Moderne Cowboys und -girls oder GoldsucherInnen und IndianerInnen

Wenn Menschen dafür kämpfen, eine bequemeres Leben zu führen und reich(er) oder berühmt(er) zu werden, während sie natürliche Lebensgrundlagen zerstören und – statt abgehärtete Kerle oder tapfere Frauen zu bleiben – abwehrgeschwächte Weicheier oder hilfsbedürftige (Früh-)RentnerInnen werden

Ich war schon immer eher der IndianerInnen-Fan und fand Silber schon immer hübscher als Gold.

Mich hat es noch nie verlockt, viel Arbeit in etwas zu stecken, was mich reich und berühmt machen könnte, ohne dass ich auch echte Freude, nicht nur kurzzeitig Spaß daran habe. Mir macht nicht einmal die Vorstellung Spaß, mir Land oder Besitztümer anderer Menschen aneignen zu wollen und ihr Leben dabei zu zerstören, oder in lebendiger Erde zu buddeln und zu wissen, dass ich dabei nur totes Material suche und Schaden anrichte statt sie dafür zu nutzen, Lebensmittel wachsen oder Lebensräume in Ruhe zu lassen.

Für mich gibt es keine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten innerhalb von Ressourcen, die Zeit brauchen, um sich zu regenerieren – auch wenn sie viel länger verfügbar sind oder sich viel schneller regenerieren als schon viele Menschen vor mir es mit ihren Methoden vorausberechnet und propagiert haben oder immer noch tun, um ein Wild West-Feeling aufrecht zu erhalten. Mit neuen Redewendungen wie „Bitcoins schürfen“ lassen sich abenteuerlustige oder spielsüchtige Menschen mit großem Freiheitsdrang leicht in ein Boot locken, das ich persönlich für eine modernere Version desjenigen halte, mit dem der Marlboro Man untergegangen ist.
Wir werden sehen.

Ich werde mich weiterhin lieber an dem orientieren, was ich für Wissen für ein gesundes Leben mit der Natur, notfalls auch ohne (Land-)Besitz und Geld, halte.
Ich werde weiterhin versuchen, zuallererst meine natürliche Lebensgrundlage, also meine Gesundheit und all das, was die Natur mir sonst geschenkt hat und weiterhin täglich schenkt, zu bewahren.
Um alles weitere kann ich mich kümmern, wenn es an der Zeit ist – denn was nützen mir Besitz und Geld, wenn ich zu (alters-)krank und schwach oder ausgelaugt bin, selbst noch etwas damit anzufangen, oder die Natur so vergiftet oder zerstört ist, dass ich mich darin nicht mehr aufhalten möchte, bzw. so geschützt, dass ich sie nicht mehr betreten darf.
Du kannst von allem überzeugt sein, wovon Du überzeugt sein willst: Du kannst Dich wie ein harter Kerl aufführen oder wie einer Indianerin, die keine Schmerzen kennst, wie ein geschickter Goldschürfer oder eine wie eine ausdauernde Glücksjägerin – ich wünsche Dir dabei solange einen guten Schutzengel, bis Dir bewusst wird, warum Du Dich so verhältst, wie Du es tust, bis Du weißt, warum Deine Emotionen und Erfahrungen, selten Deine Vernunft, Deine Entscheidungen und Dein ganzes Leben beeinflussen.

Ich denke nicht, dass ich weiß, was noch kommen wird; aber ich weiß zumindest, warum alles so gekommen ist, wie es heute ist, und warum sich auch in Jahrhunderten trotz aller Weiterentwicklungen von Menschen im Prinzip noch nichts Grundlegendes – an ihrem Freiheits-, Spiele- oder Abenteuerdrang – verändert hat.

P.s.: Menschen, die Besitzansprüche auf etwas erheben, was allen gehören sollte; Menschen die glauben, sie hätten sich etwas verdient, nur weil sie hart dafür gearbeitet und/oder bereits dafür gezahlt haben, fehlt das Bewusstsein, dass wir alle die Welt auch mit allen anderen Menschen, Tieren, Pflanzen und anderen Lebewesen teilen müssen und dass wir immer erst um Erlaubnis fragen sollten – notfalls unser Gewissen – bevor wir uns mehr von etwas nehmen als uns zusteht, wenn es auf unserer Erde gerecht zugehen soll. Ich bin nicht hier, um irgendjemanden dazu anzuhalten oder zurechtzuweisen; ich hab‘ genug damit zu tun, das für mich selbst zu beurteilen. Ich habe aber das Gefühl, es musste mal „laut gesagt“, also formuliert werden, weil Du es, falls es vielleicht zu dem passt, was Dir eine leise innere Stimme – egal ob sie nach IndianerIn, Cowboy, -girl oder GoldsucherIn geklungen hat – auch schon mal eingeflüstert hat, als unbedeutende Geisterstimme abtun könntest, die „nur“ Deiner Fantasie entsprungen ist.

P.p.s.: Du kannst Dein eigenes Leben als Aneinanderreihung von kurzen Abenteuergeschichten und Glücksmomenten führen, von denen Menschen, die Dich kennen, irgendwann erzählen werden; oder Du kannst mithelfen, an einer zusammenhängenden Geschichte für zukünftige Generationen mitzuschreiben – als einsame/r HeldIn oder Bösewicht, guter Kumpel, liebende/r Partner/In oder Blutsbruder bzw. -schwester, blutrünstige/r RächerIn, reumütige/r RückkehrerIn in die eigene Familie etc. oder StatistIn in einer langen Story, die voraussichtlich beginnt mit „once upon a time“ bzw. „Es war einmal“.

P.p.p.s.: Das zu tun, wozu ihr Herz sie treibt, oder dahin zu gehen, wohin der Wind sie weht, sind völlig unterschiedliche Lebensstrategien für Menschen, die entweder verzweifelt die Liebe oder die Freiheit suchen. Ich wünsche Dir, dass Du Deine persönliche Balance dazwischen und die Menschen findest, die Dich genauso lieben wie Du sie und deren Freiheiten Du genauso akzeptieren kannst wie sie Deine – auch wenn dazu harte (Friedens-)Verhandlungen nötig sind.

 

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Dank für das Foto gebührt Taylor Brandon (auf Unsplash)!

 

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