Anleitung zum Heile-Welt-Bauen oder -Basteln

Wie Du – zusammen mit anderen Menschen, Tieren, Pflanzen und/oder Dingen – eine heile Welt ganz für Dich alleine erschaffen kannst

Ich stelle häufig fest, wie anders ich die Welt wahrnehme als andere: In meiner Welt gibt es Leid, Tierquälerei, Menschenrechtsverletzungen und Sklaverei, Umweltzerstörung, Krankheiten, … für die wir alle mitverantwortlich sind – weil wir nichts davon verhindern.
In den Welten vieler, vielleicht der meisten, anderen gibt es Menschen, die Schuld daran sind, unvorhersehbare Naturkatastrophen, gegen die wir vorsorglich gar nichts tun können und sie selbst, die ihr Möglichstes gegen das Leid in der Welt, für Tier- oder Naturschutz, ein friedliches Miteinander oder Menschenrechte und ihre Gesundheit tun.

Als Lebensforscherin interessiert mich brennend, wie unsere unterschiedlichen Lebenswelten zustande kommen können; und ich bin mittlerweile überzeugt, dass ich einfach nur schlechter darin bin, das, was sich direkt vor meiner Nase abspielt, zu übersehen bzw. zu ignorieren, also selbst wenn ich es sehe, so zu tun, als wäre es gar nicht da, nur weil ich denke, ich könnte ohnehin nichts daran ändern. Ich will eben das verändern, womit ich mich nicht zufrieden geben kann: Ich kann nicht akzeptieren, also unkommentiert, stillschweigend, hinnehmen, wenn ich weiß, dass jemand wissentlich, absichtlich oder „nur“ für Geld, etwas tut oder in Kauf nimmt, was ich niemals tun oder in Kauf nehmen würde, wenn ich davon wüsste.

Heute weiß ich, dass ich einfach zu viel weiß, zu viel gelesen und erfahren oder intensiv recherchiert habe, was mir die Welt so, wie sie ist, und die Menschen so unwissend oder nicht wissen wollend, also ignorant, verständlich macht.
Ich verstehe, dass andere in ihrer heilen Welt leben und möglichst wenig von dem mitkriegen wollen, was ihre Welt angreifen oder zerstören könnte (auch wenn ich persönlich nachhaltiger und quer, also in größeren Zusammenhängen, denke und weiterhin lieber achtsam die Augen und Ohren offen halte bzw. mein natürliches Gespür dafür einsetze vorzusorgen, dass ich nicht irgendwann böse überrascht, eiskalt erwischt werde davon, dass ich nicht genug aufgepasst und mich nur auf die schönen Seiten meines Lebens konzentriert habe).

Deshalb möchte ich auch Dir die Möglichkeit geben, Dir Deine heile Welt zu basteln, vor allem, wenn Du ungern an morgen oder die Zukunft denkst, selbst wenn nicht alle Momente so schön sind, wie Du sie gerne hättest:

Lerne erst einmal – falls Deine (Berufs-)Welt noch keine heile ist, sich noch nicht vollständig anfühlt – etwas Neues, etwas G’scheit’s oder Nützliches, was Dich besonders interessiert oder was Dir leicht fällt, wobei Du kreativ werden kannst, nur für Dich alleine oder zusammen mit Menschen, die auch an einer heileren Welt basteln, dafür aber nicht auf so viel achten oder verzichten wollen, wie sie es in ihrem Alltag und anderen Menschen zuliebe ja ohnehin schon tun müssen, und die vor allem nicht mehr an Situationen erinnert werden wollen, als ihre Welt mal nicht so heil war und ihnen überhaupt keinen Spaß gemacht hat.

