmal sofort.

Er hatte sich an diesem Abend überreden lassen müssen, an den Ort der Begegnung zu fahren, und war selbst gar nicht auf der Suche nach einer neuen Lebenspartnerin, weil seine letzte – trotz ihrer Trennung – noch in seinem Haus lebte. Er glaubte allerdings (noch) daran, dass es weniger schmerzhaft sein und dass es glücklicher machen würde, wenn Menschen sich bemühten, gemeinsam, als festes Paar, durchs Leben zu gehen und miteinander zu leben, statt sich als Abend- oder sonstige BegleiterInnen das Leben möglichst nur zu versüßen, während alle Beteiligten im Grunde aber unabhängig voneinander blieben und möglichst getrennte Leben führten, um sich sicher zu sein, notfalls auch gut alleine weiterleben zu können. Und er war nach ihrer ersten Begegnung – nachdem er sie vermutlich lange beobachtet, ihr stundenlang zugehört (sie hatte wie immer viel zu erzählen, und sie fühlte sich in seiner Nähe genauso wohl wie sonst oft nur auf der Tanzfläche der Begegnungsstätte) und sie so genau wie möglich studiert hatte, bevor sie sich in den frühen Morgenstunden verabschiedeten – interessiert daran, sie möglichst bald wiederzusehen, vermutlich zu seiner eigenen Überraschung.

Gäbe es nicht die modernen, elektronischen Möglichkeiten der Recherche und Kommunikation, hätte es vermutlich länger gedauert, bis sie sich wieder begegnet wären (denn eine gemeinsame Freundin hatte gleichzeitig auch schon beschlossen, dafür zu sorgen). Aber so schafften sie es innerhalb von ein paar Tagen – sie waren beide MeisterInnen darin, alles dafür zu geben, um zu erreichen, was sie sich selbst in den Kopf gesetzt hatten – ihr Interesse aneinander schnell wachsen zu lassen bzw. sich der natürlichen Anziehung, die sie zueinander geführt hatte, zu ergeben.

Hier könnte man eine Kurzgeschichte schnell enden lassen, die wenig mit dem echten Leben zu tun hat, das einfach immer weiter geht und alle Beteiligten täglich vor neue Herausforderungen stellt, vor allem, wenn sie noch keine Lösung für Probleme parat haben, die sich unerwartet ergeben.
Wenn Menschen schon etwa 40 Jahre sehr unterschiedliche Lebenserfahrungen gesammelt, unterschiedliche Herangehensweisen an – eigenen oder gemeinsame – Probleme und sehr unterschiedliche Lösungswege für sich gefunden bzw. Erwartungen an andere daran Beteiligte und dafür Mit-Verantwortliche haben, kann es passieren, dass sie sich früher oder später wieder trennen.

So erging es, nachdem sie innerhalb von ein paar Wochen in sein Haus gezogen war, – natürlich nachdem die Ex-Freundin es verlassen hatte – weil sie zu dem Zeitpunkt gar keine eigene Wohnung, sondern nur einen Schlaf- und Wohnplatz bei einer Freundin hatte, und nachdem sie noch eine gemeinsame Fernreise nach Mittelamerika unternommen hatten, auch unseren beiden: Er bat sie, sein Haus wieder zu verlassen, nachdem sie es 6 Monate lang nicht geschafft hatte, all ihre Kartons auszupacken und sich dort einzurichten.

Wer es nicht gewohnt ist, zusammen mit anderen weitreichende, gemeinsame Entscheidungen zu treffen, schafft das auch nicht alleine, nur weil er oder sie auf einmal von anderen die Möglichkeit dazu bekommt.
Menschen, die sich nicht (mehr) darauf verlassen, dass ihre innere Sonne immer auch dort scheinen darf, wo sie sich gerade aufhalten, lassen sich gerne genügend Fluchtwege offen. Im Gegensatz zu anderen, denen lange genug eingeredet und anerzogen wurde, dass es gar keinen Ausweg gibt, und die heute denken, dass sie erst in die warme Sonne fliegen müssen, damit sie wieder mit ihr in Resonanz treten und ihre innere spüren können.

Jedenfalls folgten danach zwei Jahre, in denen sie sich weiterhin begegnen, sich sehen und beobachten, miteinander reden und sich zuhören wollten, sich spüren und in vieler Hinsicht ausprobieren wollten – denn sie sind beide, als echte NaturliebhaberInnen, die wissen oder noch spüren können, wann etwas natürlich und wann künstlich verändert ist, vielleicht offener oder anfälliger für natürliche Anziehungskräfte als viele Kultur- und Gesellschaftsgeschädigte. Vielleicht sind sie beide auch zusätzlich einfach experimentierfreudige NaturwissenschaftlerInnen.

Auf jeden Fall meistern sie mittlerweile ihr Leben wieder gemeinsam, vielleicht jeden Tag ein bisschen besser als zuvor, auch wenn sie – weil sie beide noch viel vom Leben und über die Natur, auch die der Menschen, lernen wollen – es sich nie einfach, aber spätestens nach kurzer Zeit zum Ausgleich auch wieder schön machen. Wie in der Natur herrscht bei ihnen nicht jeden Tag eitel Sonnenschein, aber nicht weil sie nicht wüssten, dass sie zusammengehören und jedem Gewitter und Schneesturm standhalten können, sondern weil sie nicht glücklich und zufrieden können in einer Welt von Menschen leben können, die sich verhalten, als gäbe es im Leben nichts wichtigeres als ein Konto voller Geld, mit dem sie sich das Leben, das sie führen wollen, leisten können, und die sie gerne davon abhalten würden, die Erde weiter zu zerstören – aus Unachtsamkeit, aus Informationsfaulheit, aus Bequemlichkeit, sich um sie zu kümmern.

Und bis sie einmal gestorben sind, haben sie sich gegenseitig versprochen, alles dafür zu tun, das heißt dafür zu sorgen, dass er irgendwann an dem sonnigen, warmen Plätzchen so mit ihr zusammen leben kann, wie er sich das wünscht, seit er denken kann – und sie, seitdem sie ihn kennt – und dass ihre Sonne auch im Winter nicht ganz aufhört zu scheinen, auch wenn viele Menschen behaupten, dass sie nur ein unbedeutendes, kleines Lichtchen und viel zu schwach wäre, um bei Kälte für Wärme sorgen zu können.
Es bleibt also eine spannende Geschichte – denn sich im Leben gegenseitig Versprechen zu geben ist einfach … Wenn man sie aber wirklich einhalten will, sollte man sie sich gemeinsam lange und genau überlegen, sich immer wieder gerne daran erinnern und möglichst jeden Tag neu darum bemühen.

 

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Dank für das Foto gebührt Sebastian Breidecker!

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