Die Entwürdigung des Menschlichen …

hat entweder mit Ehrfurcht, also Angst, vor unserer Natur oder mit deren Erniedrigung begonnen

Die Würde des Menschen ist heute, wenn sie es denn überhaupt je war, nur auf dem Papier unantastbar. Es reicht auch nicht, sie in Stein zu meißeln.
Unsere Menschheitsgeschichte ist voll von menschlichen Entwürdigungen einerseits und Vergötterungen, also Entmenschlichungen in entgegengesetzter Richtung, andererseits.
Aktuell soll uns unser natürliches Recht auf körperliche Unversehrtheit genommen werden – im Rahmen eines Infektionsschutzgesetzes, das allein Menschen dient, die Angst vor dem Kontakt mit Viren haben, gegen die ihr natürliches Immunsystem gut gewappnet wäre, wenn sie ein gesundes, naturverbundenes Leben führen würden.
WürdenträgerInnen, Menschen, die aktuell unsere Welt regieren, haben dafür gesorgt.

Menschen, die sich über andere Menschen erhaben fühlen, können (oder wollen) Menschen, die sich entwürdigt fühlen, selten verstehen: im Großen und Ganzen missachten sie deren natürliche Bedürfnisse daher – bewusst oder unbewusst.
Menschen, die sich entwürdigt fühlen, können ihre eigenen Bedürfnisse nicht (mehr) spüren – weil uns die Natur mit Selbstschutzmechanismen ausgestattet hat, um keinen dauerhaften – körperlichen oder psychischen – Schaden von entwürdigenden Situationen davonzutragen.
Von Natur aus verhalten sich Menschen nicht dauerhaft würdelos – andere demütigend und damit entwürdigend oder selbst entwürdigt und mutlos andererseits. Von Natur aus haben Menschen ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich so verhalten, und versuchen, sich zu entschuldigen.
Erst unsere Zivilisationen, das Wachstum der Bevölkerungszahl, die Unübersichtlichkeit unseres Gesellschaftssystems hat uns die Möglichkeit gegeben, keine Verantwortung mehr für entwürdigendes Verhalten übernehmen zu müssen; umso höher des sogenannte gesellschaftliche „Ansehen“ eines Menschen, umso unantastbarer ist er oder sie im Hinblick darauf, für ein unmenschliches Verhalten bestraft zu werden.
Die Unantastbarkeit der Würde der ärmsten oder ungebildetsten Menschen dieser Erde scheint sich umgekehrt proportional zur Unantastbarkeit unwürdigen Verhaltens der gesellschaftlich Angesehensten, reichen oder besonders schlauen Menschen zu verhalten.
In unserem modernen gesellschaftlichen Leben wurde vergessen, was menschliche Würde bedeutet: Freiheit und Eigenständigkeit, sich um sein Leben kümmern zu können, also lebensnotwendige Besitztümer zu haben, sowie empathisch als Mensch mit Bedürfnissen beachtet oder geachtet zu werden.

Schon Kinder werden in zivilisierten Gesellschaften entwürdigt – mit Freiheitsentzug oder anderen Strafen für Verhaltensweisen, die sie noch nicht lange lernen konnten.
Ich glaube, Entwürdigung hat viel mit Unwissen und Ungeduld bzw. fehlendem Vertrauen zu tun von Menschen, die denken, müssten alles vorher oder besser wissen.
Ich sehe, dass die Entwürdigung, ungerechtfertigte Abwertung oder Aufwertung der Menschen bzw. der menschlichen Werte eng mit dem Wert von Geld und Besitztümern zusammenhängt. In Ländern, in denen es nur wenige Menschen „geschafft“ haben, reich zu werden, also „gutes“ Geld zu verdienen, begegnen sich Menschen oft noch würdevoller, auf Augenhöhe (nicht zu verwechseln mit Ländern, in denen Menschen ihre Blicke senken vor anderen, die mehr haben als sie selbst).
Meine einzige Hoffnung, die uns unsere Menschenwürde dauerhaft sichern würde, ist dass Menschen sich unser natürliches Geburtsrecht, unsere Menschenwürde, nicht nur in Erinnerung rufen, sondern anfangen, sie jeden Tag neu einzufordern.

Es ist nicht entwürdigend, anderen die eigene Meinung zu sagen – das nenn man ehrliche Offenheit.
Entwürdigend sind herabwürdigend klingende Worte erst, wenn sie auch so gemeint sind – meiner Erfahrung nach sind sie meistens eher dazu gedacht aufzubauen; aber Missverständnisse gibt es ja viele zwischen Menschen, die denken, man könne die Welt nur aus einer Perspektive sehen, die gegenüberliegende müsse also auf jeden Fall eine falsche und das Gegenüber böse oder dumm sein, wenn man selbst nur Gutes will und sich gebildet und damit würdevoll fühlt.

P.s.: Es ist genauso menschlich entwürdigend – häufig unberechtigt oder willkürlich und gewissenlos herab- oder heraufwürdigend – für erbrachte Leistungen benotet zu werden wie andere für ihre Taten verurteilen zu dürfen, ohne dass Geschädigte und TäterInnen deswegen auch nur ein Wort darüber miteinander verlieren müssten. Über Dritte und andere Umwege können Menschen innerhalb größerer Gesellschaften häufig ihr schlechtes Gewissen umgehen oder sich von Menschen (oder anderen Lebewesen), die unter ihren Taten, unter ihrem Verhalten leiden, ihren Opfern, so weit fernhalten, dass sie nicht mehr erkennen können, dass sie auch für deren Leben verantwortlich sind.

P.p.s.: Menschen, die sich ihre eigenen Vergehen damit schön reden (können), dass sie sich damit rechtfertigen, es gäbe auf dieser Welt noch viel größere VerbrecherInnen, tragen nur dazu bei, dass immer mehr Straftaten, vor allem die, die Menschen ihrer unsichtbaren Würde berauben, ungestraft bleiben – obwohl im Prinzip alle Menschen wissen könnten, wer dafür verantwortlich ist und dafür zuerst zur Verantwortung gezogen werden könnte, indem er oder sie sich die eigene („verlorene“) Würde zurückholt, um danach die zur Verantwortung zu ziehen, die im Grunde einen Raubzug dagegen geführt haben.

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Dank für das Foto gebührt Dave Lowe (auf Unsplash)!