Suche Dir also vor allem Gleichgesinnte oder eine/n LebenspartnerIn, der bzw. die genauso harmoniebedürftig, tierlieb, gerechtigkeitsliebend oder auf Spaß aus ist wie Du, also all Deine Wertvorstellungen bereits teilt und gewaltfreie Kommunikation praktiziert, also keine Lust darauf hat, mit Dir zu streiten, d.h. unnötig lange über Themen nachzudenken oder zu diskutieren, bei denen Ihr wisst, oder zumindest ahnt, dass Ihr darin vermutlich nie einer Meinung sein werdet. Wundere Dich nicht über andere, die das anders sehen, die Reibepunkte mit anderen Menschen suchen, auch beim Frühstück schon tiefsinnige Gespräche führen wollen und Diskussionen lieben, frag‘ auch besser nicht nach ihren Beweggründen, sondern vermeide solche Menschen einfach bestmöglich, auch wenn sie zu Deiner Familie gehören. Lerne lieber zu akzeptieren (und bringe das auf jeden Fall auch allen anderen bei, mit denen Du Dich weiterhin gerne umgeben möchtest!), dass jeder Mensch seinen eigenen Kopf hat und niemand anderen einfach in das „reinreden“ darf, was er oder sie damit anstellt. Ignoriere z.B. dicke Menschen, auch wenn Du weißt, dass sie sich damit gesundheitliche Probleme einhandeln; tröste Menschen, die von ihren diagnostizierten oder eingebildeten Krankheiten oder denen ihrer Liebsten, von Beziehungsproblemen zu anderen Menschen oder von dem sprechen, was ihnen besonders schwer fällt und wo sie sich Hilfe holen; auch wenn Du weißt, was sie selbstständig dagegen hätten tun können oder immer noch tun könnten, wenn sie bereit wären, auf das zu verzichten, was ihre Krankheitssymptome oder anderen Probleme hervorruft, bzw. den Mangel oder Überfluss oder einseitigem Fokus in ihrem Leben, der zu ihrer Entstehung beigetragen hat, auszugleichen.

Bau‘ Dir zusammen mit ihm, ihr oder ihnen ein eigenes, heiles Zuhause, möglichst ganz neu, oder mach‘ – falls Ihr etwas Altes übernehmt – etwas völlig Neues daraus, baut also möglichst viel um, reißt möglichst viel heraus, um mehr persönlichen Freiraum zu haben oder das, was in Euren oder zumindest in Deinen Augen kaputt oder unvollständig und nicht schön war, neu, also schön oder heil, zu machen.

Sorge dafür, dass Dir immer jemand das Gefühl gibt, gebraucht zu werden, wenn Du sonst nichts mit Dir anzufangen weißt. Kriege also am Besten Kinder, um die Du Dich – vor allem wenn es Deine Eltern nicht für Dich getan haben – so lange wie möglich liebevoll kümmern kannst (auch wenn andere längst selbstständig sind), die Du trösten kannst, wenn andere über sie lästern (z.B. weil sie so bemuttert und versorgt werden, dass man es ihnen körperlich leicht ansehen kann). Andere sind ja nur neidisch auf Euer schönes Leben in Deiner heilen Welt.

Gebe am besten auch noch ein paar leidenden Tieren ein Zuhause in Deiner heilen Welt, die schon glücklich und zufrieden sind, wenn jemand sie füttert, streichelt und viel schlafen und in Ruhe lässt. Wenn sie überraschend doch einmal krank werden oder Hilfe bei der Körperpflege brauchen – weil Du ihnen natürlich nicht alles bieten oder auch in Deiner Wohnung erlauben kannst, was sie unter natürlichen Lebensbedingungen hätten bzw. tun würden, um sich selbst damit zu versorgen, suche Dir tierärztliche oder heilpraktische Hilfe – dafür ist sie ja da, und Du kannst bzw. musst Dich ja nicht um alles kümmern.

Wenn Du die Möglichkeit hast, lege Dir noch einen Garten zu, den Du besonders schön herrichtest, also so, dass er das Bild der heilen Welt auf keinen Fall stört, einerseits also auch vielen Wildtieren einen Lebensraum bietet, andererseits bewundernde Worte der Menschen hervorruft, für die sich die viele Arbeit dann auch lohnt, die Du bis zum Umfallen oder zur nächsten Migräneattacke, zumindest aber, bis sie Dir zu sehr in die Knie oder in den Rücken geht, hineingesteckt hast oder täglich immer wieder hineinstecken musst, weil eine heile Welt sich eben nicht von alleine erschafft.

Denk‘ auf jeden Fall auch daran, Dich genug zu entspannen – mit Schlaf oder autogenem Training oder anderen Methoden, mit denen Du in Deine heile Traumwelt eintauchen kannst; auf keinen Fall mit Achtsamkeitstraining, mit dem Du üben könntest, die Realität wahrzunehmen.

