Wenn Menschen sich angegriffen fühlen und ihnen keine schnelle, angemessene oder ausweichende Antwort darauf einfällt

Wie Gewaltfreiheit erreicht werden kann, ohne dass Menschen aufhören müssen, ihre Kräfte aneinander zu messen

Große Teile der Menschheit, die sich als anderen Säugetieren moralisch überlegen bezeichnet, führen immer noch unnötige Kämpfe, die immer wieder sinnlos Verletzte und Todesopfer fordern, oder erbitterte Kriege gegen andere Menschen, deren Verhalten oder sogar Worte sie als schlechter – minderwertiger – moralisieren. Darin sind sich diese Menschen, in meinen Augen bzw. Ohren MoralpredigerInnen, gleich: in ihrem Glauben, dass man nicht nur „die Bösenbekämpfen und über „das Bösesiegen müss(t)e, sondern dass man die auch noch daran erkennen könnte, dass sie „das Falsche“ sagen, also die „falschen Worte“ benutzen, und man selbst als der oder die Bessere für einen Sieg belohnt werden dürfe – selbst wenn sie gar nicht gelogen, also eine ehrliche Meinung, sind – damit es Frieden auf der Welt geben kann.

Ich als überzeugte Pazifistin, die sich aber nie abgewöhnt hat, ihre ehrliche Meinung auch so offensiv zu sagen, dass andere sie als Angriff werten können, versuche heute, solchen Menschen zurückhaltender – beschwichtigender – zu begegnen; denn es ist vielleicht sogar die Mehrheit der Menschen, die sich diese Meinung gebildet hat und sie fest in sich trägt – weil sie noch nicht ausreichend über die Möglichkeit nachgedacht hat, dass jedes ehrliche Wort und damit auch jeder Angriff subjektiv ist, also gleichzeitig richtig oder falsch sein kann. In einer Welt, in der die Mehrheitsmeinung herrscht, dass Gut und Böse getrennt wären und streng getrennt bleiben müssten, wird es weiterhin Konkurrenzkämpfe zwischen den Guten und den Bösen geben – während sich vermutlich jede Seite für besser, stärker, schöner oder körperlich schwächer, aber dafür moralisch stärker etc. als die andere hält.
Für mich ist es nicht unrealisierbar, Menschen so zu bilden, dass sie das nicht nur leicht einsehen, sondern auch mehr Verständnis für unsere menschliche Sprache entwickeln, also wortgewandter werden; sie dazu zu erziehen, sich Zeit zum Antworten zu nehmen bzw. sie anderen zu geben; ihnen zu erlauben, aus ihren Fehlversuchen zu lernen, sich also dafür zu entschuldigen und es noch einmal neu zu versuchen.
Aber ich weiß, dass es unrealistisch ist in einer Welt, deren Reichtum auf Konkurrenz- und Wettkämpfen beruht und in der Menschen, die nicht bereit sind, für etwas oder andere mit ihren Fäusten bzw. ihrem ganzen Körper oder Waffen zu kämpfen, als Weicheier oder Drückeberger bezeichnet werden.

Es wird aber gerade realistischer; in einer Zeiten, in der Menschen,

  • die lieber innere Kämpfe ausfechten als gegen andere die Faust zu erheben;
  • die lieber sich selbst dabei zerstören, ihrer natürlichen Wut auf andere Menschen, die uns alle im Leben begleitet, Herr zu werden, sie also zu unterdrücken;
  • die es nicht einmal wagen, mit Worten aggressiv zu werden, weil sie niemanden zum Kampf herausfordern wollen,

wütender werden, weil sie feststellen, dass ihnen andere, friedlich erscheinende Menschen, die behaupten, nur Gutes im Sinn zu haben, nicht die Wahrheit darüber gesagt haben, welche Kriege sie im Hintergrund führen, wie viel Zerstörung, Leid und Menschenleben – Böses – sie zu verantworten haben.

Ich hoffe sehr, dass wir bereits eine kritische Masse von Menschen erreicht haben, die nicht nur wissen, dass Krieg nie eine Lösung ist, sondern auch wissen, wie sie ihre eigene Gewaltbereitschaft unter Kontrolle halten und wie sie auch mit LügnerInnen oder SchwerverbrecherInnen fair umgeht: indem man sie möglichst frei reden lässt, also nicht in eine Ecke drängt, aus der sie vielleicht nie mehr herauskommen können (weil sie weder dazu ausgebildet wurden, ehrlich zu sprechen, bzw. gebildet genug dazu sind oder genug Selbstkontrolle und faire Unterstützung haben).

P.s.: „Sag‘ lieber Nichts als das Falsche.“ bzw. „Lüg‘ lieber als andere mit dem, was Du zu sagen hättest, zu verletzen.“ ist für mich das Falschste, was Menschen sagen (bzw. mit ihrem Schweigen ausdrücken) können – weil es von Angst zeugt. Angst mag wichtig sein, um in dieser Welt zu überleben; aber als eine gute Beraterin sollte sie meiner Meinung nach nicht betrachtet bzw. gehört werden.

P.p.s.: Wir sind alle als freie Menschen geboren worden und niemand kann in meinen Augen sein bzw. ihr Menschenrrecht auf körperliche Unversehrtheit und Freiheit, auf freie Meinungsäußerung, freie Berufs- oder Glaubensausübung verspielen; genauso wenig wie seine oder ihre Pflicht, Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen und sie bestmöglich zu erklären oder wiedergutzumachen, nicht nur mit entschuldigenden Worten, sondern vor allem mit ausgleichenden guten, liebevollen Taten, die die eigene Bereitschaft zeigen, zu einer zukünftig friedlichen Welt ohne Kämpfe um das eigene Recht oder Reichtum – in Form von Geld oder (Land-)Besitz und Macht – und damit für echte Gerechtigkeit, also die individuellen Menschenrechte jedes einzelnen Menschen (die dort aufhören, wo sie in die Freiheitsrechte anderer eingreifen), beizutragen, zeigen und den ausgeübten Schandtaten bzw. Verbrechen an den Rechten, die auch Menschen, die gerne mit anderen kämpfen, von Natur aus haben, einigermaßen gerecht werden.

P.p.p.s.: Allen testosteron- oder angstgesteuerten Männern und Frauen würde ich raten, sich klar zu machen, wie wenig erotisch und stattdessen eher erbärmlich und mitleiderweckend ein von äußeren oder inneren Kämpfen demolierter Körper wirkt und wie anziehend dagegen Menschen sind, die ein durchdachtes, auch langfristig sinnvolles, unblutiges, friedliches Trainingsprogramm betreiben, mit dem es jedem Menschen möglich ist, sich sowohl stark, gesund und beweglich, also ausdauernd fit, zu erhalten als auch sich selbst dabei noch zu mögen und schön zu fühlen.

 

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Dank für das Foto gebührt Johann Walter Bantz (auf Unsplash)!

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