Lügen haben nicht nur kurze Beine

Und nicht alle LügnerInnen haben lange Nasen – aber vielfältige andere Eigenheiten

Wir Menschen kommen – vielleicht wie auch alle anderen Lebewesen – wahrheitsliebend und mit Vertrauen in andere – auf diese Welt, weil wir uns darauf verlassen müssen, dass andere uns nicht täuschen mit dem, was sie uns vorleben, also beibringen wollen.
Menschen fangen erst an zu lügen, wenn sie feststellen, dass sie damit, dass sie versuchen, ehrlich zu sein, in ihrem Leben nicht weiter kommen; dass sie dafür bestraft werden, dass sie ehrlich sind, nur weil sie Regeln übertreten haben, die andere über ihre Köpfe hinweg aufgestellt haben.
Ich bin überzeugt, dass die Lügengeschichte der Menschheit erst damit begonnen hat, dass sich schlaue Menschen überlegt haben, für andere unverständliche, nicht nachvollziehbare, willkürliche Regeln aufzustellen, die nur den Sinn ergeben, es denen, die sie aufgestellt haben, in ihrem Leben leichter zu machen: sich keine Zeit für Rückfragen nehmen, sich keine Antworten darauf merken zu müssen.
„Das ist (jetzt) eben so und lässt sich (auch) nicht ändern“ – auch wenn es niemand will oder erklären kann und Menschen nur aufhören müssten, es zu tun?
Ich ertrage es schlecht, wenn mir Menschen ins Gesicht lügen und es selbst nicht einmal zu bemerken scheinen.
Aber ich weiß heute, dass wir alle es immer mal wieder tun, um uns selbst zu schützen – vor dem, was wir noch nicht wissen (wollen), obwohl wir es wissen bzw. lernen könn(t)en. Ich bin überzeugt, dass die meisten von ihnen es irgendwann selbst merken werden – denn wir Menschen sind nicht zum Lügen geboren.
Es macht viele, ich vermute so gut wie alle, Menschen physisch krank, wenn sie andere dauerhaft belügen (müssen) oder sich von anderen belügen lassen – denn niemand wird ewig durch oder vor Lügen geschützt; aber wir alle sind in der Lage, sie zu erkennen; uns bewusst zu werden, dass wir belogen wurden oder uns selbst getäuscht haben. Ganz besonders erfolgreiche LügnerInnen, die es schaffen, sich selbst irgendwann nicht einmal mehr selbst im Spiegel zu erkennen, PsychopathInnen, verlieren sich in ihren eigenen Lügengeschichten und lassen meiner Meinung nach die Zahl der Demenzkranken in dieser Welt rapide ansteigen – wenn das keine Lüge ist; denn wenn es um Krankheiten und ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten geht, wird ja besonders viel gelogen.

P.s.: Es macht keinen Spaß, ehrlich zu sein, um Dich selbst vor den Auswirkungen des Lügens zu schützen; es kostet vielleicht Überwindung, wenn Du weißt, dass sich andere davon angegriffen oder verletzt fühlen, wenn Du ehrlich aussprichst, was Du denkst oder glaubst zu wissen; aber es ist gesünder als Dir einreden zu müssen, dass es besser ist oder war, zu schweigen oder lügen – denn am Ende profitiert niemand davon, wenn Du selbst dadurch krank wirst und Hilfe brauchst.

P.p.s.: Eine der vielleicht größten Lügen moderner, freiheitsliebender Menschen ist für mich die, dass sie lieber ganz alleine als zusammen mit anderen Menschen leben. Aber wenn man wie ich an Evolution, also daran glaubt, dass es keine Lüge ist, dass auch der soziale Mensch, Homo sapiens, mit der Zeit mutiert und sich in neue Arten aufspaltet, ist die Vorstellung nicht sehr abwegig, dass es irgendwann einen Homo solitarius geben wird, der einsam durch den Großstadtdschungel streift und dort ganz alleine für sich selbst sorgen kann, während sich andere Arten wieder in die freie Natur, in Wälder oder Steppengebiete – dorthin, wo sie einmal herkamen – zurückgezogen haben und wieder miteinander leben und arbeiten statt gegeneinander Konkurrenzkämpfe auszufechten.

P.p.p.s.: Sehr beliebt ist auch die Lüge von Menschen, die verlassen wurden, dass sie nur wegen eines oder einer anderen verlassen wurden und alles für ihre Beziehung getan hätten oder – wenn sie eine Chance dazu bekämen – alles dafür tun würden, um sie nicht mehr in die Brüche gehen zu lassen.

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Dank für das Foto gebührt Anita Jankovic (auf Unsplash)!

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