Falls Du schon älter und fortgeschritten, also besonders gut darin bist, zu ignorieren, dass andere, Dein/e PartnerIn, Kind/er oder Haustiere gerne mehr von Dir hätten oder andere Bedürfnisse haben als Du selbst – z.B. danach, zu erfahren, warum die eigene heile Welt an der Haus- oder Wohnungstür oder am Gartenzaun endet – (über die sie eigentlich gerne mit Dir reden würden und für deren Erfüllung sie Unterstützung bräuchten, obwohl Du ihnen doch schon jeden Wunsch von den Augen abgelesen hast und sie bestmöglich unterstützt), dann heile oder rette noch ein paar Wild- oder „Nutztiere“ – Insekten, Bienen, Vögel, Eichhörnchen, Kaninchen, (Lauf-)Enten, Hühner, … oder bei genug Zeit, Platz und Geld auch Rehe, Füchse, Marder, Waschbären, Schafe, Schweine, Kühe, Pferde, Luchse, Wölfe, …
Die Welt braucht keine Menschen, die versuchen, über Probleme zu reden, die ohnehin niemand lösen kann oder will, solange es genug andere gibt, die sich dafür engagieren, dass die, die wirklich etwas verändern und bewirken können, ihre Arbeit machen können, also genug Geld dafür haben.

Es gibt wirklich viel, was Du tun kannst – wenn Du gleichzeitig ignorieren kannst, dass Du damit die Welt kein bisschen heiler machst bzw. dazu beigetragen hast, dass wir uns die Probleme, die wir aktuell haben, selbst eingehandelt haben.
Schön, wenn Du gar keine hast!
Dann kannst Du Dir das Basteln oder zuerst einmal das Suchen oder Fragen nach geeignetem Bau- oder Bastelmaterial, also auch viel Zeitaufwand und Energie, sparen.

Mit mir würde Dir kreatives Arbeiten wahrscheinlich ohnehin wenig Spaß machen – weil ich an allem etwas zu bemängeln habe: dass wir aufpassen „müssen“, dass wir nicht zu schnell in die Höhe oder Breite bauen, aber auch nicht zu lange nur an einem Fundament oder einer Grundlage herumbasteln und vor allem nicht mehr planen, als wir an Zeit, Energie und anderen Ressourcen zur Verfügung haben, und dass wir nicht unnötigen Abfall dabei produzieren; dass wir beachten „sollten“, dass unser (Kunst-)Werk für niemanden langweilig wird, aber auch nicht zu aufwendig und kompliziert gestaltet ist, so dass sich manche nicht darin zurecht finden können; dass wir nicht davon ausgehen „dürfen“, dass es jemals fertig, vollständig – eine heile Welt – sein wird, es aber jeden Tag wert ist, weiter daran zu bauen, veraltete Teile abzureißen und ganz neue zu entwerfen oder Verbindungen, Brücken, entstehen zu lassen.
Meine Welt kann nicht heil, im Sinne von unverwundet oder nur schön sein; aber sie ist wundervoll – traurig-erschütternd und herzzerreißend schön.
In meiner Welt können Menschen erst aufhören, heftig miteinander zu streiten oder ewige Diskussionen zu führen, zu weinen, zu schreien, Hiebe auszuteilen oder immer wieder auf wunde Punkte zu zielen oder gegenseitig darin herumzustochern, bis das, was ihre Wunden irgendwann einmal verursacht hat – Misshandlung, körperliche Verletzungen, eine (geistige) Vergiftung oder ein seelisches Trauma, das sie dazu veranlasst hat, sich in die Einsamkeit ihrer heilen Welt zurückzuziehen oder sich innerhalb der heilen Welt der anderen verlassen und verloren zu fühlen – ans Tageslicht befördert wurde und alle Menschen verstanden haben, warum sie misshandelt oder verletzt wurden oder sich sogar selbst vergiftet haben und wie sie vermeiden können, genau dasselbe anderen anzutun.
Für mich wäre die Welt bereits in Ordnung, wenn mir mehr Menschen dabei helfen würden über all das zu reden, was einer heilen, einer gesünderen, schöneren, gerechteren Welt im Weg steht, z.B. darüber, dass wenn es kein menschlicher Verdienst ist, rücksichtslos etwas einzureißen oder auf- oder weiterzubauen, was kaum jemand, vielleicht niemand befürworten würde, wenn er oder sie wüsste, was alles damit verbunden war, ist oder sein wird – weil ich weiß, dass Menschen erst bereit sind, Dinge zu glauben, wenn sie ihnen nur oft genug vorgebetet werden.
Und dass Glaube Berge versetzen, also vielleicht sogar die Welt für alle Menschen heil, im Sinne von vollständig, machen kann, dass weiß ich aus persönlicher Erfahrung.

 

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Dank für das Foto und das Konstrukt gebührt Mathias Csader, mit dem ich jetzt täglich gemeinsam an einer heilen Welt bastle, mit der wir uns beide zufrieden geben können – weil wir uns am Ende des Tages einig sind, dass wir uns beide so viel Mühe dabei gegeben haben, wie wir konnten, auch wenn das für andere, Außenstehende, nicht so aussehen mag.