Etwas nur „offiziell“ oder „(staatlich) geprüft“ und „vorschriftsmäßig“ tun oder verkünden zu wollen …

heißt in erster Linie, offiziell bekannt zu geben, dass man selbst unfähig ist, ohne diese Verlautbarung volle Verantwortung für das zu übernehmen, was man sagt oder tut – alse wenig Vertrauen in sich und andere besitzt und damit selbst auch wenig vertrauenswürdig ist.
Heute – nach fast 45 Jahren Lebensforschung – wundert mich nicht mehr, dass ich schon seit ich denken kann eine gesunde Skepsis gegenüber Bürokratie und BürokratInnen oder Anzug- und Krawattenträgerinnen hatte und mir Menschen lieber sind, die gerne auch unbürokratische Wege, auf gegenseitiger Vertrauensbasis, gehen.
Unter Unternehmerinnen, vor allem in den Managementpositionen, fernab der Kulisse der „offiziellen Bürokratie“, wo vorgegebene Regeln und Rituale zwar offiziell eingehalten werden, aber für persönliches Weiterkommen nur hinderlich sind, also eine Hand die andere wäscht, herrscht gerade mit Sicherheit noch mehr Vertrauen als unter Menschen, die sich bisher vertrauensvoll an ihren Arzt oder ihre Ärztin, ihren Apotheker oder ihre ApothekerIn, ihren Anwalt oder ihre Anwältin, ihre/n BürgermeisterIn oder ihre Familienmitglieder und FreundInnen gewandt haben…
Zu erwarten, dass sich jemand vertrauensvoll an Menschen wendet, die eine Maske im Gesicht tragen oder sogar von BesucherInnen verlangen, das zu tun, ist noch absurder – wenn auch mittlerweile fast genauso gesellschaftlich anerkannt – als an jemanden, der förmlich gekleidet ist.
Kleider machen aber bekanntlich immer noch Leute – aus Menschen, die gemachte oder angesehene Leute, also gar nicht sie selbst sein wollen.
Kein erwachsender Mensch würde sich sonst wie ein kleines Kind an Kleiderregeln halten, die DesignerInnen sich irgendwann einmal ausgedacht und ihre Fans willkürlich als passend festgelegt haben.

Mich machen Uniformen, genauso wie die Verlautbarung von Menschen, dass sie in offiziellem Auftrag unterwegs oder staatlich oder anders geprüft sind, vor allem skeptisch, skeptischer als je zuvor in meinem Leben.
Ich prüfe lieber selbst, wie fähig Menschen wirklich sind, mir bei dem zu helfen, wobei ich Hilfe brauche, oder wie unfähig, das zu verhindern, was ich – nach bestem Wissen und mit gutem Gewissen – tun möchte, nicht nur, weil es offiziell erlaubt oder vorgeschrieben bzw. verboten ist.

P.s.: Während es einst ein offizielles, sinnvolles Vermummungsverbot gab, um allen Menschen in ihr Gesicht schauen und ihre Mimik lesen zu können, haben sich Menschen, die heute einfach so neue Regeln aufstellen dürfen und offensichtlich Frauen nicht zutrauen, eigene Entscheidungen darüber treffen zu können, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht, auch schon ein Kopftuchverbot einfallen lassen. Ich bin neugierig, wie lange die Mehrheit der erwachsenen Menschen das noch weiter stillschweigend hinnimmt oder mitmacht: offiziell geltende – willkürliche oder auf übertriebenen oder auf Symbole projizierten Ängsten und scheinbaren Sicherheiten beruhende – Regeln befolgen, nicht nur für das, womit sie sich täglich (nicht) bekleiden soll, sondern sogar auch, was sie sich in den eigenen Körper einführen oder spritzen lassen soll. Ich hoffe wirklich – weil ich unter Konformitätszwängen und Uniformierten leide (die in erster Linie Befehle befolgen statt Menschen zu helfen) – dass sich immer mehr altgewordene „Rebellen“ erinnern, wie viel Spaß es in der Jugend gemacht hat, dagegen aufzustehen. Heute ist nicht nur – wie schon in meiner Jugend – ein längst überfälliger Zeitpunkt, sondern vielleicht sogar ein realistischer gekommen, um wirklich und dauerhaft etwas an ihnen zu ändern.

P.p.s.: Es ist keine Charakterstärke, sich ordentlich zu verhalten und an andere anzupassen, deren Regeln man für unsinnig oder sogar gewissenlos hält und deren Verhalten man verurteilt – das nennt sich Angst vor dem Alleinsein oder davor, im Stich gelassen zu werden, und versinnbildlicht als Ordnung getarnten Gruppenzwang.

P.p.p.s.: Was „staatlich geprüfte Qualität ist“ weiß ich, seitdem ich mich schon vor fast 30 Jahren mit Tierschutzfragen in der „Nahrungsmittelherstellung“ beschäftigt habe. Aber dass man sich am Besten auf kein amtliches Siegel verlassen sollte, solange man die Geprüften oder PrüferInnen nicht persönlich kennt und ihnen vertraut, das ist mir erst heute klar geworden. Das heißt auch für mich, dass es an der Zeit ist, neue Vertrauensarbeit zu leisten, also mehr Zeit und Energie in die Vertrauensbildung zu anderen Menschen zu investieren – weil ich keine Lust habe, mich weiterhin von guten oder schlechten SchauspielerInnen in ordentlicher oder gespielt informeller Kleidung betrügen zu lassen.

 

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Dank für das Foto gebührt Hunters Race (auf Unsplash)!

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