Wie menschliches Versagen zu gesellschaftlichem Versagen führt

Von fehlender Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft oder sprachlichen Missverständnissen und Irrtümern

Die Menschen, die unsere Welt regieren sind in meinen Augen aus menschlicher Sicht VersagerInnen, die „schön“ demonstrieren, wie viele menschliche Schwächen sie selbst haben, die sie am Ende des Tages, der Woche oder des Monats alle anderen, die ihnen ihre Stimme gegeben, Regierungsmacht übertragen oder BeraterInnenrechte eingeräumt haben, für sich ausbaden lassen: Selbstüber- und andere Fehleinschätzungen sind an der Tagesordnung; getan wird vor allem Unsinn, der schnell Wirkung oder auf lange Sicht Ruhm und Ehre verspricht, und das, was wirklich getan werden müsste, weil es aktuell sinnvoll wäre und auf lange Sicht sogar jede Mehrheit für sinnvoll halten würde, weil alle davon profitieren könnten, wird ignoriert, also bewusst oder unbewusst übergangen, je nachdem, ob sich jemand, der oder die das Wort oder Sagen hat und die Regeln aufstellt oder Gesetze macht, für schlauer als andere hält oder genauso ignorant ist wie viele andere, denen es zu anstrengend ist, sich selbst schlauer zu machen.

Im Prinzip sind schon Menschen, die denken, PolitikerInnen oder GroßunternehmerInnen oder Geld könnten die Welt regieren, ohne dass alle damit einverstanden sind, Versagerinnen im Hinblick auf die Kenntnis von simplen Naturgesetzen: keine Minderheit und kein beschriebenes Papier könnte eine Mehrheit von Menschen regieren, die sich gegen der Herrschaft wehrt.
Keine Demokratie würde jemals zu einer Diktatur werden, wenn Menschen nicht darin versagen würden, die unmenschlichen Absichten ihrer Regierenden hinter ihrem als menschlich getarntem Gerede zu erkennen.
Totalitäre Herrschaften können sich nur in Gesellschaften etablieren, die aus (mit)menschlicher Sicht aus VersagerInnen besteht, die weder ihre Menschenrechte noch ihre eigenen menschlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten kennen und einfordern, um zu verhindern, dass sie von redegewandten PolitikerInnen mit Sprache oder von mächtigen Finanzieren mit Geld manipuliert werden statt in einer Gesellschaft aus freisprechenden und auch querdenkenden – ungesteuerten, unkontrollierten – Menschen leben zu dürfen, in der (Rede-)Freiheits- und Menschenrechte aller gewahrt bleiben (statt sie amtlichen Bekanntmachungen oder behördlichen Vorschriften o.ä. unterzuordnen).

Manche Menschen – mit wenig Durchsetzungsvermögen, aber guten Argumenten – können nur mit anderen reden, die ihnen von Anfang an auch zuhören wollen, sind also darauf angewiesen, dass andere ihnen Rederechte verschaffen;
andere wollen nur mit denen reden, die ihnen keine unangenehmen Fragen stellen, auf die sie (noch) keine Antwort haben, müssen also von ihren PR-BeraterInnen vor vielen Fragen geschützt werden.
In PolitikerInnenreihen, aber auch in unseren öffentlichen Medien, sehe oder höre ich wenige gesprächsbereite Menschen, die sich mit allen anderen austauschen bzw. alle offenen Fragen beantworten würden.
„Mit denen brauchen Sie gar nicht reden“, „Mit denen kann man einfach nicht reden“, „Die lassen einen ohnehin nicht zu Wort kommen“ oder „Die wollen immer nur das letzte Wort haben“ sind beliebte Ausreden, denen vor allem Menschen voll zustimmen, die selbst nicht mit allen anderen reden oder sich vor anderen zu allem äußern wollen bzw. denen irgendwann die Argumente ausgehen.
Gerade zeigt sich für mich besonders schön, wer unter DemokratInnen aufwachsen durfte; unter welchen Menschen, in welcher Familie echter Respekt, auch gegenüber anderen Meinungen, herrscht, so dass alle noch – gesundheitsbewusste Masken- und TestverweigererInnen, blind Obrigkeitshörige und sich solidarisch fühlende MaskenträgerInnen, Geimpfte und Umgeimpfte – friedlich miteinander über die Gründe ihres Tuns reden können, und wer sich nur mit anderen wohlfühlt, die alle das Gleiche tun oder Verständnis dafür haben, dass jemand nicht über die Gründe seines Tuns reden möchte.
Ich persönlich fand schon immer verdächtig, wenn Menschen über etwas nicht reden wollen, was sie ganz offensichtlich tun. Ich mag Geheimniskrämereien nicht.

