Wie im Kleinen so im Großen – die großen Spiegelbilder unserer kleinbürgerlichen Gesellschaft – und andere Naturgesetze

Wie viel von „den anderen“ – gutmütigen Muttis, berechnenden Bankkaufleuten, hart durchgreifenden Chefs, sich Versprecher leisten könnenden MusterschülerInnen, „nur ihren Job“ ausführenden Lakaien, TierquälerInnen, UmweltverschmutzerInnen u.v.a. – steckt auch in Dir, Deinen FreundInnen und Familienmitgliedern?

Es sind nicht „die anderen“ – böse, dumme oder ungebildete, arme und faule oder schwache Menschen – die die alleinige Schuld an dem tragen, dass die Welt und unser Leben ist, wie es ist.
Andere Menschen halten uns immer nur den Spiegel dessen vor, was wir im Grunde gutheißen: was wir andere (mit uns) machen lassen, bis wir irgendwann laut STOP sagen oder – wenn wir zu feige sind, das laut auszusprechen – wenn wir nichts (mehr) dazu sagen, nicht (mehr) mit ihnen reden wollen, stattdessen also über uns ergehen lassen und – um uns zu ersparen, irgendwann wieder um Worte ringen zu müssen oder uns hilflos ausgeliefert zu fühlen – vermeiden, wieder in dieselbe oder eine ähnliche Situation zu kommen. Vermeidungsstrategien sind unter friedliebenden, sozialen Wesen verbreitet, zumindest so lange, bis ihnen irgendwann der Kragen platzt, weil andere Menschen zu viel mit ihnen machen, weil es „zu viel des Guten“ wird oder weil jetzt lange genug persönliche Grenzen überschritten wurden.
Dann gibt es entweder Krieg oder es werden Mauern aufgebaut.
Schau‘ Dich um in Deinem persönlichen Umfeld, in Deiner Nachbarschaft, in Deiner Stadt oder Gemeinde, in Deinem Land, in unserer Welt:

  • Wer redet lieber über andere Menschen statt mit ihnen oder über sich selbst und persönliche Erfahrungen statt über das, was in der Zeitung oder einem Buch stand oder in den Nachrichten gebracht wurde?
  • Wer beendet seine Reden mit „Da kann man nichts machen“, wer schweigt schon immer meistens, wer tönt schon immer besonders laut, ohne dass viel Inhalt dahinter versteckt ist, wem hat es die Sprache verschlagen und wer hat eigene Ideen, die er oder sie umsetzt, bei denen auch Du Dich leicht beteiligen könntest?
  • Wer ist offensichtlich (denk-)faul oder hat so wenig Selbstvertrauen, dass er oder sie lieber andere über das eigene Leben entscheiden lässt; und wer hat dabei viel höhere oder niedrigere Schmerzgrenzen als du selbst, an denen er oder sie laut STOP schreit?
  • Wer fühlt sich gerecht bezahlt für den eigenen Job oder gerecht behandelt von anderen und wer tut etwas gegen seine schlechte Bezahlung oder Behandlung?
  • Wer äußert sich öffentlich und stellt Fragen und wer lässt sich von anderen lieber Honig ums Maul schmieren, also vom Reden abhalten?
  • Wer ist einer Tyrannei entkommen und wer wählt TyrannInnen, verhilft ihnen also zur Macht?
  • Wer beschäftigt sich wirklich mit dem, was um ihn oder sie herum oder in der Welt los ist und wer kümmert sich statt um Politik lieber um eigene Angelegenheiten?
  • Wer vertraut (immer noch) blind dem, was uns andere – Eltern, Schulen, öffentliche Einrichtungen etc. – als umfassende Bildung verkaufen (bzw. seit jeher verkauft haben)?

Und wie viel von denen steckt in Dir?

