Von Menschen, die keine echten Gefühle zeigen können oder wollen

Gesellschaftliche Normen, (Lebens-)Versicherungen und Ersatzteile

Wenn man andere nicht versteht, lächelt man.

Wenn man ein Geschenk bekommt, sagt man Dankeschön, auch wenn man es gar nicht gebrauchen kann und am liebsten zurückweisen würde.

Wenn etwas kaputt gegangen ist, repariert man es oder kauft es neu.

Wenn ein gehaltenes Tier stirbt, wird es von den meisten Menschen bald ersetzt.

Und wenn ein/e PartnerIn, eine Familie, FreundIn, ein/e Angestellte/r, … nicht so ist, wie man ihn oder sie sich gewünscht hat, findet man in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten bald neue.

Ich bin überzeugt, dass im Prinzip jede/r ein selbstständiges Individuum und für andere einzigartig sein oder etwas Einzigartiges tun oder haben möchte, ohne anderen dabei unangenehm aufzufallen, hält sich aber ordentlich an alle Vorgaben, die ein paar wenige Auffällige machen (dürfen oder wollen), und sieht selten die Einzigartigkeit in allen anderen, auch in allen Unscheinbaren, oder dem, was diese tun oder haben.
Es wird aber auch nicht leichter mit unserer Individualität in einer Welt, in der immer mehr Menschen das Gleiche zu tun und zu haben (wollen) scheinen… Oft ist das sogar so gut wie alles (weil viele Menschen so getrennt voneinander leben, dass das auch alles ist, was sie noch verbindet…)!

Ich frage mich oft, wenn ich mir Menschen anschaue: Weißt Du eigentlich (noch), wer Du bist und dass Du der oder die einzige bist, der oder die ist wie Du bist?
Weißt Du noch, wie einzigartig all die Menschen, die Beziehungen zu ihnen und viele der Dinge waren, die Du in Deinem Leben verloren hast oder die kaputt gegangen sind?
Aber da ich aus Erfahrung weiß, dass Menschen selten Fragen hören wollen, die sie nicht beantworten können, werde ich mich an eine der unausgesprochenen Normen (die aktuell vermehrt um sich greifen) halten und sie nicht laut aussprechen.

Ich kann Dir nur raten: Pass‘ auf, dass Du

  • weil Du nie gelernt hast zu weinen bzw. Dir (aus „falscher“ Scham) abgewöhnt oder es Dir von herzlosen (oder zu mitfühlenden) Menschen, die Dich immer von Deiner Trauer abgelenkt haben oder Dir weismachen wollten, es gäbe keinen Grund zu weinen, hast abgewöhnen lassen, oder
  • aus Solidarität zu anderen, die selbst nicht über Verluste trauern können oder wollen,

nicht noch mehr (Gefühls-)Verluste erleiden musst oder dabei etwas kaputt machst, was sich schwer ersetzen lässt…
Es gibt noch keine Versicherung für Menschlichkeit oder unser Menschsein.
Allerdings bin ich mir sicher, dass sie irgendwann kommen und virtuell, vor dem inneren Auge sichtbar, intuitiv erfassbar, sein wird: Eine (Versicherungs-)Nummer oder Einträge in grünen, gelben, roten oder blauen Pässen brauchen nur Menschen, die sich gegenseitig nicht vertrauen können, weil sie (noch) nicht (oder nicht mehr) an ihren Gesichtern, ihrer Mimik, Gestik und Körperhaltung, ablesen können, wer unter ihnen ehrlich alle Gefühle zeigt und wer nicht!
Alle anderen, die auch keine Angst (mehr – weil die Geschichte gar nicht mehr trauriger werden kann und ihr Ende absehbar ist) davor haben, ihre Gefühle zu zeigen, lernen gemeinsam aus ihren schmerzhaften Lebenserfahrungen.