Mittlerweile weiß ich wenigstens, dass Menschen oft gar nichts verbergen wollen, sondern einfach nur nicht wissen, warum sie das, was sie tun, eigentlich tun.
Deshalb stelle ich – wenn ich überzeugt bin, dass sie eigentlich niemandem mit dem, was sie tun, schaden wollen – gerne unangenehme Fragen …
Deshalb rede ich gerne über die Kollateralschäden unseres modernen gesellschaftlichen Lebens, über Wohlstandskrankheiten und andere Gesundheitsrisiken oder die mit unserem Konsum verbundene Naturzerstörung – weil ich weiß, dass Menschen gut darin sind, darin zu versagen, ihren Blick auf die unschönen Seiten unseres menschlichen Lebens zu richten, vor allem, wenn sie schon genug eigene Sorgen haben.

Meine größte Sorge ist, dass immer mehr Menschen

  • sich immer mehr den eigenen Mund verbieten lassen;
  • weiterhin dafür sorgen, dass schon kleine Kinder sich daran gewöhnen, Masken zu tragen und nur noch hinter vorgehaltener Hand zu sprechen;
  • nur noch Wert darauf legen, sich einfach nur miteinander zu unterhalten, ohne wirklich das zu sagen, was sie gerne sagen würden, oder das zu hören, was sie hören könnten – ohne also wirklich zu verstehen, was andere sagen, oder in dem Wissen, dass andere einen selbst vielleicht gar nicht verstehen können.

Allerdings weiß ich, dass ich im Grunde unbesorgt sein kann – weil Menschen immer irgendwann wieder neu zusammenfinden und sich gegen Unterdrückung wehren. Fragt sich nur, welche das noch sein werden – denn es sind schon viele – und wie lange es (noch) dauern wird, bis sie die Mehrheit hinter sich stehen haben. Mehrheiten haben noch nie dazu geneigt, sich klar zu positionieren; die Mehrheit der Menschen ist bewegungsfaul, daran wird sich so lange nichts ändern, bis sie darüber aufgeklärt wurden, wie wichtig es für uns Menschen ist – wenn wir gesund und beweglich bleiben, also all unsere inneren Organe gesund und beweglich halten oder ausreichend mit Blut und Nährstoffen versorgen bzw. immer auch so gut wie möglich entgiften wollen – uns täglich so viel wie möglich und nicht nur einseitig zu bewegen
Für mich als Lebenswissenschaftlerin ist es auf jeden Fall spannend zu beobachten, welche Menschen eine menschliche (Weiter-)Entwicklung hin zu mehr Beweglichkeit, menschlicher Stärke und menschlichem Wachstum zeigen, und welche nicht – weil sie sich entweder für zu alt oder zu jung, zu krank oder für nicht betroffen von den Auswirkungen gesellschaftlicher bzw. politischer Entscheidungen, für zu dumm oder viel zu schlau dafür halten -, wer also im Alter (noch) weise wird und wer einfach nur abbaut, weil er oder die eigenen, menschlich und/oder gesellschaftlich, besten Zeiten schon lange hinter sich hat.
Die Spiegel unserer Gesellschaft finden sich überall, auch in der eigenen Familie, Partnerschaft oder im eigenen Freundeskreis oder Badezimmer – zumindest für die, die nach ihnen suchen und sich trauen, in sie hineinzublicken.

P.s.: In jeder Gesellschaft können Kleider Leute machen, Menschen – mit Charakterstärke – jedoch nicht.

P.p.s.: Prinzipiell dienen alle Unterhaltungen – im Fernsehen, in Sitzungsräumen oder an den unterschiedlichsten Orten, an denen sich Menschen begegnen -, die von einer Seite willkürlich beendet werden (können), bevor sich alle daran Beteiligten verständlich machen konnten, das heißt moderierte Gespräche, an denen vor allem Menschen teilnehmen, die sich nicht an Gesprächsregeln halten (können, müssen oder wollen) und vor allem Themen gar nicht ausdiskutieren, sondern nur ihre Standpunkte klar machen, nur dazu, menschliches Versagen oder menschliche VersagerInnen gesellschaftlich vorzuführen. Sinnvoller – gesellschaftlich und menschlich – im Hinblick auf die Wahrung unserer Menschenwürde wären Begegnungsstätten, auch innerhalb der eigenen vier Wände – wenn diese mit anderen geteilt werden – , die niemand freiwillig wieder verlassen will, weil er oder sie sich nicht verstanden fühlt, in denen jede/r nicht nur mehrheitlich, sondern von allen anderen voll akzeptiert und als eigenständiges Wesen mit eigenen, speziellen Bedürfnissen und Vorstellungen vom Leben würdevoll geachtet, respektiert, wird.

 

————————————-

Dank für das Foto gebührt Ibrahim Boran (auf Unsplash)!

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.