Von kreativen bildgebenden Verfahren zu Gehirnwaschanlagen, -färbereien oder -lackierereien

Oder: Wenn auch bei den ordentlichsten (oder schlauesten) Saubermännern und -frauen der Lack oder die Gebäudefassade beginnt zu bröckeln

Vielleicht waren die ersten Bilder und Filme – auf Fotopapier, Leinwänden und später Bildschirmen abgebildeten Eindrücke von Menschen, Tieren oder fremden Welten und bekannten Dingen – einfach nur eine Form von Kunst oder Wissenschaft, die den Menschen dienen, sie unterhalten oder sie bilden sollte.
Für Menschen mit guter Beobachtungsgabe und Geschäftssinn muss schnell klar gewesen sein, welch leichtes Spiel sie mit Displays haben: nicht nur das, was sie in die Entwicklung ihrer bildgebenden Verfahren investieren mussten, ließ sich von begeisterten NutzerInnen als Entlohnung für den Zeit- und Materialaufwand zurückholen, sondern sogar Gewinne daraus erzielen – umso leichter, umso mehr Informationen sie mit Hilfe ihrer Bildtechniken (oft in Verbindung mit Geräuschen oder Texten, Tönen oder Melodien) sie gezielt in die Köpfe von Menschen transportieren konnten. Alles, was über unsere Augen in unserem Gehirn ankommt, wird dort gespeichert – auch wenn wir den Eindruck haben, dass Erklärungen dazu, der Text oder die Melodie „zu einem Ohr hinein- und zum anderen wieder hinaus“ gehen.
Viele Menschen denken vermutlich, wir alle würden in Worten denken; aber im Prinzip versuchen wir Menschen beim Denken nur in Worte zu fassen, was uns vorher in Form eines Bildes oder eines Gefühls bei der Betrachtung oder Erfahrung einer Situation begegnet, widerfahren, ist.

Wer sich schlecht in Worten ausdrücken kann, wer sich von anderen unverstanden fühlt, wählt – neben Melodien und Liedern mit Texten – häufig Bilder oder Filme, also Farben, Formen, Muster, Wiederholungen, Spiegelungen – vertonte oder stumm für sich selbst sprechend – um sich auszudrücken, sozusagen als Kommunikationsform.
Wer von Mitmenschen enttäuscht wurde, wer wenig oder kein Vertrauen in die Menschheit oder Welt hat, kann sich – und anderen mit ähnlichen Erfahrungen – mit Hilfe von Technik, vor allem mit bildgebenden Verfahren, künstliche Menschen und Welten nach eigenen Vorstellungen erschaffen.

Welche Langzeitfolgen ganz neue Erfindungen und vor allem unnatürliche, technische Entwicklungen in der Realität – für unsere Natur, unsere natürlichen Lebensräume in dieser Welt – haben, davor wird uns nie jemand warnen können.
Allerdings könnten wir heute – nach Jahrhunderten menschlicher Versuchen, Abbildungen der Wirklichkeit zu erschaffen – darüber wissen – oder zumindest spüren -, welchen Einfluss die verschiedensten DisplaysSpielunterbrecher, also im Grunde Werbung oder zumindest Ablenkung von dem, was sich eigentlich vor unseren Augen abspielt – auf uns haben: wenn wir uns mehr mit unserer menschlichen Vergangenheit auseinandergesetzt, anderen Menschen – nicht nur Geschäftsleuten, die mit dem, was sie tun und sagen, ihr Geld verdienen „müssen“ – mehr zugehört und zugeschaut oder unser eigenes Leben gelebt und uns immer mal wieder Gedanken darüber gemacht hätten, was andere uns mit ihren Bildern und Filmen glauben machen wollen.

Niemand müsste heute noch naiv auf das hereinfallen, womit uns Geschäftsmänner und -frauen ihre neuesten Produkte anpreisen. Kein erwachsener Mensch dürfte noch so naiv wie ein kleines Kind denken, er oder sie könnte das, was ihm oder ihr angeblich – ohne irgendwelche Nachteile, Risiken und Nebenwirkungen oder schwerwiegende Folgen zu haben – nur nutzen oder sogar helfen soll, allein mit Hilfe von Kontrollfunktionen unter Kontrolle oder sich blind auf die eingebauten (Kinder-)Sicherungen verlassen. Allen Menschen sollte meiner Meinung nach bewusst sein, wann sie sich in der echten Welt befinden und wann in einer, die andere Menschen für sie erschaffen haben.