P.s.: Viele Menschen trauern leider anderen, mit denen sie einseitig schöne Erinnerungen teilen, deren Hochs und Tiefs sie kaum oder gar nicht kennen, viel mehr nach, wenn diese am Ende ihres Lebens glücklich schienen (obwohl sie vielleicht tieftraurig waren und an ihrer unterdrückten Trauer zugrunde gegangen sind) als anderen, die offen aussprechen, was sie traurig (oder wütend) macht, so dass sie dadurch glücklich leben können. Ich vermute zwar, dass sie manchmal traurig darüber sind, dass nicht alle Menschen, die ihnen etwas bedeuten, ihnen noch zuhören möchten; aber das ist wiederum deren Entscheidung und gutes Recht – denn den Mund kann man sich verbieten lassen, wenn man das möchte, die Ohren aber schlecht.

 

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Dank für das Foto gebührt Andy Kelly (auf Unsplash)!

Du bist weder dazu geschaffen, auf Deinem Zahnfleisch zu kriechen, noch vor anderen zu Kreuze

Wir Menschen sind von Natur aus – auch wenn einige nur ihr sogenanntes Reptiliengehirn zum Leben brauchen oder nutzen – keine einzelgängerisch veranlagten Kriechtiere, sondern dazu gemacht, in engen sozialen Gruppen, also gemeinsam, aufrecht durchs Leben zu gehen; zumindest wenn wir dafür sorgen (können), dass sich unsere Muskeln, Sehnen und Knochen und unser Gehirn, das sie – auch im Hinblick auf unser menschliches Miteinander, auf unsere Empathiefähigkeit – steuert, so entwickeln, wie sie es von Natur aus könn(t)en, wenn sie niemand daran hindert. Allerdings werde nicht alle Menschen an einem Ort oder zu einem Zeitpunkt geboren, an bzw. zu dem ihr Körper (oder auch ihr Geist) alles bekommen kann, was er zu seiner Entwicklung braucht – im Gegensatz zu ihrer Seele, die immer genau das bekommt, was sie für ihre Weiterentwicklung braucht, weil sie mit allen anderen verbunden ist und gar nicht getrennt davon betrachtet werden oder ohne diese Verbindung(en) am Leben bleiben könnte.

So wie allen anderen Lebewesen liefert die Natur auch uns Menschen all das, was wir zu unserem Überleben, als Nahrung für Körper, Geist und Seele, brauchen, kostenlos – wir müssen es uns „nur“ zusammensuchen, also finden. Tauschmittel wie Geld brauchen wir nur, wenn wir etwas haben möchten, was andere bereits für sich beanspruchen, wenn wir also zum Beispiel von dem, was die Natur uns aktuell – saisonal und regional – bietet, nicht satt werden, wenn wir an Orten leben, an denen wir zum Überleben wärmende Kleidung brauchen, die wir uns nicht selbst herstellen können, usw.
Eigene oder neue Wohnräume brauchen wir nur, wenn wir sie nicht mit anderen teilen oder freistehende nutzen wollen.
Medikamente brauchen wir nur, wenn wir krank geworden sind.
Kontrolle brauchen wir nur, wenn wir uns selbst nicht kontrollieren können, und Hilfsmittel nur, wenn wir uns selbst nicht zu helfen wissen.
Das meiste in unserem modernen Leben brauchen Menschen nur, weil sie nicht wissen, was sie ohne „ihre Sachen“ den ganzen Tag tun soll(t)en, wie sie ohne sie überleben könn(t)en.

Statt also so, wie es die Natur für uns vorgesehen hat, durchs Leben zu gehen und uns nur zu bücken oder zu strecken bzw. andere um Hilfe zu bitten, wenn es überlebenswichtig ist, also nur das zu tun und für das zu sorgen, was wirklich lebensnotwendig ist; statt sich mit anderen Menschen zu organisieren, die auch genau das tun wollen, kriechen viele Menschen ihr Leben lang anderen hinterher, die mehr als sie selbst haben, oder haben es sich zur täglichen Lebensaufgabe gemacht, vor denen herumzukriechen, die ihnen versprechen, ihnen dafür das zu geben, was sie brauchen.
Ich finde erstaunlich, dass die Bibel – im Gegensatz zur Evolutionsgeschichte – mit einer Reptiliengeschichte beginnt…
Aber mit dem Bildnis einer Schlange können die meisten Menschen wahrscheinlich auch mehr anfangen als mit unsichtbaren Viren oder Bakterien und anderen mikroskopisch kleinen Erst-Lebewesen.