Ich könnte jedes Mal heulen, wenn ich feststelle, dass ich es gar nicht schaffen kann, mich von all denen abzugrenzen, also fernzuhalten; dass ich mich gar nicht von so vielen Menschen fernhalten will, weil ich mich als soziales Wesen dann viel zu alleine fühlen würde auf dieser Welt; auch wenn ich die unberührte Natur, in der ich keine menschlichen Einflüsse erkennen kann, liebe und mich notfalls auch mit ihr begnügen und in ihr zurechtfinden würde.
Also mache ich mir jeden Tag wieder bewusst, dass große Veränderungen immer im Kleinen beginnen, dass sie sogar nur im Kleinen beginnen können, weil wir uns sonst jeden Tag mit ständigen Neuerungen herumschlagen müssten und keinen Moment mehr genießen könnten.
Aber uns zu lange einfach nur zurücklehnen, unachtsam oder in Gedanken versunken einfach nur andere machen lassen und hoffen, dass das, was sie uns vorleben oder vorschreiben schon richtig sei wird, das könnten wir uns wirklich irgendwann abgewöhnen… Es gibt in unserer Menschheitsgeschichte mehr als genug abschreckende Beispiele dafür, dass Menschen nicht rechtzeitig erkannt haben, was längst in vollem Gange war. Für unsere Zukunft könnten wir uns mit unserem Wissen wirklich bessere Strategien als die bisherigen – alte Systeme stürzen und nur ein paar Menschen neue Verträge abschließen lassen plus eine Erinnerungskultur schaffen – einfallen lassen, um es nicht (immer) wieder dazu kommen zu lassen.
Aber ich weiß, dass ich alleine – auch nicht als Säulenbeauftragte für Achtsamkeit für eine neue Partei (in der zwar viele noch denken, eine Mehrheit der Stimmen der Bevölkerung würde genügen, um dauerhaft demokratische Verhältnisse schaffen zu können, aber im Grunde ihres Herzens wissen, dass wir für Freiheit, Gerechtigkeit und ein friedliches Miteinander unter Menschen alle im Boot brauchen) – keinen Einfluss darauf habe, dass Menschen sich dazu bereit erklären, jeden Tag ihres Lebens miteinander darauf zu achten,

  • was um sie herum los ist,
  • wie es ihren PartnerInnen oder Familienangehörigen geht,
  • wer versucht, Einfluss auf ihre Entscheidungen zu nehmen,
  • wer sich für Frieden, Freiheit und Demokratie engagiert und
  • wer – aus persönlichem Interesse oder indem er oder sie einen „guten Job“ macht – für Streitigkeiten unter uns Menschen und für viele andere Dinge sorgt, die eigentlich niemand haben will.

Das kann jede/r nur selbst beeinflussen – während ich dabei möglichst still beobachten werde; denn Menschen, die man nicht persönlich und gut genug kennt, sollte man – wie schlafende Hunde – nicht zu „wecken“ versuchen und dabei vielleicht versehentlich so erschrecken, dass sie zubeißen – dass weiß ich als Biologin, die nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch Menschen mittlerweile schon über 4 Jahrzehnte studiert hat.
Wohin uns das Leben führen wird, wage ich nicht so öffentlich zu prophezeien wie andere ExpertInnen. Aber ich  kann vertrauensvoll sagen – weil ich es von der Natur gelernt habe und heute als „Spielregel des Lebens“ bezeichnen würde: Am Ende wird für die, die ihr Leben und die Natur lieben, alles gut! – Auch wenn es kein Ende für alle von uns zum gleichen Zeitpunkt geben kann.

P.s.: „Die anderen“ repräsentieren immer das, was wir an uns selbst nicht mögen, aber was wir selbst – als Mauern, Gebäude, Institutionen, Organisationen, Sicherheits- und Kontrollsysteme für unser Leben und unsere Gesundheit – um uns herum aufgebaut haben, um uns vor uns selbst zu beschützen und uns nicht täglich immer wieder neu organisieren und kontrollieren – uns also nicht ständig selbstverantwortlich um uns, unser Leben und unsere Gesundheit, unsere Lieben, unsere Jungen, unsere Alten und unsere Kranken, unser Sozialleben, unser Glück sorgen und kümmern – zu müssen. „Die anderen“ wird es im Außen so lange für uns geben; unter „den anderen“ werden wir so lange leiden, sie werden uns so lange Ärger bescheren, Angst machen, beherrschen oder auslachen, bis wir alle unsere innere Spaltung aufgehoben haben und uns selbst, unser Selbst, als kleinen Teil eines großen Ganzen, das vermutlich viel größer ist als wir uns alle vorstellen können, annehmen können.

 

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Dank für das Foto gebührt Mathias Csader, mit dem zusammen ich als Lebenswissenschaftlerin täglich im Kleinen üben darf, uns Menschen zu lieben, so wie wir von Natur aus gemacht sind, ohne etwas an uns oder einige von uns zu idealisieren oder zu verteufeln. Das widerstrebt ehrlichen WissenschaftlerInnen, auch wenn sie sich damit vieles leichter machen oder bei anderen Menschen Eindruck schinden oder Mitgefühl wecken können …

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