Aus einem Sumpf – aus (trauriger) Arbeit, (sinnlosem) Papierkram oder anderem, in dem Du feststeckst – kannst Du Dich nicht selbst befreien …

…, indem Du schweigend auf der Stelle trittst oder Dich alleine bzw. zusammen mit anderen, die mit Dir darin feststecken oder die Dich sogar dort hineingebracht haben, im Kreise drehst – egal ob im kleinen oder mal im größeren

Jeder erwachsene Mensch kennt das Gefühl festzustecken und alleine nicht mehr weiter zu können oder zu wissen.
Jedes Kind lässt sich schnell und immer wieder etwas Neues einfallen, um sich aus einer misslichen Lage zu befreien.
Aber Kinder kennen die Gefahren des Moores noch nicht:
Du darfst keine Energie unnötig damit verschwenden, nur halbherzig zu versuchen, Dich daraus zu befreien, weil Dich jede Bewegung tiefer sinken lässt.
Auch jedes Kind lernt also früher oder später, dass es nichts bringt, alleine gegen eine von stärkeren, mächtigeren, einflussreicheren Erwachsenen geschaffene Welt zu rebellieren, ohne sie verlassen zu müssen – wenn ihm bewusst wird, dass es trotz vieler unterschiedlicher Bemühungen noch genauso tief in ihr steckt oder sogar noch tiefer in ihr versunken bist, als es sich vorher jemals hätte vorstellen können.
Du kannst nur möglichst bewegungslos so lange warten (oder dabei um Hilfe rufen, wenn es Dir damit besser geht), bis Du sicher bist, dass Du es aus eigener Kraft schaffen kannst, daraus zu entkommen; bis Du sicher bist, dass Du auch ohne die (angeblichen) Sicherheiten, die Dir die bieten, denen gelegen kommt, dass Du Dich immer genau dort aufhältst, wo sie Dich gerne haben wollen, dafür zusammen mit denen, die, und dem, was Du liebst leben, glücklich weiter leben und nicht nur alleine überleben, kannst.

Ich bin froh, dass ich gelernt habe zu warten und durchzuhalten – ein bisschen von meinen Eltern, ein bisschen von vielen anderen Menschen, das meiste aus meiner Beschäftigung mit anderen Lebewesen, der Natur und der Biologie, mit dem menschlichen Verstand, mit Bewusstseinsentwicklung und Achtsamkeitsübungen.
Bisher habe ich nie die Möglichkeit gesehen, ein freies und selbstbestimmtes, selbstverantwortliches Leben mit selbstständiger Arbeit führen zu können, ohne dabei kaputt zu gehen – weil es innerhalb unserer bestehenden Systeme viel zu viele (bürokratische und gesetzliche) Vorgaben und Hindernisse für mich gibt.
Aber jetzt – da sich immer mehr Menschen in ihrem einst wohligen Moorbad nicht mehr sicher fühlen und nach Möglichkeiten suchen, daraus zu entkommen – sehe ich endlich auch, wie viele andere es bereits geschafft haben und nur darauf warten, dass alle anderen auch genug Kraft gesammelt haben, um ihnen zu folgen: in eine Welt, in der wir schon damit genug zu tun haben, uns um die wirklich wichtigen Dinge in unserem Leben und um die Menschen um uns herum zu kümmern, so dass gar keine Zeit für andere Arbeit bleibt, aber im Grunde auch gar keine für dumme Ideen, sinnlose Beschäftigungen oder Straftaten, die insbesondere von Menschen geplant und ausgeführt bzw. begangen werden, in deren Leben es in erster Linie um Geld(sorgen) geht.

Ich kann nicht wissen, ob wirklich funktioniert, was ich gerade aus aller Kraft versuche; ich kann nur darauf vertrauen, dass es das irgendwann tut, bevor ich es doch aufgeben muss. Und ich will dazu nur sagen: Setz‘ nie alles auf eine Karte, bevor Du nicht sicher bist, dass sie nicht bereits von anderen ausgespielt wurde!
Nimm‘ Dir, wenn Du Dir auch vorstellen kannst, dass es sich außerhalb des Sumpfes freier, besser und schöner leben lässt, genug Zeit zum Beobachten und Überlegen und Kräftebündeln. – Vielleicht hast Du dann – wenn Du Dir auch ganz sicher sein kannst, dass Du Dich hinterher nicht so alleingelassen wie vorher fühlen wirst – irgendwann genug Mut, Deinen eigenen Versuch zu starten?

Ich würde mich, zusammen mit vielen anderen, die den Anblick der gar nicht nur traurigen Schönheit des Moores lieber aus gebührendem Abstand oder auf trittsicheren Wegen genießen, freuen!

P.s.: Kleine Warnung: Solange Du denkst, Du würdest Dich nur in einem Hamsterrad befinden, aus dem Du relativ leicht und ganz alleine aussteigen könntest, wenn Du nur genug Geld oder keine Ansprüche mehr an das hättest, was Dein bisheriges Leben schön oder ausgemacht hat, ist es für mich absehbar, dass Du nur eine Stufe tiefer sinken wirst, wenn Du es schon auf einen Versuch ankommen lassen willst.

 

 

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Dank für das Foto gebührt Joyce G (auf Unsplash)!

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