In der Vergangenheit wurde von unzähligen NaturforscherInnen bzw. LebenswissenschaftlerInnen, BiologInnen, Wissen angesammelt, das sich – im Gegensatz zu den Forschungsergebnissen moderner Bio-(Tech-)Wissenschaften oder den Weisheiten großer Religionen – in ökonomischer oder „sicherheitspolitischer“ Hinsicht schlecht nutzen lässt, so dass immer mehr davon zensiert …, ähm …, ich meine natürlich wegrationalisiert wird. Ich schätze mich glücklich, dass ich noch so viel davon mitbekommen habe, dass ich weiß, dass mein Gehirn noch vielfältige andere als nur die überlebensnotwendigen Funktionen hat.
Ich weiß, dass ich Erinnerungen – gute wie schlechte – nutzen kann, um etwas für meine Zukunft daraus zu lernen; ich weiß, dass es menschliche Verhaltensmuster gibt, die unbewusst ablaufen, so dass man – wenn man sie kennt – relativ leicht erkennen kann, wer bewusst handelt und wer dagegen nur im reinen Überlebensmodus, also nur mit Hilfe des Reptiliengehirns.
Ich weiß, dass Menschen immer irgendwann wieder zur Vernunft kommen, sich aus ihren Verstrickungen lösen und andere Wege und Gehirnwindungen nutzen müssen, wenn sie sich weiterentwickeln wollen – dafür sorgt die Evolution.
Und auch wenn sie meistens zu langsam für unser menschliches Auge und unsere Geduld abläuft, gibt es immer wieder Zeiten, in denen sich explosionsartig ganz viel Neues entwickelt; zu denen ein Evolutionssprung stattfindet oder uns allen einfach auffällt, dass er längst stattgefunden hat. Ich glaube schon lange, dass die Tage der Maschinenmenschen – Menschen, die die Rettung der Welt in (Bio-)Technologien und ihrer Weiterentwicklung sehen – schon lange gezählt sind, dass sie gerade nur beweisen, was sie alles nicht können im Vergleich zu den Menschen, die

  • ihr menschliches Bewusstsein,
  • ihre menschlichen Fähigkeiten und besonderen Eigenheiten,
  • ihre Hände und Füße oder Beine und Arme, ihre Augen, ihren Mund und ihre Ohren oder anderen Sinnesorgane,
  • ihren Bauch, ihr Herz und ihre anderen Muskeln und inneren Organe, alles zusammen, sinnvoll einzusetzen wissen, also
  • die Kontrolle über all ihre Gehirnteile haben und
  • nicht nur über ein paar vereinzelte davon, die dazu ziemlich veraltet sind.

P.s.: Vor anderen zu Kreuze kriechen und sich entschuldigen sollten sich aber vielleicht mal alle Menschen, die sich für besser halten als andere, für höhergestellt, für intelligenter, für gebildeter, gerechter, … Wir sind nicht alle gleich; aber auch nicht dazu gemacht, über unsere oder die Qualität(en) anderer zu entscheiden – denn die werden sich im Zusammenleben mit der Zeit von ganz alleine herausstellen. Wenn wir uns nicht weiter wie wilde Tiere aufführen und gegenseitig bekämpfen oder sogar töten wollen, ist es Zeit zu lernen, friedlich miteinander zu leben, auch mit anderen, die wir für gefährlich oder böse halten.

 

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Dank für das Foto gebührt Mathias Csader, der auch gut zu wissen scheint, wie Reptiliengehirne funktionieren!