Gute Miene zum bösen Spiel

Oder von IllusionistInnen, die Albträume aus einem traumhaften Leben verbannen wollen

Jeder Menschen hat seine eigene Strategie, mit Grausamkeit, Ungerechtigkeit oder Lügen, Leid, Niederlagen und Verlusten – eigenen oder denen anderer Menschen – umzugehen, weil wir das alles von Natur aus schlecht ertragen können bzw. vermeiden möchten.
Statt mitzuhelfen, dass so wenig wie möglich davon immer und immer wieder geschieht, statt zu verhindern, dass Menschen – v.a. in Regierungen, Kirchen, Unternehmen, Vereinen oder Vereinigungen – davon profitieren und deshalb auch gezielt daran arbeiten, dass all das in der Welt bleibt, fügt sich die Mehrheit von Menschen allerdings in ein Schicksal, das ihr durch ständige Wiederholung eingeredet, vorgebetet, wurde und an das sie so fest glaubt, dass sie andere als LügnerInnen abtut oder als KetzerInnen verfolgt, die versuchen, ihr diesen (Aber-)Glauben zu nehmen.

Dabei sind wir die einzigen Lebewesen, die über ihre eigene Grausamkeit, Unrecht, Lügen etc. reflektieren könn(t)en, sie sich eingestehen und auch vor anderen offen und ehrlich zugeben, um Verzeihung bitten und Besserung geloben könn(t)en.
Dass die meisten Menschen dazu zu wenig Mut haben, haben sich andere zu Nutze gemacht, die heute Räume bieten, in denen Menschen gemeinsam so tun können, als könnten sie nichts gegen all das „Böse“ in der Welt tun, als müsse man sich dem fügen und dürfe deshalb oder müsste man sogar trotz allem einfach weiter feiern und Spaß haben.
Absurderweise ist es vor allem für westliche Menschen eher unverständlich, im Prinzip ein No-go, dass es in anderen Teilen der Welt Menschen gibt, die feiern, wenn andere verstorben sind – weil ihre Seelen jetzt frei (vom Leid im Leben) sind. Viele suhlen sich im eigenen Leid des Verlustes oder der Vergänglichkeit statt es nicht ganz so ernst zu nehmen, weil auch das vergänglich ist und automatisch irgendwann verschwindet.
Die Natur hat uns nicht dazu gemacht, ewig trauern oder leiden zu können: wir gewöhnen uns an alles, und merken selbst zuletzt, dass wir leiden. Auch viele tief depressive Menschen behaupten so lange, es ginge ihnen gut, bis andere so sehr unter ihren Depressionen leiden, dass sie sie dazu bringen, sich damit auseinanderzusetzen – indem sie sie im Stick lassen, so dass sie feststellen, dass sie alleine gar nicht gut klar kommen, oder ihnen Hilfe anbieten.

Den größten Fehler, den Menschen anderen antun können, ist es in meinen Augen, sie von ihrem Leid ablenken zu wollen. Nicht unbedingt die Kirchen- und SektenanhängerInnen, die damit ihr Geld verdienen oder Macht gewinnen, dass andere für ihre Sünden büßen und sich von ihnen reinwaschen wollen, sondern die Clowns und freundlichen Grimassenschneider dieser Erde, auch unter PolitikerInnen, ÄrztInnen, WissenschaftlerInnen, JournalistInnen, …, die so tun, als wäre alles bereits in bester Ordnung sind für mich die größten LügnerInnen und BetrügerInnen – zumindest wenn sie selbst bereits wissen, erfahren oder unter dem zu leiden haben, was andere Menschen tun, sich gegenseitig oder Unbeteiligten, Kindern, Hilfsbedürftigen, Tieren, der Natur oder ihnen selbst antun.
Alle anderen, vor allem die Jüngeren und Leichtgläubigen, die keine Ahnung davon haben, wie viel Unrecht und wie viele Gewalttätige, wie viele BetrügerInnen und LügnerInnen es in dieser Welt, auch in „ihren eigenen Reihen“ gibt, die behaupten, Menschen müssten menschliche Gewalttaten hinnehmen, damit es z.B. Frieden oder neue medizinische Erkenntnisse geben könne, die anderen Menschen zukünftig nützen würden, haben noch die Chance, erkennen vielleicht rechtzeitig – bevor sie sich selbst in Lug und Betrug verstricken -, dass es, wenn man nicht irgendwann sich selbst belügen will, besser ist, in erster Linie sich selbst zu vertrauen, dem eigenen Bauch, dem, was das eigene Herz sagt und dem, was im Kopf dazu passt, auch wenn man sich dazu erst noch Fragen beantworten (lassen), vielleicht etwas lesen oder anders recherchieren muss.

Es ist ein Trugschluss, Gewalt, Leid und Tod würden leichter erträglich werden, wenn wir sie ignorieren, oder schlimmer, wenn wir ihnen ins Gesicht schauen.
Umso öfters wir es tun, umso mehr können wir uns entweder daran gewöhnen (worunter wir allerdings selbst irgendwann leiden werden, weil es in unserer Natur liegt, unnötiges Leid und Gewalttaten zu verhindern) oder uns immer wieder dazu aufrufen, selbst etwas dagegen zu unternehmen, uns also nicht mehr auf die Versprechungen von LügnerInnen und LeugnerInnen verlassen.
Vielleicht können wir dann irgendwann alle mit einem ehrlichen Lächeln durchs Leben gehen oder sogar gemeinsame Erfolge feiern – weil wir wissen, dass wir wirklich alles getan haben, was wir hätten tun können, also nicht mehr anderen Glauben schenken müssen, die uns einreden oder in diverser (Schau-)Form, in der Kirche, in einer Arena, einem Stadion, Kino, im Fernsehen oder sonstwo, vormachen, sie würden/könnten das für uns tun?
Ich bin überzeugt, dass wir dann nicht nur alle gesünder wären, sondern die Erde auch ein Ort des glücklicheren Lebens – zumindest glücklicher als es für Menschen und alle, die unter unserer Alleinherrschaft leiden, schon sehr lange ist.

P.s.: Wenn Menschen allerdings nicht irgendwann aufhören, sich einzureden, dass sie sich selbst, ihren Körper oder ihre Seele nicht für Geld verkaufen oder für das, was sie besitzen, verkauft haben; wenn sie nicht damit aufhören, sich dem also verweigern, ergaunertes Geld an unverschuldet in Not Geratene weitergeben (statt es gewinnbringend investieren oder sich als Spendengeld aus einer mit Erpressungsgeldern aufgebauten Staatskasse zurückholen wollen) und sich stattdessen nur noch für Dinge oder Taten entlohnen lassen, die sie aus freien Stücken und gerne tun, glaube ich eher daran, dass sie irgendwann – um gar keine eigene Miene mehr zeigen zu müssen – nur noch mit vollständigen Gesichtsmasken zu sehen sein werden, weil dann ihre schlimmsten Abträume, die sie verheimlichen wollten, wahr geworden sind.

 

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Dank für das Foto gebührt Josh Applegate (auf Unsplash)!

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