Ein natürlich unverhülltes Gesicht sagt mehr als 1000 Worte

Menschen mit einem verhülltem Gesicht sagen wortlos, dass sie entweder nichts zu sagen oder etwas in ihrem Gesicht – unverwechselbare Erkennungsmerkmale, Schönheit(sfehler) oder ihre Gefühle – zu verbergen haben, also Versteckspiele mögen oder mitspielen müssen

Eigentlich ist es verständlich, dass ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung die aktuelle Maskenpflicht am liebsten dauerhaft beibehalten möchte: Man kann dahinter Fratzen schneiden, gähnen, auf Schminke oder drauf verzichten, „Schönheitsfehler“ kaschieren zu wollen und muss nicht darauf achten, unbeabsichtigt zu viele Gefühle preiszugeben. Mundnasenmasken sind die perfekte Alltagskleidung für Menschen, die am liebsten für sich sind und sich nicht mit den Gefühlen, der Mimik, ihrer Mitmenschen auseinandersetzen wollen.
Es kostet Zeit und Aufmerksamkeit, also Energie, Mimiken lesen zu lernen, und wahrscheinlich noch mehr, sich bestimmte – wie ein Pokerface – anzutrainieren.

Allerdings verliert sich, wenn man vorher fleißig geübt hat, mit dem Verlust der Mimik auch die Möglichkeit, sich völlig ohne Worte zu verstehen.
Demgegenüber steht der Vorteil, weniger leicht Opfer von Gesichtserkennungssoftwares zu werden …
In einer künstlichen, von Menschen mit ihren begrenzten, rein intellektuellen, Möglichkeiten geschaffenen Welt, müssen sich Menschen immer wieder Neues einfallen lassen, um technischen Überwachungsmöglichkeiten möglichst zu entgehen.
Technologien sind glücklicherweise – nur schlecht für die Menschen, die ihnen unschuldig zum Opfer fallen – immer nur so gut ist wie die Menschen, die sie entwickelt haben; ich persönlich glaube nicht daran, dass wir Gefahr laufen, dass KI oder Big Tech allmächtig werden – weil die nicht einmal wüssten, wie sie Strom gewinnen könnten, sollten ihre zur Stromerzeugung genutzen Technologien einmal über längere Zeit komplett ausfallen.
Ich verlasse mich lieber auf das, was meine eigenen Augen sehen, in Kombination mit dem, was ich gleichzeitig höre und fühle.
Ich glaub, ich liege damit öfters richtig, als es vielen Menschen lieb ist.
Ich bin ein Mensch, eine Frau, die ihr Gesicht völlig ungeschminkt, nicht einmal ständig frisch gewaschen, zeigen möchte, die frei durch ihre Nase atmen und ihren Mund sprechen möchte, und mir wäre am liebsten, wenn alle anderen Menschen das genauso gerne, genauso bereitwillig tun würden, auch wenn ich heute – mit ein paar Jahrzehnten Lebenserfahrung – viele der Gründe nachvollziehen und verstehen kann, aus denen Menschen ihr Gesicht verbergen wollen.

Ich weiß, dass ich nicht erwarten kann, dass allen anderen genauso wichtig ist wie mir, authentisch, natürlich, „wie Gott uns geschaffen hat“, sein zu dürfen.
Wenn aber eindeutig Gründe wie der Schutz vor Viren oder die Eindämmung ihrer Verbreitung vorgeschoben werden, um Menschen vom Tragen einer Mundnasenbedeckung zu überzeugen, dann weiß ich, dass genauso wenige Menschen Worte – von PolitikerInnen, diversen ExpertInnen, JournalistInnen, ÄrztInnen, … – verstehen wie deren Gesichter lesen könnten (weil Viren, die unser Körper loswerden möchte, viele andere Wege finden können, ihn zu verlassen).
Ich glaube, es liegt ein bisschen daran, dass es in unserer überwachten und abgesicherten Welt immer weniger Freiheiten und Überraschungsmomente gibt, in denen Menschen ihr echtes, natürliches Gesicht zeigen könn(t)en oder müss(t)en, weil es sich überraschend aufhellt oder sie es nicht schnell genug kontrollieren können.

Ich wünsche eine sonnige Woche, in der Dir alle Menschen mit demselben ehrlichen Gesicht begegnen, das Du bereit bist, ihnen zu zeigen.
Und ich hoffe, Du erlebst dabei keine allzu bösen Überraschungen.

 

——————————-

Dank für das Foto gebührt OSPAN ALI (auf Unsplash)!

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.