Ich als Lebenswissenschaftlerin habe Vertrauen in unsere natürlichen Fähigkeiten, in all das, was wir von Natur aus zum Leben, nicht nur zum reinen Überleben, mitbekommen haben, bevor uns vieles davon abhanden kommt, weil wir es vergessen, uns unbewusst abgewöhnen, gezielt abtrainieren oder nie gelernt haben. Wer keine Bildung im Hinblick auch die Macht von – bewegten und bewegenden – Bildern erfährt, kann ein ‚Opfer der eigenen Augen werden.
Vielleicht kann ich Dich dazu inspirieren, heute oder im Laufe der Woche zu überprüfen, ob Du das, was Du mit Deinen Augen siehst, von dem unterscheiden kannst oder mit dem verwechselst, was durch die Augen anderer Menschen gesehen und – mittlerweile oftmals sogar personalisiert, je nachdem, wie viele Eindrücke Du bewusst und unbewusst von Dir und aus Deiner Welt zurücksendest – in Deine Welt projiziert wurde?
Glaub weder, dass Du Dich langweilen, noch dass Du ohne technologische Sicherheitsvorkehrungen und Informationen, die Dir auf einem Bildschirm präsentiert wird, dem nächsten Psychopathen zum Opfer fallen wirst, wenn Du Dich freier von den Bildern machst, die andere Dir tagtäglich ins Haus oder Smartphone liefern.
Und denk‘ dran, dass die Welt und andere Menschen schon ganz anders – fröhlicher oder gefährlicher – für Dich aussehen können, wenn Du sie nur durch einen Farbfilter betrachtest oder wenn eine Hintergrundmusik Dein Unterbewusstsein subtil in die gewünscht Denkrichtung lenkt.

Für mich hat die Bildtechnik ihren Zenit längst überschritten, für mich hat die Quantität der Bilder und Filme ihre Qualität längst zunichte gemacht – weil Bilder ohne menschliches Vorstellungsvermögen und Gefühle gar nicht funktionieren können, aber viele Menschen durch die fehlenden Erholungspausen – also Freiheit und Freizeiten von neuen oder immer wieder denselben Bildeindrücken – entweder fantasie- und gefühllos, leider oft auch denkfaul, depressiv oder aggressiv, geworden sind .
Pass‘ also bitte auf, dass auch wenn Dein Gehirn, Dein ganzer Körper – je nachdem wie alt Du bist – schon unzählige Male gewaschen wurde oder Du ihm immer wieder einen neuen Lack, Look, verpasst hast, dass Du dabei nicht vergisst, dass Du auch Gefühle und eine Seele hast, die Dich zum Menschen machen und Dich mit anderen Menschen verbinden können, deren Herz nicht völlig zugekleistert oder blank poliert ist.

P.s.: Wenn Du glaubst, Du könntest ohne Dein Smartphone, Deinen Computer oder Fernseher nicht überleben, weil Du Dich in Deinem Leben dann zu Tode langweiligen würdest; wenn Du befürchtest, Du könntest wahnsinnig werden ohne die Flucht in fremde Welten, die Dir andere zeigen, dann würde ich Dir vor allem empfehlen, mehr Zeit ganz mit Dir alleine zu verbringen und erst einmal Dich selbst wirklich kennenzulernen – ich bin sicher, dass Dir dann schnell auffällt, welcher (Bild-)Schirm Dir vor allem Deine Sicht versperrt oder welcher Filter Dir Deine freie Sicht auf unseren wunderschönen Planeten im Universum vernebelt, in dem es nicht nur um Leben und Tod geht, aber in dem es ohne den Tod aber irgendwann auch kein neues Leben mehr geben würde.

 

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Dank für das Foto gebührt Noah Buscher (auf Unsplash)!

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