Wo kämen wir denn hin …

… wenn alle Menschen tun oder lassen könnten, was sie auch gerne und freiwillig tun oder nicht wollen würden?

Ich habe den Eindruck, dass vor allem Menschen mit diesem oder ähnlichen Sprüchen Angst vor einem ausbrechenden Chaos in der Welt machen und auf die Alternativlosigkeit von festgeschriebenen Regeln und Gesetze hinweisen wollen, die

  • kein Vertrauen in das haben, was andere Menschen tun oder wenig Lust auf die Kommunikation und Diskussionen mit ihnen;
  • die sich selbst kaum unter Kontrolle halten können und feste Regeln oder Strafen brauchen, um anderen oder sich selbst nicht zu schaden;
  • glauben, dass es unnötige Zeitverschwendung ist, sich immer wieder über „dieselben“ Angelegenheiten auseinandersetzen zu müssen, wenn sie sich „einfach regeln“ ließen.

Sie lassen außer acht, dass Menschen auch verstehen müssen, warum sie etwas tun sollen, es also durch eigene Erfahrung, nicht durch Befolgen von Regeln und Vorgaben lernen müssen.

Sie lassen außer acht, dass sich „Zeiten ändern“ und viele Regeln irgendwann nicht mehr zeitgemäß sind.

Sie lassen außer acht, dass viele Regeln von Anfang an nicht dazu da waren, möglichst vielen Menschen zu nützen, sondern wenigen Vorteile zu verschaffen.

Sie lassen außer acht, dass immer nur einflussreiche Menschen, Menschen mit Geld und Macht, die es geschafft haben, sich öffentlich Gehör zu verschaffen, die Regeln aufstellen dürfen, an die sich alle anderen halten sollen.

Sie haben vielleicht noch nie daran gedacht, dass es viele andere Menschen gab und gibt, denen das Wohl aller Menschen viel mehr am Herzen lag oder noch liegt, die gar nicht öffentlich zu Wort kommen dürfen, weil das, was sie zu sagen haben, vielen (einfluss-)reichen Menschen nicht gefallen würde:

  • denen, die nichts von ihrem (Einfluss-)Reichtum an andere abgeben möchten;
  • denen, die Ruhm und Ehre ungern teilen, sondern vorzugsweise für sich alleine beanspruchen;
  • denen, die nichts von dem verlieren möchten, was sie nur haben, weil es anderen abgenommen wurde;
  • denen, die nicht verstehen (können oder wollen), dass Investitionen in die Zukunft nicht gleichzeitig erfolgreiche Ergebnisse und Geld einbringen können. Die wahren Reichtümer der Menschen sind schon immer immaterielle, die sich erst entfalten können, wenn unsere Grundbedürfnisse nach Licht, Luft, Wasser und anderer Nahrung oder Kleidung für unseren Körper, nach einem Platz zum Leben und nach Liebe und Nähe zu anderen Menschen oder nicht-menschlichen SozialpartnerInnen befriedigt sind. Wenn das Geldverdienen die Grundlage für die Erfüllung unserer menschliche Grundbedürfnisse ist, gehen menschliche Werte oder Gefühle sowie Kreativität mit der Zeit automatisch verloren (aber nur auf Geld können Steuern, Zinsen oder andere Abgaben erhoben werden, die Dritte für sich beanspruchen können).

Ich frage mich eher, wo wir hinkommen könnten, wenn alle Menschen frei und selbst entscheiden müssten, was sie tun oder lieber sein lassen wollen, nachdem sie ausführlich darüber informiert wurden, welche Folgen ihr Konsum- und anderes Verhalten, ihre Handlungen und ihr Lebensstil nicht nur für sie selbst, sondern auch für andere Menschen, Tiere, Pflanzen, Lebensräume, auf der ganzen Welt haben?

Ich frage mich, was passieren würde, wenn Menschen aufhören würden, andere dafür zu bezahlen, dass sie ihnen selbst mit Bürokratie das Leben schwer machen?

Ich frage mich, welches kreative Potential Menschen, die allein von Steuergeldern, Zinsen oder anderen Gelderträgen leben, entfalten würden, wenn sich Menschen weigern würden, ihnen weiterhin Steuern, Zinsen oder anderes Geld auszuzahlen?

Wo kämen wir möglicherweise hin, wenn alle Menschen ihr kreatives Potential nicht nur frei entwickeln dürften, sondern auch frei, öffentlich und laut immer wieder denen ihre Meinung sagen müssten, die ihnen Vorgaben machen wollen, an die sie sich halten sollen? Ich spreche in erster Linie von den Regierenden aller Länder und anderen global agierenden HerrscherInnen oder „Ehrenmännern und -frauen“, die sich längst ihren eigenen „kreativen“ Nachwuchs, Young Global Leaders, heranzüchten, damit sie selbst auch dahin kommen, wohin sie gerne möchten – auch wenn ihre Ziele wenig mit dem Wohl aller Menschen auf dieser Erde zu tun, aber viel mit dem Wohl derer zu tun hat, die selbst (einfluss-)reich und mächtig sein oder sich auf globaler Ebene verdient machen und verehrt werden wollen.

Wo kämen wir wohl hin, wenn wir alle aufhören würden, immer einfach so weiter zu machen, wie wir das unser Leben lang gemacht haben, weil uns die vor uns eingeredet haben, dass das der richtige Weg sei?

Wo kämen wir wohl hin, wenn wir uns selbst aussuchen würden und mitbestimmen könnten, wie wir zukünftig leben wollen?

Und wo kämen wir wohl alle gemeinsam hin, wenn sich nicht so viele Menschen damit beschäftigen (lassen) würden, alleine in fremde Länder zu entfliehen statt sich um viel wichtigere Dinge wie unsere Zukunft als Menschen auf der Erde zu kümmern?

 

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Dank für das Foto gebührt Ralph (Ravi) Kayden (auf Unsplash)!

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